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Ausgabe:

1972

Kategorie:

Missionswissenschaft

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Neuerscheinungen

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schnell zu finden ist. Nur mit der Orthodoxie ist das Gespräch
noch nicht so recht in Gang gekommen. Hier stehen
Aufgaben für die nächste Zeit an.

Wenn wir nun aber dabei sind, das Arbeitsfeld abzustek-
ken, das Gensichen vorführt, sei es doch auch erlaubt, einige
kleine Lücken aufzuweisen. Die vom Standpunkt des Marxismus
-Leninismus geschriebene historische Literatur, die sich
mit der Mission befaßt, ist nur sehr unvollständig berücksichtigt
und zu schnell, darum auch zu pauschal beurteilt.
Sie wird nur an einer Stelle erwähnt (S. 17). Freilich fehlt es
für eine Überschau, wie Gensichen sie bietet, an Vorarbeiten,
die eigentlich auch nicht der missionswissenschaftlichen Forschung
in der BRD überlassen werden sollten. Theologisch
wirkt sich diese literarische Begrenzung nur geringfügig aus.
Das liegt in der Natur der Sache. Aber an Stellen, wo die Situationsanalyse
divergiert, wird sie sichtbar, so etwa bei der
Behandlung des Kolonialismus (S. 1.7 ff.) oder der Religionsfreiheit
(S. 160). Eine andere Lücke muß man im Zusammenhang
mit der Studie des ökumenischen Rates der Kirchen
über die Strukturen einer missionarischen Gemeinde feststellen
(S. 168ff.). Die in der DDR gebildete Arbeitsgruppe
hat 1966 ein Dokument vorgelegt, das in Genf mehr berücksichtigt
wurde, .als daß man es bei einer zusammenfassenden
Beurteilung der Studie hätte übergehen können (vgl. Ökumenische
Diskussion 1967 Bd. III S. 113-122). Sachlich ist
die Stimme freilich aufgenommen, vor allem dadurch, daß
die einschlägigen Ansätze von W. Krusche verarbeitet sind.

Der hohe Wert des Buches soll durch diese Hinweise nicht
im geringsten geschmälert werden. Vielmehr sei auf ihn noch
einmal ausdrücklich aufmerksam gemacht. Wenn sich die
Partner der gerade in diesen Monaten wieder sehr heftig aufgeflammten
und gelegentlich polarisierten ökumenischen Debatte
über die Mission, besonders in der BRD, so hörbereit
verhielten, wie es in dem Buch von Gensichen geschieht, und
wenn sie in diesem Entwurf eine Basis des Gespräches finden
könnten, würden sie vielleicht ein paar Schritte nach vorne
tun können. Das Werk kann diesen Dienst leisten, weil es
ehrlich, kritisch, sorgfältig, offen und vorwärtsweisend ist.

Berlin Johanne! Althausen

Burkiii, T. A.: The Evolution of Christian Thought. Ithaca-
London: Cornell University Press [1971]. XII, 504 S. gr.
8°. Lw. £ 5,95.

Das Buch ist für Studenten und interessierte Laien geschrieben
, die ihr Wissen über westliche Kultur und Christentum
erweitern wollen. Dabei sind wohl vor allem amerikanische
Leser gemeint, obwohl der Autor zur Zeit in
Afrika als Hochschullehrer tätig ist. Diese Absicht bedingt
den Inhalt des Buches und die Art der Darstellung. Es bringt
eine Entwicklung des christliehen Denkens von seinen Anfängen
in der frühen Kirche bis zur Gegenwart. Breiten Raum
nimmt dabei die Darstellung verschiedener philosophischer
Strömungen ein, auf deren Hintergrund die Entfaltung theologischer
Erkenntnisse gesehen wird. Für den deutschen Leser

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ist allenfalls die ausführliche Darstellung der Entwicklung
im Anglikanismus und in Amerika interessant. Vor- und
Nachteile einer solchen allgemein einführenden Darstellung
werden an dem Buch deutlich sichtbar. Es ist gut lesbar, verzichtet
auf einen komplizierten Apparat von Anmerkungen
und Zitaten, bringt dafür zu jedem Abschnitt weiterführend«
Literaturhinweise und versucht, vereinfachende Zusammenfassungen
komplizierter Entwicklungsvorgänge. Das bedingt
aber auch die Verzeichnung von Zusammenhängen, Unge"
nauigkeiten und eine für den Leser nicht immer einsichtige
Auswahl aus der Fülle des Stoffes. Ein tieferes Eindringen
in einzelne Probleme ist nicht möglieh und wird nicht angestrebt
.

Berlin Roswitha Bodensti in

Abrecht, Paul: The Future as a „Religious" Problem (ER 2«<
1972 S. 176-189). '

Casalis, Georges: Die Zukunft des Ökumeuismus. Der zerrissene
Ökumenismus, in: Die Zukunft des ökumenismuSj
hrsg. v. M. Lienhard und H. Meyer. Frankfurt/M. 1972
S. 27-66.

Eichele, Erich: Was können konfessionelle Minderheiten för
die Einheit der Christen tun? (Die evang. Diaspora 42,

1972

S. 141-153).

Häring, Bernhard: Routine oder prophetische Konkretion,
in: Die Zukunft des Ökumenismus, hrsg. v. M. Lienhard
und H. Meyer. Frankfurt/M. 1972 S. 67-93.

Heuvel, Albert van den: Die Jesus-Bewegung — Eine ökumenische
Herausforderung? (JK 33, 1972 S. 169-172)'

Lenning, Per: Von der Bewegung zur Institution? Eine kritische
Bilanz der ökumenischen Bewegung, in: Die Zukunft
des Ökumenismus, hrsg. v. M. Lienhard und II. Mey**'
Frankfurt/M. 1972 S. 11-20.

Margull, Hans Jochen: Überseeische Christenheit. Markie-
rungen eines Forschungsberciehes anhand der letztjähngen
Literatur (VF BhEvTh 16, 1971 Heft 2 S. 2-54).

Moede, Gerald F.: Ecumenical Exercise III (ER 24, 19?2
S. 119-159).

Newton, John A.: The Ecumenical Wesley (ER 24, 19'«
S. 160-175).

Pietz, Reinhold: Eine neue Stunde im Verhältnis zur katholischen
Kirche — ein neuer Anstoß zu evangelischer Dl*'
spora-Arbeit (Die evang. Diaspora 42, 1972 S. 73—90)-

Willebrands, Giovanni Cardinale: Parola di Dio ed ecuffl**
nismo (Rassegna di teologia 12, 1971 S. 65—67).

Zerbst, Fritz: Veränderung der Welt — Veränderung der
Kirche? Fragen aus Mission, Ökumenik und Diakonie, '"■
Gcschichtsmächtigkeit und Geduld. FS Ev. Fakultät
Wien, hrsg. v. G. Fitzer. München 1972 S. 49-57.

Die Zukunft des Ökumenismus. Bericht eines KolloquiuB»
des Instituts für ökumenische Forschung, in: Die Zukunft
des Ökumenismus, hrsg. v. M. Lienhard und H. Meyer'
Frankfurt/M. 1972 S. 97-106.

Theologische Literaturzeitung 97. Jahrgang 1972 Nr. 10

REFERATE ÜBER THEOLOGISCHE DISSERTATIONEN IN MASCHINENSCHRIFT

Crouch, James E.: The Origin and Intention of the Colossian len Verpflichtungen des Einzelnen aufführt. Diese kön"el>

Haustafel. Diss. Tübingen 1970. 227 S. wiederum auf die ungeschriebenen Gesetze der griechist'l'011

Die gegenwärtige Haustafel-Forschung steht mit ihren Ethik zurückgeführt werden (K. Weidinger, M. DibeliuS)'

Problemen in einer Sackgasse inmitten dreier einander mehr Ein zweiter Lösungsversuch behauptet, daß die Hausta

oder weniger ausschließender Lösungsversuche. Der erste be- auf einer jüdischen Tafel basiere, die dem Zweck gedien*

handelt die Haustafeln als verchristlichte Versionen des habe, die Pflichten derjenigen Glieder der jüdischen Ge

stoischen Katekon-Schemas, das die unterschiedlichen sozia- meinde zu kennzeichnen, von denen nicht erwartet wurc'e'

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