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Ausgabe:

1972

Spalte:

713-714

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Frieling, Reinhard

Titel/Untertitel:

Ökumene in Deutschland 1972

Rezensent:

Gallinat, Reinhold

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Seite 1

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Tl cologische Literaturzeitung 97. Jahrgang 1972 Nr. 9

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volksiurchHchen Tendenzen, werden in ihren Reihen offen- klammert bleiben sollte (5) Ist die ^^^^J

bar aesPhPn Auszeichnung Zufall oder Absicht? Immerhin dart aer „sa

Die neuere Geschichte der „Kirche der Brüder» scheint die kular-ökumenismus" ^^'^^„f^

verschiedentlich aufgestellte These zu bestätigen, daß sich sehe Programm gelten. Di ' B^nflung in emm eigenen

einige der traditionellen amerikanischen Freikirchen äußer- Absatz gleich den übrigen Konzeptionn^el'e furJ"

'ich und innerlich auf europäische volkskirchliche Strukturen ser. Schließlich legt F. Eine ökumenische^samtkonzep

hin entwickeln, während sich die evangelischen europäischen tion für die Bundesrepublik vor (39ff) Er^mochte, von der

Volkskirchen verstärkt an freikirchlichen Vorbildern orien- Basis ausgehend in drei Etappen (lokal egional, gesamt

"«en. Angesichts dieser Problematik kann das vorliegende kirchlich) ein alle Konfessionen und kl ch^*en

Buch nicht nur gute Dienste zur Sach- und Fachinformation umfassendes Ratesystem schaffen. Dabei wirdgroßzugig

leisten, sondern auch zur klareren Erkenntnis eigener Frage- geplant. Die dritte Stufe wurde nicht vor 1980 bis 1985 zu

stellunaen anleiten erreichen sein (54).

au anleiten. ^ zweUen umfänglichcren Teil sind die interkonfessio-

Holle (Soole> Helmut Obst Institutionen in der BRD aufgeführt und mit kurzen

Erläuterungen versehen, die ihre Entstehung, Arbeitsweise,
Zielsetzung oder Effektivität betreffen. Oft gelingt dem Vf.
Fr; r ., - _. „ in knappen Sätzen eine treffende Charakterisierung von un-
geling, Reinhard; ökumene m Deutschland. Ein Handbuch JggS« Intentionen bei den beteiligten Organisader
interkonfessionellen Zusammenarbeit in der Bundes- ™^ Beigaben zu den einzelnen Abschnitten sind ver-
fepubhk. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht [1970]. tione^ Satzwgen oder Richtlinien abgc-
S. 8». Kart. DM 19,80. druckt_ teUs stellungnahmen, Statistiken, Publikationen,
F- hat ein Buch geschrieben, das vielen Wünschen in der ^ werden Personalangaben gemacht und Anschriften
Bundesrepublik, aber auch darüber hinaus, entgegenkommt mitgeteilt. Dje Liste der erfaßten Institutionen reicht von
und gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine nützliche und ^ Einrichtungcn der amtlichen Kirchen über diejenigen
notwendige Zwischenbilanz zieht. Wer sich einen Uberblick ^ Werke Vcrbände und Dienste bis zu den unabhängigen
verschaffen will, wer praktisch mit interkonfessioneller Vereinigungen, Instituten und privaten Initiativen. Es
J^beit zu tun hat, oder wer auch nur von außen die Szene dürftc ^ vollständigste Aufstellung sein, die bisher in der
oeobachtet, erhält ein handlich aufbereitetes Material, das ßRD erarbeitet worden ist. In einem Anhang werden die
^ weiteren Vergleichen, Analysen und verstärkten oku- Verbindungen zu den Sekten, zu jüdischen und anderen
Ionischen Bemühungen anregt. Der Vf. will analysieren, njchtchristlichen religiösen Gruppen zusammengestellt. Am
«formieren, dokumentieren. Das eigene Urteil wird zu- Ende finden sicn ergänzende Literaturhinweise und ein al-
ruckgehalten, wiewohl es nicht fehlt. F. hält sich von Pessi- phabetisches Sachwortregister.

«'SITUlS Und Enthusiasmus rrleirViermnfien fern £eine Hannt-

mus und Enthusiasmus gleichermaßen
ese heißt: „Die Kirchen sollten alles gt

fern. Seine Hauptgemeinsam
tun, was

In einer Hinsicht hat sich der Vf. Beschränkungen auf-

nicht ausGe^7e^'odVr"zwe^ crle9t: Die internationalen ökumenischen Beziehungen der

[rennt tun müssen" (S 6) Kirchen in der BRD werden nicht behandelt. Im übrigen

, Buch hat zwei' Teile, einen ersten grundsätzlichen bleibt kaum €in Wunsch offen, den man billigerweise an

"nd einen zweiten Berichtsteil. F. beginnt mit einer Analyse ein Unternehmen dieser Art richten kann, wenn man nicht

°es sogenannten „nachkonfessionellen" Zeitalters. Obwohl den Wunsch hatte- das Handbuch möchte in periodischen

««■ Wille zu ökumenischer Zusammenarbeit trotz retardie- Abständen auf den neuesten Stand gebracht werden. Denn

^nder Elemente wachse, sei eine Auflösung der Konfes- sAon jetzt sind einige Angaben überholt (z. B. zu „Publik"

„'onsgrenzen nicht zu erwarten, „weil es die Wahrheit nur s- 177)-

9eschichtlich, und d. h. konfessionell gibt" (2.3). Unter der Corrigcnda

Überschrift „Globale Perspektiven" werden sodann die ver- Zu S- «>. Z; "/"t"n/ct'0nalC Ökumenische B.bliogra-

fh.edenen Modelle für die Wiedervereinigung bzw. Zu- Phie": Von Bd- 3'4 (19&4/65) an heißt der Titel „Internatio-

sa^menarbeit der Kirchen vorgestellt, soweitsie in dergegen- nale Oekumemsche Bibliographie"; S. 227 Z. 11 muß es

7ar«3en ökumenischen Diskussion eine Rolle spielen. Die- statt »Starkemeier richtig -Stakemeier" heißen, und S. 231,

^ Kapitel beginnt und endet mit einem Hinweis auf den Z- Z v' u' -Nell-Breuning statt „Nell-Breumg .

a^ular-ökumenismus" (26 und 38), der eigentlich ausge- Potsdam R. GaMinat

REFERATE ÜBER THEOLOGISCHE DISSERTATIONEN IN MASCHINENSCHRIFT

euß, Erdmann: Luthers Stellungnahme zu den Kriegsfäl- zum Krieg eingenommen. Eine solche Haltung mag in den
len seiner Zeit. Luthers Seelsorge und Paränese in den Bauern- und Türkenkriegsschriften und in den grundsätzpolitischen
Auseinandersetzungen der Reformationszeit liehen Äußerungen zum Krieg und Kriegsdienst an einzel-
und ihre Bedeutung für das Verständnis der Zwei-Reiche- nen Stellen scheinbar zum Ausdruck kommen. Jedoch erwehre
. Diss. Halle 1971. XXII, 328 S. kennt man beim genauen Hinhören und Einordnen schon
Die eigentümlich lutherische Zuordnung von Gottesreich der genannten Texte in den zeitgeschichtlichen Kontext un-
^nd Weltreich bzw. von geistlichem und weltlichem Regi- schwer Luthers Crundeinstellung zu Krieg und Frieden Er
^ Gottes hat nach 1945 zunehmend von verschiedenen drängt die im Weltreich Verantwortlichen, im Kriegsfall so
^"en Kritik erfahren (Karl Barth, Helmut Gollwitzer, Hei- schnell wie möglich und mit allen Mitteln den Frieden wie-
Jut Thielicke u. a.). Alle kritischen Stimmen sind sich in derherzustellen.

em einen Punkt einig, Luther habe durch seine Bestim- Ein wirklich zuverlässiges Bild von Luthers Stellung zum

^ung des Verhältnisses von Gottesreich und Weltreich Evan- Krieg und Kriegsdienst ergibt sich aber erst aus der Fülle

Helium und Welt so einander entfremdet, daß es seinen heil- von Gutachten, Bedenken zu den Kriegsfällen seiner Zeit,

sarnen Einfluß auf die politische Welt mehr und mehr ver- die die sächsischen Kurfürsten u. a. von ihm erbaten, und

e0ren habe. Dabei ist für jene Luthers Stellung zum Krieg aus den persönlich gefärbten Äußerungen in Briefen an

m besonders deutliches Beispiel für das verhängnisvolle Privatpersonen. Durch das in seinem Grundstock vorliegen-

"seinandertreten von Gottesreich und Weltreich in seiner de Lutherbriefregister zur WA konnte ein breiter Fächer

Wei-Reiche-Lehrc. Luther habe eine zu positive Stellung von Äußerungen zu konkreten politischen und ausgespro-