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1962 Nr. 9

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Missionswissenschaft

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Neuerscheinungen

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Theologische Literaturzeitung 1962 Nr. 9

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und Bedeutung der Mission betreffen, herauszustellen", praktisch
unter Beschränkung auf die exegetische Literatur, und zwar
vornehmlich die europäische. Auch wenn es sich wesentlich um
«in kritisches Referat, nicht um einen Entwurf einer eigenen
Theologie der Mission handeln soll, wird man von dem Buch
nicht so gering denken dürfen, wie es dem Verfasser seine Bescheidenheit
gebietet. Nicht nur wird, namentlich auch in den
Anmerkungen, eine höchst begrüßenswerte Fülle an einschlägiger
Literatur vermittelt, sondern auch eine klare theologische Position
bezogen; maßgebend ist der Begriff der Hcilsgeschichte, der
als die Voraussetzung der Mission erscheint („wo die Heilsgeschichte
wieder zu ihrem eigenen Recht kommt und in ihrer
Bedeutung erkannt wird, dort kommt auch die Mission wieder
in Sicht" S. 15) und die Darstellung bei Gen. 1 — 11 beginnen
heißt. Diese Konzeption schließt eine kritische Exegese der einzelnen
biblischen Stellen nicht aus. Wichtig ist die Unterscheidung
zwischen universal und missionarisch und die Feststellung,
daß im AT mit Ausnahme des Verses Jes. 42, 4, der jedoch als
Zukunftserwartung zu verstehen sei, (zentrifugal) missionarisches
Denken im Sinne des Hinausgehens zu den Völkern völlig
fehlt, während freilich ein „Kommen der Völker als Antwort
auf die Taten Gottes in Israel" (S. 43), zentripetales missionarisches
Denken vertreten wird. Das zentrifugale missionarische
Denken dagegen wird als Kennzeichen des NT gesehen, von
dem zwar Kontinuität, aber nicht Identität mit dem AT gilt.
Man wird freilich einige Fragen stellen müssen. Wenn „der
Charakter der Eschatologic als Erwartung dessen, was Jahwe tun
wird" „den Missionsgedanken im engeren Sinne (das Hinausgehen
Israels zu den Völkern)" (S. 40) ausschließt, so scheint
sich zu ergeben, daß da, wo man hinausgeht, also in der Zeit
des NT, nicht alles allein vom Handeln Gottes zu erwarten
wäre, sondern auch vom menschlichen Handeln; dies aber ist
sicherlich nicht gemeint. Angesichts der grundsätzlichen Kontinuität
zwischen NT und AT könnten diese Erwägungen die
Einsicht in Erinnerung rufen, daß es auch für die Kirche nicht
nur das Hinausgehen zu den Völkern gibt, sondern daß sie
durch ihr Kirchesein selbst schon Mission übt. Zu fragen ist
Weiter, ob die These vom „Fortschreiten der Heilsgcschichtc,
darin bestehend, daß die .letzten Tage' nicht das Ende der Tage
bedeuten, sondern nur eine Wende der Tage zu einer neuen
Zukunft" (S. 8 7) dem neutestamentlichen Zeugnis von Jesus
Christus gerecht wird, 60 gewiß zu begrüßen ist, daß der „Blick
aufs Ende" geschärft wird. In dieser Frage steckt die andere, ob
wirklich die „neue Schöpfung rund um Christus" als Anbruch
einer „neuen Epoche in der Weltgeschichte" (S. 117) verstanden
Werden darf. Beachtenswert ist das Ergebnis, daß eine „Theologie
der Mission" nichts anderes sein kann als eine „Theologie
der Kirche" (S. 142), nicht ein besonderer Sektor der Theologie,

weil es „keine andere Kirche als die in die Welt gesendete
Kirche gibt" und „keine andere Mission als die der Kirche
Christi" (S. 136). Es fragt sich jedoch, ob nicht vielleicht das
Verständnis der Kirche verkürzt ist, wenn ihr Wesen allein in
ihrer Sendung gesehen wird; man könnte durch B.s Auslegung
des königlichen Priestertums (l.Petr. 2, 9) auf einen entsprechenden
Mangel sich hinweisen lassen.

Mainz Waller H o I s te n

Berg, Christian: Die ökumenische Mission der Kirche.

Kirche in der Zeit 17, 1962 S. 162—166.
Brennecke, Gerhard: Neu-Delhi 1961. Die Dritte Vollversammlung
des ökumenischen Rates der Kirchen.

Die Zeichen der Zeit 16, 1962 S. 94—107.
Häjek, Viktor: From Evanston to New Delhi.

Communio Viatorum 5, 1962 S. 5—8.
H ü b n e r, Friedrich: Konsequenzen der Integration von New Delhi.

Lutherische Monatshefte 1, 1962 S. 59—62.
M c C o r d, Jas. I.: The Four Dimensions of Mission.

The Princcton Seminary Bulletin 55, 1962 S. 4—11.
Meyer-Roscher, Walter: Gedanken zur Lage der Mission

heute.

Pastoralblätter 102, 1962 S. 15—21.

N i s s i o t i s, Nikos: Zeugnis und Dienst der orthodoxen Christenheit
für die Eine, ungeteilte Kirche.
Die Zeichen der Zeit 16, 1962 S. 69—74.

Per na, Franco. The Struggle for Church Unity and Reconciliation
of Men.

Communio Viatorum 5, 1962 S. 9—13.
Schaeder, Hildegard: Die Stimme der Orthodoxie im ökumenischen
Gespräch (II).

Kyrios 1, 1960/61 S. 159—186.
Scheuner, Ulrich: Der Dienst der Ökumene an der Welt.

Lutherische Monatshefte 1, 1962 S. 218—229.
Seibel, Wolfgang: Neu-Delhi 1961.

Stimmen der Zeit 170 (87. Jg. 1961/62) S. 81—94.
Takenaka, Masao: Auf dem Weg zur Wiederentdeckung des

Dienstes der Kirche in einer sich ändernden Welt — aus japanischer

Sicht (mit einem Nachwort von G. Rosenkranz).

Zeitschrift für Theologie und Kirche 58, 1961 S. 379—392.
Thomas, Madathilparampil M.: Die Aufgaben der Kirchen in den

jungen afrikanischen und asiatischen Nationen.

Die Zeichen der Zeit 16, 1962 S. 75—82.
Vice dorn, Georg F.: Die Weltkirchenkonferenz in Neu-Delhi.

Deutsches Pfarrerblatt 62, 1962 S. 25—28.
Visser 't Hooft, Willem A.: Der Auftrag des ökumenischen

Rates der Kirchen.

Die Zeichen der Zeit 16, 1962 S. 44—51.
Wischmann, Adolf: Auslandsarbeiten der EKD in ökumenischer
Sicht.

Die evangelische Diaspora 32, 1962 S. 227—232.

Referate über theologische Dissertationen in Maschinenschrift

Ackermann, Renate: Buße und Rechtfertigung bei Gabriel Biel.
Das Verhältnis von Buch IV dist. 14 q. 1 und 2 des Collcctoriums
zu seinen literarischen Vorlagen und zur scholastischen Tradition.
Diss. Tübingen 1962. 217 S. Text, 69 S. Anmerkungen.

Die Untersuchung, die aus mehrjähriger Arbeit an einer kritischen
Ausgabe des Collectoriums von G. Biel hervorgegangen ist, will
die Beurteilung des „letzten Scholastikers'* aus ihrer bisherigen Einseitigkeit
und pauschalen Vergröberung herausführen.

Ausgehend von der (im Prolog von Biel selbst angedeuteten)
Tatsache vielfacher, sich überschneidender literarischer Abhängigkeiten
bemüht sich die Verfasserin im ersten Kapitel („Biels Lehre von der
Buße als Tugendakt"), durch sorgsame Sonderung der Schichten gleichem
an einem Modellfall ein Bild davon zu vermitteln, wie Biel die
ihm vorliegenden Quellen ineinanderarbeitet. Die Fragestellung ist
'ein tcdinisch-formal: die materiale Problematik wird nur angedeutet,
*° sich eine inhaltlidic Differenz nicht voll durch den Vorgang der
Kompilation erklären läßt.

Da« zweite Kapitel („Biels Lehre von der Buße als Sakrament )
lenkt — angesichts der ausgedehnten selbständigen Diskussion Biels

Scotus — das Augenmerk mehr auf die eigene theologische Leistung
des Collectors. Kann auch der Unterschied in der Behandlung
der Quaestionen bei den literarischen Gegebenheiten nur ein relativer
"•■n. so tritt doch die Eigenart der Bielschen Auffassung vom Verhältnis
von Buße und Rechtfertigung durch die Referate und Anleihen
hindurch gut zutage.

Nach dieser Einführung in die Arbeitsweise Biels, die mit den
Grundgedanken der Bielschen Bußlehre bekannt macht und zugleich
ein Urteil über den Quellenwert des Collectoriums vermittelt, unternimmt
es die Verfasserin im dritten Kapitel („Das Verhältnis von
poenitentia inferior und exterior. Biels Pelagianismus"), Biels Verständnis
der Buße aus dem Zusammenhang seines theologischen Denkens
zu interpretieren. Zwar war auch hier eine Beschränkung auf
Andeutungen geboten, denn erstens überlagern sich im Collectorium
die verschiedensten Intentionen, zweitens hat Biel seine Ansichten zu
den einzelnen Lehrstücken nicht aufeinander abgestimmt, so daß die
Gesamtrichtung nur durch viele Brechungen hindurch sichtbar wird.
Aber diese Gesamtrichtung läuft doch unübersehbar auf einen Pelagianismus
in der Rechtfertigungslehre hinaus.

Biel bietet in seinem Sentenzenkommentar eine Zusammenfassung
der im Spätmittelalter lebendigen Traditionen durch das Prisma
nominalistischen Weltverständnisses. Daß dabei die theologischen
Konsequenzen des nominalistischen Ansatzes oft überdeckt sind, daß
andererseits der Sinnzusammenhang der positiven Kirchenlehre nicht
einsichtig wird, hat seinen Grund sowohl in der Sache als auch in
Intention und literarischem Charakter des Werkes. Praktische Brauchbarkeit
eines Lehrbuchs und Einheit der theologischen Konzeption