Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1966

Kategorie:

Kirchengeschichte: Reformationszeit

Titel/Untertitel:

Neuerscheinungen

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

773

Theologische Literaturzeitung 91. Jahrgang 1966 Nr. 10

774

'st für die ersten Jahrzehnte der Reformation und schicksalhaft
für den ganzen Protestantismus".

Berlin Joachim Rogge

A h I b c r g , Bo: Laurentius Petris nattvardsuppfattning. Deutsche
Zusammenfassung: Laurentius Petris Abendmahlsauffassung (S. 322—
347). Lund: Gleerup 1964. 363 S. gr. 8" = Studia Theologica
Lundensia. Skrifter utgivna av Teologiska Fakulteten i Lund, 26.
Schw. Kr. 28.—.

Diese Abhandlung bietet die erste systematisch-theologische
Monographie über Laurentius Petri, den Bruder des schwedischen
Reformators Olavus Petri und ersten evangelischen Erzbischof
Schwedens (1531—1573). Durch seine lange Wirksamkeit —
42 Jahre als Erzbischof — hat er in vieler Hinsicht den Grund
gelegt für die folgende Entwicklung der schwedischen Kirche.
Eine gründliche Untersuchung seiner Theologie ist deshalb eine
wichtige Leistung, die wesentlich unsere Kenntnis der schwedischen
theologischen Tradition bereichern kann. Es ist auch eine
schwierige Aufgabe, weil das Material zum großen Teil nur
handschriftlich vorhanden ist.

Der Verf. hat diese Untersuchung mit zuverlässiger historischer
Methode und mit großer Gründlichkeit vorgenommen. Er
hat sich auf die Abendmahlslehre begrenzt, weil diese im
Zentrum des theologischen Bemühens Petris stand. Dieser hat
seine Theologie nicht in einer akademischen Lehrtätigkeit, sondern
in einer praktischen kirchlichen Wirksamkeit entwickelt.
Dabei hat er u. a. eine Reihe von Gutachten und Streitschriften
über die Abcndmahlslehre geschrieben, besonders in den sechziger
Jahren während der Auseinandersetzungen zwischen Lutheranern
und Calvinisten. Früher hat Professor S. Kjöllerström den „Streit
um den Calvinismus in Schweden" zu dieser Zeit untersucht und
dabei den geschichtlichen Verlauf des Streites wie auch die
Stellung L. Petris klargelegt.

Hier wird aber zum erstenmal die ganze Abendmahlslehre
des schwedischen Reformators in ihrem theologischen Kontext
hehandclt und in Verbindung mit Luther und anderen führenden
Reformationstheologen gebracht. Der Wert der Untersuchung
liegt u. a. darin, daß sie ein zuverlässiges Bild darüber gibt, wie
s'ch die lutherische Abendmahlslehrc in dem konkreten Kirchenwesen
unmittelbar nach der Reformation auswirkte.

Spiegelt Laurentius Petri treu die Abendmahlsauffassung
Luthers wider? Diese Hauptfrage wird klar und vielseitig unter
Berücksichtigung der neueren Forschung (Arbeiten von A. Peters,
C. F. Wislöff, H. Gollwitzer u. a.) beleuchtet. Man hat früher —
obschon mit schwachen Stützen im Material — behauptet, daß
*~ Petri von Melanchthon beeinflußt sei. Der Verf. zeigt, daß
diese Annahme — was die Abendmahlslehre betrifft — grundlos
'st. Vielmehr folgt Petri in den entscheidenden Fragen Luthers
eigenen Gedankenlinien. Wichtig ist auch die Feststellung, daß
Johannes Brenz — obwohl es bisweilen angenommen wurde —
keinen merkbaren Einfluß ausgeübt hat.

Die Grenzlinien werden natürlich scharf gezogen gegen den
römischen Katholizismus (in den Fragen „sub una specie" und
■■Meßopfer"), aber auch gegen den Calvinismus, der dazumal von
einigen schwedischen Theologen vertreten worden war. In den
damaligen Kriegszeiten wurde es in Schweden schwierig, genügend
Wein zu bekommen, um das Abendmahl feiern zu
können. Es entstand dann die Frage, ob man nicht ein anderes
Getränk als Wein beim Sakrament benutzen dürfe. Die Calvinisten
haben dies bejaht, aber der Erzbischof trat dieser Auffassung
scharf entgegen: die Einsetzung Christi müßte auch in
dieser Hinsicht treu gehalten werden. Wenn Wein nicht vorhanden
sei, dürfe kein Abendmahl gehalten werden. Das Sakrament
sei nicht für die Seligkeit notwendig. „Zu Zeiten des Wein-
Langels müsse man in Gebet und Buße geduldig ausharren."

Die Frage der Konsekration wird ausführlich erörtert. Für
2 Petri besteht kein Gegensatz zwischen einem Verständnis der
Einsctzungsworte als Verkündigung an die anwesenden Menschen
llnd nicht an die Elemente gerichtet, und einer Vorstellung von
H!ner Konsekration des Brotes und Weines beim Verlesen der
hinsetzungsworte. Die Konsekration liege nicht in einer magischen
Wirkung der Worte, sondern darin, daß Gott mit seinem
eigenen Wort wirkt und das, was die Worte besagen, auch zu
Wege bringt.

Alle wichtigen Fragen der Abendmahlslehre werden ausführlich
behandelt; das Buch kann sehr gut als eine Einführung
in die reformatorische Abendmahlslehre gelten. L. Petris Auffassung
wird dann und wann mit der zeitgenössischen deutschen
Theologie verglichen. Der Verf. beabsichtigt aber nur eine
immanente Deutung der Auffassung L. Petris. Man hätte vielleicht
aus ideengeschichtlichem Interesse auch eine Einreihung
seiner Theologie in die damalige schwedische Entwicklung
wünschen können. Das Material für eine solche Untersuchung ist
aber gering, und der Verf. hat sich, wahrscheinlich aus methodischen
Gründen, an einen Autor halten wollen.

Die Abhandlung ist mit einer ausgezeichneten deutsdien
Zusammenfassung versehen, so daß die wichtigen Gedanken
auch einem internationalen Leserkreis zugänglich sind.

Luod Bengt Hägglund

Dobias, Frantisek M.: Die Theokratie der Liebe. Luther und die Böhmischen
Brüder (LM 5, 1966 S. 111—117).

E m e r y , Pierre-Yves: Luther et le monadiisme (Verbum Caro 78, 1966
S. 82—90).

K 1 e e b e r g , M. A., and Gerhard L e m m e : In the Footsteps of Martin
Luther. Illustrations, Jacket, and Cover Design by A. Alfs. Transl. by
E. Hopka. St. Louis Miss, and London: Concordia Publishing House
(Lizenzausgabe der Evang. Verlagsanstalt, Berlin) [1966]. 224 S. m.
zahlr. Abb. u. Taf. gr. 8°. Lw. $ 3.95.

Tourn, Giorgio: II Lutero di Miegge (Protestantesimo XXI, 1966
S. 46—50).

KIRCHEN- UND KONFESSIONSKUNDE

Berkouwer, G.C., Dr.: Vatikaans Concilie en Nieuwe Theologie.

Kampen: Kok 1964. 339 S. gr. 8". Lw. hfl. 17.50.

Der Verfasser dieses Buches ist Dogmatiker an der von dem
Führer des damaligen Neokalvinismus Abraham Kuyper gegründeten
Freien Universität zu Amsterdam, an deren Theologischer Fakultät
, wie auch an der Theologischen Hochschule zu Kampen, die
künftigen Pfarrer der „Gereformecrde Kerken" ihre theologische
Ausbildung erhalten. Das Interesse des Verfassers an der römischkatholischen
Theologie datiert schon aus der Zeit vor dem 2.
Weltkrieg. Dieses Buch ist schon das dritte, in dem er sich besonders
mit dieser Theologie befaßt. Berkouwer wohnte als Gast des
Sekretariates für die Einheit der Christen dem Konzil bei.

Obgleich man dieses jüngste Buch keine Retraktation nennen
kann — wie dies der Fall war mit Berkouwers 1954 erschienenem
Buch über Karl Barth: De Triomf der genade in de theologie van
Karl Barth — so zeigt der Inhalt doch, wie vieles sich geändert hat,
seitdem der Verfasser im Jahre 1948 sein „Conflict met Roine '
veröffentlichte. Der Titel „Conflict met Rome" würde nicht auf
das vorliegende Werk passen. Denn Berkouwer ist der Meinung,
„daß die Kontroverse Rom-Reformation wenn nicht durchkreuzt,
dann doch begleitet wird durch eine Reihe von gemeinschaftlichen
Fragen unserer Zeit" (S. 320). Und die Frage wird gestellt (obgleich
sie vom Verf. nicht bejahend beantwortet wird), ob die
Probleme der Kontroverse durch diese gemeinschaftliche Konfrontation
nicht allmählich an Bedeutung verlieren werden. Jedenfalls
werde die Gemeinschaftlichkeit dieser Fragen ihren Einfluß auch
da fühlen lassen, wo die Wege auseinandergehen (S. 320—321).

Ohne auf die Verhandlungen des Konzils besonders einzugehen
, nimmt Verf. „das unerwartete Konzil" (1. Kap.) zum Ausgangspunkt
, um von hier aus zu fragen, welches Verhältnis das
Konzil zur „neuen Theologie" habe (diese „neue Theologie" wird
nicht im technischen Sinne so bezeichnet, der Ausdruck faßt nur
zusammen, was sich an neuen Tendenzen in der katholischen
Theologie regt). Es läßt sich eine „Änderung des Klimas" spüren:
die Reformation, sogar ihre „particulae exclusivae", finden eine
andere Beurteilung als vorher. Das gilt sogar für den articulus
stantis et cadentis ecclesiae: ein neues katholisches Bekenntnis