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1964

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Missionswissenschaft

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793

Theologische Literaturzeitung 89. Jahrgang 1964 Nr. 10

79*

Schneider, Gerhard: Die Evangelien im Urteil der neueren Forschung
und unsere biblische Katechese (TThZ 72, 1963 S. 349—362).

Thun, Theophil: Jugend zwischen Glaube und Unglaube (StZ 173,
89. Jg. 1963 S. 9—21).

MISSIONSWISSENSCHAFT UND ÖKUMENE

Jahrbuch Evangelischer Mission 1963, hrsg. von N. P. Moritzen.
Hamburg: Verlag der Deutschen Ev. Missionshilfe [1963]. M3 S.
8". Kart. DM 3.-.

Im deutschen Schrifttum ist es (neben dem Lutherischen
Missionsjahrbuch) dieses Jahrbuch, das den Theologen über die
Vorgänge „auf der bewohnten Erde" zeitnah, knapp und zuverlässig
orientiert und die Problematik beim Werden der
sogen. Jüngeren Kirchen sehen läßt. Die Verfasser sind alle
wirkliche Fachleute, welche die theologisch-kirchlichen Vorgänge
auf dem Bauplatz der Oekumene „an der Graswurzel" kennen.
Fast alle Beiträge sind eine Wiedergabe der Vorträge, die auf
einer Tagung in Königsfeld im September 1962 gehalten worden
sind, die unter dem Thema „Begegung und Bekehrung" stand.
Auch da zeigte sich, daß es auch in der deutschen Mission tiefgreifende
theologische Differenzen gibt, daß ein Gegensatz
zwischen wissenschaftlicher Theologie und Fundamentalismus
besteht und also eine echte gemeinsame theologische Basis nicht
vorhanden ist. Diese Differenzen gehen quer durch alle kirchlichen
Gruppen und lassen sich keineswegs mit „freikirchlich"
und „landeskirchlich" abgrenzen. Auch der Rezensent ist nicht
mit allen Ausführungen einverstanden, ohne die Stellen vorführen
zu wollen. Es mag aber gut sein, in diesem Zusammenhang
einmal den Ceylonesen D. T. Niles zu zitieren, der in
seinem letzten Buch „Feuer auf Erden", Stuttgart 1962, auf
S. 207/8 schreibt: „Nichts überrascht einen Menschen, dessen
normaler Lebensbereich in der Welt des Denkens und Lebens
der Hindus liegt, mehr, als wenn er bei einem Besuch im Westen
in theologischen Kreisen die Auffassung hört, der geschichtliche
Jesus sei unbekannt und unerkennbar. Man bestreitet
nicht, daß Jesus lebte und starb und noch lebt: aber abgesehen
davon sei nichts als gesichert feststellbar, außer daß die frühe
Kirche bestimmte Dinge über ihn predigte. Man sagt, daß die
Frage nach der Wahrheit dieser Lehre nur beantwortet werden
könne durch Verweis auf ihre Bedeutung für das Leben heute
und auf ihre Nachprüfbarkeit in der persönlichen Erfahrung.
Diese Haltung ist so völlig gleich der Haltung der Hindus,
daß man sich verblüfft und verwirrt nach ihren Folgen für
das Leben der Christen unter den Hindus fragt, wenn die
Christen dort diese Auffassung übernehmen würden." Wie
immer beginnt das Jahrbuch mit einer Rundschau über den
gegenwärtigen Stand und die Fragen der Arbeit (G. Hoffmann).
Diese muß man kennen, wenn man die riesengroße Kleinarbeit
am ökumenischen Bau sehen will, in dem dann die großen internationalen
Konferenzen stattfinden, die das Augenmerk mehr
auf sich ziehen als das zumeist schwere Schaffen der ökumenischen
Bauarbeiter.

Die weiteren Beiträge kreisen um das große und unerledigte
Thema Christusglaube und die nichtchristlichen Religionen.
G. Vicedom schreibt über die „Begegnung und Bekehrung".
Kann die Kirche sich mit bloßer Begegnung zufrieden geben oder
soll weiterhin alles auf Bekehrung abzielen? „Begegnung im
biblischen Sinn ist also etwas anderes als Tolerierung und
gegenseitige Durchdringung von zwei sich treffenden Glaubensformen
" (24). Eignet der Christlichen Botschaft und der Kirche
..das Kennzeichen der Intoleranz und Exklusivität" (26)? Wie
dieser Beitrag, so führt auch H. Meyers Aufsatz über „Offenbarung
und Religion" ins Zentrum theologischer Arbeit, die für
die Mission kennzeichnend ist. Von der Antwort auf diese
Frage hängt jede Verkündigung der Kirche ab, auch und erst
recht dort, wo Sendboten der Kirche den nichtchristlichen
Religionen gegenüberstehen, die durchaus ernst genommen
Werden müssen, denn sie sind Wirklichkeiten. .Dies unterscheidet
uns von allen anderen Glaubensgemeinschaften, daß
die Offenbarung Gottes in Jesus Christus an einem ganz bestimmten
Ort unserer Welt und zu einem ganz bestimmten
Zeitpunkt unserer Geschichte geschah, und deshalb in der

Geschichte Israels auf Jesus Christus hin und in der Geschichte
der Kirche von Jesus Christus her!" (37/8).

E. Schrupp behandelt die Frage, wer nun „der Träger der
Mission" ist. „Gott ist der Inhalt und zugleich der Träger der
Mission" (45). Gottes Organ ist die Gemeinde mit ihrem „ungebrochenen
und vor allem verbindlichen Schriftverständnis", „die
Gemeinde muß unterwegs sein" (47, 55). Das ist nichts Neues,
aber etwas sehr Vergessenes und im Zuge der viel besprochenen
Integration von Kirche und Mission eine neu vor die Gemeinde
zu stellende Aufgabe, die nicht nur die Missionsgesellschaften
angeht. Der Schwede Gustav Diehl behandelt den „Ganzheitscharakter
der Mission". Der Dienst der Kirche hat es mit dem
ganzen Menchen zu tun. „Der Ganzheitsbezug der Mission entspringt
dem Begriff der Gotteskindschaft. Dem Kinde Gottes
gehört das ganze Heil, und ihr Heil ist das Heil der übrigen
Schöpfung." (61) Was heute „Brot für die Welt" im Großen
tut, das hat die Mission von Anfang an mit viel größeren
Opfern im Kleinen getan. M. Wittenberg geht der Frage der
Begegung mit dem Judentum nach. Er stellt auf jeder Seite fünf
Polaritäten auf, zu denen er auch den „rapiden Substanzverlust"
auf Seiten der Christen rechnet (68). Für das Zugehen auf das
Judentum nennt er die wirklich tragfähigen Motive, und dabei
den Dank an erster Stelle (71 f.), macht beachtliche Ausführungen
über die rechte geistliche Methode und läßt dabei auch die
Tat der Diakonie in Israel nicht aus.

In dem Buche fehlen leider Angaben über die Verfasser. So
erfährt man nicht, aus welchem Lande Odeh Suardi kommt (er
ist Indonesier) und was er in München tut. Er schreibt über
„Afrikaner und Asiaten unter uns". W. Rabe liefert ein
kurzes Gedenkwort an Ernst Verwiebe, den bisherigen Vorsitzenden
des Verbandes deutscher evang. Missionskonferenzen.
Es folgen sodann drei wichtige Statistiken. Die Gesamtzahl der
„Heimarbeiter" wird mit 681 angegeben, unter die auch 285 im
wohl aktiven Ruhestand Befindliche gezählt werden. Ihnen stehen
1155 „Aktive Missionskräfte in den Arbeitsgebieten"
gegenüber, wobei auch die 349 Ehefrauen mitgerechnet worden
sind, die zwar unter der allgemeinen Dienstverpflichtung aller
Christen stehen und deren Dienst ungemein hoch zu werten ist,
die aber zuerst Ehefrauen und Mütter und keine hauptamtlichen
„aktiven Kräfte" sind.

Die dritte Statistik ist ein Zahlenwerk, leider ohne ein
aufrechnendes „Insgesamt" wie bei den vorhergehenden
Statistiken, über die „Kirchen und Gemeinden in den Arbeitsgebieten
", deren Christenzahlen, Zahl der Gemeinden und
Pastoren, Schulen, Krankenhäuser, Polikliniken, der veröffentlichten
Bücher und kirchlichen Zeitschriften etc.

Neben den Anschriften der Gesellschaften (mit einer m. W.
nicht autorisierten Angabe unter 7 c) und der Missionskonferenzen
und neben Angaben über deren Hauptveranstaltungen
1962 (mit einer m. W. unautorisierten Verleihung des
Professorentitels auf S. 99) ist der 268 Nummern umfassenden
Literaturschau 1962 und der Aufführung von Missionsaufsätzen
mit 403 Nummern aus der allgemeinen theologischen Literatur
besonderer Wert zuzusprechen.

Halle/Saale Arno Lehma n n

H e y e r, Friedrich: Die ökumenische Sendung der Melkiten (Una
Sancta, 1964 S. 11—24).

Meyer, Heinrich: Mexico 1963. Die erste Weltmissionskonferenz nach
der Integration (Luther. Monatshefte 3, 1964 S. 57—62).

M i e g g e, Mario: L'ecumenismo e un fenomeno culturale piuttosto
che teologico? (Protestantesimo 18, 1963 S. 197—206).

Müller-Krüger, Th.: Mexiko 1963. Einführung in die Verhandlungen
der Konferenz für Weltmission und Evangelisation
(EMZ 21, 1964 S. 21—28).

— Ökumene in den jungen Kirchen (LM 3, 1964 S. 102—105).

— Europäische Tradition und Einheit der Kirche (ZdZ 17, 1963 S. 404
—412).

Neill, Stephen C: Mission ohne Illusion (DtPfrBl 64, 1964 S. 4).
Nelson, E. Clifford: Die Eine Kirche und die Lutherischen Kirchen

(ZdZ 17, 1963 S. 3 59—370).
Niesei, Wilhelm: Der Reformierte Weltbund (DtPfrBl 64, 1964

S. 112 f.).