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Ausgabe:

1966

Spalte:

468-470

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Linz, Manfred

Titel/Untertitel:

Anwalt der Welt 1966

Rezensent:

Lehmann, Arno

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467 Theologische Literaturzeitung 91. Jahrgang 1966 Nr. 6 468

sind heute tatsächlich Maßstäbe verlorengegangen. Es wäre nur Greifenstein, Hermann: Fragen an den Weg der Vereinigten

wünschenswert, wenn von diesem „Maß" dynamischer, existentieller, Lutherischen Kirche (LM 4, 1965 S. 420—425).

d h noch „personaler" und geschichtlicher geredet würde als es bei J e 11 e r , Werner: Der Pluralismus in der Kirche - Reaktion oder Kon-

Halbfas gelegentlich, der Fall ist. Besser als die Rede von dem „objek- zeption? (Theologia Practica - Zeitschrift für Praktische Theologie

tiven Ordnungsgefüge , das m der Willensbildung für den einzelnen und Religionspädagogik 1, 1966 S. 29—55).

verbindlich gemacht werden soll (S. 102), ist z.B. die gegen einseitigen v ■ n tt i %r rj u i ^ .. , ,

t} .. i. i.. , ■ ti ti-ut i- i^ ij • Knipping, Hans-Helmut: Verkundigune als Gesprach (Pastoral-

Rationalismus kampfende These: „Bildhafte Gestaltung bedeutet exi- , , . s <. . K K p v

stentielle Gestaltung" (S. 99). Verdienstvoll ist es, daß sich der Ver- 55, 1966 S. 3 5-40;.

fasser dem Thema des Verhältnisses von „menschlicher und christlicher Krause, Gerhard: Zur Standortbestimmung einer Zeitschrift für prak-

Reife" stellt, mögen hier auch im einzelnen noch schwierige Fragen offen tische Theologie (Theologia Practica - Zeitschrift für Praktische

bleiben. Gut ist die in diesem Zusammenhang vorgetragene Differen- Theologie und Religionspädagogik 1, 1966 S. 4-13).

zierung der „Entscheidung" als einer „wagenden", „wägenden" und N e i d h a r t , Walter: Die rationalistische Unterströmung im Religions-

„wachsenden" (S. 114). Unglücklich ist dagegen die Nebenordnung von Unterricht (Theologia Practica — Zeitschrift für Praktische Theologie

Reife des Glaubens und Reife der Liebe, des Gehorsams usw. (S. 172 f). und Religionspädagogik 1, 1966 S. 66—78).

Padel, Hartmut: Konfirmandenunterricht als Einführung ins Leben

Im Verlauf seiner Darlegungen geht Halbfas auf die bekannten der Kirche, Modell eines Zweijahresplans (Pastoraltheologie 5 5, 1966

Spezialfragen des Jugendalters ein, auf die Altersstufen, die Sexual- S. 40—45).

frage und das Berufsproblem. Überall erweist er sich als Kenner der Pereis, Otto: Handreichung für den pfarramtlichen Dienst. Unter

einschlägigen Literatur von Bertlein bis Jaide, von Rößler bis Schelsky, Mitverwendung von Entwürfen synodaler Ausschüsse der Evange-

von Wölber bis A. Flitner. Mit dem Blick des Seelsorgers betrachtet er lischen Kirche Berlin-Brandenburg erarbeitet. Berlin-Hamburg: Luth.

das Bild der Jugendlichen in unserer Zeit und entdeckt an ihnen Lässig- Verlagshaus 1966. 48 S. 8°. DM 1.50.

keit, Langeweile und Traurigkeit, d. h. Haltungen, ^die dem Heran- Ringelingj Hermann: Zwischen Haus und Gemeinde. Über die

wachsenden das Antworten, Denken und Glauben zu „ersparen Rolle der Pfarrfrau in der modernen Gesellschaft (Pastoraltheologie 55,

scheinen (S. 70). Er verschließt sich auch nicht den Fakten der Entschei- 966 S 26—42)

dungsscheu und der relativen Unfähigkeit zur Reue, die zuweilen in _ , " _ ' , _ „ ,, , „ —i , . „

Überdruß und Ekel (S 74) umschlagen. Da aber die „Fragehaltung" und R ö s s 1 e r Dietrich: Das Problem der Homiletik (Theologia Practica

das „Anlehnungsbedürfnis" zur invarianten Grundbefindlichkeit der -Zeitschrift für Praktische Theologie und Rehgionspadagogik 1,

Pubertätsphase gehört, wird der Verfasser nicht müde, immer neu das 1966 5. 14 28).

pädagogische Angebot und die erzieherische Zumutung zu postulieren: Schnell, Hugo: Kirchenreform (LM 4, 1965 S. 414—420).

Das Provozieren der Fragehaltung und die Gewissensbildung sind trotz Schultz, Hans Jürgen: Die Säkularität des Rundfunks und die Kleri-

aller vordergründigen Widerstände möglich, ja, im Grunde genommen kalität unseres Redens von Gott (Theologia Practica — Zeitschrift für

erwartet der zweifelnde und doch offene junge Mensdi vom Er- Praktische Theologie und Religionspädagogik I, 1966 S. 56—65).

wachsenen, daß er ihn herausfordert und führt (S. 60. 77). Schulz, Frieder: Abschied vom Kirchenlied? (MPTh 54, 1965 S. 286

—299).

In dem zweiten Hauptteil, der von der Kirche handelt, vermißt
man eine theologische Grundlegung. Gerade weil der Kirchenbegriff,

wie der Verfasser selbst nachweist, von der jungen Generation so oft MISSIONSWISSENSCHAFT UND ÖKUMENE
mißverstanden wird, wäre eine ekklesiologische Einführung hilfreich

gewesen. Hier wird noch einmal deutlich wie sehr Halbfas am Phäno- Li„z Manfred. Anwalt der Welt. Zur Theologie der Mission. Stutt-

typ der Kirche und der Jugend, bzw. mehr an jugendlichen Verhaltens- gart.Berlin: Kreuz-Verlag [1964]. 239 S. 8°. Lw. DM 19.80.

weisen und kirchlichen Praktiken als an theologischen Grundsatzfragen , , . . . , , ..,

interessiert ist. Innerhalb der vom Autor selbst gezogenen Grenzen Audl hier> Sleldl auf S- n> begegnet das schon zum uber-

seiner Fragestellung aber ist das von ihm über die Beurteilung des strapazierten slogan gewordene Wort W. Freytags, nach dem die

katholischen Kirchentums durch die katholische Jugend Mitgeteilte Mission früher Probleme hatte und heute selbst zum Problem ge-

höchst aufschlußreich. Auch der Protestant kann viel daraus lernen, worden sei. Tatsache aber ist es, daß die Mission immer senon,

zumal Halbfas mit schonungsloser Selbstkritik berichtet. Aus Liebe zur aUch in der Kirche und ihrer Verkündigung, „selbst" ein Problem

katholischen Kirche kritisiert er den Katholizismus, so etwa die „Femi- war und daß die Mission auch heute noch ihre Probleme hat. Die

nierung" des Kirchentums (S. 206), den Kitsch im religiösen Brauchtum fur neute beklagte Unsicherheit der Prediger, der Mangel an

(S. 212), den Sprachstil der Gebetbücher mit der Häufung von Adjek- dnem "burni sense of urgency" und die'auf fallende Fehl'

tiven und dem ständigen 0-Vokat,v (S 273 ff) aber auch die Länge , d Verkündigung hinsichtlich der Universalität de*

Dispositionslosigkeit, Lautstarke und Lebensfremdheit der Predigt * . t 7 . . , . . -r .

(S. 258 ff). Umfragen bei der Jugend, teilweise von dem Verfasser selbst Hells sind kelne Neuerscheinungen in unserer Zeit,

aufgestellt, helfen zu dieser kritischen Diagnose, in der es übrigens u. a. Nachdem dies klargestellt ist, kann die Bemühung des Ver'

auch heißt, daß heute „die katholische Jugend kaum anders ist als die fassers um die theologische Klärung und Behebung der „Ver'

junge evangelische Generation" (S. 20). Sie kommt in einem gewissen legenheit" (S. 12) im Blick auf die in der Kirche beginnende neue

Sinne zu ihrem Höhepunkt, wo Halbfus dazu übergeht, das Nachwuchs- Sicht ibrer Weltaufgabe voll anerkannt werden. Als Gegenstand

Problem im Priesterberuf und in den Orden zu behandeln. Da die o h- ina Untcrsudiungen wählte der Verf. nicht die „Missionare'

zielle „Werbung stilmaßig nicht selten abstoßt und von alten, allzu ,, ,„ , j. n • / j ,. j_ i • l Wnrt-

.,„,.* 6 i i . , j , j digt , sondern die allgemeine (nur deutsche) kirchliche Won

„sicheren Voraussetzungen ausgeht, ohne sich genügend auf den ** » ' , , i i_ . i_ Arn

Zweifel und die gespielte Gleichgültigkeit des heutigen Jugendlichen Verkündigung aus den Jahren 1900-1962, wobei neben,

einzustellen, hat die Kirche so wenig „Faszinierendes" mehr (Das gedruckten auch viele hektographierte Predigten und Predigthiirei

Wort kommt etwas zu häufig vor: S. 10. 22. 29. 229. 237. 266. 300. 319). und Andachten, Bibelstunden und Schriftbetrachtungen heran

Auch hier steht und fällt der priesterliche Einfluß mit dem Seelsorger- gezogen wurden, die sich in den Blättern der Missionsgesell'

liehen Engagement: „Je ausschließlicher der Priester im institutionellen Schäften finden. Aus diesem Material wählt der Verfasser abe

Bereich erfahren wird und je weniger er in Freizeit und Privatleben nur solche Reden und Betrachtungen aus, die als Grundlage die

des jungen Menschen gegenwärtig ist, umso geringer sind die Hoff- jexte aus Mt 28, 18-20, Jes. 2, 2-5, Jes. 60, 1-6 und Mt 24, l4

nungen, daß sein Vorbild eine Nachfolge auslösen könnte" (S. 330). Die haben, und die gewonnenen Ergebnisse überprüft er sodann an

katholische Kirchliche Jugendarbeit hat nach Meinung des Verfassers am dem grundlegenden Text 2. Kor. 5, 14-21. An diesem Stoff wird

ehesten Möglichkeiten echter erzieherischer Einwirkung wenn s,e als b j ob überh a t und wie diese weiten Texte zu Aussage"

eme Art Bruckenkopf im Freizeitr^rn der J„ge„ l 290) päd - B der Kirche geführt haben, und so gewinnt/

gogischen Beistand zu rechtem Argumentieren und Motivieren leistet _ & 6 , dlC

(S. 314), oder anders ausgedrückt: wenn sie mit dem Jugendlichen lebt emen Uberblick über die geltend gemachten Motive bzw.

und fragt, zweifelt und glaubt, denkt und handelt. In diesem Sinne wird Motivvermischungen.

der Dienst am jungen Erwachsenen über 18 bzw. eine mehr „indirekte" £s mag wobl Sein, daß diese Auswahltexte und maricn

(ist sie nicht gerade „direkte", weil „sachliche" Seelsorge?) Jugendseel- Einzelaussagen oft wenig sachkundiger Prediger als Basis zu schrna

sorge nötig. Will die Kirche der jungen Generation wirksam begegnen, erscheinen. Sicher aber ist, daß bei aller notwendigen Begrenzthci

muß sie ihr in der Tat eine „exemplarische Gemeinschaft" und „über- djese Arbgjt ejne m]e wertvoner Einblicke vermittelt und - auC"

pfarrliche Aktionsbasen" anbieten, in denen der junge Mensch selbst ^ ^ ^ ^ _ ^ große Bedeutung hat die auch Exegete"

Experimente vornehmen kann (S. 370 f). und Homileten angeht. Wie oftmals mit den Texten umgegange*

Bö*nw Werner Jeatsch wurde, zeigen Bemerkungen zu Mt 28 auf S. 19-21: „Die Lektin