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Ausgabe:

1962 Nr. 12

Spalte:

954-956

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Das Laienapostolat in den Missionen 1962

Rezensent:

Holsten, Walter

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Theologische Literaturzeitung 1962 Nr. 12

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Patriarchate davon nicht berührt. Wie kann ihnen ein angeblich
administratives Verständnis ihren apostolischen Charakter nehmen
? So muß die zur Herausarbeitung einer singulären Stellung
Roms erforderliche Abwertung der übrigen apostolischen Stühle
scheitern. Die Beweislast kehrt sich um und richtet 6idi gegen
den Unitarismus der römischen Ansprüche und des römischen
Stuhls. Mit scharfer Präzision sieht Ratzinger, daß hier das
Skandalon der Inkarnation in extremster geschichtlicher Form
behauptet wird, und daß eine Kirche, die nur römisch und nicht
katholisch wäre, sich zur Sekte degradieren würde. Eben dies
ist der Vorwurf; etwa von Wilhelm Stählin dahin formuliert,
daß der „Katholizismus die Katholizität der Kirche hindere".
Man vergleiche hiermit die kürzlichen Äußerungen des melkiti-
schen Patriarchen von Alexandrien Maximos 6amt dem Kommentar
von de Vries SJ2.

Rahner kehrt schließlich im dritten Teil zu den spezielleren
Fragen der Lehre vom Bischofsamt zurück. Auch hier wird die
These von der Dualität von Primat und Episkopat noch einmal
vorangestellt. Bei der Frage nach der Essenz des Episkopats iuris
divini geht er mit Freimut auf die immer noch nicht entschiedene
Frage ein, ob der Episkopat auch eine Stufe des ordo sei.
Er hat sich anderwärts die Freiheit genommen, die Ordogliede-
rung als eine irreversible geschichtliche Entscheidung
der Kirche zu bezeichnen. Er sucht hier die Unterscheidung mehr
auf der Seite der Jurisdiktion, freilich nicht ausschließlich. Daß
die Kirche verschiedene Ämter verleiht, i6t seit Acta 6, 6 nicht
leicht zu bestreiten. Aber leider hat Rahner kein Bedenken, in
diesem Zusammenhang Quantitätsvorstellungen Raum zu geben,
vom Mehr oder Weniger, ja, von ,.Dosierung" zu reden. Das
Stufenschema als solches wird nicht reflektiert. In erster Linie
versucht er das proprium de6 Bischofs auch aus dem Zusammenhang
des Gesamtepiskopats zu erschließen und stellt diesen in
repräsentativen Vergleich mit dem Apostelkollegium. Daß dadurch
der Presbyter aus einem Vollamt in der Stufung zu einem
Delegaten des Bischofs wird, kommt in seineT Gegenläufigkeit
zu den Ordostufen nicht zum Austrag. Im Vordergrund steht
die Bestimmung des Verhältnisses zum Primat. Er sieht ganz
richtig, daß die Bischöfe, als Nachfolger der Apostel verstanden,
einen unmittelbaren Auftrag von Christus haben müssen, weil
sie sonst Apostel Petri würden. Daß sie nun umgekehrt notwendig
mit dem Haupte ihres Kollegiums - angeblich repräsentiert
im römischen Primat — Gemeinschaft haben müssen, ist trotz
seiner formal dialektischen Durchführung eben doch nur eine
These, eine petitio pincipii, zu deren Stützung hier über das
beiderseits von jeher Gesagte hinaus nichts Neues hervortritt.
Das ihm aufliegende Problem formuliert er so: „Wie kann einem
eine Vollmacht gegeben werden, die gänzlich (I) von der Verfügung
eines Dritten abhängig ist, ohne daß dadurch diese Vollmacht
sachlich einfach die von diesem Dritten delegierte Vollmacht
ist." Freilich schließt er weiter: Petrus sive papa non sine
collegio, collegium non sine Petro sive papa. Diese, auf Grund
seiner Voraussetzungen schlüssige These muß Rahner im folgenden
dann zwischen zwei Klippen durchsteuern, dem ex sese, non
ex consensu ecclesiae des Vatikanum6, und dem im CIC fortbestehenden
Satz von der obersten Lehrautorität des Konzils.
Er verkennt keineswegs, daß eine Ablösung irgendeiner Autorität
aus dem Kollegium und der Gemeinschaft ganz unbiblisch
ist. Aber er kann und will das zum Rang des jus divinum erhobene
monarchische Prinzip doch nicht preisgeben. Die vielfältigen
Wendungen muß man hier nachlesen, sie können nicht in
Kürze wiedergegeben werden. Aber unwillkürlich kommt man
wieder auf die Verfassungsproblematik zurück. Der schon S. 17
auftretende Satz „Eine Monarchie ist dort, wo sie nicht durch
ein ihr an sich fremdes Element zur konstitutionellen
Monarchie abgeschwächt wird, also in ihrem reinen Wesen, eine
■absolute' Monarchie". Hier wird da6 proton pseudos sichtbar.
Ein Royalist, der noch weiß, was Königtum ist, kann dies nur
mit Erbitterung bestreiten. Hier steht die Spekulation der Theo-
'ogen und Philosophen, die Idealtypik einer Idealstaatslehre
hart gegen die geschichtliche Wirklichkeit. Denn in dieser gibt
..absolute" Monarchie eben wegen der Herauslösung aus der

*) A.a.O. S. 156.

sie tragenden Gemeinschaft regelmäßig als hypertrophe Endform.
Jener eben zitierte Satz kehrt im Grunde in der Abweisung jeder
Bindung des Primats überall wieder. Was auch immer sonst an
Erwägungen auftritt, die plenitudo potestatis, die päpstliche
Vollgewalt muß erhalten werden — und eben sie ist eine unzweifelhafte
Nachbildung der kaiserlichen Vollgewalt der Spätantike
(H. E. Feine). Entweder aber verbürgt das pneuma die
Einheit der der Kirche eingestifteten differenten Verfassungselemente
, dann gibt es keinen unfehlbaren Primat, oder „das
Prinzip der durch kein fremdes Element abgeschwächten Monarchie
" ist entscheidend. Dann ist dies ein Versuch höchstmöglicher
Sicherheit, aber eben juris humani. Tertium non datur.

Heidelberg Hans Dombois

Brunott e, Heinz: Das Amt der Theologin.
Deutsches Pfarrerblatt 62, 1962 S. 193—197.

Flatten, Henricus, Prof. Dr. Dr.: Quomodo matrimonium contra-
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Löwe, Richard: Gemeindeleitung — wie kann das gut gehen?
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MISSIONSWISSENSCHAFT UND ÖKUMENE

[Beckmann, J.:] Das Laienapostolat in den Missionen. Festschrift
Prof. Dr. Johannes Beckmann SMB zum 60. Geburtstag dargeboten
von Freunden und Schülern, hrsg. v. J. S p e c k e r, SMB u. P. W.
Bühlmann, OFMCap. Schöneck-Beckenried: Administration d.
Neuen Zeitschrift f. Missionswissenschaft 1961. 383 S., 1 Titelbild, gr. 8*
= Neue Zeitschrift f. Missionswissenschaft, hrsg. v. J. Beckmann,
Supplementa, X. Kart. sfr. 25.—.

Siebzehn Beiträge zum Thema „Das Laienapostolat in den
Missionen" vereinigt die Festschrift zum 60. Geburtstage des
katholischen Missionswissenschaftlers Johannes Beckmann neben
einem Abriß 6eines Lebens und wissenschaftlichen Wirkens und
seiner Bibliographie. Den wichtigsten und interessantesten Beitrag
bieten Joseph Amstutz' „Theologische Überlegungen zum
Thema Mission und Laie". Diese Überlegungen, die das Thema
Mission und Laie in ekklesiologischen Zusammenhang stellen
und ihm so grundsätzliche Tiefe geben, sind vor allem durch
zwei Gedankenkreise bemerkenswert. Zum ersten: grundlegend
ist das Verständnis der Kirche als missio Dei. „Wo immer
ecclesia dei ist, da ist zugleich missio dei; wer immer zur
ecclesia dei gehört, ist (und hat) zugleich missio dei" (S. 45).
Das gilt nicht etwa nur von der Hierarchie, sondern auch von
den Laien. Denn „streng genommen ,gibt es' nicht Laien ,in der
Kirche', sondern die Laien sind die Kirche als der Gläubigen
Iaos, das Volk Gottes, die ekklesia der Gläubigen" (S. 43).
Die Auszeichnung der Hierarchie ist nur ihre „Dienstvollmacht
an der Kirche" (S. 44). Wenn die Kirche als „die vergegenwärtigende
Überlieferung des Heiles Christi" (S. 42) verstanden
wird, so vollzieht sich diese durch die Lehrvollmacht
„zusammen mit der hörenden Kirche" (S. 44). Vom Verständnis
der Kirche als missio dei her ergibt sich, daß eine
strenge Grenze zwischen Mission und Pastoration nicht möglich
ist; von ihrem Verständnis als Überlieferung her ergibt sich