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Ausgabe:

1968

Spalte:

778-782

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Höfer, Liselotte

Titel/Untertitel:

Seelsorge und Ökumene 1968

Rezensent:

Becker, Werner

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Theologiscne Literaturzeitung 93. Jahrgang 1968 Nr. 10 77ö

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tion des Alten Testaments bei Zinzendorf weit über das hinaus,
was an christologischer Interpretation des Alten Testaments in der
Geschichte der Kirche bis dahin geübt worden ist. Noch auffälliger
berührt Zinzendorfs Vorstoß über die Tradition hinaus, wenn er
alle Funktionen dem Sohn zuschreibt, die sonst dem Vater als der
ersten Person zugeschrieben werden. Zinzendorf wird tatsächlich
der in der Bibel bezeugten Bedeutung des Vaters nicht gerecht!
Ein zweiter Teil ist dem Thema „Gottes Schöpfungswerk" gewidmet
. Er stellt eine äußerst kundige Reproduktion Zinzendorfscher
Ideen dar und bedeutet eine große Ausweitung der bisherigen
Kenntnis des Grafen. Ruh zeigt, daß die Einheit von Schöpfer und
Versöhner Zinzendorf doch nicht zur These einer Identität von
Schöpfung und Versöhnung führte. In der Darstellung der Anthropologie
durch Ruh (S. 148ff.) ergeben sich keine wesentlich neuen
Aspekte. Im dritten Teil wendet sich Ruh dem Thema „Das Gesetz
Gottes" zu, das für die Beurteilung des Gesamtcharakters der
Zinzendorfschen Theologie von besonderer Bedeutung sein dürfte.
Ruh kommt zu dem Ergebnis, daß Zinzendorf hier am meisten
der Diskussion des 20. Jahrhunderts Vorgriff - Ruh denkt offenbar
besonders an Barth -, denn: „Man könnte versucht sein, recht
häufig Zinzendorfs Gedanken mit Hilfe von Zitaten aus der modernen
Diskussion über das Verhältnis von Evangelium und Gesetz
auszusprechen" (S. 223). Ansätze für eine christologische Begründung
des usus politicus legis finden sich zweifellos. Ruhs Untersuchung
verrät viel Sympathie mit Zinzendorf. Wo lutherische
Theologen gerade Unterschiede zwischen Luther und Zinzendorf
statuieren und daran kritische Fragen an Zinzendorf knüpfen,
nimmt Ruh Zinzendorfs Partei, ohne dabei allerdings kritische
Erwägungen zu unterdrücken, so besonders gegen Zinzendorfs
Anthropologie, die für Schleiermacher Anknüpfungsmöglichkeiten
bot (S. 87ff., 162ff., 256f.). Ruh konstatiert trotz der christo-
zentrischen Mitte der Zinzendorfschen Theologie zahlreiche Unein-
heitlichkeiten in dem Denken des Grafen. Ob man diese tatsächlich
nur im Sinne einer „Störung der ursprünglichen und dominierenden
Grundlinie seines theologischen Denkens" (S. 280) auffassen darf,
wird wohl noch weiterhin strittig bleiben. In den sozialethischen
Gedanken Zinzendorfs und im Ansatz seiner politischen Ethik
möchten wir am stärksten ein Weiterwirken reformatorischer Konzeptionen
sehen.

Diese Beobachtung wäre durch Einzeluntersuchungen genauer zu
erhärten. Sollten sie sich bestätigen, müßte gefragt werden, wie
sich dies zu Zinzendorfs christozentrischer Theologie des I. Artikels
in Beziehung setzen läßt. Ruhs Untersuchung weist selbst
schon Wege zur Lösung dieser hier angedeuteten Frage.

Strasbourg-Neuendettelsau F. W. Kantzenbach

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(MuK 38, 1968 S. 165-169).

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Mezger, Manfred: Dogma (ZdZ 22, 1968 S. 281-284).

Müller, Gotthold: Die Selbstauflösung der Dogmatik bei Ernst
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Nordhues, Paul: Überlegungen zum Sakrament der Firmung

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Perrin, Norman: New Beginnings in Christology: A Review

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Reifenhäuser, Hubert: Die Frage nach der Wirklichkeit

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- Von der theologischen Tragweite lehramtlicher Verlautbarungen

über gesellschaftspolitische Fragen (Concilium 4,1968 S. 411-421).
Schoonenberg, P.: Feit en gebeuren: eenvoudige herme-

neutische beschouwingen bij enkele in discussie staande vragen

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Schott, Erdmann: Amt und Charisma in reformatorischer Sicht

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Spindeler, Alois: Das Tridentinum und die neueren Erklärungsversuche
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Steck, Karl Gerhard: Neuere Literatur zur römisch-katholischen

Ekklesiologie (Teil I) (ThR 32, 1968 S. 273-321).
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MISSIONSWISSENSCHAFT UND ÖKUMENE

Höf er, Liselotte: Seelsorge und Ökumene. Freiburg: Seelsorge-
Verlag 1964. 185 S. 8°. Kart. DM8,70.

- Mysterium Unitatis. Pastoraltheologisches zum Ökumene-Dekret
des Zweiten Vatikanischen Konzils. Frei bürg: Seelsorge-Verlag
1967. 150 S. 8°. = Schriftenreihe f. zeitgemäße Seelsorge, hrsg.
v. A. Fischer, 3.

Die erstgenannte Schrift Liselotte Höfers ist „dem Wegbereiter
ökumenischer Theologie" Otto Karrer zum 75. Geburtstag (am
30. November 1963) gewidmet. Sie setzt sich zum Ziel, daß nach
dem Vorgang des eigentlich theologischen Gesprächs zwischen
katholischen und nichtkatholischen Christen nun auch die katholische
Seelsorge das ökumenische Anliegen in die Praxis umsetzt.
Aus den Ausführungen spricht eine echte Offenheit für das Denken
der evangelischen Christen und ein gesunder praktischer Sinn.
Beide Schriften, die einander sehr glücklich ergänzen, sind im
besten Sinn des Wortes auf die Gegenwart ihrer Entstehungszeit
bezogen. Die Situation des neuen Aufbruchs der ökumenischen
Verantwortung zur Zeit des Beginns des Konzils kommt in dem
kleinen Buch sehr gut zum Ausdruck. Aus den Literaturangaben
in den Anmerkungen wird deutlich, daß zu dieser Zeit schon die
ökumenische Bewegung in der katholischen Kirche einen reichen
literarischen Niederschlag gefunden hatte und sich auf Männer
wie Otto Karrer, Joseph Lortz, Johannes Pinsk, Romano Guardini,
Karl Rahner u. a. berufen konnte. Dankenswert ist auch die Auswertung
der vielen Artikel in katholischen Zeitschriften, die an der
Schaffung der neuen ökumenischen Atmosphäre mitgewirkt haben.

Zu Anfang wird die grundsätzliche Frage gestellt und bejaht,
ob es eine ökumenische Seelsorge gibt. Für die „wechselseitige
Bezogenheit" von ökumenischem und seelsorgerlichem Dienst
konnte sich die Verfasserin auf die Debatten der ersten Sitzungs-