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Ausgabe:

1977

Spalte:

781-782

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Vischer, Lukas

Titel/Untertitel:

Veränderung der Welt - Bekehrung der Kirchen 1977

Rezensent:

Forck, Gottfried

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Seite 1

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und Statuten) und für Grundsatzfragen II (Kirchliche Beziehungen
). Hier finden sieh die Überlegungen über ein gemeinsames
Osterdatum, Darstellungen Uber die Beziehungen zwischen
de in Ökumenischen Rai der Kirchen und den weltweiten Kon-
Fessionsfamilien sowie über die Beziehungen zur römisch-katholischen
Kirche. Die in diesem Teil des Buches aulgenommenen
Berichte des Ausschusses für Programmrichtlinien sind für die
weitere Arbeil des Ökumenischen Haies der Kirchen und seiner
Organe bestimmend. Der jeweilige volle Wortlaut ist innerhalb
eines 150seitigen als „Anhang" gekennzeichneten Teiles des Bandes
zu finden. Hier stehen auch die Berichte des bisherigen Vorsitzenden
des Zentralausschusses, des Inders Dr. M. M. Thomas,
sowie des Generalsekretärs Dr. Potter. In beiden Berichten spiegelt
sieh dii' Arbeit des Ökumenischen Hat es der Kirchen und
seiner Organe in den Jahren zwischen l'ppsnla 1908 und .Nairobi
1975 lebendig und inhaltsreich wider. Dr. Potter schrieb zum
Berichtsband ein Vorwort, das, eine Vollversammlung des ökumenischen
Haies der Kirchen nach Wesen und Aufgabe charakterisierend
, folgendermaßen beginnt: „Eine Vollversammlung
des Ökumenischen Haies der Kirchen isl immer ein komplexes
Ereignis. Als umfassende Erfahrung der Gemeinschaft der Mitgliedskirchen
und der ganzen ökumenischen Bewegung sollte sie
eine Gelegenheit sein, bei der das Wesen der freudigen und zugleich
schmerzlichen Gemeinschaft der ('.bristen in Christus in
dieser Well erfahren und gefeiert wird. Sie entfallet sich auf der
Stufe, die die Kirchen in einem bestimmten Punkt, ihrer Pilger-
schaft von der Trennung zur Einheit, von Selbstbezogenheit zur
Selbstaufgahe für Gott und die Nöte dieser Welt erreichl haben.

Sie muß sichtbar machen, daß die Christen treu zu dein stehen,

was ('.oll gegeben hat, und offen sind für das, was Gott geben
■will. Sodann muß sie die Freuden, Leiden, Hoffnungen und Angsie
des ganzen Gotlesvolkes ausdrücken. I nd es besteht kein
Zweifel, daß all dies gemeinsam im t'.eisl getan werden muß."

Die Berichte der sogenannten Hearings über die Progrnnim-
einheiten: Glauben und Zeugnis (1), Gerechtigkeit und Diensl

(II). Bildung und Erneuerung (111) sowie über das Generalsekretariat
und der sogenannten Workshops: Spiritualität und Jugend
verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Eine Liste der Mitgliedskirchen des ökumenischen Rates
sowie der Teilnehmer der Vollversammlung in Nairobi beschließen
den Band.

Kr stellt, solange nicht ergänzende, weitere deutsch- und anderssprachige
und auch damit die Weile und Mannigfaltigkeit
des Ökumenischen Rates der Kirchen widerspiegelnde ähnliche
Berichte zugänglich sind, eine wichtige Fundgrube und Quelle
über die Diskussionslage und das erreichte Miteinander der im
ök uineniscben Bat zusammengeschlossenen und mit ihm verbundenen
Kirc hen der Well dar.

Hiiilrhcul Ulrich von Brück

Vischer, Lukas: Veränderung der Well — Bekehrung der Kirchen.
Denkanstöße der Fünften Vollversammlung des Ökumenischen
Balis der Kirchen in Nairobi. Frankfurt/Main: Lembeck
1976. 111 S. 8°. Kart. DM 9,80.

Lukas Vischer hat in seinem Buch vier Vorträge veröffentlicht
, die er ..als persönliche Überlegungen zu einigen der Themen
" versteht. ..die in der weiteren Arbeil des Ökumenischen
Bates eine Bolle spielen könnten" (12). Voraussetzung dieser
vier Vorträge ist die Einschätzung: „Die Vollversammlung war
weniger ein Buf zur Veränderung der Well als vielmehr ein Ruf
zur Verwandlung, ja Bekehrung der Kirchen, der Gemeinden,
der schon engagierten einzelnen Christen. Keine Veränderung
wird je zustande kommen, ohne daß die Kirchen vorher den Preis,
den sie erfordert, erkannt, angenommen und bezahlt haben"(9).

Auf die Frage, ob das geineinsame Zeugnis der Kirche Harmonie
oder Dissonanz gewesen sei, wird im J. Vortrag geantwortet
, daß das auffallend häufige .wir' des Berichtes der Sektion I
weniger Ausdruck für eine schon vorhandene Gemeinschaft als
vielmehr Ausdruck des dringenden Wunsches nach Gemeinschaft
und gemeinsamen Zeugnis sei (2). El komme darauf an. daß die
ökumenische Bewegung „die F'ünfte Vollversammlung als eine

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Schwelle in eine neue /.eil gemeinsamer Arbeit an einer tiefer
begründeten und intensiver gelebten universalen Gemeinschaft"
betrachte (28).

Der zweite Vortrag gebt der Frage nach, welche Folgerungen
aus der Tatsache zu ziehen sind, daß es in der Vollversammlung
zu einein Konflikt über die Frage des Dialogs mit Menschen anderer
Religionen und Ideologien kam. Vischel" stellt fest: „Die
Vollversammlung hat den Kirchen den Dienst geleistet, die krage
nach dem Verhältnis zwischen Evangelium und Kirc he einerseits
und Religionen und Ideologien andererseits unwiderruflich
auf die Tagesordnung gesetzt zu haben" (39). Er forciert : „Wenn
die Kirchen wirklich weiterkommen wollen, müssen sie zu einer
umfassenden Fragestellung vorstoßen. Sie müssen sich fragen,
w iedas Verhältnis zwischen Kirc he und Mensc hheit zu verstehen
ist, wie Gott in der Geschichte der gesamten Menschheit gegenwärtig
ist. wie insbesondere die Bolle der verschiedenen Religionen
und Ideologien im Rahmen von Gottes Geschichte zu verstehen
ist" (43f).

In den l herleguIlgen des drillen Vortrages fragt Vischer nach

den Ergebnissen der Vollversammlung für die Gesellschaft. Er
konstatierl zunächst, die Erfahrung seit Uppsala habe gezeigt,
„daß wirkliche Hilfe die Veränderung von ökonomischen und
politischen Strukturen erfordere und daß die Kirche ihre Aktion
auc h auf diese Ebene tragen müsse" ((i.'l). Im Blick auf die der
menschlichen Ausbeulung der Erde gesetzten Grenzen sei in
Nairobi erkannt worden, daß das Ziel aller Bemühungen nicht
nur eine gerechte Gesellschaft, sondern auch eine lebensfähige
sein müsse (7a). l ud bezüglich der Art dieser Gesellschaft habe
sieb die Vollversammlung „zugunsten einer partizipatorischen
Gesellschaft ausgesprochen, d. h. einer Gesellschaft, die einer
möglichst großen Zahl ihrer ('. heiler ein möglichst großes Maß
an Mitbestimmung einräumt" (75).

Der letzte Beilrag dieses Buches gibt hilfreiche Erläuterungen
ziiiii Begriff „konziliare Gemeinschaft", der In Nairobi aufgegriffen
w urde und eine präzise Auslegung erfahren hat. Anknüpfend
an den Bericht der Sektion II führt der Verfasser aus: ..Die
Vollversammlung erklärte, die konziliare Gemeinschaft isl eine
Gemeinschaft von lokalen Kirchen, die in sich wahrhaft vereint
sind. Ks gebt also nach dieser Beschreibung in erster Linie nach
« ic vor darum, daß die Christen an jedem Ort und in jedem Land
In sichtbarer Einheil leben. Sie müssen hei aller Vielfalt, durch
die die Kirche sich auszeichnen mag. so weit auch organisatorisch
vereint sein, daß sie gemeinsam Zeugnis ablegen kann"
(102f).

Die hier vorgelegten Denkanstöße verdienen in der Ökumene
weiteste Beachtung.

Cottbus Gottfried Forck

Allmen, Daniel von: Les incidences theologiques de Nairobi
(RThPh 109, 1976 S. 191-205).

Appel. Andre: Brückenschlag in Europa. Die Hegion als Subjekt
ökumenischen Handelns (Lu.Mo 15, 1976 S. 265—209).

Bnssarak. Gerhard: Zur geschichtlichen und religionsgeschicht-
lichen Bedeutung der Moskauer Weltkonferenz (Standpunkt
8, 1977 S. 201-205).

Beckmann. Heinz: Bereitschaft zum Mit Vollzug'.' Gewissensfragen
an Lutheraner und Katholiken (LuMo 16, 1977 S.
352-353).

Beverhaus. Peter: Nairobi. Tendenz«,ende oder Konsolidierung?
Bericht über die 5. Vollversammlung des ORK (Theo! Beiträge
7, 1976 S. 61-68).

Blancy, Alain: Economic Growlh and the Quality of Life (ER
28,' 1976 S. 296-307).

Brinkhues. Ilse: Nairobi: Sektion IV — ..Erziehung zur Befreiung
und Gemeinschaft" (Alt-KatbKZ 20, 1976 S. 47).

(laß, Helmut: Christus kennt nur eine Kirche. Lutherische
Grundanliegen im Kontext der Ökumene (LuMo 16, 1977 S.
415-417).

Dietzfelbinger, Hermann: Von Nairobi nach Daressalam. Um
der Welt willen brauchen wir mehr Theologie (LuMo 15, 1976
S. 246-249).

Duc hrow. ITrich: Zur Studienarbeit im Lutherischen Weltbund
(LR 27, 1977 S. 105-112).

Theologische Literatuizeitung 102. Jahrgang 1977 Nr. 10