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1983

Kategorie:

Dogmen- und Theologiegeschichte

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Neuerscheinungen

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Theologische Literaturzeitung 108. Jahrgang 1983 Nr. 8

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sie auch durch eigene Beobachtungen zu bereichern. So äußert er z. B.
die Vermutung, daß Morus den Titel seiner „Utopia" im Anschluß an
eine Stelle im 9. Kap. von Piatons „Staat" gewählt hat (18). Entgegen
der landläufigen Meinung weist er auch auf die Bedeutung der Humanisten
für die Entwicklung der volkssprachlichen Prosa hin. Er ist der
Auffassung, daß Morus auch in dieser Hinsicht für England eine wichtige
Rolle gespielt hat (22). Der Beitrag von Maier - in glänzender
Diktion verfaßt, aber nicht ohne hagiographische Tendenz - bietet
eine Gesamtwürdigung des großen Gelehrten, Politikers und Märtyrers
. Von den weniger eindrucksvollen Bemühungen des Morus, z. B.
seiner nicht sehr erfolgreichen theologischen Schriftstellerei oder
seiner scharfen Ketzerpolemik, ist in dieser eindrucksvollen Skizze
nichts zu lesen.

S. B.

Moioli, Giovanni: Sul tema „Fede e linguaggi della fede" in Giovanni della
Croce. Ipotesi per la lettura (Teologia VII, 1982 S. 171-204).

Nowak, Kurt: Perspektiven von Luthers Menschenbild (Standpunkt 11, 1983
S. 90-93).

Scheffczyk, Leo: Die Frage nach der Hellenisierung des Christentums unter
modernem Problemaspekt (MThZ 33,1982 S. 195-205).

Schwager, Raymund: Unfehlbare Gnade gegen göttliche Erziehung. Die
Erlösungsproblematik in der pelagianischen Krise (ZKTh 104, 1982
S. 257-290).

Simonis, Walter: Anliegen und Grundgedanke der Gnadenlehre Augustins
(MThZ 34,1983 S. 1-21).

Sirch. Bernhard: O Gott, komm mir zu Hilfe. Das immerwährende Gebet bei
Johannes Cassianus. St. Ottilien: EOS Verlag 1983. 58 S. 8". Kart. DM 3,80.

Philosophie, Religionsphilosophie

King, Ursula: Towards a New Mysticism. Teilhard de Chardin and

Eastern Religions. London: Collins 1980,318 S. 8". Pp. £ 7.95.
Lyons, J. A.: The Cosmic Christ in Origen and Teilhard de Chardin.

A comparative Study. Oxford: Oxford University Press 1982. XI,
236 S. 8° = Oxford Theological Monographs. Lw. £ 13.50.

Es ist schade, daß dieses wichtige Buch nicht auf deutsch geschrieben
worden ist: die Autorin, eine deutsche katholische Theologin, hat
nach England geheiratet, von 1965 bis 1970 in Indien gelehrt und ist
jetzt Dozentin an der Universität Leeds. Ihr Theologiestudium in
Paris und ihre in Indien erworbene Kenntnis der östlichen Religionen
qualifizieren sie gleichermaßen für dieses Thema, über das es in der
reichen Teilhard-Literatur überraschenderweise bisher noch kein
Buch gibt.

Dabei drängt sich das Verhältnis Teilhards zu den östlichen Religionen
als Thema geradezu auf: Teilhard hat 23 Jahre lang, von
1923-1946, im Fernen Osten, hauptsächlich in China, gelebt, und auf
Reisen auch Indien, Indonesien, Burma und Japan besucht. In 14
Schriften hat er Fragen der östlichen Religionen mehr oder weniger
ausführlich behandelt. Das Problem der Entwicklung der Religion zu
neuen Formen schließlich war Teilhards Lebensthema, das Zentrum
seines Denkens. So war es dringend notwendig, daß - nach vielen
anderen Aspekten seines Werkes - auch dieses Thema einmal behandelt
wurde. Und da es keine entsprechende deutschsprachige Untersuchung
gibt, müssen wir für diese englische dankbar sein, zumal das
gut lesbar und leicht verständlich geschriebene Buch auch dem deutschen
Leser keine Schwierigkeiten macht.

Die vier Kapitel des ersten Teils „Einheit des Lebens und Denkens"
sind biographisch aufgebaut und begleiten Teilhard von seiner Jugend
bis in sein Alter auf seinen Begegnungen mit den fernöstlichen Ländern
und Religionen. Auf diese schriftstellerisch sehr geschickte
Weise wird auch derjenige Leser, dem Teilhard noch nicht vertraut
ist, mit seinem Leben und Denken bekanntgemacht, selbstverständlich
bereits unter dem Aspekt der östlichen Religionen. So vorbereitet,

fällt ihm die Lektüre des zweiten Teils, „Östliche und westliche Religionen
in einer konvergierenden Welt", leichter. Aber auch hier setzt
die Autorin keine Kenntnisse voraus, sondern zitiert viel und ausführlich
aus Teilhards veröffentlichten Schriften und auch - besonders
informativ - aus den unveröffentlichten Tagebüchern.

In den fünf Kapiteln des zweiten Teils führt die Verfasserin den
Leser - auch hier wieder weitgehend chronologisch geordnet - durch
das Denken Teilhards: von der „Suche nach Einheit: Vom monistischen
Pantheismus zum Mystizismus" (5) in Teilhards früher Zeit
über die „Zwei Wege zur Einheit: .östlicher' und .westlicher Weg'" (6)
bis zur „Konvergenz der Wege" (7), zur Vereinigung von „Religion
und Evolution" (8) und zu einem „neuen Mystizismus" (9).

Schon diese Kapitel-Überschriften verraten die offensichtliche
Tendenz der Verfasserin zu einer Konvergenz, einer Synthese der
westlichen und östlichen Religionen, zu einer harmonischen Begegnung
des Christentums mit den östlichen Religionen. Gegen diese Absicht
sträubt sich aber ihr Gegenstand energisch: Zwar ging es Teilhard
in der Tat um die Suche nach der Einheit und um den Weg zu
ihr, und er war fasziniert davon, daß er in den östlichen Religionen
dieses Streben nach der Einheit fand, das er im westlichen Christentum
vermißte. Aber die Wege zu dieser Einheit sind völlig entgegengesetzt
: das Eine entsteht, so schreibt Teilhard wiederholt, in der östlichen
Mystik durch die Leugnung und Unterdrückung des Vielen, für
ihn selbst aber aus der Konzentration des Vielen. Der „Einheit durch
Auflösung" stellt Teilhard die „Einheit durch Differenzierung"
gegenüber. Die Vereinigung verschmilzt nicht, im Gegenteil: sie personalisiert
. Und noch einen entscheidenden Gegensatz zwischen dem
„östlichen" und dem „westlichen Weg" sieht Teilhard, der ihm
besonders wichtig ist: „Für den echten Christen wird die Lösung des
mystischen Problems genau im Gegensatz zur .östlichen' Lösung
gesucht: die göttliche Einheit wird nicht durch Negation, sondern
durch Sublimation der Welt erhalten . .. Gott nicht in der Negation,
sondern in der Weiterführung der Welt!" (Wissenschaft und Christus,
S. 1470- Also nicht in der Passivität, sondern in der Aktivität äußert
sich nach Teilhard die wahre Religion, nicht im Erleiden, sondern im
Handeln.

Ursula King verschweigt diese eindeutigen Aussagen Teilhards
nicht, sie verfälscht keineswegs seine Auffassung über die Gegensätzlichkeit
der beiden Wege. Sie weicht vor der Widerspenstigkeit ihres
Gegenstandes lieber aus und wendet sich in den letzten beiden Kapiteln
anderen Fragen zu, die für Teilhard in der Tat zentraler sind als
die östlichen Religionen: der Evolution und Transformation der Religion
in ihrer gegenwärtigen Form hin zu einem „neuen Mystizismus".
Auch hier wird allerdings nicht deutlich genug, daß Teilhard keine
synthetische, synkretistische, allgemein religiöse Mystik jenseits der
geschichtlichen Religionen wollte, daß vielmehr sein Glaube und sein
evolutionäres Weltbild ganz entschieden an Christus orientiert
waren.

Der geradezu christozentrische Charakter von Teilhards Werk
wird nun in James A. Lyons' Buch über den kosmischen Christus
deutlich herausgearbeitet.

Der Titel dieser Oxforder Dissertation des bereits mit 45 Jahren
unmittelbar nach ihrer Vollendung gestorbenen australischen
Jesuiten bezeichnet präzis die drei Teile und drei Gegenstände des
Buches: Kosmischer Christus, Origenes und Teilhard de Chardin.
Aber Lyons untersucht nicht nur die Vorstellung des kosmischen
Christus bei Origenes, und er legt auch nicht nur die bisher beste Darstellung
von Teilhards Christologie vor: er stellt in seinem ersten Teil
auch „die Geschichte der Rede vom kosmischen Christus" dar, und
damit ist sein Buch auch für alle neutestamentlich und dogmatisch
Interessierten wichtig, denen es weder um Origenes noch um Teilhard
geht.

Lyons bietet m. E. die erste zusammenfassende Darstellung des Begriffs
und der Konzeption eines „kosmischen Christus". Er berücksichtigt
dabei die deutsch-, französisch- und englischsprachige Theo-