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1980

Kategorie:

Missionswissenschaft

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Neuerscheinungen

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Theologische Literaturzeitung 105. Jahrgang 1980 Nr. 7

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In England fand er ein gutes Echo, es bildeten sich mehrere
Vereine. So fafjte G. den Plan, dafj die verschiedenen Länder
in Europa die Verantwortung für verschiedene Provinzen in
China übernehmen sollten. Der Chinamissionar Legge jedoch
warnte: Das Unternehmen von G. sei schädlich, G. sei ein
„maskierter Heuchler" (106). Doch fand G. in Holland lebhafte
Zustimmung. „Das Ziel seines Versuches, eine Heimatbasis zu
gründen und mehr Unterstützung für seine Mission zu bekommen
, schien hier völlig erreicht zu sein" (112). In Hessen
wurde G. begeistert begrüfjt (113), in Preußen bildeten sich
unter seinem direkten Einflufj mehrere Vereine (115). Es gab
Kontakte zur Herrnhuter Mission, G. warb auch in Süddeutschland
nicht ohne Erfolg. Vom geographischen Gesichtspunkt
aus sollten Wissenschaftler wie Humboldt angesprochen werden
(118). Doch 1850 rückte G.s alter Freund Barth öffentlich
ab: Er warf G. vor, dafj es „an christlicher Wahrheit, nüchterner
Auffassung und gesunder Vorsicht fehle" (120). Trotzdem
bleibt die Aktivität von G. staunenswert: „Mit einem Tempo,
das beinahe unglaublich erscheint, und zu einer Zeit ohne
moderne Verkehrsmittel hatte G. trotz schwacher Gesundheit
Europa durchkreuzt". Ein Zeitgenosse berichtet, „dafj G. die
Nächte zum Reisen benützte, um am Tage reden zu können"
(125). Auch Schweden und Finnland wurden besucht. Insgesamt
spricht Sch. von einer „Triumphfahrt" (134). Dennoch war
die so energisch angestrebte Basis nicht haltbar. Der Tod von
G. 1851 bedeutete auch „den Untergang seiner Heimatbasis"
(137).

Das Interesse an G. nahm rasch ab, klang aber immer wieder
neu auf. Man liest jene Vorgänge auch heute noch mit
Anteilnahme, zumal sie so genau belegt werden und zugleich
so engagiert beschrieben werden, wie in dem vorliegenden
Buch, für das dem Autor herzlich zu danken ist.

Rostock Gert Haendlcr

Ahrens, Theodor: Theologische Themen und Fragen in Melanesien
(ZfM 5, 1979 S. 90-104).

Appiah-Kubi, Kofi: Krankheit und Heilung in einheimischen
afrikanischen Kirchen in Ghana (ZfM 5, 1979 S. 15-29).

Beyer, Ulrich: Partner in gemeinsamer Mission (ZfM 5, 1979
S. 38-44).

Bürkle, Horst: Theologische Entwicklungen in der Dritten

Welt (ZfM 5, 1979 S. 78-89).
Castro, Emilio: Unterwegs nach Melbourne (ZfM 5, 1979 S. 182

-185).

Dussel, Enrique: Das Reich Gottes und die Armen (ZfM 5,
1979 S. 154-171).

Ebach, Jürgen: Arme und Armut im Alten Testament (ZfM 5,
1979 S. 143-153).

Harms, Hartwig: Praxisnahe Missionswissenschaft in Pasadena
(ZfM 5, 1979 S. 105-107).

Holsten, Walter: Missionswissenschaftliche Literatur der letzten
Jahre (ThR N. F. 43, 1978 S. 360-412).

Kamphausen, E., und W. Ustorf: Deutsche Missionsgeschichtsschreibung
. Anamnese einer Fehlentwicklung (BhEvTh 22,
1977 Heft 2 S. 2-58).

Liebschner, Siegfried: Die Armen im Evangelium (ZfM 5, 1979
S. 136-142).

Margull, Hans Jochen: Der Dialog - ein Zeugnis (ZfM 5, 1979
S. 207-214).

Zimmer, Rudi: Avivamento de uma congregaeäo para a missäo

(IgLu 38, 1978 S. 137-146).
Nababan, S. A. E.: Von der Begegnung zur Gemeinschaft (ZfM

5, 1979 S. 30-37).
Orthodoxe Theologen: Arbeitsstudie zu Melbourne (ZfM 5,

1979 S. 172-181).

Rossel, Jacques: Christ und Gewalt (ZfM 5, 1979 S. 7-14).

Schatz, Klaus: Inkulturationsprobleme im ostasiatischen Ritenstreit
des 17./18. Jahrhunderts (StZ 104, 1979 S. 593-608).

Schmid, Georg: Das Verstehen fremder Religionen im Religionsunterricht
(ZfM 5, 1979 S. 227-237).

Sempebwa, Joshua W.: Gruppensolidarität: ein afrikanischer
Grundwert in christlicher Sicht (ZfM 5, 1979 S. 215-226).

Sisson, Richard: Training for Evangelism. Chicago, Hl.: Moody
Press [1979]. 204 S. 4°.

Su, Aaron: Die afrikanisch-traditionelle Weltanschauung, herausgefordert
durch den christl. Glauben (ZfM 5, 1979 S. 45-
48).

Thomas, M. M.: Europäische Theologie in der Erfahrung eines
indischen Laienchristen und Vertreters der Ökumene (ZfM
5, 1979 S. 70-77).

Referate über theologische
Dissertationen in Maschinenschrift

Rosenbrock, Gerd: Sprung und Akkomodation. Franz Overbeck
und der Kulturprotestantismus. Diss. Tübingen 1978.
268 S.

Franz Overbeck (1837-1905) gelangt über die historische
Unterscheidung zwischen Christentum und Kultur zu der ihm
eigentümlichen intensiven Kulturdeutung. Die Religionskritik
des 19. Jh. überwindet die Grenzen der historisch-natürlichen
Weltanschauung und eröffnet den Zugang zu den psychischanthropologischen
Grundlagen der Religion. In der Religion
wird der unmittelbare, den Historismus überbietende Sinn der
Kultur sichtbar. Overbeck stellt dem historischen Christentum
das Urchristentum gegenüber, dessen Gestalt durch die Abwesenheit
des modernen Kulturbegriffs gekennzeichnet ist, und
entwickelt eine frühe Form der Diastasentheologie. Der Zusammenhang
zwischen den historisch-psychologischen Einsichten
in den Werdegang der modernen Kultur und ihrer religiösen
Selbstdarstellung im neuzeitlichen Protestantismus kann
Overbeck zufolge nur geklärt werden, wenn das Verhältnis
zwischen Christentum und Kultur cschatologisch auf den ursprünglichen
Gegensatz zwischen Antike und urchristlicher
Weltanschauung zurückgeführt wird. Den Abschluß seiner Kulturdeutung
bildet die auf die Mystik zurückgehende und von
Lessing hervorgehobene Vorstellung vom Sprung. Overbeck
übersetzt den Widerspruch zwischen der vernünftigen Religion
und der im religiösen Gefühl begründeten Ablehnung der fortschreitenden
Aufklärung in die Kulturkritik. Er sieht zwischen
der modernen, auf Differenzierung gerichteten Gestaltung der
Lebenswelt und dem in der Frage nach dem Humanen eingeschlossenen
Verlangen nach einheitgebender Sinndeutung einen
Gegensatz aufbrechen, den er lebenspraktisch mit Hilfe der
Akkomodationsvorstellung zu überbrücken sucht.

Der Kulturprotestantismus umfafjt mithin eine theologische
Position, die im Schema von Ursprung und Verfall den neuzeitlichen
Kulturbegriff in die Mitte ihrer Reflexion stellt, um
von ihm her zu einer eschatologischen Deutung des Verhältnisses
zwischen Christentum und Kultur zu gelangen. Overbeck
führt die Frage nach dem Ursprung des christlichen Glaubens
weiter, indem er die Unterscheidung zwischen Geschichte
und Religion auf die Frage nach dem Zusammenhang zwischen
den Erscheinungen und dem Sinn der Kultur überträgt.

Zeitschriftenschau

Reformätus Egyhäz 31, 1979

Hörcsik, Richard: Szkhärosi Horvät Andräs teolögiäja es
tärsadalomkritikäja (Die Theologie und die Gesellschaftskritik
des Andräs Szkhärosi-Horvät) S. 10-12.

Barcza. Jözsef: Czegledi Istvän egy elveszett könyveröl (1670)
(Über ein verlorenes Buch des Istvän Czegledi [1670] S. 32-

33.

Kürti, Läszlö: Jezus - az Ür szolgäja (Jesus, der Knecht Gottes
) S. 49-51.

Nagy, Antal: Mit jelent nekünk Krisztus feltämadäsänak
öröme? (Was bedeutet uns die Freude über die Auferstehuna
Christi?) S. 55-57.