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Ausgabe:

1968

Spalte:

839

Kategorie:

Neues Testament

Autor/Hrsg.:

Kremer, Jacob

Titel/Untertitel:

Das älteste Zeugnis von der Auferstehung Christi 1968

Rezensent:

Delling, Gerhard

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suchungen zu einem schwer zugänglichen und schwer zu beurteilenden
jüdisch (-christlichen?) Werk sehr verdient gemacht. Daß
damit die Probleme dieses Buches restlos geklärt sind, wird niemand
erwarten.

Greifswald Traugott Holtz

Kremer, Jacob: Das älteste Zeugnis von der Auferstehung
Christi. Eine bibeltheologische Studie zur Aussage und Bedeutung
von 1. Kor. 15,1-11. Stuttgart: Rath. Bibelwerk [1966].
155 S. 8° = Stuttgarter Bibelstudien, hrsg. v. H. Haag, N. Loh-
fink u. W. Pesch, 17. Kart. DM 7,80.
Der erste Teil der überarbeiteten Vorlesungen von Kremer, „Die
Aussage von 1. Kor. 15,1-11", stellt im ganzen die für Kremer wichtigeren
Ergebnisse der exegetischen Arbeit an diesem Text in ansprechender
Weise dar. Bestimmte weitreichende Urteile, die dem
Verfasser offenbar wichtig sind, bereiten schon das Folgende vor.
So etwa der Satz: Es handelt sich „bei dem Erscheinen des Auferstandenen
um ein Erkennbarwerden des verwandelten Geist-
Leibes in unserer Welt"; dementsprechend ist den Sinnen der Auferstehungszeugen
„die Wahrnehmung des Auferstandenen ohne
eine wunderbare .. . Befähigung unmöglich" (61). Bestimmten kritischen
Erwägungen ist Kremer offen; mit den Ostergeschichten,
die „legendäre Züge tragen", haben die Evangelisten „ihnen überlieferte
Erzählungen . . . aufgegriffen, um in der Form und Sprache
ihrer Zeit die Tatsache und Bedeutsamkeit der Auferstehung zu bezeugen
" (80f.). In ihnen und in 1. Kor. 15 handelt es sich indessen
nur „um verschiedene Formen der Osterverkündigung .. ., nicht
aber um sich widersprechende Aussagen" (87). - Im zweiten Teil
behandelt Kremer „Die Bedeutung des Evangeliums von der Auferstehung
Christi für uns". Der einleitende Abschnitt skizziert „Die
Bedeutung des Osterevangeliums für Paulus" (88-94), jedoch im
Rahmen des Heftes als ganzem meines Erachtens nicht voll befriedigend
. Dann setzt sich Kremer ausführlicher mit den Auffassungen
von Bultmann und W. Marxsen über die Bedeutung des Osterzeugnisses
auseinander (95-131). Kremer bemüht sich nachdrücklich,
vor allem Bultmann gerecht zu werden, der z. B. „nicht so einfach
. . . die Existenz des Auferstandenen" leugnet, „wie ihm häufig . . .
nachgesagt wird" (100f.). Über Marxsen, dessen Meinung in aller
Knappheit gut dargestellt wird, urteilt Kremer: „Anstatt das Ereignis
zu deuten, eliminiert er es" (127). Tatsächlich handelt es sich
bei der Aussage „Christus ist auferstanden" „um die autoritative und
damit verbindliche Sprache für das Osterereignis" (125f.). In einem
letzten Abschnitt versucht Kremer, die Konsequenzen aus dem
vorigen für „Die kirchliche Verkündigung der Auferstehung Jesu
Christi heute" zu ziehen (131-144). Zwischen den beiden Grundsätzen
, man müsse, moderne Anliegen aufnehmend, eine zu Mißverständnissen
verleitende Sprache von der Auferstehung Christi
meiden (132-136) und doch die unverkürzte Osterbotschaft in ihrer
ganzen Fülle verkündigen (136-140; vgl. das vorige Zitat 125f.),
ist offenbar nicht so leicht ein Ausgleich zu finden.

Halle, Saale Gerhard Delling

Marxsen, Willi: Das Neue Testament als Buch der Kirche.

Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn (1966); Lizenzausgabe
: Berlin: Evang. Verlagsanstalt [1967]. 144 S. 8°
Der vorliegenden Abhandlung liegt eine Vorlesung zugrunde,
die Marxsen 1962 und nochmals 1965 gehalten hat. Er bezieht darin
Stellung in der heftigen Auseinandersetzung um moderne Exegese
und Verkündigung, die inzwischen an Breite und Heftigkeit nur
noch zugenommen hat. Er tut es in einer beispielhaft förderlichen
Weise: Von unerschütterlicher, freundlicher Offenheit geleitet, ist er
als moderner Theologe entschlossen, sich von der anderen Seite
eigene Mängel zeigen zu lassen (15), und unternimmt zuversichtlich
den Versuch, die Ergebnisse moderner theologischer Arbeit in den
Dienst heutiger Gemeindeförderung zu stellen und so die unruhig
gewordenen Gemeindekreise zu überzeugen, dar) hier nicht „das
Fundament des Glaubens planmäßig zerstört" (12) wird, sondern
um ein für uns alle unausweichlich gewordenes, radikales Durchdenken
unseres Glaubens und unserer Kirchlichkeit gerungen wird.
Und so zeigt Marxsen im einzelnen, wiefern es legitim sein kann,
dafj ein Christ „an die Bibel glaubt" (144), wiefern speziell das
Neue Testament das Buch der Kirche ist.

Teil I zeigt das Neue Testament auf als „Werk der Kirche" (19
bis 67). Werk der Kirche ist die Abgrenzung des lange Jahrhun-

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derte noch in seinen Grenzen strittigen Kanons; die hier gefällten
theologisch-kirchenrechtlichen Entscheidungen erfolgten im Namen
der altkirchlichen Tradition (Vorsicht mit der Parole „sola scriptum
"!). Vor allem aber sind die im Neuen Testament gesammelten
Einzelschriften Werk der Kirche, Dokumente der ältesten Verkündigungsgeschichte
der Kirche. „Das Neue Testament ist der älteste
erhaltene Predigtband der Kirche." (51) Dabei ist die Verkündigungsgeschichte
charakterisiert durch Tradition und Neuauslegung;
nur je durch „Umsprechen" (56) in die je neue Situation des konkreten
Hörers hinein und insofern durch „Variation" (44) hält man
„die Sache", „das ursprüngliche Anliegen durch" (47). Was aber ist
diese Sache, wie ist zu verhindern, daß die Verkündigungssituation
zum Herrn der Sache wird, wie im deutschchristlichen Pseudevan-
gelium? Hier stoßen wir auf die Tatsache, daß sich alle urchristliche
Verkündigung am Anfang orientiert, und dieser Anfang ist
Jesus; die ältesten Predigten der Kirche erhalten kanonischen Rang
dadurch, daß sie Verkündigung der „unmittelbaren Augen- und
Ohrenzeugen", der „Apostel" (66) festhalten und so die unmittelbare
Orientierung an Jesus. Kanonisch ist das apostolische Zeugnis;
das altkirchliche Kriterium der Kanonizität ist also, recht verstanden
, legitim! (67) Diese Darlegungen sind schlechthin überzeugend
und müßten als allgemeine Gesprächsbasis dienen können.

Schwieriger steht es mit der Herausarbeitung des apostolischen
Zeugnisses selbst; hierzu legt Marxsen eine hervorragende These
vor in Teil II „Die Norm - ihre apostolische Bezeugung und ihre
Bezeugung in der frühen Kirche " (68-122) unter Zusammenarbeitung
der gesondert von ihm vorliegenden Studien. Die älteste
Schicht ist die apostolische Bezeugung Jesu, die Marxsen als „gedeutete
Geschichte" definiert (79). Jesus wird nicht historisch-objektiv
greifbar, sondern in Jesusverkündigung, diese aber hat „noch
Anhalt. .. am vorösterlichen Jesus" (82). Besonders behandelt werden
Luk. 12, 8 f., Jesu Heilungen, die Mahlgemeinschaft mit den
Sündern, das österliche Sehen Jesu. Solche älteste Verkündigung
ist implizit christologisch und gerade so unmittelbare Bezeugung
des Geschehens, das Marxsen faßt als Nahebringen, als Ereignung
Gottes. Dies Geschehen hat seine (wortlose) Sprache; diese wird
vom Zeugen artikuliert (108). Später folgt explizite Christologie, die
nicht mehr direkt auf das Jesusgeschehen verweist, sondern verschlüsselt
in Prädikationen Jesu. Und nun kommt alles darauf an,
diese Verschlüsselungen auf das Jesusgeschehen zurückzuführen.
Wo statt dessen von den Prädikationen aus weiterreflektiert wird,
verfällt man einem falschen Neueinsatz. Dieser ist die wahre Ursache
der christologischen Streitigkeiten und konfessionellen Spaltungen
. Mit „ökumenischer Leidenschaft" tritt Marxsen für ihre
Überwindung durch den rechten Rückgang auf das apostolische
Zeugnis ein (132).

Damit ist Teil III erreicht, „Der neue Vollzug" (123-144).
Marxsen vertritt hier eine grundsätzliche Austauschbarkeit der verschiedenen
Reflexionen, da sie ja alle auf dasselbe Geschehen zurückweisen
wollen, und versucht eine Klärung der Begriffe „Glaubensgegenstand
" und „Glaubenswahrheit", wobei meines Erachtens
viele Fragen offen bleiben und so am Schluß sehr deutlich wird, daß
hier ein Gespräch gerade erst begonnen hat. Andererseits ist die
Konsequenz bestechend, mit der Marxsen seinen Gedankengang
zum Ende führt, indem er an Beispielen zeigt, wie das Neue Testament
heute Buch der Kirche ist: indem es mich führt „zum Mitglauben
mit den ersten Zeugen", „in den Glauben hinein, in den Jesus
gestellt hat" (144).

Bahnbrechend als Eröffnung des Gesprächs mit der Gemeinde,
dazu ein energischer, weiterführender Beitrag zum innertheologischen
Gespräch, ist das vorliegende Bändchen von größter Bedeutung
.

Leipzig Harald Hegermann

Schille, Gottfried: Die urchristliche Kollegialmission. Zürich -
Stuttgart: Zwingli-Verlag 1967. 215 S. 8° = Abhandlungen zur
Theologie des Alten und Neuen Testaments, hrsg. von W. Eichrodt
und O. Cullmann, 48. Kart. DM 24,-.

Die Nachrichten, die uns über die Anfänge der christlichen Mission
überkommen sind, sind so lückenhaft und fragmentarisch, daß
eine Reihe grundlegender Fragen bis heute nicht schlüssig beantwortet
werden kann, so z. B. das Problem der Herkunft des urchristlichen
Apostelbegriffs oder die Frage nach der Methode urchristlicher
missionarischer Arbeit. Um so genauer müssen daher

Theologische Literaturzeitung 93. Jahrgang 1968 Nr. 11