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1975

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Neuerscheinungen

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Theologische Literaturzeitung 100. Jahrgang 1975 Nr. 11

87«

das Duala übersetzte. Nachdem Kamerun 1884 deutsche
Kolonie geworden war, trat 1886 die Basler Mission an
deren Stelle. Sie beschränkte sich zunächst auf das
nördliche Küstengebiet. Nur langsam dehnte man die
Arbeit ins Innere aus, erst 1903 legte man die erste Station
unter den Bali im sog. Grasland an, 1906 in Fumban,
wo er durch die Erfindung einer eigenen Schrift bekannte
Häuptling Ndschoja von Bamum residierte. Die Arbeit
wurde durch den 1. Weltkrieg, in dem Kamerun von
1914—16 Kriegsschauplatz wurde, unterbrochen. Durch
den Versailler Vertrag wurde Kamerun in ein großes
französisches und ein kleines britisches Mandatsgebiet
geteilt. Während die Basler Mission, deren Mitarbeiter
während des Krieges des Landes verwiesen waren, nach
Britisch Kamerun wieder Missionare entsenden konnte,
blieb ihr der französische Teil verschlossen. Hier trat die
Pariser Mission an ihre Stelle. Diese bemühte sich, obwohl
sie bereits auf sieben anderen Missionsfeldern arbeitete
, die nötigsten Kräfte freizustellen. 1936 wurde die
Arbeit in Bamum von ihr an die Norwegische lutherische
Mission übergeben. Im Jahre 1949 wurde eine Kirchenordnung
erlassen, und 1957 erhielt die Kirche ihre Autonomie
. Dieser Werdegang wird in dem Buch van Slage-
rens bis ins einzelne dargestellt.

So sehr die Arbeit historisch fundiert ist, hat der Vf.
aber auch, wie schon der Untertitel zeigt, ein Interesse
an dem Problem des Verhältnisses von europäischer Mission
und autochthonem Christentum. Die Duala an der
Küste betrachteten sich, entsprechend ihrer Rolle in der
vorkolonialen Zeit, als die einzigen Vermittler zum Hinterland
. Diese wirtschaftliche Eigenständigkeit hatte sie
zu geistig regen Menschen gemacht. Aus ihren Reihen
wurden die ersten Mitarbeiter gewonnen. Ihre Sprache
wurde Kirchensprache. Im Innern gewann das Christentum
besonders Anhänger unter den höheren Schichten
von Bamum. Die dortige christliche Elite bewährte sich,
als der Sultan nach Abzug der Deutschen den Islam einzuführen
versuchte. Damals wurden die Christen vielen
Schikanen und ungerechten Auflagen ausgesetzt. Charakteristisch
ist, daß an anderen Plätzen die Häuptlinge
christliche Schulen wünschten, bisweilen auch die Leitung
von Gottesdiensten übernahmen. Daß an einigen
Stellen Kirchen im Stil des Landes gebaut wurden und
daß bereits 1914 drei Afrikaner zu Geistlichen ordiniert
waren, zeigt etwas von der Eigenständigkeit der Arbeit.

Im übrigen erhält man ein Bild, wie die Mission der
alten Zeit arbeitete. Größtes Gewicht wurde auf das
Schulwesen gelegt. Kirchliche und säkulare Ziele waren
nicht immer zu trennen: Bisweilen kam es zu Differenzen
mit der Regierung. So ist die Basler Mission sehr für
die Rechte der Afrikaner auf ihr eigenes Land eingetreten
. Interessant ist auch das Interesse und die Unterstützung
, welche die Mission durch die französische Mandatsverwaltung
fand. Die für Frankreich geltende Trennung
von Staat und Kirche machte sich hier nicht bemerkbar
.

Abschließend seien einige Kleinigkeiten erwähnt. Die
Sklaven aus Jamaika wurden 1834 nicht durch die Königin
Victoria für frei erklärt. Diese kam erst 1837 zur Regierung
. — Ist das Zitat aus Fr. Spellenbcrgs unveröffentlichtem
Tagebuch richtig wiedergegeben (S. 52)? — Bei
den sprachlichen Bemühungen um das Duala (S. 53) sollten
Ittmanns umfangreiche Grammatik von 1939 und
sein hoffentlich demnächst erscheinendes Wörterbuch erwähnt
werden. — Wenn auch dem Titel zufolge nur über
die Ursprünge der l'Eglise Evangelique du Cameroun berichtet
werden soll, wäre, zumal die Darstellung bis 1957
geführt wird, eine kurze Notiz über die jetzige Größe
dieser Kirche und ihre Stellung zu den anderen Kirchen
Kameruns wünschenswert gewesen. Nach dem World
Christian Handbook 1968 zählt sie 250 000 Mitglieder
(Stand von 1962).

Der künftigen Kirchengeschichte Afrikas hat van Sla-
geran mit seinem sorgfältig gearbeiteten Buch einen guten
Dienst erwiesen.

Marburg/Lahn _ Ernst Dammann

Abernathy, Ralph D.: Neue Initiativen der Bürgerrechtsbewegung
(Interview Carl Ordnungs mit Dr. Ralph D.
Abernathy) (Standpunkt 3, 1975 S. 267-268).

Beaupere, Rene: What sort of Unity? The Decree on
Ecumenism Ten Years Later — A Catholic View (ER 26,
1974 S. 191-209).

Bonino, Jose Miguez: A Latin American Attempt to Lo-
cate the Question of Unity (ER 26, 1974 S. 210-223).

Carino, Feliciano V.: Im Kampf um die Befreiung. Christlicher
Studentenweltbund mit neuen Strukturen (Lu
Mo 14, 1975 S. 419-422).

Gutsch, Wolf-Dietrich, u. Gerhard Bassarak: Klarer Kurs
der Christlichen Friedenskonferenz. Gespräch Günter
Wirths mit Wolf-Dietrich Gutsch und Gerhard Bassarak
(Standpunkt 3, 1975 S. 154-155).

Hollenweger, Walter J.: Ausschau nach dem Gemeinsamen
. Zur Kontroverse der Evangelikaien mit den öku-
menikern (LuMo 13, 1974 S. 338-342).

— Lebendige Symbole des Heiligen. Die Religion der Armen
ist keine armselige Religion (LuMo 14, 1975 S. 423
bis 426).

Juva. Mikko: Für alle oder nur für Gläubige? Volkskirche
kann auch Bekenntniskirche sein (LuMo 14, 1975 S. 371
bis 375).

Kliewer. Gerd Uwe: Religion, Unterentwicklung und sozialer
Wandel: untersucht am Beispiel der lateinamerikanischen
Pflngstbewegung (Theolog. Promotion, Marburg
1974).

Luckey. Hans: ökumenische Einflüsse. Wichern und die
angelsächsische Erweckungsbewegung (Diakonie 73
S. 158-164).

Moede, Gerald F.: Church Union as a Model of Christian
Unity (ER 26, 1974 S. 246-264).

Opocensky. Milan: Lessons from Black Theology (Com-
Viat 17. 1974 S. 41-45).

Schmidt-Clausen. Kurt: Kursbestimmung bei Unwetter.
Wie wird der ÖRK seine Vollversammlung überstehen
? (LuMo 14, 1975 S. 502-505).

Töth. Käroly: The Christian Peace Conference and the
Ecumenical Movement. Some aspects of the role of the
Christian Peace Conference in the World-Wide Ecumenical
Movement (ComViat 17, 1974 S. 33—39).

Vischer. Lukas: Drawn and held together bv the Reoon-
ciling Power of Christ? Reflections on the Unity of the
Church towards the Fifth Assembly of the WCC (ER 26,
1974 S. 166-190).

VON PERSONEN
Hermann Dörrics zum 80. Geburtitutf

am 17. Juli 1975

Diem natalem tibi, Venerande, octogesimam celebranti
salutem impertimus plurimam animo pio et grato erga
Deum, qui tua quoque fata ita rexit moderatusque est, ut
te obtulerit nobis in variis vitae itineribus, te servavcrit
nobis usque ad hoc tempus vigore animi et corporis inte-
gro insignem.

Sed non modo te ipsum praeclaro nobis muneri daturn
et sentimus et confitemur, sed ex eis etiam. quae elabo-
raris elucubraris litteris mandaris, nos largiter ditari
quis est quem praetereat? Studia autem tua quam sint
varia, quam multiplicia, quam copiosa, iam tunc fugit
neminem, cum septuagenarius Retractationum Sti. Augustini
memor tuorum fructus laborum in medium protu-