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Ausgabe:

1968

Spalte:

302-303

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Blanke, Fritz

Titel/Untertitel:

Missionsprobleme des Mittelalters und der Neuzeit 1968

Rezensent:

Holsten, Walter

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legende Studien zu kennen. Das Namensregister, das mindestens
S00 Namen enthält, vermag allein nicht zu überzeugen. Außerordentlich
störend ist in der deutschen Übersetzung die große
Zahl typographischer Fehler.

Frankfurt/M. Thomas Luckmonn

Schulte, Walter, Prof. Dr.: Studien zur heutigen Psychotherapie
. Heidelberg: Quelle & Meyer 1964. 128 S. 8° = Beiträge
zur Praktischen Theologie, hrsg. v. W. Uhsadel, 1. Kart.
DM 10.80.

W. Schulte steht als Vertreter einer personalen Psychotherapie
in der Reihe der Ärzte, denen es um eine universale, bzw.
..synoptische Psychotherapie" (W. Bitter) und darüber hinaus
eine Begegnung mit der Theologie geht. Diese Haltung, die seinem
Denken zugleich Weite und Tiefgang verleiht, macht alle
seine Schriften auch für den Theologen wertvoll. Das gilt auch
von seinen „Studien", die durch die Zusammenarbeit mit Prof.
D. Dr. H. Girgensohn befruchtet sind, dessen Andenken die
Schrift gewidmet ist. Sie enthält eine vielseitige Sammlung von
Arbeiten aus den Jahren 1961 bis 1964. Es geht dem Verf. in
einigen Aufsätzen um die Erweiterung des Indikationsfeldes für
die Psychotherapie auf die Gebiete des organischen und psychotischen
Krankseins und der charakterlichen Abnormität. Andere
Arbeiten sind dem Verständnis des heutigen Menschen und der
Frage des äußeren und seelisch-geistigen Lebensraumes gewidmet
(Wiedereingliederung Kranker und Abnormer, Raumgewinnung
für den unruhigen und ungeborgenen Menschen). Die tiefdringenden
und treffenden Ausführungen über „die Unruhe des
Menschen unserer Tage" und die „Entfremdung von Kirche und
Welt" sind von besonderem Interesse für den Seelsorger. Nicht
ohne Grund stehen als Einleitung und Abschluß zwei Aufsätze
über das Arzt-Patientenverhältnis, denn dieses Thema durchzieht
die gesamten Darlegungen („Der Psychotherapeut im Blickfeld
seiner Patienten" - „Der nächste Patient"). Wesen und Wert
einer kommunikativen personal-dialogisch orientierten Psychotherapie
werden an den Studien deutlich. Weil hier der Mensch
in seiner Bezogenheit auf Transzendenz als Person und als Partner
gewürdigt wird und man ihm helfen will, sich mit den
Grundbedingungen seiner Existenz (Zeit, Tod, Geschlecht, dem
Bösen. . .) auseinanderzusetzen, ergeben sich die besten Möglichkeiten
zu vertiefter Diagnose und Therapie. So werden z. B.
für das Verständnis und die Behandlung des psychotisch Kranken
, des Süchtigen, des Hochbetagten und des Menschen unserer
Tage sehr differenzierte und überzeugend wirkende Hilfen angegeben
.

Der Verf., der den Arzt nicht nur als „Kenner und Könner",
sondern auch als „Treuhänder" im Arzt-Patientenverhältnis verstehen
will, verwirklicht diese Forderungen in seiner Schrift. In
konzentrierter Form bringt er nicht nur viel Wissenswertes über
die heurige Psychotherapie, sondern auch reiche und bis in die
Feinheiten vordringende praktische Erfahrungen aus dem Umgang
mit dem heutigen Menschen. Wie ein roter Faden zieht
sich durch die Studien das Bemühen um eine Zusammenschau
verschiedener therapeutischer Verfahren. Als gemeinsames Ziel
der Therapie möchte er die „Wiederherstellung der Unbefangenheit
zu leben" und die Reifung und Wandlung der Person sehen.
Immer wieder kehrt der Ruf zu kritischer Auseinandersetzung
der Therapeuten bei gegenseitiger Bejahung dessen, was der
andere treibt. Diese aufgeschlossene und sachliche Haltung
nimmt der Verf. auch der Seclsorge gegenüber ein. Die selbstkritische
Einstellung, die eine Voraussetzung für eine fruchtbare
Begegnung sowohl mit der Scelsorge als mit verschiedenen Richtungen
der Psychotherapie ist, erweist sich als eine Grundhaltung
des Verf.s. Das ernsthafte In fragestellen der eigenen Person
, des Arzt-Patientcnverhältnisses, der Therapie und mancher
Formen kirchlicher Praxis ermöglichen es dem Verf., zu den die
menschliche Existenz angehenden Fragen wirklich Wesentliches
zu sagen. Hier spricht in Vollmacht ein erfahrener Sachkenner
in einer wohltuenden Bescheidenheit und menschlichen Wärme.

Leipzig Adolheid R e n s c h

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MISSIONSWISSENSCHAFT
UND ÖKUMENE

Blanke, Fritz, Prof. Dr.: Missionsprobleme des Mittelalters
und der Neuzeit. Sieben Aufsätze. Zürich-Stuttgart: Zwingli
Verlag [1966]. 138 S. gr. 8°. Pp. sfr. 12.80.

Das Buch vereinigt sieben Aufsätze, die in der Zeit von 1927
bis 1962 an verschiedenen Stellen erschienen sind. Sie zeichnen
sich sämtlich durch eine sehr klare Sprache aus, in der auch
schwierige Probleme leicht verständlich behandelt werden. Fünf
der sieben Beiträge befassen sich mit dem Mittelalter: „Colum-
ban der Jüngere wird Alemannenmissionar"; „Coluimban in Bre-
genz"; „Die Anfänge der Preußenmission"; „Die Missionsmethode
des Bischofs Christian von Preußen"; „Die Mohanimedanermis-
sion im Mittelalter". Wenn B. im ersten Aufsatz mit Recht feststellt
, daß es keine missionarischen, sondern asketische Gründe
waren, aus denen „Irenmönche in Scharen ihr Land verließen und
in die unbekannte Ferne zogen" (S. 10), so wäre ergänzend darauf
hinzuweisen, daß in der Geschichte sehr oft Askese und
Mission dicht beieinander lagen. Befremdlich kann in der sorgfältigen
Interpretation von sechs Wundererzählungen der Vita
Columbani das Bemühen wirken, diese als historisch zuverlässig
zu erweisen, teils, weil Vf. es nicht für angängig hält, etwas,
weil es „nicht in unser alltägliches Weltbild hineinpaßt, in das
Reich der Fabel zu weisen" (S. 26), teils indem er die Telepathie
bemüht oder Columbans „mit übernormalen Kräften reich begabte
Natur" (S. 37) geltend macht, oder die Tierpsychologie
heranzieht. Man wird jedoch diese Interpretation als das legitime
Bemühen ansehen müssen, die sehr frühe Legendenbildung
um Columban zu verstehen. In den beiden Studien „Die Anfänge
der Preußenmission" und „Die Missionsmethode des Bischofs
Christian von Preußen" werden die Probleme der Preußenmission
so dargestellt, daß sie einerseits in dem Rahmen der mittelalterlichen
Missionsgeschichte in ihrer Besonderheit herausgearbeitet
werden, andererseits aber auch als Probleme der Mission überhaupt
gesehen werden, wenn z. B. Adalberts von Preußen Gedanken
über die Anpassung entwickelt werden oder die Bemühung
Christians von Preußen um einen einheimischen Klerus dargestellt
oder die Problematik der Verbindung von Mission und
Kolonialpolitik gezeigt wird. Diesem Problem geht in der Geschichte
der katholischen und evangelischen Mission der Neuzeit
der Aufsatz „Mission und Kolonialpolitik" nach, in dem einerseits
die enge Verbundenheit von Mission und Kolonialpolitik in
der Vergangenheit dargestellt wird, andererseits der Kampf um
die Eigenständigkeit der Mission, wie er exemplarisch von Bartholomäus
de Las Casas auf katholischer, von Eliot und Zeisber-
ger auf evangelischer Seite geführt wurde, im ganzen auf katholischer
Seite energischer als auf evangelischer. Indem B. zugleich
den Wandlungen der Kolonialpolitilk nachgeht, ergeben sich ihm
in der Geschichte des Problems drei Epochen: 1. Mission und
Kolonialpolitik laufen einander zuwider; 2. Mission und Kolonialpolitik
haben, wenigstens teilweise, gleichlaufende Interessen;
3. Die völlige Trennung von Mission und Kolonialpolitik beginnt
in der Gegenwart und wird als Rückkehr zur urchristlichen Mission
verstanden. So gewiß diese Trennung zu bejahen ist, darf
durch diese Feststellung B.s nicht der Eindruck entstehen, daß
sie etwa Beziehungslosigkeit bedeute, da diese eben voller Probleme
steckt. In dem Aufsatz über „Die Mohammedanermission
im Mittelalter" geht B. sehr nüchtern den Ursachen des völligen
Mißerfolges der mittelalterlichen Mohammedanermission nach,
sieht ihn aber letztlich darin begründet, daß versucht wurde, Gesetz
mit Gesetz zu überwinden. Er warnt damit vor der inneren
Islamisierung, der die Kirche immer wieder zum Opfer gefallen
ist. Mit Recht stellt er fest, daß der „größte Mohammedanermis-
sionar" Ramon Lull auf den äußeren Zwang verzichtete, „weil er
auf die innere Erzwingbarkcit des Glaubens vertraute" (S. 83),
den Glauben in Vernunft auflöste und damit selbst letztlich das
Evangelium preisgab. Sehr zu begrüßen ist, daß B. in dein Aufsatz
„Evangelische Missionskritik im 19. Jahrhundert" die bisher
in der Regel nur polemisch gewürdigte „Auseinandersetzung zwischen
Ernst Friedrich Langhans und Hermann Gundcrt (1864-65)"

Theologische Literaturzeitung 93. Jahrgang 1968 Nr. 4