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Ausgabe:

1968

Spalte:

386-387

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Oosthuizen, Gerhardus C.

Titel/Untertitel:

The theology of a South African messiah 1968

Rezensent:

Lehmann, Arno

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Jahrbüchern an Umfang wachsen lassen. Auch diese Anregung
möchte nur Ausdruck des Dankes sein, der der hier in elf Bänden
geleisteten Arbeit noch eine weiterausgreifende Wirkung für die
Zukunft wünscht.

Grcifswald William Nagel

Wellesr, Egon, and Milos Velimirovld [Ed.]: Studics in
Eastern C/hant. 1, ed. by M. V e I i m i r O v i 6. London — New
York - Toronto: Oxford Universitär Press 1966. XVI. 134 S.,4Taf.
8°. Lw. 60 s.

I in dem weithin wachsenden Interesse für das Studium des osl
kirchlichen liturgischen Gesanges entgegenzukommen, bietet die
vorgelegte Arbeit eine willkommene Grundlage. Sie stellt eine
Sammlung von L0 Aufsätzen dar. deren Verfasser fachkundige
Forscher - orthodoxer, katholischer und protestantischer Provenienz
_ sind. Hier die einzelnen Themen: l. Akathistos-Prooemia
•n Byzantine Musical Manuscripts in Hungary (Gabor Devai):
-■ The Surrival of Byzantine ('.haut in the Monophonic Music of
the Modern Greek Church (Markos Dragoumis); 8. Greek Ekpho-
netic Ni'iimes and Masoretic Accents {Gudrun Engberg); l. APapa-
ilike from Skoplje (Jelena MWojkovic-Djurii); 5. Some Reflections
on Byzantine Musical Style i Jorgen Raasted); 0. Peter Lampada-
1 "'s wnd Metropolitan Serafim "I Bosnia (Dimitrije Stefanovic and
Milos Velim irovicj; 7. Reflections on Transeribing the llirmoi in
Byzantine Music (Maria Stöhr); 8. 11. .1. W. TiUyard and the Reco
very of a lost Fragment (Oliver Strunk); !). On the Musical Rende-
r,ng nf the Early Byzantine Kontakia (Constantine Trypanis);
10. Unknown Stichera for the Feast of St. Athanasios of Mount
Atbos (Milos Velimirovic).

Die Verfasser bringen in Verbindung mit ihren Ausführungen
I" Lieder-Textproben in Noten, die teils auch mit byzantinischen
Musikzeichen versehen sind. So z. Ii zwei Akathistos-Prooemia
(S. l-,s) zeigen die strenge Einheil der musikalischen Struktur der

Gesänge, die besonders durch die Wiederholung von einigen ausdrucksvollen
melodischen Passagen unterstrichen wird: beide demonstrieren
die Schönheit des byzantinischen Gesanges.

Mit zahlreichen Heispielen demonstriert Gudrun Engberg die
enge Verbindung der griechischen ekphonetischen Neumen mit
den masoretischen Akzenten, die auch eine musikalische Funktion
hatten, indem sie die Perikopen aus dem griechischen Propheto-
logium, die während des Kirchenjahres zelebriert werden, mil di u
entsprechenden Stellen im hebräischen Text vergleicht (S. 37—49).

Diese Beispiele mögen hier genügen, um den Inhal) des Buches zu

charakterisieren.

I>;is Interesse der Musikologen in West und Osl für die Forschung
des Ursprungs und der Entwicklung der Formen des byzantinischen
Gesanges wird besonders dadurch gefördert, daß

durch die ökumenischen Bestrebungen weithin lebhafte Studien
f||,s orthodoxen Kirehengesanges der slawischen Völker im Gange

wnd. Wenn auch die slawischen Völker, besonders die Russen,

MM dein (iehiete der Kirchenmusik ihrer Art genial! grolle Eigenleistungen
hervorgebracht haben, so liegen doch die Wurzeln
ihres Kirehengesanges im byzantinischen linden. Für die Litur-
Kiker und Musikologen ist es daher wiehlig und auch reizvoll,
■lach dem Ursprung und der Weiterentwicklung der Formen der
orthodoxen liturgischen Gesänge, Lieder und Hymnen, die heute
111 ihren Gottesdiensten ertönen, zu forschen, Diesen Bemühungen
versucht das Buch durch seine wissenschaftlichen Untersuchungen
dankenswerterweise entgegenzukommen.

Der Herausgeber - Egon Wellesz - der mit Tillyard zu den
Pionieren der byzantinischen Musikologie gehört, hat dieses Buch

MS ein Komplement der Monumenta Musicae liyzanlinae gedacht,

als deren spiritus rnovens seil Jahrzehnten der dänische Philologe

Carsten Heeg gilt. Es ist zugleich auch eine Würdigung der bisher
geleisteten Arbeit der Pioniere, deren Bücher, Schriften, Studien.
Artikel - 30 Titel von Wellesz und .'S7 von Tillyard, die sie im
'-iure eines halben Jahrhunderts publiziert haben - hier aufgeführt
sind. Durch ihre Beiträge haben sie das Interesse hei einer
ganzen Reihe jüngerer Musikologen für die Probleme der byzantinischen
Kirchenmusik erweckt, die ihrerseits mil gründlichen

Forschungsarbeiten auf diesem Gebiete hervorgetreten sind. Die-
s,'i Sammelband enthält wichtige Anlegungen und Hinweise für
Eiturgiker und Forscher der Kirchenmusik.

Berlin Karl Rose

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MISSIONSWISSENSCHAFT
UND ÖKUMENE

Oos t hu Isen, Gerhardus Cornelis: The Theology of a South
AfricanMessiah. AnAnalysis of theHymnal of „The Church of
the Nazarites". Leiden-Köln: Brill 1967. XII, 198 S. gr. 8° = Ökumenische
Studien, hrsg. von E. Benz, VIII.

Nach neuester Zählung gibt es in Afrika 1594 separierte oder in-
dependente Kirchen und Sekten mit eitler Diu chschnillsanhänger-
schafl von 1500 und zusammen rund 7 Millionen Gliedern. Die
jüngste Übersicht mit einein großen Zahlenwerk findet sich im
„Bulletin, Unilcd Bible Societies", No 72, London 1967, p. 184-192.

Diese afrikanischen Schismen Andel man in einem Drittel aller
(853) Stämme. Und Südafrika liegt mit 3152 Splittergemeinschaf
ten und 3710000 Anhängern (Durchschnittszahl: 1177) an erster
Stelle.

Halle Bengl Sundkler in seinem nun auch in deutscher Sprache
vorliegenden Werke „Bantupropheten in Südafrika" (Stuttgart
1964) den ersten Einblick in diese Well der südafrikanischen Separationen
vermittelt, so beschäftigt sich das angezeigte Buch mil
nur einer Kirche von etwa 80 000 Seelen, welche den berühmten

Shembe als Gründer hat. Der Verfasser erhebt, auch in Auseinandersetzung
mit Beugt Sundkler und Kaiesa Schlosser (Eingeborenenkirchen
in Süd- und Südwestafrika, Kiel 1958), den Lehrgehall
dieser Gemeinschaft aus deren Gesangbuch als aus einer Arl gesungener
Dogmatik. S. 167—198 werden Proben solcher Gesänge in

englischer Ubersetzung dargeboten.

Auch im Buchtexl linden sich viele Lied-Quellenslüeke, da aber
in der Ursprache und daneben in englischer Passung. Deren Sach-
und Obersetzungswert erweist sich natürlich als unüberprüfbar.

Mit anderen Stimmen meint auch der Verfasser, dal! die Missin

neu und die historischen Kirchen von den Unabhängigkeitsbewegungen
viel zu lernen hätten, um alle Arbeil ohne die vielbeklagte

„rcligious foreignness" zu tun, und dal.i sie lernen müßten, jenen
kirchlichen Gruppierungen mit dem Mal.! von Bescheidenheit zu
begegnen, das dem erstrebten Dialog angemessen sei (S. 10). Viele
Afrikaner könnten keine wirkliche geistliche Heimat in den etablierten
Kirchen linden, solange sich bei diesen kein radikaler
Wechsel in der Stellungnahme zu jenen Bewegungen einstelle; gerade
auch die Lauheit in den historischen Kirchen und der Mangel
an Wärme und Heimatgefühl hätten viele Afrikaner in jene Bewegungen
geführt, die als eine Form der Krweckung anzusehen seien,

wie dies besonders erkennbar sei in eben den obenerwähnten l.ie-
dein (S. 156).

Shembe 1, der Gründer (getaufl 1906 und separiert 191 I I, gill als

die Manifestation Jehovas, und er selbst betrachtete sich als den
Messias seiner Anhängerschar. Von ihm stammen die meisten
Lieder, deren Inhalt sich weithin auf das Alle Testament bezieht.

Der Inhalt des Buches: Das höchste Wesen, der Messias, der
Mensch und die Cherwell, die Gemeinschaft (dabei auch: die hl.

Schrift, Feste, numinöse Mächte, Sünde und Sünder, Taufe. Eschs-

lologie).

Einzelne typische Züge: Shembe sah sich als Mensch und doli,
als „the su per natural personified" (S. 32). lininer wieder wird sein
deutlich, daß der Name und das Werk Jesu Christi zurücktreten.
Shembe war der Messias und der Mittler. ..er seihst hat den Platz
Jesu usurpiert" (S. ::">). Und dies als der Black Christ, wobei aber
..Schwarz nicht der Farbe der Weißen entgegengestellt wird, sondern
hei den Zulus als die Farbe der Kraft angese hen wird" (S.53).
Die Bedeutung des Kreuzes und der Versöhnung wird verdunkelt
iS. 81), und besonders wird das Kreuz überflüssig durch die rituelle
Waschung (S.ll Ii. Für Shembe besteht die Trinität aus dem Höchsten
Wesen, dem hl. Geist und ihm selbst, und er selbst isl die Manifestation
dieser Trinität. Wie auch sonst in den afrikanischen
Gemeinden, so spielen auch hier, und hier erst recht die Ahnen eine
große Rolle. Beim hl. Abendmahl verwende! man ungesäuertes Bröl

und Wasser stall Wein, und das heilige, magisch wirkende Wassel

macht das Abendmahl zu einem Puriflkationsritus, durch welchen
ewiges Leben erlangt wird (S. 115(1.). Beim Sündenbekenntnis isl
das rituelle Erbrechen von größter Wichtigkeit. Shembe weiß nichts
von einem Fall des Menschengeschlechtes. Er versichert seinen
Gläubigen, daß e r die Macht habe, vom Tode zu erretten |S. 133).
Um der Sabbatfeier willen trennte er sich von seiner Kirche, und

Theologische Literalurzeituug 9.'i. Jahrgang 1968 Nr.fi