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1967

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Missionswissenschaft

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Theologische Literaturzeitung 92. Jahrgang 1967 Nr. 6

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ben und kultureller Krisis in Japan beschäftigt, sondern historisch
-religionssoziologisch die Beziehung zwischen beiden in den
ersten rund 50 Jahren des Protestantismus in Japan untersucht.
Best will keine „neuen geschichtlichen Fakten" bringen, sondern
„historische Ereignisse in ihren wechselseitigen Beziehungen deuten
". Während er dem Historiker zuerkennt, daß er „die Einzigartigkeit
konkreter Beobachtung wahren muß, was immer er ihr
an begrifflicher Erklärung und Interpretation hinzufügen mag",
nimmt er für den Soziologen in Anspruch, daß er „mit dem
Warum des jeweiligen Aktes befaßt ist". In diesem Sinn hat er
„die Entwicklung der japanischen Gesellschaft in der Meiji-Zeit
behandelt und in ihr und der protestantischen Christenheit die
Kräfte freizulegen gesucht, die aufeinander eingewirkt haben".
Er verspricht sich davon „hilfreiche Einblicke in mögliche Handlungsabläufe
, die in der Gegenwart nicht nur in Japan selbst,
sondern auch in anderen Kulturen unternommen werden müssen
".

Nach einem knappen Überblick über die Geschichte des
Snogunats und seiner Gegner zeichnet Best im t. Teil seines
Buches ("Prelude to the Restoration") in zwei Kapiteln die politische
und soziale Lage Japans in den rund zehn Jahren vor der Rcichs-
erneuerung (1868). Es war das eine Zeit voll innerer Wirren, über
denen aber für die führend en Kreise Japans doch der Wille stand, sich
als Japaner zu bewähren und das Eindringen der ausländischen
Mächte in die japanische Politik unter Ausnutzung jener Situation zu
verhindern. Damit war der noch in ihren Anfängen befindlidien Ausbreitung
des Protestantismus die Grenze gesetzt. Die Zahl seiner Anhänger
blieb gering; doch waren sie es mitsamt den Missionaren,
durch die Japans „bürokratische Politiker" ihre Eindrücke von der
westlichen Kultur gewannen. Die Missionare wiederum konnten sich
in dieser Zeit mit japanischer Sprache und Kultur vertraut machen
und so auf künftige Aufgaben vorbereiten.

Der 2. Teil des Buches ("The Period of Flux") behandelt in
drei Kapiteln die Wirkung der politischen und der wirtschaftlichen
Entwicklung auf die Struktur der japanischen Gesellschaft sowie die
Entwicklung des Christentums in Beziehung zu der sich wandelnden
Ordnung. Es ist das die Epoche von 1868—1889, in der das Christentum
zusammen mit anderen westlichen Geistesbewegungen zwar immer
noch zögernd, aber doch stetig einströmte und wachsender nationaler
Opposition standhielt. Seine Anhänger fand es jetzt vor allem unter
den durch die Restauration brotlos gewordenen jungen Samurai. Seine
tiefe und dauerhafte Verwurzelung verhinderte jedoch der japanische
Nationalismus, der je länger, je mehr im Abwehrkampf gegen die
..ungleichen Verträge" an Stärke gewann. An ihm zerbrach auch der
Reformeifer der christlidicn Samurai, die durch „ihre Treue zu ihren
japanischen Brüdern im Dienst an der Wohlfahrt Japans in
die steigende Flut des Nationalismus hineingerieten".

Der 3. Teil des Buches ist der "New Nation" gewidmet und
umfaßt die Jahre von 1890—1911. Er schildert die politischen, sozialen
und wirtschaftlichen Verhältnisse und Wandlungen dieser Zeit und die
Spannung, in die der christliche Glaube zu der neuen Ordnung geriet,
insbesondere durch die Veröffentlichung der neuen Verfassung (1889)
und des Kaiserlichen Erziehungserlasses (1890). Durch sie erhielt „das
soziale, politische und wirtschaftliche Leben Japans eine höchst zentralisierte
, autoritäre Form gesellschaftlicher Ordnung, die auf Ehr-
erb ietung gegenüber dem Kaiser und dem konfuzianischen Gebot der
Pietät beruht". Für das Christentum waren die Jahre bis 1900 eine
Zeit notvoller äußerer Existenz und innerkirchlicher Ratlosigkeit. Von
19C0 an erschloß sich dem Protestantismus eine neue Gesellschaftsschicht
, nämlich die neuentstandene, „frischen Gedanken aus der
Außenwelt" geöffnete Gruppe besoldeter Beamter innerhalb des
kleinen Mittelstandes, auf die die „Bürokraten" für ihre Neuordnung
angewiesen waren und die sie nicht so leicht wie die unteren Schichten
kontrollieren konnten. „Kontinuierlich blieb der Einfluß der protestantischen
Christenheit auf den Gebieten der Erziehung und der sozialen
Tätigkeit; aber weil sie keinen entscheidenden Einfluß auf diejenigen
gewann, die mit ihrer Autorität die Machtpositionen der Nation verwalteten
, war ihr Einfluß niemals für die Gesellschaft als Ganzes mitbestimmend
. Stattdessen war die Wohlfahrt Japans, wie sie
von der Oligarchie verstanden wurde, der fundamentale, bestimmende
Faktor in der neuen Ordnung."

Diesem Faktor gegenüber, der „vom christlichen Blickpunkt aus
legitim ist, wenn er unter der Herrschaft Gottes gehalten wird", ist
»die Führerschaft der protestantischen kirchlichen Gemeinschaft hilflos
geworden, als er eine schöpferische Rolle im Leben der Nation zu
spielen suchte. Nur sehr wenige Christen waren imstande, eine
konstruktive, kritische, prophetische Beziehung zu ihrer Gesellschaft
-u behaupten." Unter den mannigfachen Ergebnissen, in denen Best
seine Untersuchung zusammenfaßt, ist die Feststellung besonders bedrückend
: „Der großen Mehrheit der Protestanten fehlte es an ausreichender
Erkenntnis, wo sie in Beziehung zu ihrer Kultur standen.
Sie hatten kein Verständnis für den Menschen als Mensch-in-der-
Gesellschaft."

Best bietet dem Kenner der Meiji-Zeit und der Geschichte
des Christentums in ihr kaum neue Fakten und Erkenntnisse. Es
liegt das nicht, wie wir erfuhren, in der Zielsetzung seiner Arbeit
. Der Wert seiner Untersuchung liegt darin, daß er mit wissenschaftlicher
Gründlichkeit, systematischer Klarheit und sachgemäßer
Konsequenz das vielfältige Material, das ein überschaubarer
und beurteilbarer Zeitraum der japanischen Geschichte zum
Thema „Kirche und Gesellschaft" bietet, zu einem Ganzen verarbeitet
und damit einen wesentlichen Beitrag zum Studienprojekt
des Ökumenischen Rates der Kirchen, das sich mit den Beziehungen
zwischen den Kulturen beschäftigt, geleistet hat. Der
Fragebogen, den Best zur Vorbereitung seiner Untersuchung an
führende Christen in Japan verschickt und im Anhang samt den
gekürzt wiedergegebenen Antworten mitgeteilt hat, sei dem Leser
besonders empfohlen. Fragen wir zum Schluß nach der Bedeutung
seiner Untersuchung für das gegenwärtige Japan, so bieten seine
Schlußsätze die Antwort: „Berichte aus jüngster Zeit lassen vermuten
, daß eine neue Absteckung der politischen, wirtschaftlichen
und sozialen Kräfte in der Erinnerung an die alte Oligarchie
ihre Macht wohl zu befestigen vermag, indem sie sich den alten
Urappell an die Loyalität des Japaners als Japaner dienstbar macht.
Ob dies der Fall ist oder nicht — die Lehren der Meiji-Zeit behalten
nicht nur für die christliche Gemeinde, sondern weit darüberhinaus
für die Gesellschaft ihre erstrangige Wichtigkeif, solange
Japan fortfährt, nach einem neuen Weg zu suchen, um den
Herausforderungen der zeitgenössischen Welt zu begegnen".

Tübingen Gerhard R 05 en k ra n 7

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