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Ausgabe:

1977

Spalte:

146

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Löwen 1971 1977

Rezensent:

Kühn, Ulrich

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verschiedensten Seiten hin programmatisch erörtert , um
konkretes Handeln zu fördern. Was hier erarbeitet wird,
geschieht im Namen der Mitgliodskirehon, es geschieht,
um einen umfassenden Erneuerungsprozeß in den Kirchen
der Welt in Gang zu setzen. Dabei kommt alles darauf an,
daß aueb die unterste Ebene kirchlicher Institutionen in
diesen Prozeß einbezogen wird: die Ortsgemeinde. Dieser
Frage wendet sich H. J. Margull mit seinem Beitrag „Die
ökumenische Bewegung in den Kirchen und Gemeinden"
zu. Er erinnert an das, was man seit Beginn der ökumenischen
Bewegung gewußt hat, „daß das Universale lokal
sein muß, wenn es real sein will" (S. 461). Auf der lokalen
Ebene finden sich aber nicht nur Gemeinden, sondern eine
Fülle von neuen Gruppierungen von Christen außerhalb
der geschichtlichen Denominationen, die dem ÖR mit
einer gewissen Skepsis gegenübertreten, weil nach ihrer
Meinung in ihm zu viel von Kirche und Gemeinde im herkömmlichen
Sinn gesprochen wird. Ihnen geht es in erster
Linie um die Präsenz in der Welt. Man kann von ökumenischer
Bewegung nicht sprechen, ohne diese Stimmen —
vor allem von jungen Menschen — zu erwähnen, denen es
um radikale Erneuerung zu tun ist, von der D. L. Edwards
in seinem Beitrag „Zeichen von Radikalismus in der ökumenischen
Bewegung" spricht. Sie fühlen sich vielmehr in
Laieninstituten, Evangelischen Akademien und auf Kirchentagen
zu Hause, sie treten in besonderer Weise in
Kommunitäten und Bruderschaften in Erscheinung, in
denen eine neue Lebensform christlicher Existenz entwickelt
wird, die von der Entschiedenheit des Glaubens
lind der freien Verfügungsbereitschaft zum Dienst am
Menschen gekennzeichnet ist.

Die Vollversammlung von Uppsala 1908 hat sich bemüht
, auf diese Stimmen zu hören. E. C. Blake schreibt
über „Uppsala und danach". Damit tritt noch einmal der
weitgefächerte IVozoß ökumenischen Geschehens vor
Augen, der nicht durch irgendeine Beliebigkeit zustande
gekommen ist, sondern Ausdruck des universalen Heils
des Evangeliums sein will. Blake läßt keinen Zweifel an
der Zielsetzung des ÖR. Es geht darum, daß eines Tages
eine „wahr universale, ökumenische, konziliaro Form des
gemeinsamen Lebens und Zeugnisses" gefunden wird, und
zwar hier, inmitten der menschlichen Geschichte und nicht
jenseits ihrer beginnend. „Die Mitgliedskirchen des ÖR,
die einander verpflichtet, sind, sollten auf die Zeit hinarbeiten
, wenn ein wirklich universales Konzil wieder für
alle Christen sprechen und den Weg in die Zukunft weisen
kann" (S. 551).

Damit ist der Konzentrationspunkt der ökumenischen
Bewegung klar bezeichnet, der die Arbeit des Rates während
der ersten 20 Jahn seines Bestehens geleitet hat und weiter
leiten soll.

Die Fülle der Initiativen, die während dieses Zeitraumes
entwickelt wurden, ist überwältigend. Man fragt sich betroffen
, was davon überhaupt schon in Gemeinden und
Kirchen zurückgewirkt hat.

Was unternommen wurde, ist weithin Ausdruck des
Prozesses einer Erneuerung, in der das Evangelium in
seiner Vielschichtigkeit verstanden und in Lebenswirklieh-
keit umgesetzt wird.

Behält man das Ganzo dos Berichtoten im Blick — auf
Einzelheiten können wir hier nicht eingehen —, so gewinnt
man den Eindruck, daß in diesem Goschehen die Hoffnung
auf neue Gemeinschaft, auf vielgestaltige Einheit
unter Kirchen und Christen und die Verpflichtung zu umfassender
Verantwortung für dio menschliche Gesellschaft
Wirklichkeit zu werden beginnt. •

Der ÖR hat seine Arbeitsfelder ständig erweitert: im
•Tahro 1948 taten sich dio Bewegung für „Praktisches
Christentum" und für „Glaube und Kirchenverfassung"
z'isammon, 1961 kam die „Weltmission" dazu, die eigent-
'jeh schon ganz am Anfang der Entwicklung stand, schließlich
wurde auch „Erziehung und Bildung" einbezogen. Das
R°schah nicht willkürlich, sondern aus innerer Zusammen-

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gehörigkeil der- Arbeitsgebiete. Die Vitalität der Lebensprobleme
in Kirche und Gesellschaft konnte die Prägen
nach Gemeinschaft und Einheit der Kirchen leicht au den
Hand des Geschehens drängen. Daß sie im weitgefächerten
Spektrum Ökumenisoher Arbeitsfelder integriert sind,
bleibt eine Frage, die immer wieder neu beantwortet werden
muß.

Bochum 11iins Heinrich Wolf

lliiiser, Konrad [Hrsg.]: Löwen 1071. Studienberichte und
Dokumente der Sitzung der Kommission für Glauben und
Kirohenverfassung. Mit Vorwort v. L. Visoher. Stuttgart:
Kvang. Missionsverlag |1971]. 259 B. 8° - Beiheft zur Ökumenischen
Rundschau, 18/19. DM 15.80.

Miiller-Fahreiiholz, Oeiko [Hrsg.]: Accra 1974. Sitzung der
Kommission für Glauben und Kirohenverfassung. Berichte,
Reden, Dokumente. Mit Vorwort v. L. Viseher. Korntal b.
Stuttgart: Evang. Missionsverlag 1975. 198 S. 8" = Beiheft
zur ökumenischen Rundschau, 27. DM IS.50.

In den beiden Beiheften zur Ökumenischen Rundschau
werden dem deutschsprachigen Leser wichtige Dokumente
der Sitzungen der Kommission für Glauben und Kirohenverfassung
in Löwen 1971 und in Accra 1974 zugänglich
gemacht. Der Band „Löwen 197 I " ent hält in seinem ersten
Teil die Texte von neun Berichten über Studien in den
vergangenen Jahren, die der Kommission zur Begutachtung
vorlagen. Im zweiten Teil findet man u.a. einige
Dokumente zum Hauptthema von Löwen ..Einheit der
Kirche — Einheit der Menschheit". Aus den übrigen Materialien
sei der Beschluß über die neue Studie „Rechenschaft
über die Hoffnung, die in uns ist" (S. 215 f.) hervorgehoben
.

Der Band „Accra 1974" eidhält neben dem von L.
Viseher erstatteten Bericht des Sekretariats und der Übersicht
über geplante Studien vor allem Texte zu den Themen
„Einheit der Kirche — Einheit der Menschheit" (diese
Studie wurde in Accra vorläufig abgeschlossen) und „Einheit
der Kirche", ferner die auf der Sitzung in Accra diskutierten
und aufgrund der Diskussion nachträglich redigierten
Konsensustexte über Taufe. Eucharistie und Amt.
Diese Konsensustexte sind den Kirchen zur Stellungnahme
zugeleitet worden und daher auch als Sonderausgabe erschienen
. Texte zur Studie „Rechenschaft, über die Hoffnung
" — einem Hauptthema der Sitzung von Accra —
sind in diesem Band nicht enthalten, sondern gesondert
erschienen (Manifeste der Hoffnung, hrsg. v. J. Moltmann,
München 1975).

Leipzig Ulrich Kühn

Kiindermeier, Theo: Christus der schwarze Befreier, Aufsätze
zum Schwarzen Bewußtsein und zur Schwarzen Theologie
in Südafrika, hrsg. u. eingeleitet. Erlangen! Verlag der ev.-
lut h. Mission 1197:11. 150 S. 8° Erlanger Taschenbücher, 25.

Auf 100 Textseiten kommen schwarze Theologen mit
Schwarzer Theologie zu Wort. Die Auswahl ist vom Herausgeber
mit großem Geschick getroffen und in einer aus

führliohen Einleitung einleuchtend vorgestellt. Steve Biko,

„Vater des Black Consciousness", dem ..das erste Buch,
das Schwarze ohne weiße Hilfe allein herausgegeben
haben, . . . gewidmet wurde", leitet die Sammlung ein
mit einem Aufsatz über ..Weißer Rassismus und Schwarzes
Bewußtsein". Er ist ebenso wie Barney Pityana. der über
„Macht und sozialer Wandel in Südafrika" schreibt, „gebannt
". Das heißt, sie sind unter Hausarrest gestellt, ihre
Arbeiten dürfen in Südafrika nicht mehr gedruckt und
nicht zitiert werden (S. 41). ..Was bedeutet die Entwicklung
des Schwarzen Bewußtseins für die Kirche I" fragt
Kniest N. Baart man, ein inet hodist ischcr Geistlicher und
Generalsekretär der Krziehungs- und Jugendarbeit seiner
Kirche. Stärker der Missionstradition und daher eher
einer „afrikanischen" als einer Schwarzen Theologie ver-

Theologische Literaturzeitung 102. Jahrgang 1977 Nr. 2