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1965

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Missionswissenschaft

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Theologische Literaturzeitung 90. Jahrgang 1965 Nr. 1

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Australien sieht man mehr an als ein Problem statt als eine
Gelegenheit zum Dienst, „unsere Kirche ist wenig bereit, sie
aufzunehmen" (260). Die orthodoxen Christen in Australien
..fühlen sich abgestoßen von unserem Mangel an Herzlichkeit.
Unser eiskaltes Verhalten treibt sie von uns weg" (263). Die
Maori-Christen in Neuseeland „singen ohne Begleitung, und
zwar ganz selbstverständlich vierstimmig" (279); scharf wird
verurteilt das allzulange „Bemuttern" der jungen Kirche (363).
Kein Verständnis findet der „regional pride", der am eigenen
Theol. Seminar festhält und einem gemeinsamen und besseren
angl. Seminar widerstrebt (364). „Insel um Insel, auf der das
Evangelium noch nicht verkündigt worden ist" (341). Sein Erleben
und die theol. Einsicht führen den Verf. zu der Feststellung
von der „imperativen Notwendigkeit der Mission . . .
.Die Kirche hat keine Mission, sie ist Mission'" (399).
Aber er fragt auch, ob „diese matten Christen von heute den
zähen und hochdisziplinierten Widersachern ebenbürtige Gegner
zu sein vermögen" (306).

Johnson ist bewußter Anglikaner. Aber seine Liebe ist
nicht blind. „Der mit Gaben wohl ausgestatteten anglik. Gemeinschaft
wurde das Charisma der Predigt nicht in einem besonderen
Maße zuteil. Wir können reden, aber nur selten predigen
... Im Anglikanismus weiß man kaum, was eine Predigt
•st' (142). Die Freude an „unserer unvergleichlichen Liturgie"
dient leicht als Entschuldigung „für unsere Faulheit, wenn es
zum Predigen kommt" (143).

Man liest gern, daß die von den Anglikanern so sehr betonte
Amts-Apostolizität „ganz gewiß auch mit einer Aposto-
Hzität der Lehre verbunden sein muß" (194). Es findet nicht den
Beifall des Autors, daß den Cowley Fathers von ihrer Verfassung
her untersagt ist, mit anderen Kirchen zusammen zu arbeiten
, welche nicht mit allen anderen Anglikanern in Kirchengemeinschaft
stehen (216). Und Johnson weiß und spricht dies
auch aus: „Anglikaner müssen immer wieder einmal daran erinnert
werden, wieviel sie den Nicht-Anglikanern verdanken"
(232). Mehrfach wird festgetellt, daß im Namen der Kirchen
und im Leben vieles „zu Englisch" ist (378). Ein ganzes Kapitel
(31, S. 381—389) steht sogar unter der Überschrift: „Was liegt
an einem Namen?" Das „anglikanisch" muß nicht überall zu
lesen und zu hören sein. ..Anglicana" ist wohl ein ehrwürdiger
Name, aber er erweist sich heutzutage auch als ein Hindernis
und gerade nicht als von Vorteil, wenn wir unsere Missionsarbeit
unter Menschen nicht-britischer Kultur tun" (3 84). Die
ganze Terminologie scheint dem Verf. „auf ein vergangenes
Zeitalter des Imperiums" hinzuweisen" (384).

Von besonderem Reiz ist das 32. Kap. „Problems and
Prospects" (390—399). Es könnte absurd erscheinen, daß er „solange
gebraucht habe, um so wenig zu lernen" (390). Aber
auch ausgewachsene „Ökumeniker" würden diese 10 Seiten mit
Gewinn lesen, gerade weil hier ein überzeugter Anglikaner,
der etwas zu wissen meint von den „pure waters of Ang-
licanism" (392), offen über seine Kirche spricht. So sagt er
kurz und bündig auch: „Es ist natürlich die Bestimmung
des Anglikanismus, zu verschwinden — schließlich doch einmal"
(393), „freilich soll er nicht vorzeitig .sterben'" (394). Zu den
unverzüglich anzufassenden Aufgaben gehört für Johnson auch
dies: „Die Qualität des Predigens und des Lehrens muß gehoben
und verbessert werden" (391).

An den Verf. sind einige Fragen zu stellen. Zu der Anm.
S. 240: Gibt es in Malaya nicht auch eine lutherische Kirche?
Zu S. 327: das auf der letzten Zeile als Nr. 47 bezeichnete Bild
dürfte wohl Nr. 48 sein? Es wäre gut zu wissen, ob auch andere
den bei den Afrikanern beklagten wenig entwickelten Sinn für
Geld- und andere Verwaltung als das größte Problem der afrik.
Kirche ansehen (124). Nach S. 135 wären auf dem europäischen
Kontinent Hunderte, ja Tausende von Lutheranern zum Übertritt
zur anglik. Kirche bereit, „wenn wir nur nicht solche
Schwierigkeiten mit der Konfirmation machen würden". Diese
Aussage überrascht, gerade weil es sich ausgerechnet um die
Konfirmation handeln soll: gäbe es da wohl verläßliche Nachrichten
von derartigen (und so zahlreichen) Fällen?

Der dankbare Leser fragt sich am Ende der Lektüre: woran
mag es liegen, daß noch kein lutherischer Kirchenmann die
größte evang. Kirche in den vielen Ländern der Erde so systematisch
besucht und von seinen Eindrücken und von seiner
Kritik geschrieben hat?

Halle/Saale Arno Leh m a i u

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