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Ausgabe:

1972

Spalte:

547-548

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Ökumene in der Gemeinde 1972

Rezensent:

Kretzschmar, Gottfried

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Seite 1

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Theologische Litcraturzeitung 97. Jahrgang 1972 Nr. 7

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schwarze Theologie das vielleicht zunächst notwendige, aber chende Prioritäten und Projektionen zur Sprache. Dabei

dann zu überwindende Spiegelbild zur weißen Theologie (so werden Schwierigkeiten und Chancen ökumenischer Koope-

Herzog S. 176) ablegen oder gar das einer evangelikal-bibli- ration, wie sie aus der Befragung hervorgingen, klar er

zistischen Theologie bestimmter amerikanischer Denomina- kannt und analysiert. Großer Wert wird auf die „Bereit-

tionen, das sich einem unwillkürlich aufdrängt, wenn man. schaft zur Ökumene" (Herman de Bruin) gelegt. Dieser

z. B. Abschnitte wie den über die Kirche auf Seite 76 Mitherausgeber ist übrigens Referent in der Grundseelsorgc

liest? Aber wir dürfen nur fragen, wenn wir uns zuvor des Bistums Limburg.

der Kritik des anderen gestellt haben. Es geht um ein In ejnem 2wdten TeU werden >/Theologische Implikatio-
tieferes Ärgerms als um theologische Einzelfragen. Herzog nen„ untersucht. Den Pfarrern wurden z. B. sog. .Kontro-
sagt es so: „Gott ist schwarz. D. h. - ,n aller Vorläufig- versthemen" vorgelegt. Die sich daraus ergebenden Diffe-
keit - dafj die Wirklichkeit eines radikal Anderen jeder rcnzprozente verdeutlichen die mehr oder weniger abwei-
weißcn theologischen Überheblichkeit, die der Identifi- chenden Meinungen zu Fragen theologischen, kirchlichen
zierung mit dem Unterdrückten ausweicht, ein hartes Nein und sozialethischen Inhalts. überhaupt wird in diesem
entgegenstellt" (S. 185). Teil versucht den >Kern des Glaubens" herauszustellen und
Wenn die schwarze Theologie in diesem Sinne das Ärger- jn Kurzformeln zu fassen. Auch hier ist es wiederum sehr
nis des Kreuzes aufrichtet ist sie als theologia pro loco aufschlußreich zu sehen, wie die Meinungen der Geistvoll
höchster Relevanz, auch für die Theologie in Europa. liehen beider Konfessionen entweder ziemlich übereinstim-
Und die Antwort kann dann auch nicht nur eine Sache der men oder leichte bzw. starke Unterschiede aufweisen. Evan-
Fachleute sein, die Kirche ist herausgefordert. Und „nur, gelische Pfarrer halten z. B. die Rechtfertigungslehre für
wenn Büßfertigkeit von der Frömmigkeit zur Politik durch- den Kern des Glaubens. Katholische Priester hingegen nen-
stößt, gewinnt sie an wirklicher Bedeutung" (so Cox S. 200). nen die Kirche als die eigentliche Verwirklichung des
Es dürfte das Konzept der schwarzen Theologie als solches Christusglaubens. Da praxisbezogene Themen die meiste
sein, das den eigentlichen Anstoß gibt. Übereinstimmung erkennen lassen, gelten sie „am ehesten
Berlin Johannos Auhausen geeignet für ein ökumenisches Miteinander." (S. 133).

Der dritte Teil macht auf „Tendenzen und Perspektiven
aufmerksam. In einem Beitrag von Georg Niederbcrgef-
Regens des Priesterseminars in Limburg, wird unumwun-

Dahm, Karl-Wilhelm, u. Herman de Bruin: Ökumene in den zugegeben, daß die evangelischen Pfarrer ökumene-

der Gemeinde. Eine Untersuchung zur evangelisch-katho- bereiter sind als die katholischen, die sich besonders m

lischen Zusammenarbeit. Im Auftrag des Limburger Krei- Glaubensfragen zurückhalten. Klar wird aber auch die

ses hrsg. München: Claudius Verlag [1971). 238 S. 8°. Ökumenebereitschaft als ein Generationsproblem erkannt-

Kart. DM 10,-. iüngere Pfarrer sind zur Zusammenarbeit geneigter a's

_. , .... „ . . ältere. Auch Pfarreigröße und Bereitschaft zum ökumeni'

Diese Untersuchung will eine erste Orientierung zu ,__„ , . „ . , .. _,Phr

, x, ■ , „, i j sehen Handeln hangen zusammen: in Gemeinden mit men1

Fragen der Ökumene innerhalb der evangelischen und , E/w. „,-..,_.___ ... c %. -j n -i • „..^ficre

, .r ,. , „ . , . ., ~J , als 5000 Glaubigen ist auf beiden Seiten eine grofJeit

katholischen Gemeinden samt ihrer Pfarrer vermitteln. . ,. . . „ , . , . ,. , . __,xfiicr

• . e ■ j .., • , Offenheit festzustellen als in solchen, die zahlenmaii'y
Trotz der Fülle an allgemein informierender ökumenischer , ..

. . . . . . _ « , . darunter liegen.

Literatur, wie sie gerade m den letzten Jahren erschienen

ist, fehlte bisher eine wissenschaftliche Situationsanalyse Resümierenden Charakter tragen dann auch die siebe

„vor Ort". Thesen von Dahm. Sie äußern sich „zur gegenwärtigen

_ .. ...... . Situation der ökumenischen Zusammenarbeit" (S. 159) und

Die Darstellung, die sich keineswegs immer flussig liest, , .... .. „ . „ , A, , „jtirh-

... . , , ,. . t „ . , , . . . -t, • bestätigen die allgemein anzutreffende Ökumenefrcunaiitu

weil sie auf den Stil schlichter Erfahrungsberichte weithin , .. . ... , .. .__, . .... . . .... „„„fPat

......... _ . 3 . keit, die freilich mit unterschiedlicher Intensität gepnea,

verzichtet, will anhand von Befragungen zeigen, was an . , _.. ,. . , .. , ,. ,___ , .. .__„_ 3Uf

,. ' , ,. , „ , . wird. Für die tatsächliche Zusammenarbeit kommen a"

evangelisch-kathohscher Zusammenarbeit tatsächlich ge- faeiden ^.^ dabei vQr ^ dje Ker inden in Frage.

schieht und wo mehr oder weniger große Schwierigkeiten Dm Aufgabenbewuetsein im sinne einer ökumenischen

einer Kooperation im Wege stehen Befragt wurden zu K alion wird indes bei vielen Pfarrern als margina

diesem Zwecke Pfarrer beider Konfessionen, beabsichtigt bezeichnet Die Zuständigkeitsverantwortung wird oft auf

ist, Theologiestudenten und Kandidaten, Leser aus Gemein- andere kirchlkhe Ebenen abgeschoben. Das dogmatisch-

den und Pfarrerschaft sowie aus Kirchenleitungen und kirchliche Denken ist ohnehin nicht selten inkongruent mit

theologischer Wissenschaft zu weiterem Denken und Tun ökumenischem Bewußtsein und interkonfessionellem Ver-

anzuregen und zu ermutigen. Schließlich wird an die halten

kirchensoziologische Forschung appelliert, „über eine solche , ,

Grobinformation hinaus das breite Feld ökumenischer Be- xm vierten Teil werden schließlich Materialien wie d

Ziehungen gründlicher und detaillierter zu bearbeiten" (S. 7). benötigte Fragebogen veröffentlicht und interpretiert un

„ „ . , .. „ , , . einige Interviewereindrücke wiedergegeben.

Der Untersuchung liegen Befragungen aus dem Winter- j

halbjahr 1970/71 zugrunde, an der sich je ca. 130 evan- Dcr funfte Abschnitt schließlich rundet das Gesamte1

gelische und katholische Gemeindepfarrer aus dem Rhein- ab und gibt die Resultate bei einer Untersuchung soziol

Main-Gebiet beteiligt haben. Ausgewertet und interpretiert gischcr Art in je 15 Einrichtungen von Diakonie un

wurden die Ergebnisse durch eine freie ökumenische Caritas wieder.

Gruppe, die sich „Limburger Kreis" nennt und aus katho- Insgesamt haben wir es hier mit einem ersten umfaS

lischen, evangelischen und freikirchlichen Theologen sowie senden Versuch „ökumenesoziologischer" Art zu tun. un

Laien besteht. Gedacht war die aus 19 Einzelaufsätzen be- zwar vor allem im Bereich der örtlichen Kirchgemeinden

stehende Arbeit als ein Beitrag zu dem Ökumenischen und ihrer Pfarrer. Manches, was an Ergebnissen gewönne'1

Pfingsttreffen 1971 in Augsburg. wurde, hat man bereits geahnt (ohne es wissenschaft'lCl

Eingangs äußert sich Karl-Wilhelm Dahm, Professor bestätigt gefunden zu haben), anderes war neu und über-

am ev. Theologischen Seminar in Heilbronn, grundsätzlich naschend und deshalb zu weiterem Nachdenken anregen •

zum Thema: „Ökumenischer Aufbruch und Ökumene-For Eini9« schließlich mag stärker orts- und personengcDU

schung". In einem ersten Hauptabschnitt „Ökumenischer den sein und deshalb den Charakter des Zufälligen trag

Befund- machen sechs weitere Autoren mit vorhandenen Das aber mindert nicht die Qualität dieser Untersuchung,
ökumenischen Aktivitäten vertraut und bringen entspre- Leipzig Gottfried Kretzsahro»*