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Ausgabe:

1975

Spalte:

509-511

Kategorie:

Altes Testament

Autor/Hrsg.:

Delcor, Mathias

Titel/Untertitel:

Le testament d'Abraham 1975

Rezensent:

Delling, Gerhard

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Seite 1, Seite 2

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r,0<J Theologische Lileraturzcitung 100. Jahrgang 1975 Nr. 7 510

der Vf. Aussagen des Alten Testaments über temporäre Eni- nis der beiden, z. T. auch inhaltlich erheblich verschiedenen
rückungen von Menschen (S. 310-321) sowie über Himmel- Rezensionen zueinander - sie sind voneinander unabhängig,
fahrt und Herabstieg Gottes bzw. göttlicher Wesen (S. 325 gehen aber auf ein gemeinsames griechisches Original zurück
bis 343). Im Unterschied zu den altorientalischen Zeugnissen (5-14) -, über die Versionen und ihr Verhältnis zu den
kennt dal Alle Testament keine temporären Entrückungen von griechischen Rezensionen (15-24), die bisherige Forschung zu
Menschen in den Himmel oder in die Unterwelt, sondern nur test Abr, Vokabular und Sprache, Quellen (besonders LXX
Versetzungen an einen anderen irdischen Ort. Sie sind speziell und Targume), literarische Probleme (Gattung, Verhältnis zu
für Propheten bezeugt und markieren ekstatische Erlebnisse test lob2 usw.; den „Sitz im Leben" findet I). in der Predigt,
(für Elia 1 Kön 18,12; 2 Kön 2,16, für Ezechiel besonders 45f), die Eschatologie (52-63) etc. Es wird - auch im Rom-
Ez. 8,3, für Habakuk Rel et Drueo 36.39). Eine andere Bc- mentar - deutlich, daß test Abr eine jüdische Schrift ist; Andeutung
hat die Versetzung Adams in den Garten Eden klänge an neu testamentliche Redeweise lassen sich teils durch
(Gen 2,15). Sie umschreibt den 1 leilszustand, der dem an sieh gemeinsame Gedanken- und Sprachwelt, teils durch die Tätig-
hinfälligen und vergänglichen Menschen geschenkt war. Hirn- keit kirchlicher Abschreiber erklären. Sie wurde, wie angedeu-
melfahrl "nd Herabstieg Gottes bzw. göttlicher Wesen dienen tet, griechisch verfaßt; typische Wendungen der übersetzer-
der Kennzeichnung einer Kommunikation zwischen Gott und spräche verstehen sich aus dem Nachwirken der LXX. D.
Mensch in einer dem alten Orient geläufigen Vorstellungsform. nimmt Herkunft aus Ägypten an und weist dafür auf sprachige
Aussagen in Ps 47,6 und 68,19. die der Vf. ebenfalls als liehe (Sap und 2.-4. Makk) und sachliche Bezieh ungen. Als
Himmelfahrt Jahwet interpretiert, knüpfen an Thronhestci- Abfassungszcil erschließt er das 1. Jh. n. C. In einem Anhang
gimgsvorstellungcn des irdischen bzw. des Götterkönigs an der Einleitung äußert sich D. auch zu test 1s, das seinerseits
und bringen die Hoheit und Erhabenheit des Gottes Israels lest Abr voraussetzt (78-83).

zum Ausdruck. per breite Haupttcil des Buches ist der Übersetzung3 und

In einem kurzen Schlußwort (S. 344-346) unterstreicht der Kommentierung des test Abr (A) gewidmet (87-176). Die

Vf noch einmal die Tatsache, daß die überkommenen altorien- erstere ist einerseits durch die Nähe zum griechischen Text,

tahschen Vorstellungen im Alten Testament in hohem Maße andererseits durch ein Umdenken in die moderne Sprache cha-

selbständig verarbeitet und entmythologisiert wurden. Den raktcrisiert*. In den Erläuterungen ist sowohl auf lexikalische

Abschluß des Backet bildet ein Anhang (S. 347—378), in dem _ Verhältnis zu klassischem Griechisch, LXX, Neuem Testa-

neben Abkürzungs- und Literaturverzeichnis auch ein Stellen- men, Kirchenvätern — wie auf fachliche Beziige Wert gelegt,

''egisler enthalten ist. Für diese werden insbesondere Linien zur sonstigen jüdischen

Die Arbeit hat ihr Ziel voll erreicht. Sie besticht vor allem Literatur gezogen, nicht zuletzt zu den palästinischen Targu-

durch die subtile und umsichtige Anwendung der exegetischen men, einschließlich Ncofiti I, aber auch, wie das bei einem in

Methoden einschließlich der Strukturanalyse, so daß der Vf. diesem Bereich besonders ausgewiesenen Forscher naheliegt,

durchweg zu abgerundeten und überzeugenden Ergebnissen zu Qumran bzw. den Essenern (hier möchte ich fragen, ob

Relangt. Dabei vermittelt er eine Fülle von Einzelbeobachtun- nicht weithin Gemeinsamkeiten mit dem Judentum über-

Kcn, die auch über den Kähmen seines Themas hinaus von batet gegeben sind). D. plädiert schließlich für Entstehung

Interesse sind. Man wird daher guttun, bei jeder exegetischen ;n _ dem cssenischen verwandten — therapeutischem Milieu

Beschäftigung mit den von ihm behandelten Texten seine (72f).

'•rgebnisse in Betracht zu ziehen, und für das Thema selbst Den dritten Teil füllen Ubersetzungen der Rezension B

dürfte seine Arbeit eine vorerst abschließende Zusammen- durch Delcor (177—185) sowie der koptischen, der äthiopi-

fassung sein. sehen und der arabischen Version (186—267), die auf Marius

Es sei lediglich zu den Aussagen über eine Überwindung C.halnc zurückgehenr'. Es folgen Indices zu den griechisch, he-

des Todes, die ja im Zentrum der Untersuchungen stehen, hräisch usw. einzeln oder in einem Textstück angeführten

"och eine Bemerkung gestattet. Gerade die gründliche Arbeit, Vokabeln6 und zu den angegebenen Belegstellen vom Alten

die der Vf. geleistet hat, macht deutlich, wie zurückhaltend Testament bis zu den Kirchenvätern. Die Bibliographie (84

"*h das alttestamentliche Schrifttum zu diesem Problemkreis bis 86) ist begrenzt; die Aufnahme häufiger zitierter Arbeiten

a"ßert und wie sehr man sich hütet, unverhüllt darüber zu (oder auch ein Autorenregister) hätte dem Leser manches Su-

"Prcchen, obgleich doch der Auferstehungsgodanke, zumal in rhen und dem Verlag z. T. Wiederholungen erspart,
"achexilischer Zeit, keineswegs unbekannt war. Es läßt sich Delcor legt den ersten speziellen Kommentar zu einer noch

Unschwer erkennen, daß man hier zwar eine Grenze tangierte, wenig beachteten7 jüdischen Schrift vor, die unter anderem

"ic ober nicht wirklich überschritt, sondern offenbar bemüht zeigt, wie man im hellenistischen Judentum über Tod und

keine unangemessenen Hoffnungen zu erwecken. Dies Gericht (das hier in drei Instanzen vollzogen wird) sprechen

""Ute bei der Beschäftigung mit diesem Thema nicht außer konnte, wie man das Verhältnis des Erzvaters des jüdischen

■** gelassen werden und bedarf noch weiteren Nachdenkens. Volkes zu Gott erzählerisch darstellte, usw. Durch die weit-

, , , ^. r Bespannte Sachkunde des Vf.s wird das in manchem nicht

ip7>K •Ioa*,m Conr*d „hne weiteres zugängliche test Abr in eindrucksvoller Weise

dem Verständnis im Rahmen des hellenistischen bzw. des antiken
Judentums und der späteren Antike überhaupt erschlos-

Del„ „ . • . „ t , sen. Das Buch legt dadurch den Grund für die weitere Arbeit

<*r, Mathias: Le Testament d Abraham. Introduction, tra- ^ ^ ^ g ^ Geschichle deS Textes und zur stihsti-
«uction «lu texte grec et rommentaire de la rccens.on grec Ei„enart der Schrift),

uiir Ii......... ___* ' i i.. .____i____,:___ .1.... i . p ..... ,, i ,1 ,i

Halle/Saale

Gerhard Delling

'lue longUe, suivi de la traduetion des Testaments d'Abra
'"im, d'Isaoc et de Jacob d'apres les versions orientalcs.
leiden: Brill 1973. X, 282 S. gr. 8° = Studia in Veteris

jcstanicnti Pseudepigrapha, ed. A.-M. Dein- et M. de 204-206

J»nge, H. LW. hfl 175 - 'Zu ««ran Edition dar* A.-M. Den.. .. ThLZ 97, 1972, 204 200,

n A"f den einleitenden Band der Studia . . .. die Introduction D. In8dl,c WIM vor

Y* PMUdepigraphei grecs d'Ancien Testament (1970), in der ^•jrSTSnÜS "(91) «*<>■«• hier nicht aMa zu «in;

fc* »ci, einen U.lcrblick Ober das weite Feld der betref- Jg* «n ^rÄÄV den

*nden Schriften (hü hin zu den bei Euseb erhaltenen Frag- r ' ^.0dn'S„m« üTexü and Studie, 2,2 (1892) zugrunde. D. bezeichnet

g**« '«er vorphiloniscben Autoren') gab und Ertrage der ,„ ei= «Ion i^i^.«^ ^ ^

"»■«enge,, Forschung zumal zu den sog. Einle.tungsfragcn ' In P*;aeine Herrlichkeit. . ." uaw. und die Belege

"'«'"shosondere der länger-,, Rezension (A) des lest Abr ge- • We be.den leizten wu

??d,net ist. In «|rr eingehenden Introduction M-83) handelt "^/"werden al» nicht nur fn tat Ahr begegnende und auch mcht

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