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Ausgabe:

1980

Spalte:

419-420

Kategorie:

Altes Testament

Titel/Untertitel:

Numbers 1980

Rezensent:

Kaiser, Otto

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Theologische Literaturzeitung 105. Jahrgang 1980 Nr. 6

420

Differenzen" bestehen, daß zwar „unverkennbar ... starke
Beziehungen zu den älteren prophetischen Visionen" festzustellen
sind, daß aber dennoch „in vielem ... Sacharjas
Nachtgesichte deutlich am Übergang zu Daniels Visionen
bzw. in ihrer Nähe" stehen, „wobei öfter Linien von Ezechiel
her aufgenommen werden" (107 f.). Die so festgestellte
„Ubergangsposition" Sacharjas wird in einem zweiten Untersuchungsgang
anhand des inhaltlichen Materials der
Nachtgesichte (Bildmaterial, Vorstellungen, Motive, Themen
) im Detail zu erhärten versucht, indem die einzelnen
Gesichte - unter Einschluß von Kap. 3,1-7 (S. 201-225) ex-
egesiert werden. Die ausgebreitete „Fülle von Beziehungen
und Berührungen" (109—225), zum Teil auch mit außerisraelitisch
-altorientalischen Bildmotiven, wird im Schlußabschnitt
dahingehend zusammengefaßt, daß Sacharja mit
seinen Nachtgesichten in der Tat „eine Zwischenposition
zwischen der Prophetie und der Apokalyptik, wie sie sich
im Daniel-Buch zeigt", einnimmt, ein Ergebnis, das in einem
Anhangsteil gegen Geses These von dem „ersten Apokalyp-
tiker" Sacharja abgehoben wird. Ein Literaturverzeichnis
und verschiedene Register schlüsseln das Buch auf.

Insgesamt ist die Untersuchung sehr zuverlässig und genau
gearbeitet, in der Aussage sehr zurückhaltend und abgewogen
, oft etwas knapp, zuweilen etwas umständlich.
Viele Teile, etwa die exegetischen Analysen — insbesondere
zu Kap. 3 —, liest man mit Gewinn. Wenn man dennoch
das Buch etwas enttäuscht aus der Hand legt, liegt das — wie
ich meine — an drei Punkten. Einmal an der formal-schema-
tischen Argumentation. Wenn eben nur nach „Verbindungslinien
", „Beziehungen", „Berührungen" und dgl. zwischen
den Visionsdarstellungen gefragt wird und dann daraus eine
Entwicklungslinie abgeleitet wird, auf der Sacharjas Ort
irgendwo sein muß, kann mehr als Ergebnis nicht herauskommen
als die zitierte „Zwischenposition" oder „Ubergangssituation
", wobei es ja doch auf die Konkretion gerade
ankäme. Wenn zudem mit den pauschalen Größen
Prophetie und Apokalyptik gerechnet wird, wird das Resultat
noch unbestimmter. Zum andern ist zu bedauern, daß
die Argumentation kaum in die augenblickliche Diskussion
eingreift. Wahrscheinlich hängt das z. T. mit der Drucklegung
zusammen. Es hat aber zur Folge, daß verschiedene
neuere Fragestellungen unberücksichtigt bleiben und daß
vor allem ältere Probleme diskutiert werden. Das schlägt
sich u. a. darin nieder, daß die ganze neuere Apokalyptik-
literatur — etwa die Beiträge von K. Koch, H.-D. Preuß,
H. P. Müller, W. Schmithals — unerwähnt bleibt. Schließlich
vermißt man eine Darlegung des Gesamtverständnisses der
Sacharjavisionen. Trotz aller Strukturanalysen wird nicht
explizit geklärt, wie sie eigentlich literarisch zu beurteilen
sind, was ihr Zweck und ihr Ziel ist. Da das ganze Augenmerk
auf den Vergleich gerichtet ist, kommen sie selbst
nicht eigentlich zu ihrem Recht, und das schadet wiederum
bei der Einordnung der Gesichte in einen Entwicklungsgang
. So besteht die Bedeutung des Buches nach aller exegetischen
Einzelarbeit auch darin, bewußt zu machen, daß
auf dem schwierigen Feld zwischen Prophetie und Apokalyptik
noch viele Fragen offen sind, ja daß es zunächst gilt,
die Fragestellungen zu präzisieren.

Basel Klaus Seybold

Sturdy, John: Numbers. Commentary. Cambridge—London
—New York—Melbourne: Cambridge University Press
[1976]. X, 252 S. 8° = The Cambridge Bible Commentary,
New English Bible. £ 2,95.

Die Reihe hat sich vorgenommen, dem allgemeinen Bibelleser
, besonders aber Lehrern und Jugendlichen, zusammen
mit dem Text der Neuen Englischen Bibel eine Erklärung
zu bieten, die unter Verzicht auf fachspezifisches Vorwissen
die Ergebnisse der neueren Bibelforschung vermittelt. Von
dieser Zielsetzung her will auch der Numerikommentar
von John Sturdy, dem Dean und Fellow des Gonville und
Caius College in Cambridge, verstanden und gewürdigt

werden. Wer ihn in die Hand nimmt, um in ihm eine Weiterführung
der Diskussion der Probleme der Pentateuchfor-
scliung oder exegetischer Einzelheiten zu finden, wird notwendig
enttäuscht werden; wer sich knapp und zuverlässig
über den Stand der Einsicht in das Werden des Buches wie
über den Sinn und Hintergrund seiner so unterschiedlichen
Texte informieren will, kommt zu seinem Recht.1 — Als
Rahmen für seine Auslegung dient Sturdy die Neuere Urkundenhypothese
in der ihr von Martin Noth gegebenen
überlieferungsgeschichtlichen Ausgestaltung; doch rechnet
er anders als die Begründer der Hypothese und noch Noth
nicht mit der einstigen Existenz einer elohistischen Quelle.
Die gewöhnlich E zugesprochenen Texte beurteilt er als
unterschiedliche Einfügungen in den jahwistischen Erzählungszusammenhang
. Angesichts der Tatsache, daß die Existenz
elohistischer Texte im Buche Numeri selbst von Vertretern
der Neueren Urkundenhypothese in ihrer klassischen
Form als Vierquellentheorie bezweifelt wird, kann er
mit gutem Gewissen von J als Vertreter des älteren und
P als dem des jüngeren Traditionsstadiums ausgehen, wobei
ihm im Einzelfall genügend Spielraum zur Differenzierung
innerhalb dieser Traditionsgrößen bleibt. — Die Kommentierung
selbst ist so angelegt, daß den größeren Abschnitten
des Buches jeweils eine problemorientierte Einführung
vorangestellt ist. Dann folgen die einzelnen Texte
in Gestalt einer Übersetzung mit knappen Hinweisen auf
die Textüberlieferung. Ihnen schließen sich jeweils eine besonders
Inhalt und Absicht herausstellende, in der Regel
sehr knappe Gesamterklärung und dann die nötigen Einzelerläuterungen
an. Beide zusammen vermitteln dem Leser
die für das Verständnis des Textes nötigen literarischen,
historischen, religionsgeschichtlichen und sonstigen Kenntnisse
. Der Rez. machte bei sich selbst die Erfahrung, daß die
sachlich ausgewogene und sich an keiner Stelle vor den Text
drängende Erklärung dazu ermutigt, das Buch in einem
Zuge durchzulesen. Dabei gewinnt der Leser ein eindrucksvolles
Bild zumal der Ideale und der konkreten Probleme
des nachexilischen Jerusalemer Kultpersonals. So kann
man dem Bändchen bescheinigen, daß es seinen Zweck ansprechend
erfüllt.

Marburg (Lahn) Otto Kaiser

1 Daß sich die literarische Beurteilung des herkömmlich dem
Jahwisten zugeschriebenen Bestandes der im Ostjordanland spielenden
Erzählungen aufgrund der Analysen von M. Wüst: Untersuchungen
zu den siedlungsgeographischen Texten des Alten Testaments
. I Ostjordanland, Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen
Orients-Reihe B Nr. 9, Wiesbaden 1975, teilweise verändert, sei
ebenso angemerkt, wie daß die Bileamgeschichten einer neuen, freilich
erst von der Forschung zu leistenden Erörterung aufgrund der
Bileam-Texte vom ostjordanischen Teil Delr 'Alla bedürfen.

Barkay, Gabriel: A Group of Iron Age Scale Weights (IEJ

28, 1978 S. 209-217).

Cogan, Mordechai: The Men of Nebo — Repatriated Reube-

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Cross, Frank Moore: A Recently Published Phoenician In-

scription of the Persian Period from Byblos (IEJ 29, 1979

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Faur, Jose: The Third Person in Semitic Grammatical Theory
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Gerleman, Gillis: Die sperrende Grenze. Die Wurzel 'Im im
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Geva, Shulamit: A Reassessment of the Chronology of Beth
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Herrmann, Wolfram: Mercatores mandatu missi. Ein Beitrag
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Kallai, Zecharia: Bethachön and Abel — Beth-maacah (IEJ

29, 1979 S. 60-61).

Kallai, Zecharia: Judah and Israel — A Study in Israelite

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Licht, Jacob: An Ideal Town Plan from Qumran — The De-

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