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Ausgabe:

1976

Spalte:

318-320

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Gottesdienst in einem säkularisierten Zeitalter 1976

Rezensent:

Henkys, Jürgen

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Theologische Literaturzeitung 101. Jahrgang 1976 Nr. 4

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zunächst den Weg freilegen für ein Verständnis von Thcolo- politisches Programm zu verstehen. Vielmehr wird man sie als

gie als „kritische Hellexion auf die historische Praxis", bei der die Adaption theologischer Neuansätze der letzten zwanzig

der Theologe als ein Mensch beschrieben wird, „der sich in Jahre für die lateinamerikanische Situation ansehen müssen,

persönlichem und lebensnahem Einsatz in historisch genau da- Vf. hat sich dabei — wie der ausführliche Apparat nachweist —

tierten und beschriebenen Tatsachen engagiert, mittels derer nicht nur gründlich um eine kritische Aufnahme der Quellen,

Länder, soziale Klassen und Menschen um ihre Befreiung von sondern auch um eine sorgfältige Aviseinandersetzung mit der

Herrschaft und Unterdrückung kämpTen, denen andere Län- theologischen Diskussion um Yatiluinum Secundum bemüht,

der, Klassen und Menschen sie unterworfen haben' (S. 19). Er gehört der Bewegung „Christen für den Sozialismus" in

In einem eigenen einleitenden Kapitel wird dann auch der Lateinamerika an und beruft sich sicher nicht zufällig immer

Begriff der üefreiung untersucht. Das geschieht im Kontra- wieder auf die Bischofserklärung von Medellin, die nach dem

punkl zu Entwicklung. Befreiung wird in drei Bcdcutungs- Eucharistischcn Weltkongreß 19G9 in Bogota so etwas wie den

•benen gesehen, die aufeinander bezogen sind: „Wirtschaft- üurchbruch für den revolutionären Ncuunsatz in der katho-

bche, soziale und politische Befreiung, Befreiung zur Schaffung lischcn Kirche Lateinamerikas markierte.

eines neuen Mensehen in einer solidarischen Gesellschaft und Diese Zusammenhänge erleichtern es dem Mitteleuropäer,
Befreiung von der Sünde als Ermöglichung von Gemeinschaft mit dem 'f. in ein Sachgespräch einzutreten. Aber es liegt in
mit Gott und den anderen Menschen" (S. 229). Schließlich ihnen auch die Versuchung, ihn als einen Gesprächspartner
wird die kirchliche Situation in Lateinamerika ausführlich mit vergleichbaren Voraussetzungen zu sehen und ihm darum
untersucht und danach gefragt, ob und wie sie den Aufgaben vorschnell zu widersprechen — ob seines stark vom alttesta-
der Theologie der Befreiung gerecht wird. Mit dem Bemerken, mentlichen Denken und in einem übertriebenen Situations-
daß die Kirche „bis heute mehr Kirche im Beflex als Kirche bezug entstehenden „Horizontalismus" — oder zuzustimmen—
Von der 'Quelle her" war (S. 130), wird zu der Grundfrage zu- OD seiner zentral orientierten geistlichen Verarbeitung revo-
rückgclenkt, wie die Quellen theologisch erschlossen und zur lutionärer Prozesse. Interessant wäre vielmehr eine Diskus-
Erneuerung eingesetzt werden können, um dem latcinameri- s;on seiner Theologie innerhalb Lateinamerikas. Im ökumeni-
knmschen Subkontinent zu der „guten Nachricht" zu verhel- schen Gespräch dieses Kontinents melden sich nämlich immer
n" bewußter die evangelikal-pfmgsllerisch orientierten kirchlichen
Entsprechend dem dreidimensionalen Verständnis von Be- Massen zu Worte, deren Botschaft im revolutionären Prozeß
freiung beschäftigen sich auch die ilauptkapilcl des Buches mi». ihres Subkontinenls als eine neue evangelistische Spiritualität
der Bedeutung der Schöpfung (des Kampfes, vgl. S. 134) als sichtbar wird. Audi diese ist radikale Kritik und Erneuerung
Wundläge einer Theologie der Befreiung, mit der theologi- der traditionellen Kirchlichkeit. Aber sie ist wohl auch eine
sehen Bedeutung der Entscheidung für den Menschen im Be- grundsätzlich andere Stimme, als sie in der Theologie der
[reiungsprozeß und mit der Frage nach dem Inhalt des Neuen Befreiung zum Klingen kommt. Doch gerade in diesem Kon-
,r> der Geschichte, das „Gemeinschaft mit Gott und dem an- trast wird der hier vorgelegte Versuch einer „kontextuellen
•leren Menschen" ermöglicht. Theologie" noch einmal besonders interessant und herausfor-
ln der dialektischen Zuordnung der Schöpfung als erster dernd.

■eilstat Gottes zum Exodus Israels als der Neuschöpfung des . . . ...

VmIL-.. ii/-. • ■ » • i »» .i Ht-rlin Johannes Altnausen
»oikes durch Gott wird Befreiung zum zentralen Hcilsakt

yottes in Schöpfung und Erlösung, der alle drei Dimensionen

es Befreiungsprozesses in der historischen Stunde Latcin-

»menluis umfaßt. El wird relevant durch die Präsenz Gottes ...... , „ . rn i r ,, u , :., „:....... „st..

U d» au u . i | • , Moller. Kail l'erdinand [Hrsg. : Gottesdienst in einem saku-

uer deschichte. Aber auch dies ist nicht ontologisch zu ver- . . ! _ ,- - _.L .° . , __. . ...

stehen • j in » lai tj lansierten Zeitalter. Eine Konsultation der Kommission für

<-"cn, sondern Wird vom Vf. unter Zuhilfenahme einer aus- „, , , ... . . j rn • u d .

itthrliJt_ , , ... „. „. ,„ , , . , . Glauben und Kirclienverfassung des ökumenischen rtates

«arucnen Interpretation von Mt 25,31—46 beschneben. „In , „. , T , , c * ,

Unw.„„ v . i . •. j »« i i_ • j der Kirchen. In deutscher Sprache mit einem Vorwort von

cren Kontakten mit den Menschen begegnen wir dein , , .... , . ,, .... • • v ■ t

Herr.." ic iri\ nv • i a. n i_ ,. . , ,,, . Lukas ischer und einem Konsullalionsliericlil. Kassel: .lo-

c,,n Wie an vielen Stellen beruft sich VI. auch , , — , _ ,. ... n,P c

hier v m r j ci . j m- l . « hannes Stauda Verlag; Irier: Paulinus Verlag l'J/l. zlo t>.
"-<■ BU1 I. M. t.ongar, der vom „Sakrament des INachsten
sPriclit, einer „siclilbarcn Wirklichkeit, die uns den Herrn

offenbart und es uns ermöglicht, ihn aufzunehmen" (S. 188). Haß dieser Band verspätet angezeigt wird, ist ein Versäuin-

,s' solche Begegnung echt, so findet sie gerade an der Stelle nis des Rezensenten. Die sieben Abhandlungen und der ab-

!la». wo die Unterdrückten und Entrechteten stehen. Dia schließende Konsultationsbericht hätten eine eingehende Be-

von der Ml 25 spricht, schließt für den Vf. die Auf- sprechung verdient. Die mzwischen verstrichene Zeit hat dem

ein, die Gesellschaft zu verändern, und zwar - gemäß Thema natürlich nichts an Aktualität genommen. Dennoch

— - -»—»---—---1. ~. r. L ni-ziir I I mwi'K Pf hilf PI1.

aT~ -J nie uesenscnau zu veranuern una z.wa. - p»-. nodi cin kurzer Hinweis erfolgen,

"er vorher gegebenen Analyse - durch radikale Umgestal- ' interkonfessionelle Tu-

tani, »d. ... ton, Privateigentum an Produktionsmitteln her' Es handelt sich um Be, jge ur -J^^SS*

g 189). Evangeliumsgemäße Hoffnung und Utopie helfen zur gung. Im l^^^^S^, mit W. Adam,

Wuklichung der Aufgabe. Sie sind der Ausdruck des escha- C. *>^*Jv^Uto l.therUeh. und mit P. M. van

tol'>gisch ausgerichlelen Glaubens, der das Evangelium als K. I . Müller unu j vertrelen Allerdings wollen

ru«verdientes (;escl,e„k des Herrn" (S. 233) nimmt, aber nicht Buren die ^^^^^^ GottcsdLstlehre

!m «ualistisclien Gegensat/, zun, historischen Prozeß, sondern die Autoren tone«egs .UJ We*n kei(l

jj£ Dimension der Zukunft, die in die Gegenwart hinein- ^^^^ ^ ^ ^

' ■ Vorwort, hat im übrigen aber wohl maßgeblichen Anteil ain
"er lm lctzlon Kapitel entwickelte KirchenbegnlT knuPlt Konsultationsbericht) und die Freikirchlichen fehlen,
/'»''...sprechend an die neuen Akzente des Vatikanum Sc- fa NordamcriUa,
«»dum an. Als universales Heilssakrament ist die Kirche Vier Autor... w,r 1 d . p 0sten
"kei"e Nicht-Welt, sondern die auf das Wort Gottes hinhö- einer in Indien. <»< j '^'q , inleruon.
^He Menschheit d.h. Volk Cottes, das in der Geschichte ^T^^^f^^^t irtiom» ausätzet
und sich nach der vom Herrn verheißenen Zukunft aus- fessione.le Dialog „be den GoUesd ns - « ^
Sl^t" (S. 244). Ihre Aufgabe ist heute in Lateinamer.ka, weise auch «n ^^J^SLSZohnehin Immer
"do? »i^Ubare Zeichen der (iegenwarl des Herrn im Verlangen denkt man, 1 aß die D.ffere « de " Brechun-
n°d. Befreiung und im Kampf für eine menschlichere und ^.^2^^^^ "^^ neuen Position der
fitere (.esellschaft' zu sein (S. 246). Darum muß von der gen des ehr,st hen ^^wegen so muß
P^BI-rung christlicher Brüdcrlicl.kei. im Klassenkampf und sog. jungen ^"^Jg J d„ Zllsiimme„setzung des
'« <>er Armut vollendeter Solidarität gesprochen werden. ^^eS^^Zucrn. Eine stärkere Berück-
« wäre falsch, die „Theologie der Befreiung" nur als ein Verfasserkre.ses allerun g