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Ausgabe:

1979

Spalte:

392-394

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Triebel, Johannes

Titel/Untertitel:

Bekehrung als Ziel der missionarischen Verkündigung 1979

Rezensent:

Althausen, Johannes

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Theologische Literaturzeitung 104. Jahrgang 1979 Nr. 5

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nellen Herkunft, der Menschheit dieser Epoche zu sagen
haben". Seine Ausführungen („Als protestantischer Theologe
unterwegs mit dem Theologumenon von den anonymen
Christen'") wollen Erfahrungen mitteilen bei dem
Versuch, sich „dem Unumgänglichen hinzugeben und den
Gedanken" seinerseits „unter Protestanten zu vertreten"
(86). Zwei Erkenntnisse werden formuliert: 1. „daß das, was
im Theologumenon von den anonymen Christen tatsächlich
gesagt wird, auch in bibeltheologischen und existenzphilosophischen
Kategorien genauso unausweichlich erscheint"
(88), und 2. „daß man zwar über die Hypothese hinausgehen
muß, jedoch nicht mehr hinter sie zurückgehen
kann" (90), was sich in die „gewichtigste Anschlußfrage
" hinein konkretisiert: „Wie zeigt sich das Phänomen
des christlichen Glaubens als ein konkretes Phänomen des
existierenden Menschen?" (92) O. gesteht zwar, hierzu noch
keine zureichende theologische Theorie vorlegen zu können,
wartet aber mit einer „Problemskizze" auf, die einen beachtlichen
Neuentwurf der analysis fidei enthält. W. T h ü -
sing („Strukturen des Christlichen beim Jesus der Geschichte
") fragt nach einem neutestamentlich-christologi-
schen Ansatzpunkt der These und meint, die Vermittelbar-
keit des Rahnerschen mit dem ntl. Denken aufweisen zu
können. Der „Begriff des Ausdrücklichwerdens eines vorher
impliziten Christentums" könne „mit dem gefüllt werden
, was das NT als Gläubigwerden bezeichnet" (104). Das
wird in einer Untersuchung des „jesuanischen Glaubens"
gezeigt, der auch „unthematisch" gelebt werden könne. Den
entscheidenden ntl. Anhaltspunkt für die These Rahners
sieht Th. in der „Spannungseinheit von Theozentrik, Sendungsanspruch
und anthropologischer Offenheit", die eine
„Konzeption der Jüngergemeinde als einer integralistisch
nach außen abgegrenzten Gruppierung unmöglich" mache
(106.117f). Der Neutestamentier bescheinigt Rahner auch,
daß die ntl. Aussagen, auf die dieser sich stützt (Mt 25,31 bis
46 und 1 Joh 4,20) „der Rahnerschen These nicht nur nicht
widersprechen, sondern für sie mindestens sehr günstig
sind" (113), macht aber auf die je verschiedene Richtung
der Denkbewegung aufmerksam. Sein Vorschlag: den transzendentalen
Ansatz Rahners theo-logischer zu denken und
unabhängig zu machen von der Verhaftung an eine bestimmte
dogmatisch-philosophische (d. h. chalzedonensi-
sche) Sicht.

Eröffnet wird der Band von einem Beitrag des Herausgebers
E. Klinger („Perspektiven des Christlichen im
Begriff der anonymen Christlichkeit"), der im Vorwort als
die erweiterte Ausführung einer Skizze von K. Rahners
„Theologie des anonymen Christen" bezeichnet wird, welche
den Mitarbeitern des Bandes als „Konzept" vorlag. Darin
wird Christentum — von einer Theorie der Subjektivität
her, die mehr vorausgesetzt als aufgeschlossen wird — als
„Lebensweltgegebenheit" ausgelegt. So lohnend dieses Unternehmen
als ein Beitrag unter anderen sein könnte, als
Ouvertüre für diesen Band ist es fehl am Platz, und man
kann der Weise seiner Durchführung an dieser Stelle nur
mit Verwunderung folgen. S o werden für die Theologie
Rahners und von ihr her nicht Perspektiven eröffnet, sondern
verkürzt. Wenn wirklich, wie die Ausführungen K.s
es erscheinen lassen, das von Rahner Gemeinte und unter
dem Stichwort vom „anonymen Christen" in die Diskussion
Eingeführte erst begriffen werden könnte von einer Problematik
her, die von H. Küng „nicht einmal gesehen wird"
(16 Anm. 12 v. S. 15), der gegenüber H. U. v. Balthasar „keinen
ausreichenden ... Begriff der Weltperspektive von Christentum
besitzt" (20), die von H. de Lubac gleichfalls „übersehen
" wird (22 Anm. 19 v. S. 21), die zur Folge hat, daß es
„kaum einen Kritiker dieses Begriffs" (des anonymen Christen
) gibt, „der seinen Inhalt richtig umschrieben hätte"
(15 Anm. 12), dann könnte einer die Feststellung dieses
Sachverhalts ja fast als ein theologisches Todesurteil über
die These verstehen. An dieser Stelle wäre weniger —
die im Vorwort genannte „Skizze"! — mehr gewesen.
(Zur Angabe K.s über den Ort im Werk Rahners, an dem

„bezeichnenderweise" der Ausdruck „anonymes Christentum
" erstmals „auftauchen" soll [13], vgl. z. B. schon Schriften
zur Theologie IV, Einsiedeln 1960, 452 und 501, oder noch
früher: Erlösungswirklichkeit in der Schöpfungswirklichkeit
, in: Sendung und Gnade, Innsbruck 1959, 65 und 73!)
Angesichts dieses „Konzepts" ist Mitarbeitern wie H. Ott
und W. Thüsing besonders zu danken, daß sie um der Uberzeugungskraft
der These willen darauf bedacht waren, sie
aus ihren ursprünglichen philosophischen und theologischen
Voraussetzungen in andere Denkzusammenhänge zu übertragen
und in ihnen zu verifizieren.

Unter dem Titel „Karl Rahner im Gespräch" bietet A.
Raffelt, den Band abschließend, eine bibliographische
Ubersicht der wichtigsten Stellungnahmen zum Werk Rahners
, chronologisch geordnet, mit 314 Titeln, darunter 194
fremdsprachigen. Angehängt ist ein Verzeichnis von 30
Glückwunschartikeln aus Tages- und Wochenzeitungen zum
70. Geburtstag Rahners. Vom Bearbeiter selbst als „ein sehr
unvollkommener Versuch" (276) bezeichnet, läßt sie manche
Wünsche — gerade zum Thema „anonyme Christen" — offen,
wird aber jedem, der sich mit dem Werk Rahners befaßt,
eine sehr willkommene Hilfe sein.

Leipzig Siegfried Hübner

Triebel, Johannes: Bekehrung als Ziel der missionarischen
Verkündigung. Die Theologie Walter Freytags und das
ökumenische Gespräch. Erlangen: Verlag der ev.-luth.
Mission [1976]. 360 S. 8° = Erlanger Taschenbücher, 35.
Monographien: Missionstheologie.

Walter Freytag war einer der bedeutendsten Missionstheologen
in den 30er bis 50er Jahren. Triebel legt als erster
aus der Enkelgeneration eine umfassende Würdigung und
Auseinandersetzung mit diesem Manne vor. Das ist gut und
wichtig. Die Bibliographie ist vervollständigt, auch im Blick
auf Werke über Walter Freytag.

Als Angelpunkt der Behandlung ist die Frage nach der
Bekehrung gewählt. Das ist berechtigt, denn Bekehrung ist
in der Tat ein Schlüsselbegriff im theologischen Denken
Walter Freytags. Triebel trifft diese Wahl aber auch, um
(vor Nairobi) das aktuelle missiologische Gespräch wieder
auf einen scheinbar vergessenen Punkt zu lenken. Darum
werden nach der Würdigung Walter Freytags eine Reihe
ökumenischer Studienarbeiten behandelt, die in der Zeit
entstanden sind, als Walter Freytag Vorsitzender des gemeinsamen
Studienausschusses von ORK und IMR war.
(1954—1959) Dann folgt eine religionspsychologische Behandlung
der Bekehrung. Sie dient dazu, den stark psychologisch
denkenden Theologen Freytag noch besser zu verstehen
. In all diesen Bereichen hat Vf. sorgfältig gearbeitet.
Er umgreift ein weites Feld. Aber vieles steht doch etwas
zusammenhanglos nebeneinander. Es wäre gewagt, das
Buch eine Theologie der Bekehrung zu nennen. Doch sind
wichtige Ansätze enthalten, die von der missionstheologischen
Debatte aufgegriffen werden sollten. Im Zusammenhang
einer Besprechung können dazu nur Hinweise gegeben
oder Fragen gestellt werden. Sie können und wollen den
kritischen Unterton nicht vermeiden. Aber sie wollen vor
allem weiterführen und zum Gespräch anregen. Daß sie von
unterschiedlicher Relevanz sind, ist dem Rez. natürlich voll
bewußt.

1. Das Thema Walter Freytags war Gottes Wort. Dennoch
war der Hamburger Theologe brennend am Leben des Menschen
und an der Situation interessiert. Die Methode seines
theologischen Denkens, die vom Vf. sehr schön beschrieben
wird, war das „Gespräch zwischen Wirklichkeit und Gottes
Wort" (96). Einen solchen Mann kann man m. E. nur würdigen
, wenn man ihn in seiner Zeit sieht. Die biographische
Einleitung, die Vf. bietet, ist zu knapp. Mit welchen Theologen
oder welchen Missionaren war Freytag im Gespräch?
Warum dachte er so wie er dachte? Auch der zentrale Be-