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Ausgabe:

1972

Spalte:

943-945

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Addis Abeba 1971 1972

Rezensent:

Brück, Ulrich

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Theologische Literaturzeitung 97. Jahrgang 1972 Nr. 12

944

Hoffmann. Elisabeth: Fernstudium und Erwachsenenbildung.
Möglichkeiten eines Fernstudiums für k;rch!iche Dienste
im Zusammenhang didaktischer und relig:ons-äd'gogi-
scher Fragestellungen (Wissenschaft rnd Praxis in K'rche
und Gesellschaft 61, 1972 S. 159-268).

Marrevee, William: Confirmation: A Conflirt between Th-o-
logv and Pastoral Practice? (Eglise et Theologie 3, 1972
S. 221-238).

Mülier-Cchwefe Hans-Rudolf: Das Fest der Christen (Qua-

tember 36, 1972 S. 73-78).
Senn, Frank C.: Confirmation and First Comrrunion: A

Reappraisal (The Lutheran Quarterly 23, 1971 S. 178-191).
Spiegel, Yorick: Wie menschlxh ist das Mitfrmrn'' (Wi-s-n-

schaft und Praxis in Kirche und Gesellschaft 61, 1972

S. 269- 271).

Wagner, Joseph M.: Parish Dynamics: Stress as the Oppor-
tunity for Supportive Teamwork in t^e Congregation
(The Lutheran Quarterly 23, 1971 S. 165-177).

MISSIONSWISSENSCHAFT, ÖKUMENE

Krüger, Hanfried (Hrsg.): Addis Abeba 1971. Vorträge bei
der Tagung des Zentralausschusses des ökumenis:h:n
Rates der Kirchen. Stuttgart: Evang. Missionsv^rlag
(1971). 94 S. 8° — Beiheft zur ökumenischen Rundschau,
17.

Die Beihefte zur ökumenischen Rundschau, he-?uspe-
geben von Hanfried Krüger, geben schon seit einigen Jahren
Gelegenheit, mit wesentlichen Problemstellungen der
ökumenischen Bewegung bekannt gemacht zu werden.
Wer an der Ökumenischen Bewegung interessiert ist, wird
gern zu diesen Heften greifen. Die Tagung des Zcntral-
ausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen in Addis
Abeba Januar 1971 gehört zu einer der wichtigsten Stat'o-
nen der ökumenischen Bewegung und in der Arbeit des
Ökumenischen Rates der Kirchen selbst. Es wird durJi
dieses Heft deutlich, daß bei einer solchen Tagung keineswegs
die sogenannten Routineangelegenheiten dominieren
müssen, sondern wesentliche theologische Fragen aufgeworfen
und diskutiert werden. Der Pflicht des Exekutivausschusses
, dem Zentralausschuß jeweils zu berchten, entledigt
sich der Vorsitzende beider Gremien, Dr. M. M.
Thomas aus Bangalore/Indien. Mitglied der Syrischen Mar-
Thoma-Kirche von Malabar, indem er nicht nur die gerade
angefallenen Entscheidungen wiedergibt, sondern zu wesentlichen
Charakterisierungen des Wesens des ökumenischen
Rates vorstößt, wenn er z. B. sagt, die theologis:hc
Bedeutung einer Gemeinschaft von Kirchen in Chr'stus
liege „in der gemeinsamen Wiederentdeckung der eingehen
biblischen Wahrheit, daß die Kirche als Volk Gottes und
Leib Christi in dieser Welt vorleben müsse, wie Gott Menschen
von den Enden dieser Erde versammelt, damit sie
als neue Menschheit leben" (S. 13).

Der Generalsekretär des ökumenischen Rates der
Kirchen, Dr. E. C. Blake, stellt seinen Bericht unter die
Überschrift „Identität, Macht und Gemeinschaft". Da seine
Amtszeit sich dem Ende zuneigt, gibt er auf etwas mehr
als zehn Seiten eine Zusammenfassung über Schwerpunkte
in der Arbeit des Ökumenischen Rates der Kirchen seit
1967, als er die Verantwortung als Generalsekretär übernahm
. Wenn immer einmal dem Ökumenischen Rat kritisch
vorgehalten wird, daß er in der Gefahr eines reinen
Pragmatismus stehe, formuliert Blake als Frucht einer
reifen Erfahrung: Je älter ich werde, desto wichtiger wird
mir das „Sein" gegenüber dem „Tun" (S. 33).

Gegenstand theologischer Debatte in Addis Abeba waren
der Vortrag aes Metropoliten vom Berg Libanon, e'ner
Diözese des Gricchisch-Orthodoxen Patriarchats von Antiochien
im Libanon, Georges Khodre „Das Christentum in
einer pluralistischen Welt - das Werk des Heiligen
Geistes", und der Vortrag des Inders S. J. Samartha, »Dialog
als ein ständiges Anliegen der Christen". Khodre geht
von Sätzen der Areopagrede des Paulus in Athen aus und
spannt einen weiten Bogen hinsxhtlich ekklesiolcgischer
Aussagen. In Anlehnung an Origines spr'cht er von der
Kirche als dem Ze:chen der göttlichen Liebe zu allen Menschen
, als dem Bild der kommenden Menschheit, kraft des
Lichtes, das sie empfangen hat. Die Rede von e'ner Hei's-
geschxhte Gottes möchte er durch die Bedeutung der
„oikonomia" Gottes abgelöst sehen. Khodre legt Wert auf
die Dialogfunktion der Ökonomie Gottes und sxht den
Beginn eines solchen Dialogs mit der ges-mten M:ns:hheit
im Bund mit Noah als Fortsetzung des ersten Dialogs
Gottes in der Schöpfung. Pfingsten ist e'n Gesch~hen universalen
Charakters und macht den Heiligen Geist überall
gegenwärtig in einem Heilshandeln, das nach Irenärs „von
dem des Sohnes unterschieden ist" (S. 41). Khodres Darlegungen
gipfeln in der Feststellung: „Das ganze miss'o-
narische Handeln der Kirche wird darin bestehen, Chris'us
zu wecken, der in der Nacht der Religionen schläft" (S. 44).
Man wird an diesen Vortrag eine Fülle Fragen zu stellen
haben, ohne sxh dem Gesamteindruck dieser Konzeption
entziehen zu können. Natürlich leuchtet alte or'hedoxc
Denktradition auf; wie könnte es anders sein. Werden
aber nicht Konturen, wie sie das neutestamentliche Zeugnis
an die Hand gibt, zu sehr verwischt unter der Version
einer Gesamtoffenbarung? Der Vortrag macht deutlich, daß
die Auseinandersetzung um das „filioque" im Bekenntnis
der Kirche neu lebendig wird.

J. S. Samartha gibt zunächst einen Überblick über
einige Konferenzen, die zu einer ersten Begegnung zwischen
Christen und Hindus, Christen und Moslems Chr's'en
und Buddhisten oder auch zu einem Gespräch aller miteinander
führten. Auch die Beschäftigung bzw. der Dialog
mit den Ideologien wird, so knapp es geht, angesprochen.
Dem christlichen Gesprächspartner wird ins Stammbuch
geschrieben: „Haupthindernis für einen echten Dialog s;nd
ein Überlegenheitsgefühl auf der einen Seite" (S. 53). Die
Problematik eines so gesehenen Dialogs im Verhältnis zum
Missionsauftrag wird nicht verschwiegen. Die theo'ogische
Grundlegung für das Erfordernis des Dialogs als e'nes
dauernden christlichen Anliegens sieht Samartha in der
Inkarnation als des Erweises eines Dialogs Gottes mit den
Menschen, in der Einbezogenheit aller Menschen in den
„Haushalt" Gottes und in die Verheißung Jesu Christi, der
Heilige Geist werde uns in alle Wahrheit leiten. Samartha
will bewußt alles offenlassen, denn unter Leitung dei
Heiligen Geistes könne ein wahrhaft ehrlicher Dialog in
Bereiche führen, die uns jetzt noch seltsam und frend
erscheinen.

Man wünschte sich, Hanfried Krüger hätte zusätzlich
einiges aus den Debatten zu diesen Vorträgen im Zentralausschuß
in Addis Abeba angefügt, weil auf diese We'se
im Ansatz eine breitere Streuung der theologischen Asp?kte
in Frage und Antwort innerhalb der Ökumene gesi htig
geworden wäre.

Der Direktor der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung
im ÖRK., Lukas Vischer, kommt mit e'nem
Bericht über die Einheit der Kirchen, besonders auch hinsichtlich
neuerer Unionsverhandlungen zu Worte, während
der Direktor der Humanum-Studien im ÖRK., Davig Jen-
kins, einen zweiten, in seinen Gedankengängen nicht leicht
verständlichen Beitrag über das Humanum unter den
Thema „Auf dem Wege zu einem neuen Menschen in
Jesus Christus" vorlegt.

Das Heft wird abgeschlossen durch den Abdruck der
Begrüßungsreden staatlicher und kirchlicher höchster
Repräsentanten von Äthiopien an den Zentralausschuß mit
der Antwort, die der Ehrenpräsident Dr. W. Visser t Hooft
in meisterlicher Kürze und Tiefe hielt, und schließlich