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Ausgabe:

1983

Spalte:

251-257

Kategorie:

Allgemeines

Titel/Untertitel:

Verifikationen 1983

Rezensent:

Fritzsche, Hans-Georg

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Theologische Literaturzeitung 108. Jahrgang 1983 Nr. 4

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zugleich als vernünftiges Modell der Welterklärung zu profilieren, nicht in
Frage.

34 Vgl. A. N. Whitehead: Prozeß und Realität. Entwurf einer Kosmologie.
Übersetzt und mit einem Nachwort versehen von H. G. Holl, Frankfurt 1979,
bes. S. 611 ff.

35 Zur kritischen Auseinandersetzung mit der „Prozeßtheologie" vgl.
M. Welker: Universalität Gottes und Relativität der Welt. Theologische Kosmologie
im Dialog mit dem amerikanischen Prozeßdenken, Neukirchen 1981,
bes.S. I30ffund203ff.

,6 Welker (a. a. O., S. 226) spricht vom „für uns unbestimmteren Teil der
Schöpfung".

37 Zur Interpretation dieses christologischen Sachverhalts als Ereignis der
Liebe, die Gott ist, vgl. E. Jüngel: Gott als Geheimnis der Welt. Zur Begründung
der Theologie des Gekreuzigten im Streit zwischen Theismus und Atheismus,
Tübingen 1977, S. 430(1".

38 Die Wunder Jesu sind darum eigentlich keine evidenten Belege der Fürsorge
Gottes, sondern Zeichen und Hinweise auf Gottes eschatologisches Handeln
.

39 Vgl. hierzu E. Jüngel: Grenzen des Menschseins, in: Entsprechungen:
Gott - Wahrheit - Mensch. Theologische Erörterungen, München 1980,
S. 355ff.

K. Barth verwendet hier den problematischen Begriff der „Schattenseite
des Daseins" (vgl. KD III/1, S. 426).

41 Gegen P. Tillich: Systematische Theologie. Band II, Stuttgart 31958,
S. 46ff.

42 G. Ebeling: Dogmatik des christlichen Glaubens. Band I. Prolegomena.
Erster Teil. Der Glaube an Gott den Schöpfer der Welt, Tübingen 1979, S. 316.

43 Vgl. hierzu meine Untersuchung: Sünde und Nichtiges bei Karl Barth,
ThA 30, Berlin 1970, S. 47 ff.

44 Vgl. diesen Gedanken bei M. Kähler: Die Wissenschaft der christlichen
Lehre vom evangelischen Grundartikel aus im Abrisse dargestellt. Hrsg. von
M. Fischer, Neukirchen 1966, S. 296ff.

45 Zu dieser Aussage und zum Verständnis des Gebets vgl. K. Barth: Das
christliche Leben. Die Kirchliche Dogmatik IV/4, Fragmente aus dem Nachlaß
. Vorlesungen 1959 - 1961, hrsg. von A. Drewes und E. Jüngel, Karl Barth.
Gesamtausgabe II, Zürich 1976, S. 166ff.

46 A.a.O.,S. 174. '

47 Vgl. hierzu E. Jüngel: Der Gott entsprechende Mensch. Bemerkungen zur
Gottebenbildlichkeit des Menschen als Grundfigur theologischer Anthropologie
, in: Entsprechungen. S. 291 f.

Allgemeines, Festschriften

[Ebeling, Gerhard:] Verifikationen. Festschrift für Gerhard Ebeling
zum 70. Geburtstag. Hrsg. von E. Jüngel, J. Wallmann, W. Werbeck
. Tübingen: Mohr 1982. VII, 542 S., 1 Porträt gr. 8 Lw. DM
198,-.

In einer umfangreichen Festschrift haben Schüler, Kollegen und
Freunde Gerhard Ebelings dessen 70. Geburtstages gedacht. Fast jeder
dieser Beiträge enthält einen Bezug auf den Jubilar, mitunter auch in
freimütiger Kritik (wie der Peschs). Es ist nicht einfach, in Knappheit
den springenden Punkt jedes dieser Beiträge zu markieren, erschöpfende
Referate sind nicht beabsichtigt.

Hartmut Gese: Die Einheit von Psalm 19. -Gegen die Auffassung,
daß die beiden Teile von Ps 19, Lobpreis Gottes in der Natur und im
Gesetz, nicht ursprünglich zusammengehören, verficht Gese die Ansicht
: „Ps. 19 ist ursprünglich in der vorliegenden Gestalt komponiert
worden" (S. 8). Das hat auch Tragweiten in der Richtung, daß die
These von Kraus abgelehnt wird: der zweite Teil, Lob Gottes im Gesetz
, sei eine dogmatisch zurechtrückende Ergänzung: Nicht die Natur
offenbare im eigentlichen Sinne Gott, sondern erst im Gesetz sei Gott
wirklich vernehmbar (S. 8).

Rudolf Smend: Theologie im Alten Testament. - Es gibt viele
Gründe, eine ,Theologie des Alten Testamentes' zu bestreiten: die
Uneinheitlichkeit dieses Buches (E. Brunner), die nötige Unterscheidung
von Theologie und Religion (B. Duhm) oder: daß das Alte
Testament ohne das Neue kein Wort Gottes an uns sei (R. Gyllen-
berg). Dem stehen Konzeptionen an ,Theologie des Alten Testamentes
' wie die von Rads gegenüber, der bestrebt ist, „das Alte Testament
der Theologie zurückzugewinnen, und dabei lag es nahe, auch die Anwendung
des Theologiebegriffs auf verlorenem oder verloren geglaubtem
Terrain wieder zu erproben" (S. 18). Und es gibt die Analogie
zum Neuen Testament. „Reicht die Analogie aber aus, um im Alten
Testament geradezu von Theologie zu reden?" (S. 24). Smend will
jedenfalls „von einer starken Annäherung an Theologie" (S. 25) sprechen
.

Hans-Dieter Betz: Die hermeneutischen Prinzipien in der Bergpredigt
(Mt 5,17-20). - Die Darstellung der Lehre Jesu in der Bergpredigt
ist „der kühne Versuch, die Lehre Jesu als rechtgläubig im Sinne
damaliger Theologie zu erweisen" (S. 28). Dies geschieht in einer Art
Epitome Mt 5,17-20. Aber im Vergleich und Kontrast hat Jesus seine
Toraauffassung in der Auseinandersetzung mit den Schriftgelehrten
und Pharisäern entwickelt (V. 20 das Wort von der .besseren Gerechtigkeit
'): „Abkehr von bloß äußerlicher Beobachtung und ... Hinwendung
zur innerlichen Offenlegung des menschlichen Herzens Gott
gegenüber" (S. 40).

Eduard Schweizer: Zur lukanischen Christologie. - „Am Leitseil
der drei Paragraphen des 5. Kapitels bei Ebeling" (im Bande II seiner
Dogmatik des christlichen Glaubens) skizziert Schweizer das Besondere
, wie Lukas Jesu Leben, Sterben und Auferstehen, „Menschwerdung
Gottes - Tod Gottes - Leben Gottes christologisch erschließt"
(S. 47). Kein anderer Evangelist hat Jesus so menschlich geschildert
wie Lukas. „Die Bilder, die sich der Christenheit eingeprägt haben,
stammen weithin aus dem dritten Evangelium: die Weihnachtsgeschichte
..., der Zwölfjährige ..., der Erzähler der Gleichnisse vom
barmherzigen Samariter, vom verlorenen Schaf und Groschen und
Sohn ..., der Gekreuzigte, der für seine Folterer betet ..." (S. 48).
Leiden und Sterben Jesu werden stärker betont als in den anderen
Evangelien (S. 52), aber doch nicht einfach theologisch erklärt in einer
das Rätsel lösenden Formel oder Satisfaktionstheorie (S. 57) - wenngleich
die Frage aufbricht: „das Kreuz nicht doch nur notwendiges
Durchgangsstadium zu der allein wichtigen Erhöhung Jesu?"
(S. 54).

Peter Stuhlmacher: Exegese und Erfahrung. - Das Stichwort, das
St. im Blick auf einen Aufsatz von Ebeling (Dogmatik und Exegese,
ZThK 1980) aufgreift, heißt „erfahrungsorientierte Interpretation
biblischer Texte". Das heißt, daß man an einem Text zu der Glaubens
- und Lebenserfahrung vorstößt, die in ihm zur Äußerung gelangt
ist und in der er gründet (S. 71). Das trifft dann auch auf Grundsituationen
des menschlichen Seins vor Gott beim - heutigen Leser. Beispiele
hierfür sind die „Versöhnungserfahrung" für Paulus und
Petrus, besonders als „die Erfahrung des heilsamen Wiederangenommen
- und Aufgenommenseins in der Gemeinschaft mit Gott" (S. 86),
aber auch die „Berufungserfahrung", „die Erfahrung des Geliebtseins
durch Jesus" („Das Johannesevangelium ist das Zeugnis von der Offenbarung
der Liebe Gottes in der Sendung Jesu, das aus der Erfahrung
dieser Liebe heraus tradiert worden ist", S. 88). Eine solche Interpretation
schlägt St. anstelle modischer Programme wie materialistischer
, soziologischer, politischer oder die Bibel von sexualistischen
Befangenheiten befreien wollender „feministischer" Exegese (S. 68,
76) und auch „existentialer Interpretation" (S. 88) vor.

Heiko A. Oberman: Martin Luther - Vorläufer der Reformation.
- Die Studie zeigt einiges vom Selbstverständnis Luthers in bezug
darauf, was ,Reformation' besagt. Kritischer Punkt ist Melanchthons
„Unterricht der Visitatoren" (1528) und Luthers Vorrede hierzu, die
von jeder, auch sublimen, Gewalt abrät. Im Gegensatz hierzu ist die
.Reformation' den Weg ins landesherrliche Kirchenregiment gegangen
- hat sich „die reformatorische Bewegung bürokratisiert und ver-