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Ausgabe:

1966

Spalte:

470-471

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Weltmission in ökomenischer Zeit 1966

Rezensent:

Kimme, August

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Theologische Literaturzeitung 91. Jahrgang 1966 Nr. 6

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der Predigten zeigt, daß in etwa der Hälfte aller Auslegungen, die sein über die Fülle von Fakten, Beobachtungen und theologischen

nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Missionsarbeit Einsichten.

entstanden sind, jeder Hinweis auf die Beauftragung der Jünger Einige kleine Anmerkungen: S. 18 ist das Urteil über die röm.-

fehlt", so daß mit Recht von einer „beunruhigenden Fehlanzeige kath. „zwielichtigen Bekehrungspraktiken" doch wohl zu allgemein und

vieler Predigten", von Reduzierung und Verkürzung des Text- nicht zutreffend.

Inhaltes, von missionsloser Verkündigung, von Beschränkung auf Manche Zitate so z. B. auf S. 3 8, 39, 40 und 70 berechtigen kaum

das persönliche Heil und seine Bewahrung in der Heiligung und zu so allgemeinen Aussagen: in emem ku nie

von völliger Privatisierung des Glaubens gesprochen werden £^

kann. „In zwei Trinitatispredigten von A. Schlatter wird V. 19 in ^ ^ ^ ^ Mensdlen ver]oren gegangen sei und die soziale

der Auslegung einfach übergangen". „Für weitaus die meisten Leistung „zur cura illicita" wurde. Man könnte ein dickes Buch füllen

Prediger steht der Missionsbefehl grundsätzlich in Geltung. Die mjt Umstellungen dessen, was von der Mission gerade im sozialen

Sendung der Kirche wird bejaht. Und doch wird dieses Ja nicht Bercjch getan worden ist, längst ehe „Brot für die Welt" mit größeren

wirksam. Was als Skopus des Textes erkannt, was als Auftrag Mitteln wirkungvoller eingreifen konnte.

der Kirche anerkannt wird, bestimmt dennoch die Predigt nicht". g 66. Enthalten die zitierten Sätze von Edinburgh 1910 nicht doch

-Das Ergebnis ist ernüchternd" (S. 26). Auffallend sind die eine zutreffende Analyse der damaligen Weltlage? War die Einschätzung

-wenig präzisen Aussagen" und „sachlichen Unklarheiten". Kein und die Schau der vor die Füße gelegten Möglichkeiten wirklich „naiv ?

Wunder daß in keiner dieser Predigten die Gemeinde erfährt, Zu der Anm. S. 209/210 erlaube ich mir den Hinweis auf die

Wie denn die Verwirklichung so umfassender Pläne möglich, ja, Arbeit: A.L.: Die Religions- und Missionswissenscha t im Tncologie-

wie sie au*nur zu denken fei" (S. 28/29). Das ganze Buch wird Studium. J^^jT^if^'^iS^f^

zu einem eindrucksvollen, wenn auch wenig beglückenden Beitrag Sprachw. VI/5, Sept. l«!7.767-772, auch ' „ p » Und L Ihmels

zur Predigtgeschichte, welcher der Beachtung wert wäre. „Auf Mehrt* tri« ri«%Ve^«ng «ta vo«. ,,C md ,,L. ttmd.

Schritt und Tritt begegnen wir der Neigung zu formalistisch be- Ludwig (Bischof) Ihmels ,st gemeint auf S 29, 122. 123, 124

gründeten Appellen, zu Unklarheiten und Generalisierungen, S. 30 in Anm. 59 muß es heißen „K. Steck Lehmann

kurz einem Mangel an theologischer Substanz" (S. 47). Der Verf. Halle/Saale

kommt geradezu zu dem Zweifel, ob solche Predigten nicht: mahl , Weltmission in SkumeniS£her Zeit,

zur Lähmung als zur Belebung des Missionss.nnes ,n der Kirch Stuttgart: Evang Missionsverlag 1961. 336 S., 25 Abb. a. Taf. gr. 8».

beigetragen haben (S. 47), da sie „den Schleier einer vom Pathos JtullK , , „ , ,, dj-jj^j,

bedrohten Deklamation" an sich trugen (S. 48). Diese Sätze Das vorliegende Sammelwerk hat im „Buch der deutschen

könnten statt vorn auch am Ende des Buches stehen, wie denn Weltmission", das Julius Richter 1935 herausgab seinen Vor-

auch immer wieder ähnliche Feststellungen getroffen werden. läufer. Der Unterschied zwischen den beiden Werken spiegelt

Nach der Lektüre dieser Erhebungen versteht man besser als den Umbruch, den zumal die deutsche protestantische Weltmission

vorher, wie es zu dem Minusbeitrag der ev. Kirchen in Deutsch- in den letzten Jahrzehnten erlebte, deutlich wider. Nicht mehr der

land zur Weltmission und zum Bau der Ökumene gekommen ist. deutsche Anteil an der Weltmission in Selbstdarstellungen

der Missionsgesellschaften wird dargeboten, sondern die prote-
Den Aufbau und die Einzelergebnisse und die vielen Be- stantische Weltmission, die dem Leitbild einer „Ökumenischen
obachtungen dieser eindringenden Abhandlung nachzuzeichnen Mission" folgt. Während das Sammelwerk von 1935 noch ausseist
sich als unmöglich. Das Buch ist ein gewichtiges theo- schließlich deutsche Beiträge enthielt, gehören nun zu den 28 Mitotisches
Buch: denn das durchgehende Thema ist das Verhältnis arbeitern 7 nichtdeutsche Autoren: R. P. Beaver, J. Blauw, H.
von Mission (Kirche) und Geschichte, das von den einzelnen Dürr R K Qrchard, F. Raaflaub, H. Schlyter und B. Starnes. Das
Textstellen und ihren starken eschatologischen Bezügen her be- gudl jst dem Gedenken an Walter Freytag und Jan Hermelink als
arbeitet wird. Als Hauptschaden meint der Verf. eine Isolierung „Wegbereiter, Mahner und Helfer für den missionarischen und
der Mission von der Welt feststellen zu können, und diese sei ökumenischen Auftrag der Kirche" (5) gewidmet und enthält den
weder zufällig noch zwangsläufig, sondern sie sei eine selbst- p0Sthumen Aufsatz von Hermelink „Das neue Faktum .Kirche' in
^wählte. Der tiefste Grund dafür wird gesehen in einem Aus- Afrjka un(J Asien" (275 ff).

«'nanderreißen von Heilsgeschichte und Weltgeschichte (S. 140). Nach einer „Einführung" des Herausgebers (12-16) folgen drei

°eide aber seien nie zu trennen: „Die Einheit der Geschichte als Hauptteiie „Tatbestand" (17-142), „Entwicklung" (143-232) und

yeschichte Gottes mit seiner Welt ist festzuhalten" (S. 186). Aus Dje neue Aufgabe" (233-316). Das Werk schließt mit einer Meditation

der mitbehandelten Stelle 2. Kor. 5 wird erschlossen, daß das ^on y. Brandt über Apg. 1,6-8 „Der bleibende Auftrag" (318-330),

Versöhnungshandeln Gottes auf die Welt ausgerichtet ist: hier Literaturhinweisen (33 1-334) und einem Stichwortverzeichnis (335 f).

jfängt alles stark auf die Welt und den Auftrag des Christen in Der „Tatbestand" bietet historische Kurzdarstellurigen, über die bw-

d'eser Welt bin <S I7rrt herige Missionsarbeit in Asien (17-70), Ozeanien (71-78), Arrika

Welt hin (S. 170). (79-122), Nahem Osten (123-131) und Lateinamerika 123-142). Die

tSSL -defn es geht wesen KÄ^Ä-

lg um eine theologische Aufgabe. Es geht auch hier um ein J^JJJJ^,,UJ£ Aufgabe" unter den Themen: Die Welt im

■nstnehmen dessen, was dasteht, von dem Abstriche zu machen rasdlen sozjaien Umbruch (234-248), Das Leben der Christen in einer

H verwehrt ist. Es geht nicht länger an, zwar viel von der veränderten Welt (249-255), Religionen wandeln sich (256-274), Das

"Welt" zu sprechen und dabei doch in Sclbsteinschränkung nur ^ Faktum „Kirche" (s.o.), Wandlungen in der Trägerschaft (292-

?|e kleine Gemeinde zu meinen, oder bestenfalls die nähere 302) und Auf dem Wege zur ökumenischen Mission (303-316).

mwelt. „Im missionarischen Gehorsam der Kirche geschieht die ^ ^g^fy^ vermittelt einen weitgespannten Einblick

Umsetzung des Gotteswillcns in dieser Welt" (S. 196). Nach- ^ ^ testantjsche (und anglikanische) Weltmission von heute.

'ge wird mehr als nur Pflege des persönlichen Christentums: ^ Qbcrbljck mcht ane Arbeitszweige umfaßt, wird klar aus-

^ission legt aus, was Nachfolge ist"; sie ist „Beauftragung mit odien Zu seiner „Ergänzung" ist auch auf das Buch

m Zeugendienst. . . Teilnahme an der Sendung Christi in die samucl Müller von der ärztlichen Mission und das Werk
„elt. die Berufung des Christen zur Mitarbeit am Erlösungswcrk He(lwi Jhomä über die Frauenmission verwiesen (15). Gleich-
toJ (S- 198)- Bekehrung ist nicht nur Zuwendung zu Gott, ^ ßand ejn Gesamtbild der Weltmission, ihrer Ge-
c naern zugleich Zukehr zur Welt. Die geforderte Mitarbeit aller scjt dcr Reformation und ihrer Hauptprobleme. Die weites
ris^n erfolgt in zwei Weisen: logo kai ergo (Rö 15, 18), wobei ,ende Einheitlichkeit der Einstellung zu den heute vordringgibt
Verf- kcincn VorranS des Rcdcns vor dem Handcln ]icnen Aufgaben ist vielleicht das bemerkenswerteste Kennzeichen
eines Bandes, der von einer so großen Anzahl profi-
R D'ese mageren Hinweise werden dem reichen Inhalt des lierter Mitarbeiter aus sehr verschiedenen Ländern gestaltet wird.
Bu*es nicht gcS. Der Leser der ganzen Arbeit wird erstaunt Sie alle handeln konzentriert von dem Werden und Wachsen

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