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1985

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Missionswissenschaft

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925

Theologische Literaturzeitung 110. Jahrgang 1985 Nr. 12

926

Und als kirchliche Sozialforschung in der fortwährenden Spannung
zwischen der allgemeinen Gesellschafts- und Rcligionstheorie und
den Informations- und Legitimationsbedürfnissen zeitgenössischer
kirchlicher Institutionen". (S. 223IT) Ob dabei allerdings „Transzendenz
" für die Theologie und die Soziologie jeweils dasselbe bedeuten,
wird offenbleiben müssen. Die Religionsphilosophie gewinnt damit
aber, um hier klären zu helfen, emeut eine wichtige Vermittlungsfunktion
und auch „klassische religionsphilosophische Entwürfe
(Hegel, Sendling, Schleiermacher) erhalten um der Sache willen
erhebliches Gewicht. Diese Konsequenz in Richtung Religionsphilosophie
drängt sich dem Rez. auf, sowohl von den sehr aussagestarken
Einzclbeiträgen, als auch vom Gesamteindruck her.

Leipzig Hans Moritz

Scharfe. Martin . Über die Distanz unterer Volksklassen zur offiziellen Religion
(BWKG 83/84, 1983/1984 S. 34-53).

Ökumenik: Missionswissenschaft

Miyata, Mitsuo: Mündigkeit und Solidarität. Christliche Verantwortung
in der heutigen japanischen Gesellschaft. Gütersloh:
Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn 1984. 191 S. 8' = Missions-
wissenschaftl. Forschungen, 17. Kart. DM 35,-.

Die Erkenntnis der Weltmissionskonferenz von Mexiko, daß sich
Partnerschaft der Kirchen nicht als Einbahnverkehr gestalten darf,
sondern immer ads wechselseitigem Geben und Empfangen besteht,
hat sich im Verhältnis von deutschen und japanischen Kirchen nicht
durchgesetzt. Wir sind noch immer die Gebenden. Der Reichtum
japanischer Theologie ist uns bisher verschlossen. Um so wichtiger ist
es, die wenigen Publikationen aus Japan zur Kenntnis zu nehmen.
..Mission in sechs Kontinenten" heißt für uns zuerst, daß wir uns aufs
Hören einstellen und bereit sind, von Kirchen zu lernen, die unter
anderen sozialen und religiösen Bedingungen ihr Kirchesein leben.
Miyata wendet sich in dem Aufsatzband nicht den Problemen zu, die
sich aus der multireligiösen Situation ergeben (damit unterscheidet er
sich wesentlich von Kitamori, Takizawa und Yagi), sondern die
sozialethischen Fragen stehen im Vordergrund. Der aufkommende
Nationalismus, wie er in der staatlichen Aufwertung des Yasukuni-
Schrcins, des zur Ehre der im 2. Weltkrieg für den (Gott-)Kaiscr und
das Vaterland gefallenen Soldaten errichteten Ahnenschreins im
Herzen Tokios, sichtbar wird, ist ihm zentral. Aber auch die Aufarbeitung
der jüngsten Geschichte beunruhigt ihn, denn in Schulbüchern
sollen bestimmte Seiten des japanischen Hegemoniestrebens und die
Behandlung der kolonisierten Koreaner ausgemerzt werden (58fT,
I45ff, 167fT). Wie echte Demokratie zu verstehen ist (29fT) und
Welchen Stellenwert die Menschenrechte haben (123ff), wird eindrücklich
dargestellt. Der Einfluß Bonhoeffcrs und dessen Rezeption
durch die Heidelberger Sozialethik (Tödt, W. Huber) kommt im
Buchtitel zum Ausdruck und ist vielfach zu spüren. Mündigsein
schließt nach Miyata - für japanische Christen durchaus ungewöhnlich
-auch Überlegungen zum zivilen Ungehorsam ein (I I31T). Dabei
kann er auf erfolgreiche Aktionen der Bauern auf Okinawa verweisen,
die die sich immer stärker ausbreitende Okkupation der Insel durch
die amerikanische Flotte zumindest stoppen konnten. Ihre Aktionsregeln
sind beachtenswert: I. „Wenn man mit dem amerikanischen
Heer sprechen will, muß man möglichst in großer Menge und mit
leeren Händen sitzen und reden. 2. Heb nicht deine Hände über die
ihren! 3. Verliere nie die Geduld! 4. Sage keine Lügen und Unwahrheiten
! 5. Rede liebevoll und vernünftig, als ob man Kleinkinder lehre
undanleite"(l 10).

Solidarität ist für Miyata der Begriff, der die internationale, ökumenische
Verpflichtung japanischer Christen umschreibt, und zwar
besonders im Blick auf ihr Verhalten gegenüber den Koreanern im
eigenen Land wie gegenüber denen in Korea. Tausende A-Bombcn

Geschädigte leben noch in Korea. Das Bewußtsein, die Verantwortung
für sie zu übernehmen, entwickelt sich im japanischen Volk nur
sehr langsam. Die Christen haben hier eine Pionierfunktion (es gibt
bemerkenswerte Vorbilder, wie die Aktionen der Gemeinde in
Kuwana). Solch ein Einsatz muß aber theologisch reflektiert werden,
wie denn überhaupt ein neues Bewußtsein für sozial-ethisches
Handeln in den japanischen Kirchen geweckt werden muß. Dem
dienen die in diesem Buch gesammelten Beiträge. Dabei ist sich der
Verfasser der Schwere der Aufgabe bewußt, da die traditionelle Religiosität
Japans trotz ethischer Zielsetzung letztlich nicht den Subjektcharakter
des Handelns kennt. An der „Subjektlosigkeit" der japanischen
Sprache kann das abgelesen werden. „In solch einer Kultur
kann ein Verantwortungsbewußtsein nur sehr schwer von selber
wachsen. Hier liegt sicher eine der wichtigsten Aufgaben christlicher
Mission" (113, A. 29).

Gegen den Zen-Buddhismus. der die Aufgabe der Persönlichkeit
fordert, indem er die Überwindung von Subjekt und Objekt zum Ziel
der Meditation macht, wendet sich Miyata vehement. Sozial verantwortbares
Handeln ist bei solchem Denken kaum zu entwickeln. Der
abendländischen Zen-Nostalgie teilt Miyata deswegen eine deutliche
Absage (I70IT, 183). Ob er damit dem Zen-Buddhismus und seinen
Denkstrukturen gerecht wird, müßte diskutiert werden. Ebenso meine
ich, kann man Endos Roman „Schweigen", dem er ein ausführliches
Kapitel widmet (17411), durchaus von dem evangelischen Prinzip der
Kondeszendenz Gottes her interpretieren (so meint es Endo selbst)
und muß nicht auf dessen Beitrag „Das Mütterliche" zurückgreifen,
wie es Miyata (und vor ihm Noro Yoshio, in: Gott in Japan. 1973,
201 f) tut. Endos Roman ist gerade nicht der Versuch, das Christentum
in den alles sich aufsaugenden „Sumpf" japanischer Religiosität zu
pflanzen, wo es dann seine Besonderheit und Eigenheit verliert,
sondern eröffnet im japanischen Milieu neue Perspektiven der
biblischen Botschaft von der Rechtfertigung des sündigen Frommen
und des frommen Sünders.

Miyata schreibt vor allem für europäische Leser. Wer sich auf das
Buch einläßt, erfährt eine wichtige ökumenische Horizonterweiterung
, die zum erneuten Nachdenken darüber führen kann, wie Kirche
mündig und mit der Welt und Umwelt solidarisch leben soll.

Leimen TheoSundermeier

Deutsch, Wilhelm Otto: Mission - Schuld und Verheißung. Plädoyer für
einen nicht-apologetischen Blick aut'die Mission unserer Väter (ZfM 11, 1985
S. 84-95).

Grünbold, Günter. Jesus in Indien. Das Ende einer Legende. München: Kösel
1985.152 S. 8 Kart. DM 24.80.

Janssen, Hermann: Solidarität, Lebenseinheit und Basisgemeinschaften in
Afrika (StZ 203, 1985 S. 465-476).

Ohnesorge, Burckhard: Kultur-und Evangclisation. Theologische Versuche
in der Evangelischen Kirche von Ostjava (ÖR 34. 1985 S. 42-54).

l ihon, Paul: Des Missions ä la Mission. La problcmatique missionnairc
depuis Vatican II (NRTh 107.1985 S. 520-536).

Die Mitarbeiterdicses Heftes:
Prof. Dr. Otto Bctz. Rappcnberghaldc 11. D-7400 Tübingen
Prof. D. Gerhard Delling. DDR-4020 Halle (Saale). Lafontainestr. 14. Martinstift
Prof. Dr. Hans-Joachim Dicsner. DDR-4020 Halle (Saale). Aug.-Bebcl-
Str. 69

Prof. Dr. Franz Georg Fricmel, DDR-5104 Stotternheim. Gocthcstr. 19

Dr. Roberto Garaventa. Facoltä di Lettere c Filosofia. Univcrsitä.

1-66100 Chieti
PfarrerGerhardGraf, DDR-7026 Leipzig. Plerdncrstr. 25
Prof. Dr. Christian Grcmmels. Brcslauer Str. 14. D-3501 Niestetal
Prof. Dr. Martin Grcschat. Schelmenstiege 21. D-4400 Münster Wcstf.
Lektor Dr. Peter Heidrich. DDR-2500 Rostock I. Adolf-Wilbrandt-Str. 9
Prof. Dr. Hans Hübner. Biblische Theologie. Fachber. Evang. Theologie.

Nikolausbergcr Weg 5b. D-3400 Göttingen
Prof. Dr. Günther Kchnschcrpcr. DDR-2200 Greifswald. Joh.-Stclling-

Str. 35