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Ausgabe:

1972

Spalte:

316-317

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Ansprenger, Franz

Titel/Untertitel:

Der Schwarz-Weiss-Konflikt in Afrika 1972

Rezensent:

Althausen, Johannes

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Theologische Literaturzeitung 97. Jahrgang 1972 Nr. 4

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logie her lediglich in dem Rang eines bedeutenden Ausdrucks
und Begriffs mitbedacht, um dadurch die eigentliche
Dimension der geschichtlich-personalen Namensanrede
von vornherein zu verstellen (Hans Rudolf Müller-
Schwefe, Die Sprache und das Wort, Hamburg 1961,
233). Die Macht des biblischen Wortes wehrt sich vergeblich
gegen den Vorrang des Sehens (theoria) gegenüber
dem Hören, wie schon bei Aristoteles (F. K. Mayr, ZThK
1964, 446ff.). Die Folge ist ein völlig anderes Verständnis
von Glaubensgewißheit als bei Luther.

Der 1. Hauptteil vermittelt endlich den geschichtlichen
Überblick zur Entstehung der Disputationsform im dia-
lektisch-disputativen Tradieren der kirchlichen Sprachüberlieferung
(Quaestio-Methode), ohne daß das augusti-
nische Theologieverständnis als sapientia grundsätzlich
verlassen wird. Die der Disputation zugrunde liegende
Sprachkategorie stellt sich von Augustin her über die
Wende zur „res" bei Anselms „realistischer Ontologie"
und der letzten Konzeption der Frühscholastik bei dem
Aristoteliker Abälard als sprachlogisch zu begründende
Signifikationshermeneutik dar, die im Kanon des augusti-
nischen signum-res- bzw. aristotelischen forma-materia-
Schemas und des corpus-anima-Modells ausgelegt wird

(122).' ,

Wir münden in die einleitenden Überlegungen zur heutigen
Besinnung über die Sprache „Haus des Seins"
(Martin Heidegger), als Stiftung der Ich-Du-Beziehung
(Martin Buber), als wirklichkeitsgestaltende kulturtragende
und geschichtsmäßige Dynamis (Leo Weisgerber
) ein. Aber erst als der Hörer des Wortes ist der
Mensch in sein Wesen als Entsprechung auf den Vorspruch
des Seins gebracht (Hermann Noack, Sprache und
Offenbarung, Gütersloh 1960,11 ff.). Zu diesem Teilaspekt
des Sprachproblems eine wichtige theologiegeschichtliche
Besinnung geliefert zu haben, ist das Verdienst des
fleißig gearbeiteten und umfangreiche Literaturkenntnis
verratenden Buches trotz der oben erhobenen kritischen
Einschränkungen. Sehr bedauerlich ist lediglich die sich
auch sonst verbreitende Manier der nur abgekürzten
Wiedergabe der Autoren Vornamen, die besonders bei
häufiger erscheinenden Namen (wie Müller) zu lieber vermiedenen
Verwechselungen führt1.

Schraplau Wolfram Nlerth

1 Corrigenda: 295, Z.3. Die Ziffer gehört hinter Anführungszeichen
und Punkt. 317, Z.3 statt „ihres" muß es „ihrer"
heißen.

Blancy, Alain: Lire Holtmann (EThR 46, 1971 S.365-383).
Braaten, Carl E.: The Significance of Apocalypticism for

Systematic Theology (Interpretation 25, 1971 S.480-499).
Congar, Yves: Bulletin d'ecclesiologie (RSPhTh 55, 1971

S. 665-708).

Dockx, Stanislas: L'lSglise, epiphanie de l'Esprit Saint, in:
L'Esprit saint et l'Eglise, ed. par S.Dockx. Paris 1969
S. 235-258.

Glaser, Karl: Der Spielraum des Glaubens. Orientierungen zur
Wiederentdeckung der Transzendenz in der säkularen Gesellschaft
. Stuttgart: Calwer Verlag [1971]. 107 S. 8°. Kart-
DM 6,80.

Hanson, Richard S.: Kingdoms of Man and the Kingdom of

God. Minneapolis, Minn.: Augsburg Publishing House

[1971]. 126 S. 8°.
Knauer, Peter: Que signifie: „Je crois en Jesus-Christ"? La

christologie de Gerhard Ebeling (Revue Theologique de

Louvain 2, 1971 S. 385-421).
Moltmann, Jürgen: Introduction ä Ia theologie de l'esperance

(EThR 46, 1971 S.399-414).
-: La religion de l'esperance (EThR 46, 1971 S.385-398).
-: Stations et signaux (EThR 46, 1971 S.357-363).
Pittenger, Norman: Process Theology and the Fact of Evil

(ET 83, 1971 S.73-77).

Tillich, Paul: Vorlesungen über die Geschichte des christlichen
Denkens. I: Urchristentum bis Nachreformation. Hrsg. u.
übers, v. I.C.Henel. Stuttgart: Evang. Verlagswerk
[1971]. 311 S. gr. 8° = Ergänzungs- u. Nachlaßbände zu den
Gesammelten Werken von Paul Tillich, 1. Lw. DM 35,—•
(s. Bespr. in ThLZ 91, 1969 Sp.69t).

Torrance, Th.-F.: La mission de l'Eglise, in: L'Esprit saint et
l'Eglise, ed. par S.Dockx. Paris 1969 S. 275-294.

MISSIONSWISSENSCHAFT
ÖKUMENE

Ansprenger, Franz: Der Schwarz-Weiß-Konflikt in Afrika.

München: Kaiser; Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag
[1971]. 104 S., 6 Ktn. 8° = Entwicklung und Frieden, hrsg.
v. d. Wissenschaft!. Kommission d. Katholischen Arbeitskreises
für Entwicklung und Frieden. DM 6,80.

Es ist außerordentlich zu begrüßen, daß die Herausforderung
des Ökumenischen Rates zur Bekämpfung des
Rassismus von verschiedenen Seiten tatkräftig aufgegriffen
wird. Auch die wissenschaftliche Kommission
des katholischen Arbeitskreises für Entwicklung und
Frieden, die eine Art nationale Kommission für die päpstliche
Kommission ,, Justitia et Pax" ist und insofern auch
seine Beziehungen zu ökumenischen Stellen hat, besonders
zu SODEPAX, der gemeinsamen Arbeitsgruppe
des Ökumenischen Rates und des römisch-katholischen
Sekretariats für die Christliche Einheit, beginnt mit dem
vorliegenden Band eine Studienreihe zum Schwarz-Weiß-
Konflikt in Afrika (S.7). Damit wird ein weiterer Beitrag
zu der dringend nötigen Beschäftigung auch der
Kirchen im deutschsprachigen Raum mit afrikanischen
Fragen geleistet. Daß der Nachholbedarf sehr groß is*>
wird von dem Vf. erkannt und deutlich unterstrichen, im
übrigen auch von der Bibliographie (S.65ff.) unmißverständlich
demonstriert.

Die von dem bekannten Westberliner Afrikaspezifl-
listen, Professor Ansprenger, vorgelegte Arbeit bietet zunächst
eine allgemeine Übersicht. Gegenüber anderen
Dokumentationen dieser Art verarbeitet sie mehr Material
und liefert ein umfassenderes Bild. Dabei enthalten sieb
die Verfasser fast jeglichen Urteils, obwohl man z.B-
in der Sache Cabora Bassa-Projekt deutlich ihre ablehnende
Haltung spürt.

Aufgabe dieser Publikation soll es sein, zu informieren-
Darum werden eine Reihe Dokumente angefügt, die als
Grundlage einer Diskussion unerläßlich sind. Neben.den
einschlägigen Papieren aus der UNO und aus dem

Öku-

menischen Rat der Kirchen werden hier das sehr wichtige
Manifest von Lusaka vom 16.4.1969, das Hirtenschreiben
der katholischen Bischöfe von Rhodesien vom 17.3.1970,
die Osterbotschaft Erzbischof Milingos/Zambia vom
29.3.1970 sowie die Erklärung der katholischen Bischöfe
Ostafrikas über Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit
vom 10.8.1970 abgedruckt.

Um die Diskussion anzuregen, fügt Ansprenger der
Information einige Thesen hinzu. Sie wollen in Kirche und
Gesellschaft der Bundesrepublik zur Verantwortlichkeit
für Afrika aufrufen, bei der der afrikanische Partner
ernst genommen wird, eine Einstellung, die offensichtlich
nicht selbstverständlich ist. Und „der Kirche kann eine
wesentliche Funktion bei der Diskussion der Methode zur
Überwindung ungerechter sozialer Strukturen zukommen
" (S. 63).

Die Verfasser der Studie haben zwar einige Literatur der
DDR mitverarbeitet. Die Kommission, in deren Verantwortung
die Herausgabe des Bandes liegt, wird aber
guttun, noch etwas genauer darauf einzugehen, was hier
ausgeführt wird. Man wird auch in der Kirche nicht davon