Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1973

Spalte:

796-798

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Gaybba, Brian

Titel/Untertitel:

The tradition: an ecumenical breakthrough? 1973

Rezensent:

Bassarak, Gerhard

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

795

Theologische Literaturzeitung 98. Jahrgang 1973 Nr. 10

796

mit der Forschung anderer wird intensiv geführt und Vergleichsmaterial
aus liturgischen Quellen wie den frühen
Vätern ausgiebig herangezogen.

In vier Kapiteln entfaltet sich diese Untersuchung. Kap. I
„A la decouverte de la priere eucharistique de l'6glise de
Jerusalem" (25—44) geht von der Tatsache aus, daß die
seit langem bekannte Jakobusanaphora sich von Jerusalem
aus in Syrien und in Ägypten weit verbreitete. Sic steht im
wesentlichen bereits Ende des 4. oder Anfang des 5. Jh.s
fest, bezeugt durch den Reisebericht der Pilgerin Aetheria
und vor allem die meist dem Cyrill zugeschriebene fünfte
mystagogische Katechese. Diese Urform selbst ist uns nicht
überliefert; doch was wir von ihr wissen, entspricht in
hohem Maß der in späteren Fassungen vorliegenden Jakobusanaphora
. Deren eng untereinander verbundenen Überlieferungsträgern
wird nachgegangen, nämlich der griechischen
und der syrischen Textform, der georgischen und
armenischen Übersetzung und dem äthiopischen Text. Ihre
Zeugen werden bewertet und die Entwicklungsstufen der
jeweiligen Textform geklärt. Im Ergebnis gesteht der Vf.
dem syrischen Text „par sa brievete et la simplicite de ses
formes" (45) gegenüber dem griechischen Text die größere
Nähe zum Urtext zu. — Kap. II ,,La priere eucharistique
de l'eglise de Jerusalem. L'anaphore grecque de Saint
Jacques" (45 — 70) bietet nun eine dem Urtext möglichst
angenäherte, durch vergleichende Analyse des griechischen
und des syrischen Textes unter Beiziehung wichtiger
Varianten in den Übersetzungen gewonnene Fassung. Der
griechische und der neugewonnene „Urtext" werden zweispaltig
in französischer Übersetzung geboten, wobei aber
alle wichtigen Begriffe und Wendungen griechisch in Klammern
beigefügt sind. Das III. Kapitel „Les characteristiques
Antiochennes de la priere" (71 — 88) gilt dem Nachweis, daß
die Jakobusanaphora „alle klassischen Züge der westsyrischen
Anaphora" (71) aufweist. Dabei mag ursprünglich
der Sanctus-Tcil wie in der ältesten anaphorischen Tradition
auch hier gefehlt haben, doch die fünfte mystagogische
Katachese setzt ihn bereits voraus. Kap. IV „Les richesses
thöologiques" (89—159) zeigt schon durch seinen Umfang,
daß es dem Vf. wesentlich auf die theologische Auswertung
dieses Eucharistiegebetes ankommt; er versucht seine innere
Dynamik zu erfassen, „en la replagant dans le milieu vital
de foi, qui l'a vu naitre" (8). So betrachtet er in sechs
Abschnitten: die trinitarischen Dimensionen der Anaphora,
die Berufung von Mensch und Kosmos zum Lob Gottes, die
Erneuerung zum Ebenbild Gottes als Herzstück der hier
entfalteten Heilsgeschichte, die Eucharistie als Aktualisierung
des einmaligen Opfers Christi. Dem letzten dieser
Abschnitte „Theologie der Epiklcsc des Jakobus" arbeitet
noch ein spezieller Abschnitt „Theologischer Zugang zur/
Epiklese" vor, in welchem zunächst das Faktum „Epiklese"
als solches erörtert wird, um von da aus den Zugang zur
„eucharistischen Epiklcse" zu gewinnen. Wenn man bedenkt,
daß im Unterschied zum Osten die Epiklese schon in den
gallikanischen und mozarabischen Liturgien nur noch
formelhaft fortgeführt und in ihrer ursprünglichen Bedeutung
theologisch nicht mehr verstanden, ja in der
gregorianischen Reform der römischen Messe dieses Erbgut
weilgehend ausgemerzt wird, läßt diese betonte Herausstellung
der Epiklese aufhorchen. Tatsächlich entspricht der
Vf. damit der in ihrer Art einzig dastehenden Epiklese der
Jakobusliturgie, die nicht nur schlichte Bitte um das Herabkommen
des Geistes auf die Elemente und die Kommunikanten
ist, sondern „eine großartige Verherrlichung des
gesamten Mysteriums des Heiligen Geistes in der Reihenfolge
seiner Manifestationen" (166). Hier sieht der Vf. im
Gegensatz zu allem Christomonismus die pneumatische
Dimension der Eucharistie zu ihrem Recht kommen:
„L'Eucharistie est inseparablement, pour tous ceux qui
communient au corps et au sang du Saveur source de la
communication de 1'Esprit, l'univcrscl Sanctificatcur-
Deificateur qui, prenant de ce qui est au Christ pour nous le

communiquer nous divinise progressivement selon totalite
de notre etre" (183). Demgemäß gehören auch Einsetzungsbericht
und Epiklcse in einer höheren Einheit zusammen, so
daß ihr Nacheinander im liturgischen Ablauf nicht sachlich,
sondern nur in der Begrenztheit menschlicher Aufnahmefähigkeit
begründet ist.

Nach einer kurzen Zusammenfassung seines Ergebnisses
entspricht der Vf. seinem oben gekennzeichneten letzten
Ziel, indem er anhangsweise unter der Frage „Ein Gebet für
heute?" eine Übertragung der Jakobusanaphora für die
Gegenwart bietet. Er möchte damit, ohne dessen theologisches
Gewicht zu mindern, diesem Zeugnis des lebendigen
Glaubens der Kirche heute in einer anderen kulturellen
Umwelt Gehör verschaffen. Wieweit dieser Zweck tatsächlich
erreicht ist, werden nur Leser beurteilen können, die
im eucharistischen Glauben ihrer katholischen Kirche beheimatet
sind.

Jedenfalls haben wir in diesem Buch das eindrucksvolle
Beispiel einer Art, liturgiewissenschaftlich zu arbeiten, die
mit ihren Ergebnissen dem Glauben von heute dienen
möchte, weil sie überzeugt ist, daß der Glaube der Kirche
um seines Lebens willen der Begegnung mit der inneren
Dynamik solcher liturgischen Zeugnisse bedarf.

Schade, daß der Selzer mit den Akzenten und den Spiritus
des Griechischen so wenig zurechtkam, daß die Beilage einer
Liste von derartigen Errata nötig wurde!

Greifswald William Nagel

Biemer, Günter: Gottesdienst als Aufklärung. Liturgie als
Möglichkeit zum Lernen des Glaubens (DtPfrBl 72, 1972
S. 817-819).

Fiala, Virgil E.: Der neue Ritus der Kindertaufe (Erbe und
Auftrag 48, 1972 S. 199-207).

Ligier, Louis: La priere et l'imposilion des mains. Autour
du nouveau Rituel romain de la Confirmation (Grc-
gorianum 53, 1972 S. 407-486).

Nocent, Adricn: Vicissitudes du rituel de la confirmation
(NRTh 94, 1972 S. 705-720).

Semmelroth, Otto: Laienpredigt im Gottesdienst? Theologische
Anmerkungen zum Synodenbeschluß über die
Verkündigung von Laien (StZ 98, 1973 S. 147-156).

MISSIONSWISSENSCHAFT, ÖKUMENE

Gaybba, Brian : The Tradition: An Ecumenical Breakthxougb ■'

(A study of a Faith and Order study). Rome: Herder

1971. XV, 262 S. gr. 8°. Lire 2800,-.

Der römisch-katholische Autor unternimmt den interessanten
Versuch, die Arbeit der Theologischen Kommission
über Tradition und Traditionen (TCTT) von Glaube und
Kirchenverfassung zu würdigen, die in dem Jahrzehnt
zwischen Lund (1952) und Montreal (1963) in den beiden
Sektionen in Nordamerika und in Europa geleistet worden
ist. Die Untersuchung stützt sich vor allem auf die Protokolle
der beiden genannten Sektionen und auf den Montreal-
Report. Um den protestantischen background des Problems
zu erforschen, schaltet der Autor als umfangreiches Ii-
Kapitel eine Darstellung von „Offenbarung" ein, ausführlich
nach Karl Barth, in kurzen Referaten nach E-
Brunner und K. E. Skydsgaard, nachdem im I. Kapitel kurz
die katholische Position skizziert worden ist.

Den „ökumenischen Durchbruch" erblickt der Vf. dariiii
daß durch die Arbeit von TCTT das Interesse an der Traditionsfrage
im ökumenischen Rahmen überhaupt geweckt
worden ist und daß Leute ihre Bedeutung entdeckt haben
(238). Damit zugleich mußte die Tradition als Ausdruck