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Ausgabe:

1968

Spalte:

714-715

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Peri, Vittorio

Titel/Untertitel:

I concili e le chiese 1968

Rezensent:

Vinay, Valdo

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Theologische Literaturzeitung 93. Jahrgang 1968 Nr. 9

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Die Untersuchung vorchristlicher und frühchristlicher Texte einer Opferhandlung geeignet ist, ergibt der Sprachgebrauch

ergibt, daß das Verbum offerre weder in der heidnischen Antike Pius' XII., dem am dogmatischen Verständnis der Messe als Opfer-

noch in der frühen Christenheit als Kultterminus gebraucht wurde. handlung außerordentlich gelegen war. Um in betonter Weise den

Der biblische Sprachgebrauch zeigt ferner, daß die Hingabe Christi Opfercharakter der Eucharistiefeier hervorzuheben, bediente er

am Kreuz niemals mit Wörtern ausgedrückt wird, die dem lateini- sich zur Bezeichnung für das Darbringen des Meßopfers sogar

sehen Verbum offerre entsprechen. Den Autoren der biblischen des paganen Opferterminus „sacrificare" und sprach in der Enzy-

Bücher stand die universale Heilsbedeutung des Kreuzesopfers klika Mediator Dei immer von „immolatio" oder „sacrificatio", wenn

Christi vor Augen. Aus soteriologischem Interesse ergaben sich er dafj Meßopfer meinte, aber niemals von „offerre".

m ihrer Verkündigung zur referierenden Aussage sprachliche Verf. erblickt in dieser Sprachregelung eine Bestätigung seiner

Hinzufügungen, die das historische Ereignis als ein Geschehen These, daß „offerre" in den liturgischen Texten zunächst einfach

-Pro nobis" deuten. Die griechischen Texte des Neuen Testamentes die Eucharistiefeier bezeichnet. Wenn heute die Opfervorstellung

bedienen sich dafür vorzugsweise der Präpositionen ävrt als Aus- darin eingeschlossen ist, so steht sie doch nicht im Vordergrunde;

d^uck der Stellvertretung und {mip als Ausdruck des Interesses „vielmehr prägt sich in dem Sonderterminus offerre das Wissen

oder des Nutzens. Auch 6uS kommt gelegentlich vor, sowie nept der Christen aus, daß sich diese Eucharistie von den heidnischen

zur Einführung der Person oder Sache, „um" derer willen (auch sacrificia und operationes zutiefst unterscheidet" (S. 79).

-über" oder „betreffs") Bitte und Gebet dargebracht werden. Der Reichtum des in dieser Untersuchung vorgelegten Materials

Während im Griechischen durch die verschiedenen Präpositionen wird durch ein sorgfältig angelegtes Register erschlossen, das

verschiedenartige Motive eindeutig herausgehoben werden kön- nicht nur die herangezogenen Quellen berücksichtigt, sondern

nen, liegt dem lateinischen „pro* eine Fülle von Vorstellungen mit einer Zusammenstellung aller besprochenen Wörter eine

(2- B. Satisfaktion, Interesse, Ursache, Motiv) zugrunde, und die wichtige Arbeitshilfe bietet.

sPrachliche Ausdrucksweise bindet sich niemals nur an eine dieser Erlangen Bernhard Klaus
Vorstellungen allein, so daß mehrere andere mitschwingen, wenn
eir>e anklingt.

Hier liegt die eigentliche Schwierigkeit, vor die sich Verf.

gestellt sah. Um den in der Wendung „offerre pro" vorliegenden MISSIONSWISSENSCHAFT UND ÖKUMENE

Reichtum der römischen Liturgiesprache auszuschöpfen, konnte

eine Zusammenordnung aller Stellen etwa nach dem schematischen P e r i, Vittorio: I Concili e le Chiese. Ricerca Storica sulla Tradi-
0rdnunsprinzip „anstelle" - „zugunsten" nicht genügen. Er fand zi°ne d'Universalitä dei Sinodi Ecumenici. Roma: Editrice Studie
Lösung, diese Wendung aus breiteren Motivkreisen zu er- dium (1965). 125 S. gr. 8° = Cultura, XXIX. Lire 1.500,-
fassen. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Arbeit im ganzen Peri hat sich wiederholt mit den die ökumenischen Konzilien
9egliedert. „Offerre pro" wird als Ausdruck des Festanlasses unter- betreffenden Fragen befaßt. Von seinen Beiträgen, die zum Thema
•^cht, als Ausdruck des Oblationszweckes und zur Bezeichnung dieses Werks in direkter Beziehung stehen, seien hier nur zwei
°es Oblationsnutznießers. Die Beziehung zum Fürbittegebet wird erwähnt: II numero dei concili ecumenici nella tradizione cattolica
^er9estellt sowie zum Stellvertretungsmotiv, das aus dieser Wen- moderna, in „Aevum" 37 (1963), S. 430-501, und Due protagonisti
Un3 herausklingt. dell'editio romana dei concili ecumenici: Pietro Marin ed Antonio
Die gegenwärtigen katholischen Liturgiereformen verleihen der d'Aquino in „Melanges E. Tisserant", Bd. VII (= Studi e Testi 237),
Präge

nach der Entwicklung von „offerre" zum Kultterminus eine Cittä dei Vaticano 1964, S. 131-232.

esondere Aktualität. Die Wendung „offerre pro" erscheint erst- Wie bekannt, gibt es keine offizielle Liste der von der römischen

"^ig bei Tertullian. Als einer der frühchristlichen Lateiner, die Kirche anerkannten ökumenischen Konzilien, obwohl gewöhnlich

Qie qriechischen Fremdwörter durch lateinische Ausdrücke ersetzen deren 21 bis zum 2. Vatikanum (ebenso im Schlußbreve des letzte-

^ollten, fand er durch wörtliche Übertragung von fruotav ltpoaqifipui ren) gezählt werden. Das 2. Nizenum (787) erwähnte unter den

aus der Septuaginta zu der der lateinischen Klassik unbekannt Eigenschaften eines allgemeinen Konzils die direkte oder indirekte

gewesenen Wendung sacrificium offero. Damit war bei ihm keine Mitwirkung des römischen Papstes und die Übereinstimmung

Pfervorstellung verbunden; er meinte lediglich das Mitbringen (ouupuvta) der Patriarchen des Ostens. Die orthodoxen Kirchen

et" Gaben für die Eucharistiefeier, und was er unter dem gott- haben bis heute hauptsächlich diese Übereinstimmung der fünf

gefälligen Opfer verstand, war das Gebet der zur Eucharistie Patriarchen (die fünf Sinne des Leibes Christi) betont und deshalb

Versammelten Gemeinde. So meinte er mit dem Ausdruck „offerre nach 1054 kein Konzil mehr als ökumenisch anerkannt; die rö-

Pro" nicht, „daß für einen ein Opfer dargebracht werde", sondern mische Kirche dagegen hat die Mitwirkung des Papstes hervor-

* aß für einen gebetet werde, und zwar vor allem bei der Eucha- gehoben. Lange Zeit galten auch im Westen nur die sieben ersten

stiefeier" (S. 60). Tertullian hatte also eine Wendung in latei- und das Unionskonzil von Florenz als ökumenisch. Aber bereits

^scher Sprache gefunden, die in keiner Verbindung mit den vor- im 15. Jahrhundert unterschied Juan de Torquemada zwei Typen

istlichen Opferkulten stand und das gottesdienstliche Tun der von allgemeinen Konzilien aus einem verschiedenen Verständnis

risten von diesen zu unterscheiden geeignet war. der ratio universalitatis heraus: 1) die plenitudo des Konzils sei

Für die Weiterentwicklung wurde die Herkunft aus der Sprache wesentlich durch die Anteilnahme der fünf Patriarchen gegeben,

er Septuaginta bedeutungsvoll; denn damit war der Bezug auf 2) die einfache ökumenizität sei von der Autorität des Papstes als

as alttestamentliche Opfer gegeben. Schon bei Cyprian findet des Hauptes der gesamten Christenheit abhängig, d. h. non ex

'en „offerre" als feststehender Terminus zur Bezeichnung der parte convocandorum sed ex parte auetoritatis in eo praesidentis,

endmahlshandlung und bezieht sich nun immer stärker auf quae tanta est ut legem ponere et praeeipere possit toti universi-

16 Aktionen der die Feier leitenden Presbyter. Aber noch in tati fidelium (S. 68). Dieser neue Begriff der universalitas setzte

en römischen Sakramentaren ist mit „offerre" nicht einfach sich nicht sofort durch. Man erwähnte noch um die Mitte des

^0Pfern" gemeint. Der Sinngehalt dieses spezifischen Ausdruckes 16- Jahrhunderts das Konzil von Florenz als octava synodus uni-

Ur die Eucharistiefeier blieb beeinflußt von seiner Entstehung versalis (S. 76).

•aus dem Darreichen und auf den Altar legen" (S. 75). Zur Zeit der schärften konfessionellen Kontroverse empfand

is|;D'eSe Deutun9 aucn fur die Gegenwart in Anspruch zu nehmen, Bellarmin jedoch Torquemadas Auffassung der Ökumenizität als

ein besonderes Anliegen des Verfassers. Mit „offerre", so sehr geeignet, um die Legitimität und Autorität der allgemeinen

■ lnt er, wird noch im gegenwärtig gültigen Missale Romanum Konzilien zu begründen und zu verteidigen. Er nahm sie daher in

oh Grunde nichts anderes als die Meßfeier schlechthin gemeint, den ersten Band seiner „Controversiae" (Ingolstadt 1586) auf und

wohl zugestanden werden muß, daß die heute dem Katholiken verfaßte eine Liste von 18 ökumenischen Konzilien, indem er die

'gene Opfervorstellung in dem Wort offerre in starkem Maße acht mittelalterlichen (nach 1054) einschaltete. Die Editio romana

^"schwingt. Wenn es heute an Stellen verwendet wird, an denen der ökumenischen Konzilien (1608-1612) trug entscheidend dazu

e? die alte Kirche vermieden hätte, dann ist dies nicht als Ergebnis bei, daß die Liste Bellarmins allgemeine Anerkennung innerhalb

es Deutungswandels zu verstehen, sondern als Folge davon, der römischen Kirche fand.

Onf S1C'1 neute °ine terminologische Abgrenzung gegen heidnische Diese kuriale Auffassung der ökumenizität ist natürlich nicht

ervorstellungen erübrigt. Wie wenig „offerre" zur Bezeichnung günstig, um eine Annäherung der orthodoxen Kirchen an Rom