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Ausgabe:

1973

Spalte:

233-235

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Kirchenunionen und Kirchengemeinschaft 1973

Rezensent:

Wiebering, Joachim

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Theologische Literaturzeitung 98. Jahrgang 1973 Nr. 3

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0 viel wird aber bereits erkennbar: Die Verbindung von Kirchen ähnlich sind. Sie haben alle einen Einschnitt in ih-
' und Neu wird in den pfingstlerisch-zionistischen Bewe- rer Geschichte erfahren, sie mußten zu einer Einigung über
gungen wirkungsvoller, glaubwürdiger und authentischer ihre Bekenntnisse kommen, sie konnten die gewohnten
vollzogen a ls in den nationalistisch-äthiopischen, z. B. in der kirchlichen Strukturen nicht beibehalten, sie haben der lo-
ufnahme, Überhöhung und Neuprofilierung des Familien- kalen Einheit am Orte den Vorrang vor den internationalen
ewußtsedns im Leben und in der Gestalt der Kirche oder in Beziehungen gegeben. Allerdings sind alle diese Punkte
er zionistischen Heilungspraxis, bei der die Geister der ambivalent; sie enthalten sowohl besondere Möglichkeiten
rankheit nicht geleugnet, sondern durch den Heiligen wie auch Gefahren. Abschließend nennt Vischer einige Fragst
besiegt werden. gen aus der gegenwärtigen ekklcsiologischen Diskussion,
Verfassungstexte, historische Quellen.Tabellen, Karten, Dia- die bei Unionsverhandlungen beachtet zu werden verdie-
9ramme und Bilder, ein ausführliches Sachregister, eine Er- nen. Darüber darf nicht der kairos der Gegenwart versäumt
arung einheimischer Worte und eine Bibliographie sind werden: .Eine Union, die jetzt nicht vollzogen wird, läßt
S ^nr>ang beigegeben. Das macht das Buch handlicher und sich später vielleicht nicht mehr vollziehen."
nnte auch denen bei der Arbeit behilflich sein, die sich von "Thema des Beitrages von Harding Meyer, der mehrere
Umfang der Studie abschrecken lassen. Den folgenden Jahre in der Theologischen Abteilung des Lutherischen
anden darf man mit großen Erwartungen entgegensehen. Weltbundes gearbeitet hat, ist „Das Verhältnis zwischen
• "dem Vorbehalt von Änderungen stellt der Vf. in Aussicht, Unionskirchen und konfessionellen Weltbünden" (S. 48 -65).
I?1 zweiten Band die Ergebnisse seiner Befragung nach dem Lange Zeit war das Verhältnis zwischen beiden von Span-
^fund des Eintritts in eine »Unabhängige Kirche" auszu- nungen und Polemik bestimmt. Doch seit der Vollversamm-
e"en, im dritten Band Struktur, Organisation und Leitung lung in Uppsala 1968 wird die Einheit der Christen an ei-
er Kirchen zu behandeln und im vierten Ritus und Glau- nem Ort mit der Einheit der Christen an allen Orten in Über-
ensfragen. Hier wird dann die Grundfrage des Verhältnis- einstimmung zu bringen versucht. .Das Bemühen um welt-
'es von Alt und Neu in den „Unabhängigen Kirchen" als umspannende konfessionelle Gemeinschaft und das Bemü-
wort Afrikas auf das Evangelium noch ausführlicher zu hen um regionale Kirchenunionen dürfen darum nicht in
^antworten sein. Der Vf. ist dafür kompetent, obwohl seine Gegensatz gesehen werden und sich gegenseitig ausschlie-
^"sgangsposition die Frage des Außenstehenden bleibt: ßen." Die konfessionellen Weltbünde haben in den letzten
nearUm diese Separationen? Sind das Bewegungen, in de- Jahren Unionsverhandlungen ihrer Mitgliedskirchen mit
ne Wlr curoPäischen Christen etwas von dem wiedererken- Kirchen aus anderen konfessionellen Traditionen unterstützt
^en können, was wir vom Evangelium verstanden haben? und zählen auch vereinigte Kirchen weiterhin zu ihren Mit-
~f* Gute ist, daß der Verfasser sich auch darüber Rechen- gliedern. Durch die bilateralen Gespräche der Weltbünde
Jj* ' 9ibt. So wirkt seine participational Observation auf kann zudem vermieden werden, daß die universalen Fragen
jv aufrnerksamen Leser ansteckend. Darin liegt denn auch um der regionalen willen vernachlässigt werden. Angesichts
re besondere Bedeutung für den immer dringender wer- der neuen Einordnung des Einheitsgedankens in den Sen-
ch .n ökumenischen Dialog mit den „Unabhängigen Kir- dungsauf trag der Kirche für die Welt plädiert Meyer dafür,
in Afrika. die Vorstellung zu revidieren, daß Zusamemnarbcit der Kir-
B*r'in Johannes Althausen chen auf sozialem Gebiet noch nicht direkt mit der Einheit

der Kirchen zu tun habe.

Gros Günther Gassmann vom Straßburger Institut für ökume-

curth, Reinhard (Hrsg.): Kirchenunionen und Kirchen- nische Forschung des Lutherischen Weltbundes stellt die

^ memschaft. Mit Beiträgen von G. F. Moede, L. Vischer, Frage „Kirchenunionen - eine unausweichliche Herausfor-

_ Meyer, G. Gassmann und P. A. Crow. Frankfurt/Main: derung?" (S. 67-77). Für die europäischen Kirchen waren

0 Lembeck 1971. 153 S. 8°. Kart. DM 15,-. die Unionen im 20. Jahrhundert eine Sache der anderen;

. er Sammelband enthält Vorträge, Aufsätze und Mate- heute implizieren aber die Bemühungen um -Kanzel- und

s- len' die im Zusammenhang mit zwei von der Kommis- Abendmahlsgemeinschaft zwischen den reformatorischen

n für Glauben und Kirchenverfassung veranstalteten Kon- Kirchen aus anderen konfessionellen Traditionen unterstützt

ationen stehen, an denen Vertreter vereinigter Kirchen ganischen Einigung. Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft

fe r so'cher Kirchen, die in Unionsverhandlungen begrif- müssen Konsequenzen für Zeugnis und Dienst der bcteilig-

tio S'n^' beteiligt waren. Die Teilnehmer dieser Konsulta- ten Kirchen haben, wenn sie der wahren Einheit der Kirche

^nen in Bossey (1967) und in Limuru/Kenia (1970) haben Jesu Christi dienen sollen.

m Gedankenaustausch begrüßt, weil bei aller Differen- Der Amerikaner Paul A. Crow berichtet in dem abschlie-

|J nc't der Traditionen und Bedingungen alle Unionsver- ßenden Beitrag „Auf dem Wege zur Kirchenunion - Aufruf

tr- Ungcn ähnliche Probleme aufwerten, die in den Bei- zur Begegnung" (S. 79 - 96) über Erfahrungen, die bei der

rcfj " des Sammclbandes von verschiedenen Aspekten her noch laufenden „Beratung über 'Kirchenunion" zwischen neun

^cktiert werden. amerikanischen Kirchen gemacht worden sind, und betont

übe^r ^thodist Gerald F. Moede gibt einen Überblick die Notwendigkeit gründlicher Vorbereitung und einer um-

un<j "Kirchenunioncn in den siebziger Jahren" (S. 9-24) fassenden Information der Pfarrer und Gemeinden. Im An-

sPre j*amrnelt Argumente, die für weitere Kirchenunionen hang des Bandes finden sich ein Verzeichnis der Unions-

die Pn- Das gemeinsame Leben in einer Kirche lasse auch kirchen seit 1925, der laufenden Unionsverhandlungen, die

PläneC'-Cmec'cncn Trad>t'onen besser verstehen, Unions- Empfehlungen der beiden Konsultationen von Bossey und

niSSoe Ehrten zu einer Neubesinnung über die Bekennt- Limuru und eine Zusammenfassung der Diskussion bei letz-

dCr . Und nicht zu deren Vcrgleichgültigung, neue Formen terer.

dUrcnendung und notwendige Reformen der Kirche würden Der Herausgeber erhofft von diesem Band Anregungen

hej( • Sle ausgelöst, der Blick auf die Einheit der Mensch- für die Probleme der deutschen Unionskirchen und für die

könt.ln! S'nne der Versöhnung der Menschen untereinander Gespräche um eine größere Gemeinschaft im Bund der Evan-

habCn Sscr einbezogen werden. Sich vereinigende Kirchen gelischen Kirchen in der DDR und im Bereich der Evangc-

^erau f° °'1Cr a's andere Kirchen die Möglichkeit, sich der lischen Kirche in Deutschland. Freilich wird durch die ver-

DCrS °rt'crun9 zur Erneuerung zu stellen. schiedenen Beiträge des Bandes auch deutlich, wie anders

verj r Direktor des Sekretariats für Glauben und Kirchen- heute bei Unionsverhandlungcn vorgegangen wird als bei

•Un' SUn9 dcs ÖRK, Lukas Vischer, beschäftigt sich mit den Unionen des 19. Jahrhunderts. Das Mißtrauen gegen

Er "cn 'n der ökumenischen Bewegung heute" (S. 25-47). das Modell einer Union als Ausdruck der Kirchengemein-

* vor allem der Frage nach, worin »ich die vereinigten schaft rührt von dieser besonderen Geschichte der Unionen