Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1966

Spalte:

384

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Jahrbuch evangelischer Mission 1966

Rezensent:

Lehmann, Arno

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

383

Theologische Literaturzeitung 91. Jahrgang 1966 Nr. 5

384

gen kirchlichen Vorschriften der römisch-katholischen Kirche in
Einklang zu bringen ist, wobei unter „Church Law" speziell Kanon
1264 § 1 verstanden wird. Ausführlich wird in einem ersten Teil
die Stellung der Musik in der Heiligen Schrift (AT S. 54—62, NT
S. 63—69), in den Schriften altkirchlicher Autoren (S. 71—86) und
in päpstlichen und Konzilsbeschlüssen (S. 87—92) behandelt. Daran
schließt sich eine subtile Analyse und Interpretation des Kanon
1264 an (S. 98—122), dessen Bestimmungen in einem zweiten Teil
(S. 125—201) auf die Bantu-Musik angewandt werden. Im Mittelpunkt
steht der Begriff der Akkommodation (S. 143), der in das
Wortpaar „adoption" und „adaptation" untergliedert wird. „Adoption
" ist Aufnahme von Kunst, Philosophie, Religion und sozialer
Sitte und deren Christianisierung (S. 144), „adaptation" Anglei-
chung von Zeremonien, liturgischer Sprache usw. (S. 145). Als
„supreme model for sacred music" wird der Gregorianische Choral
bezeichnet. Je näher eine Komposition diesem Modell kommt,
„the more sacred and liturgical it becomes", je weiter sie sich
davon entfernt, „the less worthy" ist sie für den Tempel (S. 132).
Und weil man in Bantu-Afrika, wo übrigens die Wiege der Menschheit
stand (S. 5), den Gregorianischen Choral nicht nur „very
well'' zu singen vermag, sondern eine auffällige Affinität zwischen
diesem und der afrikanischen Musik besteht, deshalb ist die
Verwendung von Bantu-Melodien in der Bantu-Kirche zu fordern
(S. 147). Ähnlich die Argumentation für Benutzung der Bantu-
Poesie: Die Kirche übernahm („adopted") die Poesie der „old
Jews". Deren Poesie gleicht nun in vielem der Poesie der Bantus.
Folgerung: „Therefore the Church can also adopt the poetry of
the Bantu" (S. 154). Auch die Verwendung von Bantu-Instrumenten
(S. 162), der Trommel (S. 166), des Tanzes (S. 173) und heidnischen
Rituals (S. 174 ff) wird befürwortet, wobei versichert wird, daß
eine Musik, die auf den Europäer nur als Lärm wirkt, für den
Afrikaner „perfectly allright" klinge (S. 166) und der religiöse
Tanz der Bantus vom Standpunkt des Afrikaners und nicht des
Europäers beurteilt werden dürfe (S. 168) usw.

Da auf diese Weise dem Europäer, an dessen (gesetzlichen)
Maßstäben die Bantu-Musik ansonsten gemessen wird, gleichzeitig
das Mitspracherecht entzogen wird, sei hier nur noch auf Folgendes
eingegangen. Auf S. 25 ist zu lesen, Luther habe in seiner Auslegung
von Genesis 9, 20—27 „dogmatized Negroes to be the offspring
of the evil-spoken Cham", daß die Sklaverei Folge dieses
Fluches sei usw. Leider fehlt für diese schwerwiegende Behauptung
eine Quellenangabe, was umso nachdenklicher stimmt, als Luther
jedenfalls in seinem Genesis-Kommentar zur Stelle nichts äußert,
was auch nur in dieser Richtung ausgelegt werden könnte. Überhaupt
ist die Zitierweise unbefriedigend; solange z. B. nicht anger
geben wird, welches der elf im Literaturverzeichnis aufgeführten
Werke H. Tracey's gemeint ist (z. B. S. 8, 16, 17), bleibt eine
Seitenangabe wertlos. Im Literaturverzeichnis vermißt man das
(auch in englischer Übersetzung, London 1961, vorliegende) Werk
„Muntu" von Janheinz Jahn, an dessen Ausführungen über Magie
und Ekstase (wr.rum uneinheitliche Schreibweise — S. 9 und 44
„extasy", S. 17 „ecstasy"?) gerade ein afrikanischer Autor nicht
vorbei gehen sollte. Die drei Appendices (S. 18 5—201) vermögen
das Fehlen eines Registers nicht auszugleichen. Druckf.: S. 55
„tsrict" statt „strict", S. 80 „Fomrs" statt „Forms".

Karl-Marx-Stadt Theo Leh ma n n

MISSIONSWISSENSCHAFT

Lutherisches Missionsjahrbuch für das Jahr 1965, hrsg. i. Auftrag
d. Bayerischen Missionskonferenz von W. Ruf. Nürnberg: Selbstverlag
d. Bayerischen Missionskonferenz [1965]. 232 S. 1 Falttab. 8°.
Kart. DM 4.—.

Das Jahrbuch bietet sich wieder an als Hilfe zur Blickerweiterung
auf „die bewohnte Erde". Es enthält ein biblisches Wort
„Mission ist Gottes Mission" und die bei der Einführung Bischofs
Moshi am 17. V. 1964 von Bischof Lilje gehaltene Predigt,
die schon als solche Beachtung verdient als Zeichen der Zeit.

In ihr folgen zwei längere Aufsätze. Arno Lehmann behandelt
„Karl Graul und die Religionen" (S. 17—40) und Werner Kohler
von der Doshisha-Universität in Kyoto/Japan bietet wertvolle
Ausführungen über „Die modernen Religionen in Japan und ihr

Verständnis der Mission" (S. 41—60), die allgemeines Interesse
beanspruchen dürfen.

Als Arbeitshilfen für den Gemeindepfarrer finden sich wieder
ausgeführte Missionsstunden (Indien, Äthiopien, Tansania, Südafrika
, Neuguinea, Brasilien). In der Rundschau berichten
G. Güther „Aus der Weltmission"; G. Vicedom über die Weltmissionskonferenz
in Mexiko 1963; M. Thauland über die Arbeit
der norwegischen luth. Mission; K. Tallaksen über die norwegische
luth. Judenmission und Kimme/Jaeschkc über die Graul-
Gedenkfeiern 1964 in Ost und West.

Dankenswert und hilfreich ist die Aufnahme von Hinweisen
auf Missionsaufsätze 1962/63, die in Sammelwerken, Festschriften
und Zeitschriften erschienen sind, wobei auch die röm.-kath.
Arbeiten berücksichtigt sind (502 Nummern auf S. 133—164).
Buchbesprechungen, Statistiken und Adressenangaben der Gesellschaften
und Konferenzen schließen das wertvolle Buch ab.

Halle/Saale Arno Lehmann

Jahrbuch evangelischer Mission, 1965. Hamburg: Verlag d. Deutschen
Evangelischen Missions-Hilfe [1965]. 142 S. 8°.

Das unter uns fast übliche zu eng gefaßte Verständnis von
„Ökumene", das von Genf kein Placet erhalten könnte, und der
relativ große Eifer für „Brot für die Welt" lassen für viele die
geistliche Aufgabe der Evangeliumsverkündigung an die mehr als
2 Milliarden von Nichtchristen kaum noch erkennbar bleiben. Das
Jahrbuch informiert über die Arbeit unter den vergessenen
Millionen (bzw. Milliarden) und besonders über den Anteil der
ev. Christenheit Deutschlands. Niels-Peter Moritzen bietet auf
15 Seiten eine materialreiche Rundschau über die Arbeit des Jahres
1964, die manche Wissenslücke zu füllen geeignet ist. Der Engländer
R. K. Orchard schreibt über das in unserer Zeit geforderte
„Gemeinsame Handeln in der Mission", das nötig, das bereits im
Gange und doch so schwer zu erreichen ist. Prof. H. W. Gensichen
(„Gemeinsames Handeln in der Mission und das Bekenntnis".
S. 26—42) nimmt das Anliegen in einer kritischen Durchleuchtung
auf: „Ins Stadium planmäßigen Handelns ist das Projekt bis jetzt
noch nicht gekommen". Er gibt eine theologische Vertiefung und
Flurbereinigung. Der letzte Beitrag „Muß die Mission ihr Gegenüber
verstehen?" scheint mehr als selbstverständliche Dinge zu
sagen; aber daß er erscheint, zeigt, daß man nicht aufhören kann,
die eigene Arbeit selbstkritisch durchzumustern. Die Mission muß
sich „in derselben Weise auf die Welt einlassen wie der Sohn, der
seinen Brüdern in allen Dingen gleich werden mußte" (S. 63).

Das Jahrbuch hat stets seinen Wert auch in den Statistiken,
dem Adressenwerk und der Literaturschau 1964, die diesmal 273
Nummern umfaßt und bestens ergänzt wird von einer Zusammenstellung
der Missionsaufsätze 1962/63, die in Sammelwerken,
Festschriften und div. Zeitschriften schwer übersehbar sind (502
Nummern).

S. 3 findet sich bei „Südandkra" ein Druckfehler.

Halle (Saale) Arno Lehmann

E i I c r s, Franz-Josef, SVD: Christliche Publizistik in Afrika. Eine erste
Erkundung. Mit einem Vorwort v. H. J. Prakke. St. Augustin, Siegburg:
Steyler Verlag 1964. 103 S., 10 Taf. gr. 8° = Veröffentlichungen d-
Missionspriesterseminars St. Augustin, Siegburg, 13. DM 14.80.
Das vorliegende Buch, zu dem der Direktor des Instituts für
Publizistik an der Universität Münster, H. Prakke, das Vorwort
geschrieben hat, enthält zwei Hauptabschnitte: Mittel und Formen
christlicher Publizistik und Probleme und Aufgaben christlicher
Publizistik in Afrika. Zunächst wird die originäre Publizist1
(das publizistische Zeichen, Wort und Schall), sodann die intermediäre
Publizistik (Presse, Bild, Hör- und Sehfunk, Film, Bühne
und Literatur) behandelt. Der zweite Hauptabschnitt betrifft die
christliche Publizistik in Afrika heute und die Kirche und inr
Publizistik im Afrika von morgen. Es folgen Verzeichnisse de
Literatur, der Stichwörter und der Titel afrikanischer Zeitungen
und Zeitschriften. 10 Bildtafeln, die vor allem Gewänder mit wirksamen
Symbolen und Titelseiten afrikanischer Zeitungen zeigen»
beschließen das Heft.

Die Arbeit ist im wesentlichen eine Dokumentation geleisteter
Arbeit, die von der Verantwortung zeugt, welche die chris