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1974

Kategorie:

Missionswissenschaft

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Neuerscheinungen

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/wischen Aufklärung und Inquisition, sein Verhältnis zu
Mystik und Erweckung, seine Freundschaften mit Protestanten
(S. 49 — 72).

Der zweite Teil stellt sich die Aufgabe, „eine Theorie
Sailers zum l'rohlein der Konfession" zu entwerfen, obwohl
es „bei ihm keine formelle Behandlung dieses Themenkreises
" gibt (S. 74). Fi setzt bei Sailers Lehre von der
Toleranz ein (S. 74 — 88), durch die „die Mitchristen wegen
ihres Christiisglaubcns in eine grolle Nähe gerückt" werden
IS. 89). Sodann wendet er sieh dem Aufbau der Sailerschen
Werke zu und weist auf die dort immer wiederkehrende
Dreiteilung hin. Sailer fragt nach „den Vernunftlehrcn über
den (legenstand, nach den Auskünften des Christentums und
nach der katholischen Lehre über die Sache"; F. spricht
deshalb von Sailers Theismus, Christianismus und Katholizismus
, allerdings nicht im Sinne von Flappen oder Stufen,
sondern: „In Christus hat das, was wir Theismus, Christianismus
, Katholizismus genannt haben, seine Sinnmitle und
seinen Zusammenhalt" (S. 99). Durch seinen Theismus steht
Sailer in enger Verbindung mit Jacobi und seinen Freunden
(S. 104— 115), steht er positiv (wenn auch nicht kritiklos) zu
Pestalozzi, Kant und Heinhold (S. 115—122), lehnt aber
Schelling, den er persönlich kennt und in Jena besucht,
wegen seines unklaren Gottesbegriffes ab (S. 122—124).
Sailers Christianismus basiert auf seiner „Hinwendung zur
Schrift", die „durchaus den Charakter einer ins Leben eingreifenden
Fntdeckung" hat (S. 131). „Die Bibel aber wird
nicht um ihrer selbst willen durchforscht, sondern um
Christus zu linden" (S. 132). „Gott in Christus, das ist das
Grundgesetz der lebendigen Kcligiosität Sailers" (S. 137).
Dieser „Vorstoll zur Mitte geschieht nicht in katholischem
Alleingang, sondern mit Christen anderer Konfession, ja
sogar unter Führung von Christen anderer Konfession"
(S. 142). „Sailers Christianismus ist oft angegriffen worden;
noch ca. 40 Jahre nach seinem Tode versucht man, Sailers
sämtliche Werke auf den Index der verbotenen Bücher zu
bringen" (S. 143f). Sniler selbst aber „ist nicht .Christ
schlechthin' geworden, sondern zeit seines Lebens katholischer
Christ geblieben" (S. 149). Die Unterscheidungs-
lehren bat er nicht verschwiegen und die katholische
Kkklesiologie einschließlich der Lehre vom Jurisdiktions-
primnt vertreten, aber in seinem „Kirchenbegriff, der vom
Positiven des Christentums, und zwar vom .klassischen'
Anfang her, entworfen ist, dominiert die Apostolizität über
die Katholizit/it" (S. 168). Kirche ist „in die Sichtharkeit
getretenes Christentum"; sie ist insofern auch außerhalb der
römisch-katholischen Kirche. Diese hat „kein Monopol auf
den heiligen Geist" (S. 177f). „Das ,Römisch-Katholische'
ist (für Sailer) der ordnende Mittelpunkt der .Kirche Christi' "
nicht mehr, aber auch nicht weniger (S. 184).

Der dritte Teil „Gelehte Brüderlichkeit" zeigt, wie sich
Sailers Lehre in seinem Leben darstellte. Zunächst werden
in fünf Kapiteln Sailers Freundschaften mit evangelischen
Christen geschildert, nämlich mit Lavater (S. 204 — 227), mit
Dann (S. 227-239), mit Claudius (S. 239-251), mit der
Gräfin Stolberg (S. 251 — 205), mit dem Schiatterkreis (S.
206—271). Anschließend wird die Problematik der Konversionen
behandelt. Ks gab sie herüber und hinüber.
Clemens llofbauer tadelt Sailer, weil er in seiner Scelsorge
nicht Konversionen anstrebt, und schließt, „daß er ,die
heilige Kirche zu wenig liebe'" (S. 278). Aber Sailers Zurückhaltung
hat. ihren Grund darin, daß es ihm um echte Ge-
wissenseiilscheidung geht. Deshalb kann er in bestimmten
Fällen von der Konversion geradezu abraten; an Erfolgs-
uieldungen liegt ihm nichts, wenn die inneren Voraussetzungen
fehlen. F. bespricht dann noch Sailers Gebetbuch
als ökumenisches Freignis (es wurde auch viel in evangelischen
Familien gebraucht, S. 296-300) und seine Sehlift
über die Ueiligcnverchrung (S. 307-313). Auf seine evan-
Kelischen Zeitgenossen wirkte Sailer „als ein Vertrauter, alt

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Freund, Mitchrist und Bruder" (S. 313), wie F. abschließend
ausführt (S. 313-321).

Der vierte Teil vergleicht Sailers ükumenismus und die
Kirche nach dem Konzil (S. 323 — 343). „Sailers Leidenschaft
heißt nicht Wiedervereinigung, sondern Christus" (S. 324).
„Einheit der Kirche geschieht von innen her" (S. 345). —
Ein sympathisches Buch über einen sympathischen Mann,
das in der heutigen ökumenischen Situation hilfreich sein
kann.

Hatto/Saals Brdmaaa Schott

Bi nder, Hermann: Der Glaube und die ökumenische Verständigung
(Kirchliche Blätter 1, 1973 Nr. 2 S. 4-6).

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Foitzik, Karl: Notwendige Schritte. Zur ökumenischen
Situation in Bayern, in: Kontinuität im Umbruch. FS
Augustana-Hochschulc in Neuendettelsau, hrsg. v. W.
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Forker, Wilbert: Einheit und Aktion. Momentaufnahmen
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Fukuda, Andreas: „Das Suchen nach Gott in Japan"
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Gassmann, Günther: Dialoge um der Einheit willen, ökumenische
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Monatshefte 10, 1971 S. 570-575).

llammerstein, Franz von: Anna Morawska 1922 —1972.
Interpretin und Übersetzerin von Karl Bahner und
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Hughes, John Jay: Anglican-Roman Catholic Beunion: A
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Inihoff, Christoph von: Das neue ökumenische Gesicht.
Asien und Afrika prägten die Ilangkok-Koiiferenz (LuMo
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Köberlin. Gerhard : Das missionarische Selbstverstnndnis der
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Augustana-Hochschulc in Neuendettelsau, hrsg. v. W.
Andersen und IL Angermeyer. München 1972 S. 201 — 220.

Köster, Wilhelm: Fehler in der ökumenik. Inhalt und
Deutung des Glaubens an Gruppen gebunden (Lutherische
Monatshefte 10, 1971 S. 586-589).

Luger, Friedrich W.: Ökumenische Perspektiven der Taub-
stummenseelsorge (IM 63, 1973 S. 130-134).

Scherer, James A.: Ecumenical Prospects for Kvangelism
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Schmidt, Walter; hkstasc — Zauber — Uberwelt. Umbanda,
Macumba und Spiritismus in Brasilien (LuMo 12, 1973
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Sullivan, Francis, A.: The Pcntecostnl Movement (Gre-
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Wacker. Paulus Gerhard: Ökumene provokativ. Zur Versöhnung
der Christenheit. Paderborn: Schöningh 1973.
199 S. 8°. Kart. DM 12,80.

Weber, Hans-Ruedi: The Biblc in Today's Ecumenical
Movement (ER 23, 1971 S. 335-340).

Wieser, Thomas: Ileilserfahrung heute (Una Sancta 27, 1972
S. 153-152).

BERICHTE UND MITTEILUNGEN

Com ord.im e s tO Patristic find Laie Classical Text
(GPLC)

Eine Gruppe von Gelehrten aus dem Boston Thcological
Institute in Cambridge, Massachusetts, unternimmt es
gegenwärtig, eine Reihe von Konkordanzen zu spätklassischen
und frühpatristischen Texten zu veröffentlichen.

Theologische Lileraturzeitung 99. Jahrgang 1974 Nr. 3