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Ausgabe:

1976

Spalte:

389-392

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Das Bild vom Menschen in Orthodoxie und Protestantismus 1976

Rezensent:

Jacob, Günter

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38«.»

Theologisch« Literaturzeitung 101. Jahrgang 1976 Nr. 0

390

—mop Beziehung, sondern auch neuen Konzeptionen
vom Kirche, infam tfir die Notwendigkeit euer Wr-
aoderung anerkennen. Dann wird das Frangfürnn sine
liefere und umfassendere Wirkung haben, als unser
■fiwairmaahriateartuat hisher gebäht hat" (4$. 07). Um
die heitere Wirkung dos Evangeliums geht es auch dem
inzwischen si'hr bekannt gewordenen M>IIIIIIMIIlWui der
Evangelischen Meknne .»esus Kirche (E< -MY) ausÄthm-

l>ien vom Jahn l'.>~i fthei ..die WnehiwHtniinhimg

zwischen der Verkündigung des Evangeliums und der
menschlichen Knt w icklimg" (S. 08 II'.). Hut III■ »fall

aioh* eigentlich Appell,- an die Adresse dw itteeea
Kirchen gerichtet, sondern ein Stück eigener Verantwortung
für die Mission ausgedrückt.

Eigentümlicherweise werden die Beiträge, die als
Echo auf den Ruf zum Moratorium gelten können, unter

der Überschrift „Anhang" hinzugefügt. Natürlich wird
darin die Verlegenheit deutlieh, in der man sieh befindet
. Auch diese Sammlung lehr «richtiger Dokumente
hat also teil au dem ..Schweigen von ituuirknk".
der teils erschrockenen, teils hilflosen, aber wohl mit
Heeht auch sprachlosen Zurückhaltung der Weilten auf
der Well nussionsUonferenz. Der Neuaubing wird da.
erfolgen, wo „begnadigte Sünder begnadigten Sündern
begegnen" (S. 128) und wo wir „Aber die Art unserer
Selb.sthingabe sprechen — in welcher Weise wir unsere
Macht zugunsten des machtlosen Bruders aufgeben
können". „In unserem gemeinsamen Leben unter dem
Kreuz wagen wir es, teilzuhaben und tcil/.ugeben und
durch Vorheren zu gewinnen" (S. 132—133). Im Sinne
dieser Büßfertigkeit wird man auch den Hill zum Umdenken
ernst nehmen, wie ihn Ivan lllich in sein, in
Beitrug ,.Zur Hölle mit allen guten Vorsätzen" formuliert
.

Seit Erscheinen des Buches ist viel über das Moratorium
geredet worden. Neue Aspekte sind hinzugekommen
. Was in dieser Sammlung noch auf die Holle
von Missionaren und Missionsorganisationen hin etwas
eng geführt erscheint, wird heute als die ökumenische
Grundfrage nach der mündigen Partnerschaft zu diskutieren
sein und darum uueh die Kirchen zu interessieren
haben, für die das Problem der Missinnsmil
Arbeiter nicht aktuell ist. Iis geht nicht nur um den Weg
..von der Westmission zur Welt mission", sondern um
eine verantwortliche Beendigung aller Können vou
LreiHtlichein und kirchlichem Imperialismus und den
Durchstoll zu wahrhaftigem Okumonismus.

Ilurli" .Johannes Altliuusou

"«h Hi|,| vom MniiKclixn in Orihuiloii» und l'r»tisl>iatismuK.

dritte« Theologisches einsprach /.wischen den, ilk.......in

'•In n Putridrohat und der Evangelischen Kirche in
Deutschland vom 2. bis G. Oktober 1973 in < haiubcsy/
•Schwei/,. Hrsg. vom Kirchlichen Außciiamt. Mit einem
Vorwort von A. Wischmann. Korntal b. Stuttgart: Kvang.
Missionsverlag 1974. 130 S. 8° Beiheft z.ur Ökumenischen
Rundschau, 20.

In den licferaton von Basihios Anagnostopoulos
• •Das Zeugnis der Vater vom Menschen". Dninaskiims
eou ..Das orth'>doe cistnndni.-* de-, Menschen
>ii der neuzeitlichen Theologie" und Kmihanos Timiadis
■ Auf der Suche nach dem Sinn unserer Existenz" sind
u"*"Uflic.he Kragen der Anthropologie nach orthodoxem
Verstand,11K erhellt, worden. Basileios Auagnostopoulos
«il)f in geraffter Kurze einen Überblick über die Ansagen
der Kirchenvater zu diesem Probleuikrcis von
den früJioi, Anfangen bis zur Anthropologie <k?s .!<>-
'Hiiiich Daiiiaszonus. Es wird deutlich, daü alle Dar
'"gUiigen zur Anthropologie Im das orthodoxe Denken
nniner in den universal "" n Zusammenhang der Oiko-

iininia,[des lleilsplans Gottes eingeordnet, sind und von
den Kragen der Christologie und der Soteriologie über-
hiiupt nicht abgelöst werden können. Zwei Merkmale
werden für die Auffassung der Väter zum Problem der
Anthropologie herausgestellt: 1. eine Anthropologie
ohne Bezug auf den ersten und /.weiten Adam ist für
sie undenkbar; 2. in dieser Anthropologie kann nur
vom vollkommenen Menschen die Kode sein, denn es
geht um den Menschen, der durch den Parakleten zu
Christus geführt wird und danach strebt, die Gott-
almlichkeit zu erlangen. Damaskinns Papandreou kennzeichnet
die neueren othodoxen Tendenzen z. B. bei
P. N. Evdokimov hinsieht lieh des neuen Menschen in
Christus. In einer Befrachtung über das orthodoxo Verständnis
der Kucharistie macht er auf die Dimension
der eoinmunin der Gläubigen untereinander und auf
die eschatologischo Dimension aufmerksam. Hier könnte
dem Menschen von heute nach seiner Ansicht aus einer
„eucharistischen Schau der Welt" Hilfo zur Überwindung
der falschen Alternative von Individualismus und
Kollektivismus und zur Bewahrung vor Weltvorfallen-
heit "n Sinne der modernen Säkularisierung erwachsen.
Seine Warnuug vor der Säkularisierung im Sinne eines
Abfalls ist unberührt von der I )if'fcreii/.ierf heit, die in
der ökumenischen Debatte doch schon Anfang der
sechziger .lahre erkannt wurde. Einem modernen
..christlichen" Existentialismus stellt er die orthodoxo
Lehre von der Rekapitulation mit dem Ziel der Vergöttlichung
des Menschen entgegen. In oiner Verlagerung
des Akzentes auf die Sündenvergebung, wie er sie
in der evangelischen Kochfert igungslehre wahrnimmt,
sieht er eine „schwerwiegende Verengung" (S. 02).

Auch Emilianos Timiadis bemüht sieh, das orthodoxe
Verständnis vom Menschen als „dem neuen Menschen
in Christus" als Hilfe fürdon in der Welt von heute
lebenden Mensehen zu aktualisieren. Dabei hat er freilich
nur den Menschen der westlichen Gesellschaften

vor Amen, als deren Symptome Sinnlosigkeit, K.....-

munikationslosigkeit und Verzweiflung genannt werden.
So wird gegen die „Vertreter des Nichts und dos Absurden
in unserem zeitgenössischen Donken" recht
massiv polemisiert, aber auch gegen alle Versuche, aus
der Kirche „eine Art iniischer Werbeagentur" (S. 74)
zu machen. Der liedc von einem ..neuen Humanismus"

und ulk......nei w eltlichen Hoffnungen stellt er das

österliche Wunder ih r Auferstehung Christi entgegen:
..Wenn wir es mit Menschen zu tun haben, die VOll
Panik ergiffen sind, dann ist Ostern die richtige Antwort
auf diesen Schrei der Herausforderung; und wenn
wir gegeu die Äugst kämpfen sollen, die die Menschheit
so hoffnungslos befallen hat, dann ist der Kalvaiien
borg der Piuikt, von dem w ir ausgehen müssen" (S. 83).

Auf evangelischer Seite hat Friedrich Heyer in
seinem Heferat ..Orthodoxe Anthropologie der Gegenwart
in der Sieht eines evangelischen Theologen" den
langgehegten Hi'iresieerdacht im Blick auf die orthodoxe
Synergisinuslclire ausgeräumt. Kr versucht, die

orthodoxe Anthropologie nachzuverstehen, in der es sich
nicht um ein Bild des alten Menschen, sondern um ein
Bild des in Christus neuen Menschen handelt, der seif
der Inkarnation Gottes alleinige menschliche Wirklichkeit
ist. Pavel Evdokimov mit seiner Auffassung von
der Im,' " als onfologischer Gottförinigkeit und Nissio-
tis werden zitiert. Diesen Entwürfen des Orthodoxie
stellt Heyer vier anthropologische Entwürfe zeitgenössischer
evangelischer Tl.....logie (Barth. Bull mann, Go-

garten, Tillich) gegenüber. Sie verstehen die iinago Dei
immer als relationale Struktur. Leider ist man über
diese bloUe Gegenüberstellung auch in der Aussprache
zum Beferat nicht hinausgekommen.