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Ausgabe:

1977

Spalte:

921-923

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Um Amt und Herrenmahl 1977

Rezensent:

Kirchner, Hubert

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Theologische Literaturzeitung 102. Jahrgang 1977 Nr. 12

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nutzen. Mit dieser Vorstellung werden Befunde der bür- zu nehmen, sie aus ihrem mein' oder weniger begrenzten
gerlich-parlanientarischcn Demokratie in die Kirche Rahmen, nicht zuletzt dem rein theologiseh-wissensehaft-
hineinprojiziert. Sicher gibt es Macht mißbrauch und licher Facherörterungen, herauszuheben und zum Aus-
- im Kontext der kapitalistischen Gesellschaft - auch gangspunkt weitergehender allgemeiner interkonfessio-
KJasseninteressen in der Kirche. Es heißt aber, den Teufel neiler Gespräche zu machen. Und der hier vorgelegte
durch Beelzehul austreiben, wenn die Probleme der Band, der in Anlage und Inhalt den Anregungen jenes
Kirche durch die Methoden der westlichen Demokratie Beschlusses genau folgt, soll eine erste dafür notwendige
einschließlich Opposition- und Parteienbildung gelöst Informationsgrundlage schaffen. Daß dabei souleich die
Werden .ollen (üi>). Mit welchem Recht wird eigentlich ein Themen angesprochen werden, die seit Jahren am inten-
bestimmtes Demokratieverständnis für die Kirche als sivsten im Gespräch sind, zugleich aber auch noch die
normativ erklärt? größten Schwierigkeiten bieten, das kirchliche Amt und
Es darf nicht übersehen w erden, daß der Autor Kirchen damit integral verbunden die Frage nach dem Abendin
der BRD und den USA im Blick hat. Kenner der mahl, beweist nach Meinung von H. Meyer in seiner allge,-
Situation müssen sich dazu äußern, ob die Analysen zu- meinen Einleitung über ..die Bedeutung und Ergebnisse
treffen. Der zugespitzt polemische Ton weckt Zweifel, des gegenwärtigen evangelisch-katholischen Gesprächs"
Sicher ist, daß ein so vollständiges Absehen von den (11-19),,das fortgeschrittene Stadium des Dialogs : Es hat
theologischen Seiten der Probleme zu Fehlergebnissen zu dem Punkt geführt, an dem die Frage der erwirkführen
muß. Wer von der Dringlichkeit besserer Kommu- Heining kirchlicher Gemeinschaft sich gebieterisch auf-
nikations- und Entscheidungsstrukturen in der Kirche drängt und nicht mehr ausklammern läßt'" (17).
überzeugt ist, wird durch dieses Buch enttäuscht, weil es Im einzelnen enthält der Band neben dieser Einleitung
kein theologisches Verständnis der Kirche erkennen läßt die wichtigsten Dokumente aus dem jüngsten evange-
und darum auch keine praktikablen Hilfen bietet. lisch 'römisch-katholischen Gespräch: den sog. Malta-Bericht
der evangelisch-lutherisch römisch-katholischen Stu-
"'»''■ <*»»'•> BbeI" Witaa dienkommission „Das Evangelium und die Kirche-; die

ersten beiden Dokumente aus dem offiziellen lutherischkatholischen
Gespräch in den USA. ,.Die Eucharistie-'
und ..Eucharistie und Amt"; drei Dokumente aus dem

MISSIONSWISSENSCHAFT, ÖKUMENE evangelisch-katholischen Gespräch in Frankreich, das

vor allem von der sog. ,,Gruppe von Dombes" geführt

Ca. u i- i j u m u r u,„u wird- Auf dem Wege zu ein und demselben eucharisti-
v>al!niann, (.iimIIkt. I i< uliard. Marc. Mever, thuding. u. Hans- »im- 'vf* , rS „ , , . -n u • ±- " i
Volker Herntrichrtlrsg.]: Um Amt und Herrenmahl. Dokumente sehen Glauben", „Die Bedeutung der Eucharistie und
zum evangelisch-römisch-katholischen Gespräch. Frankfurt/M.: ..Für eine Versöhnung der Amter'-: die Stellungnahme
Lembeck, u. Frankfurt/M.: Knecht [1974]. 174 S. 8° = Oku- des Straßburger Instituts zur lutherisch-katholischen
menische Dokumentation, hrsg v. G. Gaßmann. M. Lienhard Abendmahlsgemeinschaft und schließlich das Memoran-
u. H. Meyer, I. DM 16,-. ,|„m ,|,.r Arbeitsgemeinschaft ökumenischer Universitäts-
Interkonfessionelle Gespräche fanden und finden auf -stitute „Reform und Anerkennung kirchlicher Ämter",
vielen Ebenen, in vielen Gegenden und mit unterschied- Alle diese Dokumente bedürfen hier keiner besonderen
Hchen Themen statt. Neben kirchenamtlich autorisierten Würdigung mehr. Sie sind sämtlich nicht neu. sondern
Gesprächskommissionen stehen freie Arbeitsgemeinschaf- weithin bekannt und ja teilweise bereits wieder Gniiid-
ten von Einzelpersonen oder Wissenschaft liehen Instituten. läge für weitere Initiativen geworden, Ungeachtet ihrer
Sie alle arbeiten mit dem erklärten Ziel, ihren Teil dazu unterschiedlichen Herkunftsbere.che und Hintergrunde,
beizutragen daß die Fronten zwischen den Konfessionen woraus auch eine unterschiedliche Argumentation resu -
abgebaut werden, indem zumal die seit langem scheinbar tiert, erfordern sie alle über ihren ursprünglichen Bereich
festgeschriebenen Lehrgegensätze nach und nach neu hinaus ein hohes Maß an Beachtung. Denn sie alle beaufgearbeitet
werden Und alle veröffentlichen Texte. Sie weisen auf je ihre W eise, daß die 1 berems nnmung großer
«eben Rechenschaft Über ihre Arbeit und laden damit ist als im allgemeinen angenommen wird. So sollten sie
^•gleich ein. mitzuarbeiten, mitzudenken und mitzufra- nicht nur Anstoß und Ermutigung sein, nun auch an
gen, welche Konsequenzen gezogen werden sollten. anderen Orten das gezielte Gesprach zu beginnen, sondern
Die mit dem hier vorliegenden ersten Teil beginnende, Grundlage für die- Inangriffnahme nun auch weiterer bis-
auf mehrere Bände veranschlagte Dokumentation, in der, her ausgeklammerter Sachbereiche und nicht zuletzt für
Wie angekündigt wird die wichtigsten Texte aus inter- praktische Konsequenzen. Diesen stehen freilich zumal
konfessionellen Gesprächen veröffentlicht werden sollen. von Seiten des katholischen kirchlichen Lehramtes noch
•nacht es sich zum Ziele diese verstreuten Texte unter- zuweilen fast entmutigende Hindernisse im Wege. Trete-
»chiedlichster Dignität unter thematischen Gesichts- dem sollte sich gerade hier niemand entmutigen lassen
Punkten zusammenzustellen, damit der wichtigste Teil Daß die Initiative für diese Dokumentensammlung mit
der Arbeit, «las Nachdenken und die Verantwortung von dem erklärten Ziel dazu beizutragen 4ie Krise und
Konsequenzen in möglichster Breite, aber unter Berück- Schwierigkeiten, in die der Glaube in beiden Konfessionen
^•l'tig'm, möglichst "vieler De.ailergebnisse geschehen geraten ist, ...gemeinsam (zu) bewa. .gen. in« ein jede,
kann den anderen zum Evangelium ruft (8). von einem solchen
Von besonderer Bedeutung ist dabei die Initiative, die kirchlich-offiziellen Gremium erfolgte, darf mit Hoffnung
zur H^^lu^lC^und^nü derganzen Reihe erfüllen, daß zummdest von uthenscher (teilweise aber
geführt bat Dahinter steht ein Beschluß der Generalsy- auch bereits von katholischer Seite aus die notwendigen
»ode der YELKD die Dokument., der bisherigen Ge- Voraussetzungen für die nächsten Schritte als gegeben
»Präehe zwischen römisch-kat höfischen und evangelischen angesehen w erden, lud wie anders konnten diese auch
.'"-Inge, auf den verschiedensten Ebenen, die „zu ermöglicht und vorbereitet werden als durch euren ent-
^•e.emstim.nungcn und Annäherungen in wichtigen sprechenden Vorlauf der Iheolog.e und eine möglichst
1<>agendes(ilaubn,scJefiil,.U l,ab.-n.so!u veröffentlichen, weiträumige Rezeption ihrer Ergebnisse m beiden Kon-
„daß sie für ökumenische Kreise für interessierte Ge- fessionen!' „. , .
finden d 'h I ht zugänglich sind" (8). Allen Dokumenten ist jeweils eure kurze Kmle.tung
Dieser u. ui , fm"V | An«.cnirur zu einer vorangestellt, die über den Verlauf der jeweiligen Ge-

fSJ^£j£$j^ ^ °t 4" *lin

'^l'enscherseit. die Ergebnisse .lieser Gespräche, wenn den USA. oder mehr pr,vat w „■ die Gruppe von Dombes.

«Mit direkt zu rezipienm. so doch zumindest sehr ernst orientiert. Beigegeben ist ferner eme freilich sehr aus-