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Ausgabe:

1968

Spalte:

127-128

Kategorie:

Kirchengeschichte: Neuzeit

Autor/Hrsg.:

Roe, William G.

Titel/Untertitel:

Lamennais and England 1968

Rezensent:

Delius, Walter

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Seite 1

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127

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KIRCHENGESCHICHTE: NEUZEIT

Roe, W. G.: Lamennais and England. The Reception of La-
mennais's Religious Ideas in England in the Nineteenth Century
. London: Oxford University Press 1966. VIII, 241 S. 8° —
Oxford Modern Languages and Literature Monographs, ed.
A. M. Barnes, R. Fargher, M. Jacobs, C. A. Jones, T. B. W.
Reid. Lw. 38 s.

128

Was L. Ahrens, Lamennais und Deutschland, Studien zur Geschichte
der französischen Restauration, Münster 1930, unternommen
hat, setzt der Verf. für England fort. Er beschäftigt sich in
seiner Studie weniger mit der Rolle, die England und die Engländer
in Lamennais' Leben gespielt haben, als mit der Wirkung
seiner Ideen und seines Beispiels auf England. Es geht also nicht
um den Einfluß einer Folge von „überzeugenden und zusammenhängenden
Ideen" auf das Gedankengut der englischen Nation
, sondern vielmehr um die englische Reaktion auf die verschiedenen
Gedanken, welche zu den Grundthemen des 19. Jhs.
gehören und darum wie diese nun durch Lamennais zum Ausdruck
kommen und in England Aufnahme finden. So zeigt das
Buch die Beziehungen einmal zwischen den Gedanken und dem
Charakter Lamennais', zum anderen zwischen den verschiedenen
Bewegungen in England und bei den dieses Land beherrschenden
Persönlichkeiten. Zu beachten ist im Untertitel der Studie
die „religious Ideas" im Gegenüber zu den mancherlei politischen
und moralischen Ausführungen Lamennais'.

Der Verf. baut seine Arbeit auf aus unpublizierten Dokumenten
aus Archiven, aus den Schriften Lamennais' und vor allem
aus Auszügen einer Vielzahl von Zeitungen, Zeitschriften und
Magazinen, die sich in England mit Lamennais beschäftigt haben
.

Nach einem Überblick über Leben und Werk Lamennais'
schildert der Verf. die Auswirkungen des Hauptwerkes Lamennais
': Essai sur l'indifference en matiere de Religion (1817), das
erst 1820 in englischen Magazinen und Zeitschriften Beachtung
fand. Die damals einflußreichste Zeitschrift Quarterly Review
(Juli 1821), und damit zugleich ein Barometer für die Beurteilung
Lamennais' in England, schrieb, daß das Werk charakterisiert
sei „durch etwas Beredsamkeit, viel Fanatismus und noch
mehr Intolerance". In den Jahren 1825-1829 sah man in England
Lamennais als extremen Exponenten des Ultramontanimus
an. Seine Entwicklung in einer mehr liberalen Richtung wurde
in England nicht genau beobachtet. Erst die Paroles d'un
Croyant (1834) machten Lamennais in der breiten Öffentlichkeit
Englands bekannt. Man verglich ihn mit Wyclif und Hus. Aber
es gab auch ablehnende, z. T. Lamennais lächerlich machende
Kritik. Erst nach seinem Tode (1858) floß von Frankreich aus
ein größerer Bücherstrom von oder über Lamennais nach England
. Er gab englischen Gelehrten Gelegenheit, den Umfang seines
Werkes zu schätzen. Es erschienen jetzt sein Briefwechsel
und unveröffentlichte Werke, nachdem seine Paroles bereits zu
«einen Lebzeiten drei englische Übersetzungen, die erste im Jahre
1837, erhalten hatten.

Wichtig für das Thema unserer Studie ist Lamennais' Verhältnis
zu England und den Engländern, als er während der 100
Tage Napoleons (1815) als Flüchtling England aufsuchte. Als
Hauslehrer übte er solchen Einfluß auf seinen Schüler Moorman
aus, daß dieser in Frankreich zur katholischen Kirche übertrat.
Andererseits stand Lamennais der anglikanischen Kirche, der
englischen Politik und Gesellschaft ablehnend gegenüber. Freundlicher
war seine Stellung zum englischen Volk. Er empfand jedoch
die englische Atmosphäre sich gegenüber als feindlich.
Immerhin konnte er eine Reihe wichtiger Freundschaften schließen
, in denen sich sein Einfluß auswirkte. Ferner werden in der
Studie dargestellt Lamennais' Beziehungen zur Oxford-Bewegung
und zur katholischen Kirche in England. In dem katholischen
Irland z. B. wurde bis zum Jahre 1852 seinen Namen zu
nennen vermieden. Der werdende Liberalismus im englischen
Katholizismus nahm sich schließlich Lamennais als Vorbild, wie
er auch als Vorfahre des christlichen Sozialismus angesehen wurde.
Kein Wunder, daß auch extreme und destruktive Reformertypen
sich auf ihn beriefen und ihn zum radikalen Neuerer machten.

Das Literaturverzeichnis bringt, soweit ich 6ehe, die gesamte
wissenschaftliche Literatur über Lamennais. So ist das Buch ein
wichtiger Beitrag zur Kirchengeschichte der ersten Hälfte des
19. Jhs.

Berlin Walter Delius

Theologische Literaturzeitung 93. Jahrgang 1968 Nr. 2