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1968

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Allgemeines

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geistlicher Reden gehalten, Zuhörer politisch zu ärgern. Nur das
behalte ich mir vor, mag es ärgern oder nicht, daß ich in jeder
Kirche bald so, bald anders, aber stets zum Ausdruck bringe, daß
unser Kaiser diesen Krieg nicht gewollt hat" (Th. K. am 30. 5. 1916).
„Gott gebe: einen deutschen Frieden!" (Th. K. am 30. 12. 1916).

Dieser Briefwechsel ist in theologiegeschichtlicher, in kirchen-
gcschichtlicher und zeitgeschichtlicher Hinsicht eine reiche Fundgrube
. Man hat für die Veröffentlichung sehr zu danken.

Göttingen Wolfgang T r i 1 1 h a a s

Bibliographie de cartographie ecelesiastique. 1. Fase.:
Allemagne - Autriche. Leiden: Brill 1968. VIII, 352 S. gr. 8° =
Commission Internationale d'Histoire Ecelesiastique Comparee
au sein du Comite International des Sciences Historiqucs.
hfl. 68,-.

Franke, Kurt: Informationstheorie, Biologische Regelkreise und

Gott (Wege zum Menschen 19, 1967, S. 157-162).
Hondius, Jan M.: Buddhismus und Christentum auf Ceylon

(ZRGG 20, 1968, S. 79-82).
P o w 1 i s o n , Paul S.: Bases for formulating an Efficient Ortho-

graphy (The Bible Translator 19, 1968, S. 74-91).
Smart, Ninian: I Recommend You to Read: XIII. Recent Books

on the Comparative Study of Religion (ET 79, 1968, S. 196-200).
De Wächter, M.: Dood - hiernamaals - vcrrijzcnis: biblio-

grafie (1962-1966) (Bijdragen 28, 1967, S. 321-330).

RELIGIONSWISSENSCHAFT

Cornelius, Etiennc, OP: Christliche Grundgedanken in nichtchristlichen
Religionen. Übers, v. R. M. Zadow. Paderborn:
Verlag d. Bonifacius-Druckerei [1967]. 195 S. gr. 8°. Kart. DM
19,50.

Diese kenntnis- und gedankenreiche Schrift, die mit kirchlichem
Imprimatur versehen und von einem Dominikaner verfaßt
ist, sieht es in der gegenwärtigen nachkonziliarcn Zeit als zentrale
Aufgabe eines christlichen Theologen an, einen theologischen
Dialog mit den nichtchristlichen Religionen zu führen. Die vorausgesetzte
grundsätzliche Einstellung besteht für C. - wie er betont,
im Einklang mit Thomas von Aquino - darin, „mögliche Vorformen
der Offenbarung, die sich außerhalb der jüdisch-christlichen
Überlieferung finden, mit Ehrfurcht zu betrachten und uns
zu fragen, wie die Menschen darauf geantwortet haben" (S. 21).

Nach einem Vorwort über „Die Begegnung der Religionen"
(S. 7-14) behandelt der Verfasser sein Thema in zwei Teilen,
deren erster die Überschrift trägt: „Heilsgeschichte und Religionsgeschichte
" (S. 15-92), während der zweite das spezielle Thema
„Christentum und Buddhismus" (S. 93-185) behandelt, um an diesem
Beispiel sichtbar zu machen, in welcher Weise der Verfasser
sich eine wirkliche, d. h. nach Kräften vorurteilsfreie Auseinandersetzung
mit nichtchristlichen Religionen denkt.

Nur einige für die Denkweise des Verfassers charakteristische
Abschnitte seien aus beiden Teilen hervorgehoben. Im ersten Teil
erörtert C. „Anzeichen des Gotteswortes" (S. 17 ff.), worunter er
Orakclpraktiken, Inspirationsmantik, Offenbarungserwartungen
und heilige Bücher versteht. Das zweite Kapitel handelt von
„Christlicher Theologie und nichtchristlichcn Religionen" (S. 36 ff.).
Gegenüber der vom Verfasser vertretenen Ansicht, „daß die religiöse
Geschichte der Menschheit die Merkmale der zuvorkommenden
Gnade Gottes trägt" (S. 52), wird die von C. abgelehnte Einstellung
K. Barths durch die Überschrift gekennzeichnet: „Karl
Barth oder die Abwesenheit Gottes in den menschlichen Institutionen
" (S. 52). C. meint, die Härte und Unnachgiebigkeit der alt-
testamentlichen Propheten gegenüber den völkischen Religionen
dürfte die Theologie nicht einfach in christliche, konfessionelle
Exklusivität übersetzen (S. 56). Es folgt eine Behandlung des „Synkretismus
in der Geschichte der Religionen" (S. 70 ff.).

Ohne auf Einzelheiten einzugehen und zu manchen meines Erachtens
anfechtbaren Behauptungen des Verfassers hinsichtlich des
Buddhismus Stellung zu nehmen, seien nur einige Kapitelüberschriften
genannt: „Der Buddhist, mein Bruder" (S. 95 ff.), „Der
Buddhismus als einzigartiger Ausgangspunkt einer Reflexion über
den Homo religiosus" (S. 122 ff.), „Der Glaube der Buddhisten"
(S. 133 ff.), „Die buddhistische und die christliche Auffassung von
Leiden und Heil" (S. 153 ff.).

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So ist dieses Buch meines Erachtens ein Musterbeispiel nicht
einer religionswissenschaftlichen Untersuchung, die der Verfasser
nicht beabsichtigte zu schreiben, sondern einer theologischen Auseinandersetzung
mit erkannten und anerkannten religiösen Werten
in nichtchristlichen Religionen, die - ich möchte geradezu
sagen - mit liebevollem Verständnis dargestellt werden.

Bonn Gustav Mensching

Rudolph, Kurt: Theogonie, Kosmogonie und Anthropogonie in
den mandäischen Schriften. Eine literarkritischc und traditions-
geschichtlichc Untersuchung. Göttingen: Vandcnhocck & Ruprecht
1965. 393 S. gr. 8° = Forschungen zur Religion u. Literatur
d. Alten u. Neuen Testaments, hrsg. v. E. Käsemann u.
E. Würthwcin, 88. Kart. DM 48,-.

Eine systematische Darstellung der mandäischen Mythologie
fehlt seit langem. Wilhelm Brandt hat im vorigen Jahrhundert so
etwas versucht, aber seitdem ist die Forschungslage ganz verändert
worden durch die allgemeinen Fortschritte der rcligionsgcschicht-
lichcn Forschung sowie durch die Entdeckung und Veröffentlichung
mancher neuen Texte (besonders durch Lady E. S. Drower).

Die Aufgabe, die sich der Verfasser gestellt hat, ist, „eine
interne Analyse der mandäischen Vorstellungen über Theogonie,
Kosmogonie und Anthropogonie zu geben mit dem Ziel, zu einer
Grundgcstalt und damit ältesten Schicht des mandäischen Mythos
vorzustoßen" (S. 13). Die Methode ist, eine Darstellung der verschiedenen
Auffassungen des Mythos in den mancherlei Schriften
zu geben und dann die „heterogenen Lehrgehalte" zu ermitteln.
Als Resultat folgt eine Eruierung der ältesten Schicht des Man-
däismus, vorausgesetzt, daß diese „Urrcligion" eine gewisse Eindeutigkeit
und Klarheit gehabt hat.

Die Analyse der Texte mit theogonischem Material kommt zu
dem nicht erstaunlichen Ergebnis, daß zwei Theorien nebeneinander
zu finden sind: eine Mana- und eine Lcben-Thcogonie, wovon
die letzte die älteste zu sein scheint. Haijc mit seinem Boten
Mandä dHaije kommt in GL und in vielen alten liturgischen
Texten vor. Mänä ist eine später hypostasierte individuelle
Abspaltung des Lebens. Die schwierige Frage des Ursprungs
von Mänä wird gründlich diskutiert, obwohl nicht endgültig gelöst
. Die Mandäer haben eine Schöpfungs- und eine Emanations-
lehrc gehabt, die eine semitisch, die andere iranisch. Sic sind voneinander
weder streng isoliert, noch kann man sie eindeutig
mit Mänä oder Haije verbinden. Ursprünglich scheint Haijc das
Urprinzip gewesen zu sein, später ist mänä rbä darübergesetzt
worden, woraus Mänä also emaniert.

Soweit über die Lichtwclt. Aber das System ist ursprünglich
dualistisch, und die Finsternis mit dem Herrn oder dem König
der Finsternis (der erstgenannte als Sohn der Ruhä) tritt hervor.
Urbestandtcil der Finsternisvorstcllung soll die Idee vom Chaos,
dem „schwarzen Wasser" sein. Hier kann man alte semitische
Vorstellungen spüren, aber in der Hylogonic sind auch iranische,
ja manichäischc Theorien zu finden. Die Kosmogonicn sind sehr
kompliziert. Das zweite und das dritte Leben mit dem aus syrisch-
jüdischen Bereich stammenden Jösamin und dem aus Iran stammenden
Abatur werden dargestellt. Wesentlich ist die Untersuchung
des Ptahil. Dieser mandäischc Dcmiurg ist mit Jo- oder
El-Rabbä identisch, und dahinter steckt der Schöpfergott des Alten
Testaments. Die älteste Stufe der mandäischen Kosmogonie soll
eine häretisch- (gnostisch-) jüdische Interpretation von Gen. 1 sein,
in der man auch die Verbindung zwischen ruah 'clohim und der
bösen Rühä zu suchen hat.

Jünger ist die Tendenz der Rehabilitierung des Dcmiurgcn,
dessen drei Vertreter sich außerhalb des Pieromas befinden, was
auch eine mehr positive Interpretation der Welt mit sich brachte.
Der Verfasser vermutet, daß soziologisch „eine Klerikalisicrung
und der Verfall des Gemeindestatuts" diese Entwicklung vorbereitet
hat. Hierher gehören die „monistischen Kosmogonicn", deren
Entwicklung unter anderem auch von islamischer Seite beeinflußt
worden sein soll. Diese Ehrenrettung des Dcmiurgen tritt uns auch
in den Höllcnfahrtsmythen entgegen, die schon in den Ideen des
Abstiegs Mända dHaijes zur Fesselung des Ur vor der Kosmogonie
verwurzelt sind. In diesen Vorstellungen meint der Verfasser
gute iranische Parallelen finden zu können, vielleicht der
Sassanidcnzeit zugehörig.

Theologische Literaturzeitung 93. Jahrgang 1968 Nr. 7