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Ausgabe:

1964

Spalte:

69-70

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Meersman, Achilles

Titel/Untertitel:

The Franciscans in Tamilnad 1964

Rezensent:

Lehmann, Arno

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Theologische Literaturzeitung 89. Jahrgang 1964 Nr. 1

70

MISSIONSWISSENSCHAFT UND ÖKUMENE

Meers man, Fr. Achilles, O.F.M.: The Franciscans in Tamilnad.

Schöneck-Beckenried: Nouvelle Revue de Science Missionnaire 1962.
XII. 133 S., 1 Kte. gr. 8° = Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft
, hrsg. v. J. Beckmann. Supplementa, XII. sfr. 14.80.

Der Verfasser, Lektor für Kirdiengeschichte am St. Antonius
-Kloster in Bangalore/Südindien, ist zum Historiographen
der Franziskaner und ihrer Arbeitseinsätze auf indischem Boden
geworden. Die Bibliographie nennt auf S. XI sieben diesbezgl.
Arbeiten von ihm. Neben sein Buch „The Franciscans in Bombay
" (279 S., Bangalore 1957) tritt nun als weitere größere
Publikation die vorliegende Beschreibung über die Tätigkeit der
Franziskaner im Tamulenland, d. h. im heutigen Staat Madras,
und zwar in der Zeit 1550— 1847 und seit der Rückkehr im
Jahr 1953.

Das Buch setzt ein mit der Nennung einzelner Franziskaner,
die im 14. und im 15. Jhdt. auf ihrem Wege nach China durch
Indien kamen: als erster Legat ist da genannt Johannes von
Monte Corvino, der sich dreizehn Monate in Indien aufhalten
mußte und der 1305 aus Khanbaliq, dem heutigen Peking,
schrieb, daß er in Indien an verschiedenen Orten etwa einhundert
Personen getauft habe.

Dann führt Meersman in die einzelnen Orte oder Gebiete,
in welchen die Franziskaner sich niederließen: Mylapore'S. Tome
und die Diözese von Mylapore, Negapatam (heutige Schreibweise
: Nagapattinam), Vailanganni, Tranquebar, das Marava-
Königreich, Tuticorin und die Fischerküste. Der Index zeigt, um
wieviele Namen es sich handelt. Freilich ist man darauf angewiesen
, sich für eine gute Auswertung des Buches und für die
eigenen Gesichtspunkte einen Sach- Index mehr oder weniger
selbst zu erstellen.

Die Darstellung bringt sehr viele Einzelheiten, die von
großem Forscherfleiß zeugen. Aber noch sind nicht alle Quellen
erreicht und erschlossen, „noch 6ehr viele Archive sind zu durchforschen
und noch sehr viele Dokumente sind zu ^veröffentlichen,
ehe etwas Abschließendes gesagt werden kann" (S. V). Aber
schon das bisher vorgelegte Material gibt ein gutes Bild. Die
Lektüre ist sehr interessant, und zwar keineswegs nur für den katholischen
Kirchengeschichtler. Auch dieses Buch ist ein Beispiel
dafür, in welch einem Maße die Mission jener Zeit mit dem
damaligen politischen Geschehen und mit kolonialen Dingen
verknüpft war, begegnet man doch nicht nur den Portugiesen,
ßondern auch den Holländern, den Engländern, den Dänen, den
Franzosen und auch indischen Machtkämpfen.

Von den allgemein interessierenden Einzelheiten seien aus
der Darstellung einige genannt. Der evangelische Leser liest mit
einigem Erstaunen, daß die dänische Kolonialregierung den
kath. Priester in Tranquebar unterhalten hat (S. 8 5). Gab es,
anders als B. Ziegenbalg von seiner Zeit schrieb, zwei kath.
Kirchen in Tranquebar (S. 84)?

Sehr wichtig ist es, daß viele Zahlen der getauften Christen
genannt werden. Beachtlich ist es, daß man damals für die
,,native Christians" eine eigene Kirche baute (S. 5 3), und daß
aus vielen kath. Kirchen unter den Holländern protestantische
Kirchen wurden. Leider ist auch zu lesen, daß — eine schaurige
kirchliche Priorität — Kirchen auch zu Warenhäusern gemacht
worden sind, so in Nagapattinam (S. 62) und in Tuticorin
(S. 102). Daß es unter den Franziskanern auch Versager gab,
wird nicht verschwiegen. Man freut sich über die im christlichen
Schrifttum neue Ausdrucksweise, daß man einmal in einer
Leitungsstelle im Arbeitseifer ,,into a honeymoonlike mood"
geraten konnte (S. 126).

S. 72 und 74/75 werden blaue Kacheln mit biblisdien Szenen
(und einer Skatpartie) erwähnt, die angeblich aus China
ßtammen, aber recht gut aus Holland (Delft) gekommen sein
könnten. Da diese Bilder im Hauptaltar in Vailanganni, das
6 Meilen südlich von Nagapattinam liegt, noch gut zu sehen
sind, erführe man gern, welche biblischen Geschichten da zur
Darstellung kamen und ob die Ausführung nicht doch eine Aussage
darüber zuläßt, ob die dargestellten Personen als Chinesen,
Inder oder Holländer erscheinen.

Mit besonderer Freude sei auch erwähnt, daß schon damals
das Erlernen der Volkssprachen (S. 106) eine unbedingte Forderung
war und daß es auch schon unter jenen Franziskanern
Leute gab, die diese Sprachen (und auch Sanskrit) in hohem
Maße beherrschten (S. 67, 88).

Halle/Saale Arno Lehmann

C h o i, Andreas: L'fircction du premier Vicariat apostolique et lcs
origines du Catholicisme en Coree. 1 592 — 1837. Schöneck-Becken-
ricd: Nouvelle Revue de Sciences Missionnaire« 1961. XII, 137 S.
gr. 8° = Neue Zeitschrift f. Missionswissenschaft, hrsg. v. J. Beckmann
. Supplementa XI. sfr. 14.80.

Chois Werk bietet weithin eine Korrektur des klassisch
gewordenen Werkes von Ch. Dallet, Histoire de l'Eglise de
Coree, Paris 1874. Diese Korrektur bezieht sich schon auf die
Einteilung der Geschichte der koreanischen Kirche. Während
Dallet die Zeit vor 1784 als „prähistorische" Epoche bezeichnet
und die Geschichte mit dem Jahr 1784 beginnen läßt, mit
dem Beginn des Laienapostolates des in Peking getauften Yi
Seung-houn, reicht für Choi die „Prähistorie" bis zur Errichtung
des apostolischen Vikariates im Jahr 1831, weil für ihn
die Geschichte einer Kirche mit der Errichtung der Hierarchie
beginnt. Zum anderen arbeitet Dallet, der als einziger Autor
die Periode bis 1784 behandelt hat, unwissenschaftlich und
insofern einseitig, als sich in seiner Darstellung die Geschichte
der Kirche auf Wiedergabe von Märtyrerakten zu beschränken
scheint, während Choi als Koreaner ein besseres Verständnis
für Handlungen und Geschehnisse in Korea mitzubringen glaubt
und außer den Archiven der Missions -Etrangers de Paris und
der Sacra Congregatio de Propaganda Fide auch koreanische
Quellen hat benutzen können, au6 denen hervorgeht, daß sich
Dallet in deT Darstellung und in der Interpretation der Geschichte
häufig geirrt hat, ohne daß Choi den Anspruch erheben will,
alle Probleme gelöst zu haben.

Die Darstellung umfaßt fünf Kapitel: Die ersten Versuche
des Eindringens des Katholizismus in Korea (1592—1783); die
Laienchristenheit in Korea (1784—1790); Verfolgungen (1791
— 1802); Versuche einer Reorganisation der Kirche von Korea
(1802 — 1831); die Anfänge des apostolischen Vikariats von
Korea (1831—1837). Ein wertvoller und umfangreicher (47 Seiten
umfassender) Anhang bietet die wichtigsten Briefquellen.

Auch aus Chois Darstellung gewinnt man den Eindruck,
daß die Missionsgeschichte Koreas eine erschütternde Märtyrergeschichte
ist und so voller Schwierigkeiten, daß man von
einem Wunder der Kirche sprechen könnte. Auf der anderen
Seite wirken befremdlich die kirchenrechtlichen Schwierigkeiten
und Rivalitäten, die der Errichtung des apostolischen Vikariates
vorangingen und mit ihr verbunden waren. Die ersten Berührungen
Koreas mit dem Christentum kamen von den Jesuiten
Japans, dann von denen Chinas. Durch die heimliche Verbindung
mit Missionaren Chinas war die ganze Geschichte Koreas
gekennzeichnet. Es ist nicht möglich, die Fülle erregender Einzelheiten
wiederzugeben, die in kritischer Quellenbefragung dargestellt
werden. Bemerkenswert ist die Kraft des Laienelementes,
dem fast ausschließlich die Fortexistenz der Kirche in den Verfolgungen
und in den fast priesterlosen Zeiten zu danken ist,
und charakteristisch, daß die Verfolgungen, die teils örtlich
waren und erst später generell wurden, politisch begründet
wurden.

Mainz Waller Holsten

Förster, Herbert: Die Pfingstbewegung und ihr Verhältnis zur

Ökumene (EMZ 20, 1963 S. 115—121).
Fölling, Erich: Lateinamerika als Missionsland. Möglichkeiten und

Grenzen missionarischer Verkündigung in Brasilien (EMZ 20, 1963

S. 106—115).

L o h m a n n, Paulgerhard: Möglichkeiten und Grenzen der Mitarbeit
in einer jungen afrikanisch - anglikanischen Kirche au6 der Sicht einer
Glaubensmission (EMZ 20, 1963 S. 121—130).

Sosa, Adam F.: Die missionarische Situation in Lateinamerika (EMZ
20, 1963 S. 97—106).