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Ausgabe:

1976

Spalte:

555-558

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Jong, Johannes A. B. M. de

Titel/Untertitel:

As the waters cover the sea 1976

Rezensent:

Kimme, August

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Theologische Literaturzeitung 101..Jahrgang 1976 Nr. 7

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Praktischen Theologie im evangelischen Bereich bebandelt
werden. Als Vorsitzender der Hauptkommission
für das Pastorale ist Norbert Greinaeher genannt, als
Vorsitzender der Faszikelkommission „Krankheit und
Tod'' Gustav L.Vogel. Angegeben sind auch die Namen
der elf .Kommissionsmitglieder für dieses Heft; die Endredaktion
hatte Hans Hirschmann. Es handelt sich also
um eine Kollektivarbeit - einleitend heißt es, daß an ihr
,,Ärzte und Priester, Theologen und Seelsorger" mitgewirkt
haben - der man wohl repräsentative Bedeutung
und offiziösen Charakter zuschreiben kann.

Erstaunlich ist zunächst einmal die Fülle der prinzipiellen
Aussagen und elementaren Informationen, die
auf diesen 80-90 Seiten im Kleinformat dargeboten wird.
Viele Probleme der Pastoralmedizin oder Seelsorge, die
sonst in mehrbändigen Handbüchern erörtert werden,
erscheinen hier in lexikonähnlicher Gedrängtheit. Sogar
periphere Fragen, wie die des Krankenhauswesens in der
BRD oder des Erbrechts, finden Berücksichtigung. Eine
derartig knappe Handreichung wünschte man sich für
die pastorale Praxis auch in unseren Landeskirchen!
Der evangelische Pastor wird vieles ohne weiteres übernehmen
bzw. sich zu Herzen nehmen können und überdies
dankbar dafür sein, daß er auf so engem Raum
manche Grundsätze heutiger katholischer Kranken-
seelsorge schnell überblicken kann, wie z. B. das
folgende Zitat zeigen mag: „Die ,compassio' als Grundhaltung
verlangt gerade keine fertigen und jederzeit
verfügbaren Antworten auf Lebens- und Schicksalsfragen
- etwa nach dem Sinn der Krankheit -, sondern
das Bemühen, mit dem Kranken einen oft dunklen und
unbegreifbaren Weg zu Gott zu gehen" (55). Zuvor steht
der Satz „der Empfang der Sakramente kann nur Bestä-
I igung und Ziel eines gemeinsamen Weges zum Glauben
und nicht dessen Ausgangspunkt sein".

Natürlich löst die Vielseitigkeit und Kürze dieser Anleitung
zugleich das Bedenken aus, daß neben wichl igen
Erklärungen und Hinweisen auch manche Vereinfachung
oder Vergröberung in Kauf genommen werden
muß. Kann man etwa auf nur drei Seiten sinnvoll das
Thema „Kranksein und Krankendienst in der Heiligen
Schrift" darstellen? Die thetische Redeweise führt u.U.
sogar zu falschen Konsequenzen, z.B. wenn man S.27
Psychopathen und Neurotiker in einem Atemzug zu den
„abnormen Persönlichkeiten" zählt oder wenn auf derselben
Seite gesagt wird, daß es „bei allen psychisch
Kranken" ratsam sei, erst einmal zuzuhören und „auf
die Gedankengänge des Kranken einzugehen" (also auch
bei Wahnkranken?!). Auch der letzte Ansatz des
Büchleins, der mit genau sieben Zeilen „Die Urnenbeisetzung
" behandelt und diese dabei von der Einäscherung
überhaupt nicht abhebt, wirft noch die Frage
auf, ob mit diesen wenigen, unpräzisen Richtlinien dem
praktizierenden Priester wirklich gedient ist. - Über den
begrenzten Wert einer solchen sonst sehr begrüßenswerten
Handreichung muß man sich also im klaren sein ;
die Herausgeber haben vielleicht deshalb am Schluß des
Ganzen eine Literaturliste mit 19 Titeln hinzugefügt.

Knstock Krnst-ROdlKPr Klonow

MISSIONSWISSENSCHAFT, ÖKUMENE

de .long. J. A.: As the Waters Cover the Sea. Millennial ezpeota
tions in tho rise of Anglo-Ameriean missionn 1640-1810.
[Kampen: 1970] gr. 8° brosoh. VIII + 248 S.

Dieses Buch bedeutet für die einschlägige britisch
amerikanische Forschung offenbar nur eine Spezialuntersuchung
; für kontinentale Missionswissenschaft

hat es darüber hinaus einen zusätzlichen Wert. Denn es
durchleuchtet die allgemein bekannten Hauptfakten der
protestantischen Missionsgeschichte von John Eliot bis
zur Gründung des American Board 1810 von einigen
ihrer entscheidenden Motive aus. Diese Motive sind bi-
blizistische Erwartungen futurischer und präsentischer
Eschatologie, die mit dem Tausendjährigen Reich von
Apc 20 verknüpft wurden. Dazu gehören die Aufrichtung
des Reiches Gottes und Christi, die Bekehrung Israels
und aller Völker, der Sturz Babylons, d.h. Roms, und
schließlich die künftige Herrlichkeit der Kirche in der
ganzen Welt.

Das nahezu uferlose Quellenmaterial ist in historische
Epochen gegliedert und wird jeweils unter vier Gesichtspunkten
dargestellt: A. General background, B. Millen-
nial expectations, C. Mission efforts, D. Missions and
millennial expectations. Auch dem Vf. war es unmöglich,
alle aufgetretenen Schattierungen und Spielarten eines
noch zu erwartenden oder kurz bevorstehenden oder
gerade anbrechenden oder bereits im Gang befindlichen
Millenniums mit der dabei erhofften oder bereits geschehenden
Erfüllung von Prophezeiungen aus dem AT
und NT begrifflich voneinander abzugrenzen. Die Unter
Scheidung von „premillennialism" und ,j)ostmillen-
nialism" sollte nicht im Sinne chiliastischer Themen des
19. Jahrhunderts verstanden werden (.37). Wenigstens
der gelegentlich vertretene Prämillennialismus des
untersuchten Zeitraums wird eindeutig gekennzeichnet:
er erwartet „the physical return of Christ before or at
the beginning of a literal thousand-year millennium", er
weiß „the time when the millennium will begin" und
erwartet „the physical resurrection of the saints at the
Inauguration of this extended period" (38). Vf. zieht es
deshalb vor, lieber zwischen „simple chiliasm" und
„complex chiliasm" zu unterscheiden:: „Throughouf
the period which wo have covered millennial hopes
oscillated between a highly complex chiliasm or premillennialism
with adventist tendencies and a low-keyed
postmillennialism [= simple chiliasm vgl. 38f. Anml4].
with its belief in the gradual improvement of human
conditions through Christian benevolent and educational
programs" (228).

Das als Einleitung fungierende Kapitel I (5-33) behandelt
die Zeit vor 1640, also vor der epochemachenden
Wiedereinberufung des englischen Parlaments. Bereits
in der frühorthodoxen Zeit tauchen nahezu alle millen-
nialen Motive, hauptsächlich angeregt durch Auslegungen
der Apc, auf. Der Puritaner Th.Brightman
(t 1607), der Anglikaner Joseph Mede (f 1638) und die
Diatribe de mille annis Apocalypticis des Herborners
Joh.Heinrich Aisted von 1627 haben die Folgezeit entscheidend
beeinflußt. Kap. II „Dry bones and first
fruits" (34-78) umfaßt die Zeit von 1640 bis 1675.
Kap. IIT „The new Jerusalem" (79-115) verfolgt die Entwicklung
von 1675-1735, während Kap. IV „A great
effusion" (116-158) die Jahre 1735 bis 1776 behandelt.
Die parallelen Kapitel V „The fall of Antichrist" (159
bis 198) und Kap. VI „All things new" (199-227) betrachten
den Zeitraum von 1776 bis 1810 zunächst in
Großbritannien und dann in den unabhängig gewordenen
Vereinigten Staaten. Ein „Epilogue" (228-230), ein
umfangreiches Literatur-Verzeichnis (232-242) und ein
Namensregister (243-245) bilden den Abschluß.

Es ist unmöglich, das Wechselspiel und die Vermischung
der genannten biblizistischen Motive durch
zwei Jahrhunderte britisch-amerikanischer Geschichte
hindurch nachzuzeichnen. Das geistlich-politische Drama
des christokratischen Sendungsbewußtseins von Engländern
, Schotten und Neuengliindern kann nur de''
Leser dieser farbigen Darstellung und Analyse nacherleben
. Bes. darf sich deshalb darauf beschranken, die