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Ausgabe:

1978

Spalte:

232-233

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Partners in mission 1978

Rezensent:

Althausen, Johannes

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in mehreren Beiträgen für das Verhältnis zwischen Nairobi
/Genf und Rom eine Aussage des Sektionsberichtes II
von Nairobi betont auf: „wahre Weggemeinschaft". Mit
diesem Schlüsselwort will er den Gesamtprozeß der Annäherung
zwischen dem ökumenischen Rat der Kirchen
einerseits und der Römisch-Katholischen Kirche andererseits
charakterisiert sehen und gleichzeitig die besondere
Phase der V. Vollversammlung beleuchten. „Wichtiger
noch als die Mitwirkung einzelner Katholiken ist die Tatsache
, daß zentrale Aussagen der Vollversammlung in erregender
Weise katholischem Denken und Woilen entsprechen
." (S. 15). Die Sektionen I und II („Bekenntnis zu Christus
heute" und „Die Einheit der Kirche — Voraussetzungen
und Forderungen") finden begreiflicherweise sein besonderes
Interesse. Deshalb wird auf die Beiträge „Das
katholische Verständnis der kirchlichen Einheit seit dem
II. Vatikanischen Konzil" (S. 39 ff.) und „Das Ziel der Einheit
in der Sicht des ökumenischen Rates der Kirchen als
Herausforderung der Christenheit" (S. 163 ff.) auch unsererseits
besonders hingewiesen. Die römisch-katholische
Vorstellung „von der Einzigkeit der Kirche und ihrer konkreten
Subsistenz in der katholischen Kirche" wird nicht
verschwiegen. Immerhin aber folgt ein Satz wie dieser:
„Die getrennte Christenheit lebt somit als gegliederte und
gestufte Gemeinschaft aller, die zu Christus gehören"
(S. 57). Drei Komponenten der Einheit bezeichnet der Verfasser
als steten Anstoß: ihre Konkretheit, ihre Gefährdung
und ihre Vorläufigkeit (S. 62); die uns gewährte und
die uns fehlende Einheit sind geradezu wie der Stachel im
Fleisch zu sehen.

Der Beitrag „Evangelisation heute und Bekenntnis zu
Christus heute" (S. 101 ff.) stellt in interessanter Weise
Aussagen der Sektion I von Nairobi mit „dem springenden
Punkt" des II. Vatikanischen Konzils, ja der Kirche überhaupt
„Die Evangelisierung in der Welt von heute" zusammen
. Bei einem Vergleich der Dokumente „kommt man
aus dem Staunen nicht heraus: So unterschiedlich sie ihrer
Art nach sind, so tiefgreifend ist ihr Zusammenklang und
gewiß auch ihr innerer Zusammenhang. Auf eindrucksvolle
Weise wird hier sichtbar, wie die Wege der getrennten
Christenheit zueinander hingeführt haben, und mehr
noch zeigt sich, daß vor ihr ein gemeinsamer Weg liegt"
(S. 102).

„Wir haben wahre Weggemeinschaft erfahren": Diese
Aussage des Sektionsberichtes II von Nairobi kann sich
auch der katholische Beobachter voll zu eigen machen.
„Wir haben wahre Weggemeinschaft erfahren": Das gilt
für viele persönliche Erlebnisse und Erkenntnisse, die
einem die Vollversammlung vermitteln konnte. „Wir haben
wahre Weggemeinschaft erfahren" : Das läßt sich überdies
feststellen, wenn man versucht, das Ganze des Nairobi
-Geschehens in katholischer Perspektive zu sehen und
zu werten. Zweierlei fällt dabei besonders ins Auge und
ins Gewicht:

I. Es gab ein echtes Miteinander auf dem Weg.

II. Es wurden wichtige Schritte zur Katholizität gemacht
(S. 107).

Man kann über diese offenen, aufrichtigen Worte nur
sehr dankbar sein und sollte nicht zu schnell Fragen Raum
geben wie solchen, ob damit wirklich schon die Meinung
der gesamten römisch-katholischen Weltkirche im Verhältnis
zur Christenheit in anderen Konfessionen und zum
ökumenischen Rat der Kirchen als Ganzem wiedergegeben
ist.

Wir sind auf dem Wege, und es gibt da gewiß noch vieles
in den Griff zu bekommen und zu bewältigen. Wer dürfte
dies leugnen. Wenn aber dem Geist, der aus den Beiträgen
von Bischof Scheele spricht, Raum gegeben wird und wenn
man so viele positive Feststellungen eines aufmerksamen
und kritischen Beobachters in Nairobi als echte Anfragen
versteht, dann wird noch weiteres und hoffentlich auch
Erstaunliches zu erwarten sein. Wir stimmen nachdrücklich
einem Satz aus dem Vorwort zu diesen besonderen

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Beiträgen zu Nairobi zu: „Wenn es uns nicht gelingt, die
Gräben zwischen Theologie und Praxis, zwischen Spiritualität
und Alltagswirklichkeit, zwischen Amtsträgern und
Gemeinden zu überbrücken, werden wir auch nicht viel
Erfolg mit der Überwindung der Kluft zwischen den Konfessionen
haben." (S. 8)

Dies Buch „Nairobi, Genf und Rom" verdient aufmerksame
, wohlwollende und zu weiterer Weggemeinschaft bereite
Leser.

Dresden Ulrich von Brück

Partners in Mission. Anglican Consultative Council Se-
cond Meeting Dublin Ireland 17—27 July 1973. London:
SPCK 1973. X, 94 S. 8°.

Die ökumenische Bewegung hat mehrere Ebenen. Von
den konfessionellen Familien ist die anglikanische eine
der interessantesten. Auf Grund des gemeinsamen nationalen
Erbes der Gliedkirchen, besonders auch in der gemeinsamen
Sprache, zeichnet sie sich durch eine starke
Kohärenz aus, die durch das gemeinsame Amt verstärkt
wird. Andererseits gehört es gerade zu diesem Erbe, daß
man sich der Herausforderung der gesellschaftlichen
Situation je in seiner Umwelt stellt und elastisch und offen
ist im Dialog mit anderen. So sind mittlerweile nicht unerhebliche
Unterschiede entstanden, die die anglikanische
Gemeinschaft zu einem pluriformen Gebilde machen.

Die alle 10 Jahre tagende Lambeth-Konferenz hat 1968
einen „Anglikanischen Consultativ-Rat" („Anglican Consultative
Concil", ACC) gegründet, der alle zwei Jahre zusammentritt
, mit der Aufgabe, to enable Anglicans to
„fulfil their common inter-Anglican and ecumenical res-
ponsibilities in promoting the unity, renewal and mission
in Christ's Church" (Lambeth Conference 1968). Er hat beratende
Funktionen, nimmt diese mit Geschicklichkeit und
Klarheit wahr und hat so zweifellos einen nicht unbedeutenden
Einfluß auf die Leitungstätigkeit der Kirchen. Was
in dem Protokoll der zweiten Zusammenkunft vorgeführt
wird, erscheint wie eine ökumenische Bewegung im kleinen
. Der im Titel der Broschüre angegebene Slogan weist
darauf hin, daß eine Sektion der Tagung in Dublin die
Thematik von Bangkok 1972/73 aufgegriffen hat. Es fällt
auf, daß auch eine relativ homogene Gruppe von Kirchen
die Schwierigkeiten kennt, echte Partnerschaft zu praktizieren
. Andererseits scheint die Lösung ziemlich einfach
zu sein, wenn man mit einem genauen Zeitplan die Gliedkirchen
auffordern kann, regionale Konferenzen abzuhalten
, wo an der Praxis und dem Bedarf der einzelnen Kirche
im Austausch von Erfahrungen und Wünschen aller
Beteiligten versucht werden soll, „mature partnership"
(Bangkok) zu entwickeln. Hier sind die organisatorischen
Voraussetzungen eben weithin schon gegeben. Die Einbeziehung
anderer Denominationen am Ort, zu der ebenfalls
aufgefordert wird, dürfte allerdings schwierig sein.

Weit mehr exemplarische Bedeutung scheint die Sektion 1
„unity and ecumenical affairs" zu haben, zumal wenn
man sie in Verbindung sieht mit Sektion 3 „order and Organization
in the Anglican communion". Anglikanische
Kirchen sind im Grunde an allen wichtigen beispielhaften
Unions-Gesprächen irgendwo in der Welt beteiligt. Sie
pflegen theologische Dialoge mit der römisch-katholischen
Kirche, der Orthodoxie, mit Altkatholiken und Lutheranern
. Vorsichtig tastet das Dokument der Sektion 1 dies
alles ab und spricht Empfehlungen aus, die insgesamt nur
als eine Ermutigung zum Fortschritt in den Bemühungen
um Unionen bezeichnet werden können. Gleichzeitig sieht
sich die Sektion 3 vor einige organisatorische Probleme in
der eigenen Gemeinschaft gestellt. Die Tendenz zur Unabhängigkeit
gerät hier und da in Widerspruch zum nötigen
Zusammenhalt. Da taucht der Gedanke einer „conciliar
Organization" auf. Der Rat „suggested that the time may

Theologische Literaturzeitung 103. Jahrgang 1978 Nr. 3