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Ausgabe:

1980

Spalte:

554-555

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Schlyter, Herman

Titel/Untertitel:

Der China-Missionar Karl Gützlaff und seine Heimatbasis 1980

Rezensent:

Haendler, Gert

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Theologische Literaturzeitung 105. Jahrgang 1980 Nr. 7

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Der 2. Teil erörtert „Möglichkeiten für ehrenamtliche Laien-
dienste in der katholischen Kirche" (85 ff). Das Hauptgewicht
liegt auf der Frage, ob es ehrenamtliche „Gemeindepriester"
geben kann und soll. „Viele haben erkannt, daß die Abschaffung
des Zölibats allein keine Lösung sein würde, denn manche
Kirchen ohne Zölibatsgesetz leiden unter dem gleichen
Problem" (90). Vf. meint, „dafj ein Team von ehrenamtlichen
Priestern in jeder Gemeinde als die beste Lösung angesehen
werden mufj" (92). Er widersetzt sich jedoch wie schon im
1. Teil jeder Einseitigkeit: „Sicher ist die Annahme falsch, die
Kirche sei um so besser ausgestattet, je mehr hauptamtliche
Priester sie hat. Es ist aber auch falsch anzunehmen, dafj sie
um so besser gestellt sei, je weniger sie hat. Alle Dienste stehen
in wechselseitiger Abhängigkeit" (96). „.. . für die Weiterbildung
der ehrenamtlichen Mitarbeiter kommen gewöhnlich
nur hauptamtliche Kräfte in Frage . . . Das gleiche gilt für die
Hilfe bei Aufgaben, die entweder einen großen Zeitaufwand
oder aber eine spezialisierte Ausbildung erfordern" (ebd.).
„Andererseits brauchen aber auch die hauptamtlichen Dienste
die ehrenamtlichen:

— als einen Boden, aus dem sie herauswachsen . . .

— als Bindeglied zur Basis .. .

— als Weg, viele verschiedene Erfahrungen des Glaubens zu
sammeln ...

— für die Förderung einer wirklich einheimischen Theologie"
(96 f).

Gewiß ist das spezifisch römisch-katholische Kirchen- und
Amtsverständnis der allgegenwärtige Hintergrund dieses Buches
, doch mindert das nicht sein ökumenisches Gewicht. Vf.
hält sich frei von konservativer wie modetheologischer Voreingenommenheit
. Er diskutiert nicht „Strukturprobleme" in
europäisch-abstrakter Manier, vielmehr werden konkrete Erfahrungen
gründlich bedacht und bedachtsam, aber zugleich
entschlossen ausgewertet. Die dabei gewonnenen Einsichten
sind nicht nur für römisch-katholische Gemeinden und nicht
nur für Afrika relevant. Die Beschäftigung mit den „Modellen",
die zum Schlug noch einmal in 6 anschaulichen Skizzen vorgestellt
werden, wird auch dort, wo die Probleme anders gelagert
sind, Denkanstöße und praktische Anregungen in Fülle
vermitteln. Man wünscht dem Buch deshalb einen großen,
möglichst verschiedenartig zusammengesetzten Leserkreis.

Leipzig Siegfried Krüqcl

„Augsburgische Konfession im ökumenischen Kontext". Themaheft
' LWB-Report 1979 Heft 6/7:

Meyer, Harding: Das Augsburgische Bekenntnis neu gelesen
im gegenwärtigen ökumenischen Kontext. Bericht über
eine Konsultation, S. V-X

Schlink, Edmund: Der ökumenische Charakter und Anspruch
des Augsburgischen Bekenntnisses, S. 1-28

Sykes, Stephen W.: Das Ausburgische Bekenntnis in anglikanischer
Sicht unter besonderer Berücksichtigung der
Frage nach Amt und Bischofsamt, S. 29-56

Crabtree, Arthur B.: Das Augsburgische Bekenntnis in baptistisch
-ökumenischer Perspektive, S. 61-78

Kasper, Walter: Die Confessio Augustana in katholischer
Sicht, S. 83-106

Rupp, Gordon: Die Confessio Augustana in methodistischer
Sicht, S. 111-122

Timiadis, Emilianos: Trinitarische Ökonomie und Christo-
logie. Eine orthodoxe Betrachtung der Confessio Augustana
unter besonderer Berücksichtigung der Artikel 1 und 3,
S. 127-152

Gerrish, Brian A.: Das Augsburger Bekenntnis in reformierter
Sicht. Rückkehr nach Straßburg, S. 157-186.

Knirck-Wissmann, Christa-Maria: Kontextualität und Partiku-
larität der Kirche. Zur ekklesiologischen Bedeutung der Auseinandersetzung
um die Verlegung der V. Vollversammlung
des Lutherischen Weltbundes von Porto Alegre nach Evian
(Theol. Promotion, Heidelberg 1979).

Potter, Philip: II Consiglio ecumenico, le chiesc, la societä
(Protest. 34, 1979, S. 100-110)

Rotlmann, H.: O sucesso do movimento pentecostal (IgLu 39,
1979/2, S. 46-48)

Subilia, V.: Una confessione di fede ecumenica? (Protest. 34,
1979, S. 31-38)

„Theologische Grundanliegcn und Geschichte der Konferenz
weltweiter Konfcssionsfamilien". Themaheft LWB-Report 1979
Heft 5:

Mau, Carl H.: Vorbemerkung, S. 5-6

Ishida, Yoshiro: Kirchliche Bekenntnisse und Konfessionali-
tät, S. 7-13

Meyer, Harding: Theologische Grundanliegcn konfessioneller
Weltfamilien, S. 14-41

Perret, Edmond: Die Konferenz der weltweiten Konfcssionsfamilien
, S. 42-70

Stellungnahme des ÖRK-Zentralausschusscs (Kingston, Jamaika
, 1979) zur Konsultation mit den weltweiten Konfcssionsfamilien
, Oktober 1978, S. 76-79.

Ökumenik: Missionswissenschaft

Schlyter, Herman: Der China-Missionar Karl Gützlaff und
seine Heimatbasis. Studien über das Interesse des Abendlandes
an der Mission des China-Pioniers Karl Gützlaff und
über seinen Einsatz als Missionserwecker. Lund: CWK Glcc-
rup [1976]. 262 S. 8° = Studia Missionalia Upsalicnsis, XXX.

Der Malmöer Dompropst und Lundenser Missionswissen-
schaftlcr Schlyter hatte 1946 seine grundlegende Arbeit über
Karl Gützlaff als Missionar in China vorgelegt. Nach Arbeiten
über die Anfänge des Christentums in Skandinavien sowie
über die Reformation in Malmö kehrt Sch. jetzt zu Gützlaff
zurück. Dieser wurde in Jänickes Missionsschule zu Berlin
ausgebildet und von einer holländischen Missionsgesellschaft
ausgeschickt nach Indonesien. Seit 1831 ging G. jedoch nach
China und arbeitete dort selbständig nach eigenen Grundsätzen
. Um so mehr war es für ihn wichtig, von Christen unterstützt
zu werden. Dieser Thematik hat sich Sch. zugewendet
und dazu eine Fülle interessanter Nachrichten zusammengestellt
. G. war der erste lutherische Missionar in China, er
übersetzte u. a. Luthers Kleinen Katechismus und das Augsburger
Bekenntnis ins Chinesische (19). Interesse für seine
Arbeit fand er in Holland, im Rheinland, in Württemberg und
in Berlin; auch in England und den USA nahm man Anteil
an diesem eigenwilligen Missionar. Schon für die Jahre 1834 bis
42 kann Sch. Nachrichten aus vielen Ländern bieten (Kap. 3).
Neben Zustimmung gab es vereinzelt Kritik. So schrieb Otto
von Gerlach 1834 in Hengstenbergs Kirchenzeitung gegen Gütz-
laffs Loslösung von seiner Missionsgesellschaft und warnte
vor Subjektivismus: eine Kirche dürfe sich nicht nur um eine
Person herum sammeln, es reiche nicht aus, nur ein biblisches
Christentum zu verkünden und sich zur unsichtbaren Kirche
zu bekennen (52). Unter Grundtvigs Einfluß wurde 1835 in
einer dänischen Zeitschrift der Vorwurf erhoben, G. teile
„Bücher aus anstatt Gemeinden durch die Verkündigung des
Wortes zu gründen" (61). Trotzdem entwickelte sich eine Heimatbasis
in den Jahren 1842—49 (Kap. 4). In England begeisterten
sich viele Christen, in den USA sahen Lutheraner in G.
ihren Mann. Doch sagt Sch. einschränkend: „Privatpersonen
gaben ihm ihre Unterstützung, aber nicht die Kirchen als
solche" (73). In Holland vergrößerte sich der Freundeskreis,
das Calwer Missionsblatt berichtete positiv bis 1850 über G.,
Basel und Barmen zeigten großes Interesse, auch Gossner
sprach sich für G. aus (76).

Im Berliner Missionshaus fand 1846 eine zentrale Konferenz
mit Vertretern von 8 Missionsgcsellschaften statt (79). Grundlage
für eine gemeinsame Chinamission sollte das Augsburger
Bekenntnis sein, nur der Leipziger Missionsdirektor Graul
betrachtete „die Augustana als eine konfessionell unzureichende
Basis" (79). Aber auch die Kritik verstärkte sich. Chinamis-
sionarc meldeten, daß G. kaum Erfolge habe, in Genf nannte
man seine Arbeit „Scharlatanerie" (84). Der schwedische Missionar
Hamberg wurde zu einem immer schärferen Kritiker. In
Norwegen wurde G. unterstützt u. a. von einem Sohn des Er-
weckungspredigers H. N. Hauge (91). Schließlich reiste G.
selbst 1849—50 durch Europa, um für seine Sache zu werben.