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Ausgabe:

1972

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Neuerscheinungen

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04 -T

Theologische Literaturzeitung 97. Jahrgang 1972 Nr. 12 94^

durch einen ganz knappen Abriß über die Zentralausschuß- Zeilen davor.- „Im allgemeinen wird man nicht damit

Sitzung als ganzer aus der Feder A. van den Heuvels. rechnen können, daß die vermögenden Schichten freiwillig

Dieses Beiheft zur ökumenischen Rundschau über die ihr Vermögen aufteilen" (S. 67). In der Tat. aveh d es ist
Tagung des Zentralausschusses des ÖRK. in Addis Abeba eine marxistische Einsicht, weshalb empfohlen wird, es
gibt die Möglichkeit, daß ein erweiterter Kreis am Weg ihnen mittels eines revolutionären Prozesses fortzunehmen,
und Dienst der Christenheit in der gegenwärtigen We'.t Es ist natürlich die Frage, wie sich dazu .das Recht-
Interessierter Anteil bekommt an den Fragen und Erörte- stellt • • ■ ~ C. Wilfred Jenks, Großbritannien, Gene-al-
rungen, die in den Gremien des ÖRK. anfallen. Zu not- direktor des Internationalen Arbeitsamts in Genf, macht
wendigem Gespräch und Nachdenken hierüber kann das wenige Anmerkungen zur Frage „Recht und sozialer UmHeft
gute Hilfe leisten. bruch". Seiner Meinung nach leben wir in einer ganz

Dresden Ulrich von Brück neuen Welt, auf die erst in unserem Jahrhundert der

Begriff der einen Welt (Wendel Boukee) zutreffe. „Ein
solches Ausmaß und Tempo des Wandels hat noch ke nc
w- Ith v Gesellschaft erlebt". „Der Wandel (hat) ... die Stabilität
Christian [Hrsg.]; Recht und sozialer Umbruch. überrundet" (S. 71 f). So bleibt die Frage, „wo das Gleichen
ökumenisches Symposium. Mit Beiträgen von G. Abi- gewicht zwischen Stabilität und Wandel zu suchen" sei
aaad, C. de Princy Ranaivoarivony, F. Fabricius, C. W. (s. 74). - Jänos Töth, offenbar Exilungar, lehrt Rechts
Jenks, J. Töth, R. T. Weber u. H. Ranke. Frankfurt/M.: Wissenschaft an der Universität Genf und ist Mitglied
Lembeck 1971. 163 S. 8°. Kart. DM 16,-. der Internationalen Juristenkommission, knüpft in „Men-

Das Bändchen enthält - nach einer Einführung von schenrechte und sozialer Umbruch" an „Alternativen zum

Christian Walther - sieben Referate und in einem Anhang Konflikt auf der Suche nach Frieden" an (siehe Rezension

aie Berichte von viel' Arbeitsgruppen eines Symposiums, ThLZ 96, 1971 Sp. 866 ff). Seine Ausführungen sind h er ein

das vom Ökumenischen Rat der Kirchen 1969 in Bossey wenig milder antikommunistisch als dort, gipfeln aber in

(aenweiz) veranstaltet wurde. Es „nahm ebenso den Impuls der gleichen, bereits dort erhobenen Forderung nach einer

der Weltkonferenz für Kirche und Gesellschaft wie Anre „Revolution der Menschenwürde" (S. 98). - Theodore R.

gungen von Uppsala 1968 auf. Die Frage nach dem Ver- Weber, USA, Professor für Sozialethik an der Emory

tnis von Rceht und sozialer Veränderung wurde erneut Universität in Atlanta (Georgia), meditiert über „Recht,

gestellt und in ihren nationalen und internationalen Dirnen- Umbruch und Versöhnung in ethischer Perspektive". Er

sionen behandelt. Dabei konnte es sich ebenfalls nicht will Versöhnung nicht als einen neutralen „dritten Weg"

darum handeln, bereits abschließende Ergebnisse hervor- verstehen, „der die Christen an den harten Entsch :ic.ungen

zubringen. Vielmehr ging es hier um Vertiefung und vorbeiführt" (S. 120). Er möchte „die Bedeutung der Ver-

Korrektur bereits gewonnener Einsichten" (S. 8). söhnung als Methode und nicht so sehr als Ziel" hervor-

Georges Abi-Saad, VAR, Lehrer für Internationales Recht hebcn (s- 121)- " Hansjürg Ranke schließlich, Rechtsanwalt

am Graduate Institute of International Studies in Genf, und ehem. Konsistorialpräsident in Westberlin, vers.cht

referiert über „Innerer Wandel und internationale Rechts- einen „Christlichen Ausblick auf die Funktionen des Rechts

Ordnung". Er rechnet mit dem kolonialen Erbe ab. „Aber in der modernen Gesellschaft". - Die Berichte der Arte.ts-

Kolonialismus ... lebt noch immer frisch und munter gruppen haben folgende Themen: 1. Ziele des sozialen

inmitten der Dritten Welt" (S. 23). Wenn Vf. das Recht Umbruchs und die Rolle des Rechts, 2. Die Legitim.tät

nicht als eine autonome Kraft in der Gesellschaft versteht, bürgerlichen Ungehorsams, 3. Menschenrechte und sozialer

sondern sagt, „es ist weithin selbst als Ergebnis sozialer Umbruch, 4. Recht und sozialer Umbruch. - Mit diesen

Interaktionen und spiegelt das jeweilige Gewicht der vor- Berichten geht der vorliegende Band über den Vcrgleichs-

handenen Kräfte", so kommt er der marxistischen Auf- band „Alternativen zum Konflikt" hinaus. Leider aber ent-

fassung nahe, nach der „das Recht stets Klassencharakter" hält er keine Teilnehmerliste, so daß die Eas.s für d e

trägt. - Guy de Princy Ranaivoarivony, Madagaskar, Sozio- Relevanz der Aussage nicht erkennnbar wird. Unter den

löge und Mitarbeiter der UN in Genf, handelt über „Afri- Referenten befindet sich kein Vertreter aus einer sozüLsti-

kanische Perspektiven zum Thema Recht und sozialer sehen Gesellschaft. Das muß bei einem Thema wie dem

Umbruch". Er möchte „Recht als dynamisches Instrument bearbeiteten als eine gravierende Lücke betrachtet werben,

des sozialen Umbruchs verstanden" wissen (S. 39). - Die original französischen Beiträge von Töth und

Fritz Fabricius, BRD, Professor für bürgerliches, Handels-, Ranaivoarivony und die englischen von Abi-Saad, Jenks,

Wirtschafts- und Arbeitsrecht an der Ruhr-Universität Weber sowie die Berichte der Arbeitsgruppen sind von

Bochum, nennt sein Thema „Recht und soziale Verände- Erika Mann gut verdeutscht.

rungen im deutschen Recht". Es handelt sich nicht um Berlin Gerhard Bassarak
einen historischen Beitrag, sondern um „deutsches Recht
in der Gegenwart" (S. 47). Man ist immer wieder verblüfft
, wie Repräsentanten des westdeutschen Bürgertums

»deutsch" mit westdeutsch gleichsetzen und - im Sinne „„, . „. , Tu„,^,„ *n,„ r__ . . r.

„■ c . . „,„;j, _„_ Campen, Henry C: Black Theology: The Concept and Its

einer Alleinvertretungsanmaßung, die aber eigentlich nur Development (The Lutheran Quarterly 23,19/1 S. 338-3G9)
noch als Ausdruck peinlicher und bedauerlicher Bl ndhe.t

wirkt. - den sozialistischen deutschen Staat ignor.eren. Jorstad, Erling: Two on the Right: A Ccmparat.ve Look at

m; ..... _ . . . ,__„___. rj„;^„i0ia fvir epin Fundamentalem and New Evangehcahsm (The Lutheran

Hier hatte Herr Fabricius treffendere Beispiele für sein Quarterly 23, 1971 S. 107-117).

Thema gefunden. Nun bleiben seine Ausführungen wider- *

sprüchlich. Seine These, „daß die deutsche (lies west- Lötz, Walter: Die Stunde der Ökumene (Quatember 36,

deutsche) Rechtsordnung - gemessen am Weltniveau - 1972 S. 67-73).

fortschrittlich" (S. 48) sei, vermag er auf keinem der von Martensen, Daniel F.: Observations on Ecumenical Theo-

ihm angeführten Bereiche (Ehe und Familie, Industriali- logy (The Lutheran Quarterly 23, 1971 S. 103-106).

sierung und Technik, Demonstrationen, Mitbestimmung) zu Rogness, Michael: The Future of Ecumenism: Report from

belegen. So wirkt seine abschließende Feststellung mit a Colloquium of the Institute for Ecumenical Research

Recht resignativ: „Nur eine sich vollziehende Bewußtseins- (The Lutheran Quarterly 23, 1971 S. 150-156).

änderung der besitzenden Schichten ... würde in lang- santmire, H. Paul: On the Mission of the Church: Reflec-

samen Schritten (!) eine allmähliche (!) Änderung möglich" tions Along the Way (The Lutheran Quarterly 23, 1971

machen. Mit noch größerem Recht hieß es allerdings einige S. 366-387).