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Ausgabe:

1965

Spalte:

786-788

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Bürkle, Horst

Titel/Untertitel:

Dialog mit dem Osten 1965

Rezensent:

Gensichen, Hans-Werner

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Theologische Literaturzeitung 90. Jahrgang 1965 Nr. 10

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noch ungelösten Probleme der Entstehung dieses Doppelfestes
am 29. Juni in Rom vor Augen stellt. Alfons Kirchgässner
zeigt seinen katholischen Lesern in einem Aufsatz über Luthers
Meßreform in sehr sachlicher und verständnisvoller Weise die Intentionen
Luthers, von denen bei aller grundsätzlichen Kritik
manche auch in der liturgischen Erneuerungsbewegung der katholischen
Kirche aufgegriffen werden konnten. Ein erfreulicher Beitrag
zum konfessionellen Gespräch unserer Tage! Die beiden
Aufsätze von Philipp Hofmeister über den Chordienst in der
Geschichte der Kirche und heute geben ein interessantes Bild
von den Problemen des Stundengebets bzw. Breviers in der
Praxis der römisdicn Kirche — und von der Notwendigkeit einer
Reform angesichts der Anforderungen an den Klerus in der heutigen
Lage der Kirche. Zum Schluß sei nur noch auf den bedeutenden
Vortrag von Jungmann hingewiesen „Liturgische Erneuerung
zwischen Barock und Gegenwart", der eine kenntnisreiche
Übersicht über die Versuche der Liturgiereform in den letzten
zwei Jahrhunderten bietet.

Düsseldorf Joachim Bcc k ma n n

Kirsten, Hans: Der Hauptgottesdienst ist Familiengottesdienst

(Luth. Rundblick 13, 1965 S. 78—87).
Krause, Gerhard: Die Genesis in der Musik: Abraham, Isaak.

Jakob, Joseph (DtPfBl 65, 1965 S. 360-361).
M e z g e r, Manfred: Libertas christiana oder Prinzip? Erwägungen

zum Gottesdienst (DtPfBl 65, 1965 S. 262—265).
Mühlen, Heribert: Dogmatische Überlegungen zur Liturgischen

Konstitution (Catholica 19, 1965 S. 108—135).
Schauerte, Heinrich: Der Abschluß der Eucharistiefeier — einst

und jetzt (ThGl 55, 1965 S. 131—135).
Schmutzler, Siegfried: Zur Frage des Familiengottesdienstes (ZdZ

19, 1965 S. 216—219).
S t e n z e 1, Alois: Bemerkungen zur Theologie der Liturgiekonstitution

des Zweiten Vatikanischen Konzils (Schol XL, 1965 S. 180—188).

MISSIONSWISSENSCHAFT UND ÖKUMENE

Lutherisches Missionsjahrbudi für das Jahr 1963. Hrsg. i. Auftr.
d. bayerisdien Missionskonferenz von W. Ruf. 288 S., 1 Falttab. 8".
Kart. DM 5.—. Jg. 1964. 184 S. 8°. Kart. DM 3.75. Nürnberg:
Selbstverlag d. Bayerischen Missionskonferenz 11963/64].

Die größere Hälfte des Jahrbuches 1963 bildet die Festschrift
für G. Vicedom, die an anderer Stelle angezeigt ist. Das
,,sonstige Jahrbuch" bringt ausgeführte Missionsstunden als Hilfe
für den prakt. Dienst des Gemeindepfarrers über Äthiopien,
Tanganyika, Südafrika und Neuguinea. Über die Konsequenzen
der in Delhi 1961 beschlossenen Intergration von Mission und
Kirche berichtet der Inder Korula Jacob, Sekretär des Indischen
Nationalen Christenrates. Es folgt ein Bericht über die Taufe von
3 Mohammedanern am 16. Mai 1787 in Wendhausen bei Hildesheim
und ein Bericht über „75 Jahre Ostthür. Miss.-Konferenz".
Dem folgen eine wertvolle Zusammenstellung von Missionsaufsätzen
aus der Nicht-Missionsliteratur 1960/61 (S. 207—232) und
eine 261 Nummern umfassende Literaturschau, Buchbesprechungen
, die Statistik 1961 der deutschen evang. Missionen und Angaben
und Adressen der Missionsgesellschaften und Missionskonferenzen
.

Diesem Aufbau folgt traditionsgemäß auch der 2. Teil des
Jahrbuches 1964. Die Missionsstunden beschäftigen sich mit
Äthiopien, Indien, Ost- und Südafrika und Neuguinea. Ein Aufsatz
von G. Vicedom, „Welt-Luthertum und Weltmission", führt
in die Erörterungen ein, die vor Helsinki 1963 innerhalb des
Luth. Weltbundes über dessen missionarischen Weltdienst von
Fachleuten angestellt worden sind. G. Günther berichtet auf 8 S.
über den Stand der jungen Kirchen in der Welt. „50 Jahre Allg.
Hannoversche Missionskonferenz" von H. Meyer-Roscher stößt
auf mehr als nur hannoversches Interesse.

Das Jahrbuch 1964 ist Ernst Dammann als dem Vorsitzenden
des Verbandes der deutschen ev. Missionskonferenzen zu seinem
60. Geburtstag gewidmet. Ihm gilt das Grußwort, dem sich G.
Brenneckes Beitrag „Der neue Mensch" anschließt. In besonderer
Weise gilt Prof. Dammann der Aufsatz des Rezensenten über „8 5
Jahre Missionskonferenzen — und noch weiter?" Er bringt neues

Material über die Gründe, die zur Entstehung der Missionskonferenzen
geführt haben, geht auf den Personenkreis und die angestrebte
und geleistete Arbeit ein, fragt aber auch: „Traditionsstarre
oder flexible Weiterentwicklung?" Es wird ernsthaft die
Frage nach dem Proprium und nach der Berechtigung einer Weiterexistenz
gestellt und darum auch nach „dem neuen Gesicht".
Wie alles, aber auch alles (in der Kirche) von Zeit zu Zeit auf
6einen geistlichen Wert und das Recht der Weiterexistenz in den
alten Formen untersucht werden sollte, so rechtfertigt auch das
ehrwürdige Alter der Konferenzen aus sich heraus keine Weiterexistenz
, im Gegenteil fordert das Alter die hier vollzogene Prüfung
und Analyse.

Diese Ausführungen sind ein Beitrag zur Frage der Integration
von Mission und Kirche.

Im Erinnerungsjahr an Karl Graul sind von großem Interesse
und Wert die Thesen über Grauls Arbeitsbreite, Leistung und
Bedeutung von S. Krügel, der hier auch erstmalig eine Bibliographie
des Schrifttums von Karl Graul vorlegt (S. 39—5 3), die
weithin begrüßt werden wird.

Die theol. Relevanz des Jahrbuches zeigt sich auch in der
Arbeit „Synkretistische Strömungen in Lateinamerika, Mittel-
und Südafrika" von E. Fülling und E. Dedekind. Das Beispielsmaterial
wird der Geschichte wie auch den Gegenwartserscheinungen
entnommen. Die Verf. kommen zu dem Ergebnis, daß
hier ein Gott ohne Zorn gesucht wird, der Menschen ohne Sünde
in sein Reich ohne Gericht nimmt, und dies durch Vermittlung
wohl des Christus — aber ohne wirkliches Kreuz (67).

Diese Jahrbücher sind, aufs Ganze und aufs Einzelne gesehen
, in ihrer stofflichen Weite und Zuverlässigkeit wie auch
in ihrer arbeitsmäßigen Sauberkeit begrüßenswerte und hilfreiche
Erscheinungen auf dem theol. Büchermarkt.

Halle/Saale Arno Lehmann

Bürkle, H.: Dialog mit dem Osten. Radhakrishnans neuhinduistischc
Botschaft im Lichte christlicher Weltsendung. Stuttgart: Evang. Verlagswerk
[1965]. 316 S. 8°. Lw. DM 28.—.

Nicht weniger als 3 5 englische Titel nennt das Verzeichnis
der Schriften Radhakrishnans, neun davon mit deutscher Übersetzung
. Wie immer man die neuhinduistische Religionsphilosophie
des derzeitigen indischen Staatspräsidenten beurteilen
mag — daß in seinem Werk die Stimme zeitgenössischen indischen
Denkens heute am wirksamsten in die Weite dringt, ist nicht
zweifelhaft, und daß diesem Werk eine nun als gewichtiges,
zügig und fesselnd geschriebenes Buch vorliegende Hamburger
theologische Habilitationsschrift gewidmet wurde, wird man begrüßen
. Richtig erkennt der Verf., daß weder eine distanzierte
religionswissenschaftliche Analyse noch eine nur defensive apologetische
Antwort je für sich dem Gegenstand gerecht würden.
Radhakrishnan will herausfordern. Der Verf. nimmt die Herausforderung
an, ausdrücklich mit Einschluß der Bereitschaft, im
Vollzug des Dialogs auch überkommene theologische Positionen
und missionarische Maximen schonungslos zu überprüfen. Für
die Methode ist damit entschieden, daß die Schwerpunkte so gelegt
werden, wie der Dialog sie erfordert. Radhakrishnan soll
dort aufgesucht werden, wo er wirklich steht: in der doppelten
Bedingtheit durch das Hindu-Erbe und durch die Erfordernisse
der „neuen Wirklichkeit" der heutigen Welt. Daß das Gesamtwerk
Radhakrishnans dabei auf eine Ebene projiziert wird, führt
gelegentlich zu kleineren Unebenheiten der Interpretation, ist in
diesem Rahmen aber insofern kaum bedenklich, als Radhakrishnan
selbst stets darauf bedacht ist, seine Botschaft als Zeugnis vom
sanätana-dharma, der „Religion schlechthin, die von keinem
Altern weiß" (T. M. P. Mahadevan), darzustellen — daher übrigens
auch die oft bemerkte Monotonie seiner Thesen.

Im Ganzen zeigt die Arbeit ein hohes Maß von Verstehen
und Gespür für die Intentionen Radhakrishnans. Die Überblicke
über die Wandlungen des Maya-Begriffs (S. 51 ff.) oder über die
Dharma-Vorstellungen (S. 151 ff.), auch die umsichtige Erörterung
von Radhakrishnans Einheitsmystik zeugen von einem
auf guter Literaturkenntnis beruhenden Verständnis für gesamt-
hinduistische Entwicklungen und für die Besonderheiten der
Stellung Radhakrishnans. Die Darstellung hätte freilich noch an