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Ausgabe:

1965

Spalte:

307-310

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Die Mission zwischen den beiden Weltkriegen mit einem Überblick über die neue Zeit 1965

Rezensent:

Staude, Herbert

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Theologische Literaturzeitung 90. Jahrgang 1965 Nr. 4

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(S. 179—368). Die erste Hälfte ist der literargeschichtlichen
Analyse des Gebetbuches und der Herausarbeitung seiner Bedeutung
für die katholische Christenheit in China gewidmet.
Sie beschäftigt sich in zwei Teilen mit seinem Ursprung (S. 6
—8 3) und — mit den Problemen und Folgerungen abschließend,
die sich aus seiner Vergangenheit für seine Zukunft ergeben —
mit seiner Entwicklung (S. 84—178).

Der Verfasser hat 1957 in der Vatikanischen Bibliothek
die Editio princeps des im 17. Jahrhundert von Mönchen verschiedener
Orden, vorwiegend von spanischen, portugiesischen,
belgischen, deutschen und französischen Jesuiten hergestellten
Gebetbuches gefunden. Die Namen der Autoren, die den
chinesischen Gebeten vielfach spanische Gebete zugrunde gelegt
haben, sind bekannt; führend unter ihnen war der Italiener
Nicoiao Langobardo. Unbekannt sind die für die stilistische
Gestaltung des Werkes so wichtigen chinesischen Mitarbeiter.
Die Editio princeps stellt, wie der Verfasser treffend sagt,
einen ,,Rohbau" dar. Der Ausbau erfolgte um 1665: „Erstklassige
chinesische Literaten aus der Umgebung der Jesuiten
Verbiest und Buglio schrieben die Texte in eine hochelegante
Sprache um. So entstand ein literarisches Werk, auf das unsere
Christen mit Recht stolz sein dürfen" (S. 366). Spätere Änderungen
, die noch bis 1823 nachweisbar sind, betrafen nur die
inhaltliche Vermehrung des Gebetbuches, insbesondere durch
Hinzufügung „einer großen Anzahl von Volksandachten"
(S. 366).

Der Verfasser hält aus theologischen Gründen eine Reform
des Gebetbuches, die sich nicht mehr der Literatur-, sondern
der Umgangssprache zu bedienen hätte, für nötig. Er weist nach,
daß die Formung der Gebete, auch die Anpassung der spanischen
Modelle, sehr stark unter dem Einfluß chinesischer, vom
Konfuzianismus geprägter Wesenszüge erfolgt ist. Der hcils-
geschichtliche Charakter des Christenglaubens sowie das Wissen
des Christen um sein Einssein mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen
ist verdrängt, dagegen typisch chinesisch seine
moralische Haltung überbetont. Hier fordert der Verfasser
Änderungen bzw. Ausgleiche. Seine dritte Forderung lautet:
„Man soll mehr als bis jetzt Gebrauch machen von Gebeten,
die wir im Munde großer biblischer Gestalten finden, und zwar
an erster Stelle von den Psalmen. Der Gebrauch biblischer
Formeln wäre übrigens der beste Weg, den eigenartigen Sinn
der chinesischen Seele für die religiöse Grundgegebenheit, daß
Gott alles und das Geschöpf nichts ist, zu bewahren und zu vertiefen
."

P. Brunner, ein in Manila wirkender Jesuit, hat in der
Analyse des Gebetbuches und der Herausarbeitung seiner Eigenart
eine Arbeit geleistet, deren Akribie vorbildlich ist, und
deren Ergebnisse nicht nur für die katholische Mission in China
und das Frömmigkeitsleben in ihrem Bereich, sondern weit darüber
hinaus für die katholische und evangelische Mission von
Bedeutung sind.

Tübingen Gerhard Rosen k ra n z

Pilhofer, Georg, D.: Die Geschichte der Neuendettelsauer Mission
in Neuguinea. Bd. 2: Die Mission zwischen den beiden Weltkriegen
mit einem Überblick über die neue Zeit, hrsg. von der Evang.-Luth.
Missionsanstalt Neuendettelsau. Neuendettelsau: Freimundverlag
1963. 312 S., 63 Abb. a. 24 Taf., 1 Kte. gr. 8°.

Nach dem 1. Band (vgl. ThLZ 1963, Nr. 12, Sp. 944) hat der
Verfasser zunächst den 3. Band und darauf den 2. Band seiner
„Geschichte der Neuendettelsauer Mission in Neuguinea" vorgelegt
. Wir sind dankbar, daß die Aufeinanderfolge der drei
Bände so rasch erfolgen konnte. Das Geleitwort zu dem vorliegenden
Band schrieb Hagen Katterfeld, der neue Neuendettelsauer
Missionsdirektor, vor Antritt seiner Besuchsreise
nach Neuguinea, von der er 1964 als todkranker Mann zurückkehrte
und kurz danach verstarb.

Der 2. Band umfaßt die „Mission zwischen den beiden
Weltkriegen mit einem Überblick über die neue Zeit".

Das Inhaltsverzeichnis zeigt 12 Teile an mit den nachfolgenden
Überschriften:

1. Teil: Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

2. Teil: Inspektor Stecks Informationsreise.

3. Teil: Die verschiedenen Arbeitsgebiete.

4. Teil: Die Lage der Mission in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

5. Teil: Der Einbruch der Zivilisation.

6. Teil: Gründung von Hauptstationen in den Gemeindemissionsgebieten
.

7. Teil: Das Gemeindeleben mit seinem Auf und Nieder.

8. Teil: Magische Einbrüche in den Gemeinden.

9. Teil: Die Kirchenbildung.

10. Teil: Die Missionsorgane.

11. Teil: Die Besetzung des Inlandes.

12. Teil: Die Kriegs- und Nachkriegszeit.

Einleitend wird hingewiesen auf den Erwerb der Pflanzung Finsch-
hafen, der die Mission in den Besitz von Land brachte, und auf den
ersten Heimaturlaub des Pioniermissionars Johann Flierl, der nach 31(1)-
jähriger Abwesenheit von der Heimat im Jahre 1909 seinen ersten
Heimaturlaub antrat, um die schmale Heimatbasis für das rasch aufgeblühte
Werk zu erweitern und dabei auch Australien und die Iowa-
Synode in Nordamerika besuchte, ein weitblickender Mann, der bereits
vor zwei Menschenaltern im Sinne der Integration von Mission
und Kirche wirkte und auch ökumenische Beziehungen herstellte (16/18).
Im Verfolg des Versailler Vertrags wurde die Neuendettelsauer Mission
in Neuguinea der Vereinigten Evang.-Luth. Kirche in Australien übertragen
(S. 26).

Im zweiten Teil werden Maßnahmen der Heimatleitung sachlich
und kritisch beleuchtet (S. 3 5 ff.).

Die verschiedenen Arbeitsgebiete werden im dritten Teil abgehandelt
: der Anteil der Mission am Schulwesen, auf linguistischem
Gebiet, auf dem missionsärztlichen Sektor und im wirtschaftlichen Aufgabenbereich
. „Durch die Betätigung der Mission auf den einzelnen
Gebieten entstanden mannigfache rein menschliche Beziehungen, die das
Gefühl der Zusammengehörigkeit von Weiß und Braun weckten und
nährten und in seiner gesteigerten Form zur Bildung einer Schicksalsgemeinschaft
führten . . . Unter dem Gesichtspunkt dieser Verkoppelung
gesehen kann man von einer indirekten Förderung der papuanischen
Kirche reden. Viele von den Arbeitern kamen aus fernen neuen Gebieten
. Sie eigneten sich die in den Betrieben gebrauchte Kirchensprache
an und wurden durch die Teilnahme an den täglichen Andachten
in das Evangelium eingeführt" (S. 100).

Die Lage der Mission in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg
(vierter Teil) sieht so aus, daß nach der Zeit der drückenden Ungewißheit
wieder Aussendungen beginnen, damit aber auch das Ringen nach
der geeigneten Form der Zusammenarbeit.

Der Einbrudi der Zivilisation (fünfter Teil) brachte für Regierung
und Mission neue Aufgaben und Gefahren. Die katastrophale Wendung
durch die Entdeckung der Goldfelder veranlaßte eine Denkschrift Flierls
an die australische Administration unter Hinweis auf das schwere Los
der Goldarbeiter (S. 116). In den Jahren 1938/39 wurde Gold im Werte
von 40 Millionen Mark ausgeführt (S. 121).

Bei der Gründung von Hauptstationen in den Gemeindemissionsgebieten
(sechster Teil) sehen wir den braunen Missionar als Träger des
Evangeliums. Wunderbare Wandlungen als Folge apostolischen Dienstes
sind zu konstatieren: Aufgeben des Geisterdienstes, der Zauberei und
Zusammenbrudi des Heidentums (S. 145 f.).

Das Gemeindeleben in den Neuguinea-Gemeinden mit seinem Auf
und Ab (siebenter Teil) wird illusionslos dargestellt, aber auch die Erneuerung
aus dem Evangelium. Eine Bußbewegung, die Eemasang-Be-
wegung, brachte überall, wo sie auftrat, eine bußfertige Umkehr hervor
und führte zu einer Vertiefung des Glaubenslebens (S. 161). „Sünden-
bekenntniskanzeln" wurden im Gebiet der Kalasa errichtet (S. 174).
Für den Kenner der Neuguinea-Arbeit ist es eine Hilfe, vom Anfang
und Fortgang der Missionsarbeit unter den Laewomba, Azera und den
Waria-Morobe (S. 162—174) zu erfahren.

Mit der magischen Welt, die ein komplexes Gebilde darstellt und
nicht nur auf Neuguinea beschränkt ist (S. 188), setzt sich der Verfasser
im achten Teil auseinander. Diese magische Seelenschicht, die sich
im Laufe von Jahrtausenden gebildet hat, kann nicht in einigen Jahrzehnten
abgebaut werden (S. 176). Wer über Speerzauber, Geldzauberei
und vor allem über das Phänomen des Kargokultes arbeiten will, ist
hier gut beraten.

Die Anleitung der Gemeinden zur Selbständigkeit war der erste
Sdiritt auf dem Wege zur Kirchenbildung (neunter Teil). Die Mitarbeit
der Laien, die weithin Träger des Gemeindelebens waren, förderte das
Erstarken der Gemeinde. Beachtlich ist der Hinweis, daß in den Neuguineagemeinden
die Predigt nicht einsam entsteht, sondern durch gemeinsame
Besprechung des Textes und der jeweiligen Gemeindesituation
. Hier wünschte man sich zu gegebener Zeit ein ausführlicheres
Eingehen auf die Predigt in Neuguinea. Anregungen werden denen gegeben
, die thematisch arbeiten wollen, aber auch denen, die Querverbindungen
herstellen wollen etwa von der jungen Kirche zu der
älteren Kirche im Blick auf Predigt, Taufpraxis (S. 193), aber auch im
Blick darauf, wie mancherlei Ämter und Dienste in die Hände der Ge-