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Ausgabe:

1962 Nr. 4

Spalte:

305-306

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

History's lessons for tomorrow's mission 1962

Rezensent:

Vicedom, Georg F.

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305 Theologische Literaturzeitung 1962 Nr. 4

306

MISSIONSWISSENSCHAFT UND ÖKUMENE

History's Lcssons for Tomorrow's Mission. Milcstones in thc
History of Missionary Thinking. Genf: World's Student Christian
Federation [ 19£>0]. 300 S. gr. 8°.

Das Buch enthält 26 Aufsätze von bedeutenden Gelehrten
und Fachleuten über die Auswirkung der Missionsgedanken in
den einzelnen geschichtlichen Perioden und Situationen, daneben
eine Einführung in das Werden der römisch-katholischen Missionstheologie
und drei Bibliographien über die wichtigste Missionsliteratur
des protestantischen Frankreichs, der angelsächsischen
Welt und Deutschlands. Der Wert des Buches liegt ohne Frage in
der Darstellung der Missionsarbeit der gesamten Kirche von ihrer
Entstehung an bis in die Neuzeit auf Grund der in den einzelnen
Perioden mitwirkenden Motive und Begründungen der Mission.
Die einzelnen Aufsätze sind weder dem Inhalt noch der Thematik
nach gleichwertig. Bei einzelnen muß man sich fragen, ob sie
der Mission wirklich Lehren für die Zukunft vermitteln können.
Der Leser fragt sich zunächst. wa6 in diesem Buch unter dem angegebenen
Titel Aufsätze zu tun haben wie: The Czech Reformation
and Missions (Amedeo Molnar); The American Frontier
and the Protestant Missionary Response (Sydney E. Ahlstrom),
worin hauptsächlich die Arbeit unter den Einwanderern behandelt
wird; Home Missions in the United States of America
(Robert T. Handy); The Missionary Attitüde of thc Confessing
Church under National Socialism (Gerhard Brennecke), wobei man
sich fragt, warum nicht als Beispiel des Kirchenkampfcs Holland
genommen wurde, wo er zu einem missionarischen Ertrag führte,
während er in Deutschland wieder in die Institution einmündete;
Industrial Evangelism Today (Robert B. Starbuck) aufgezeigt am
Beispiel der Gossner Arbeit in Mainz; Reflections on the History
of Christian Apologetics (Eugene R. Fairweather), worin nicht
nur eine Geschichte der Apologetik gegeben, sondern der Frage
nachgegangen wird, wie weit sie ein Gespräch des Glaubens mit
der Welt des Unglaubens war. Die Antwort ist: Mission wird
hier nicht in der Spezialisierung auf Heidenmission, sondern in
ihrem universalen Anliegen als Gewinnung der Ungläubigen verstanden
. Es wird die missionarische Dimension der Kirche in den
verschiedenen missionarischen Funktionen dargestellt. Gerade
hier brechen aber für den Missionstheologen die Fragen auf, ob
manches des hier Beschriebenen noch Mission sein kann, bei der
immer eine Grenzüberschreitung, wenn nicht geographisch, so
doch kulturell stattfinden muß; ob nicht Mission und Evangelisa-
tion vermischt sind? Andererseite ist es wichtig, daß der Kirche
die Ausrichtung auf die gesamte Welt des Unglaubens vermittelt
wird.

Aus der übrigen Fülle der Aufsätze möchte ich nur solche
herausgreifen, die mir um ihrer speziellen Erkenntnisse willen
wichtig erscheinen. Es sind zwei Reihen: a) Für den historisch
interessierten Leser: The Break between Christianity and Judai6m
and ite Implications för the Mission of thc Church (Gösta Lindes-
kog), worin der Frage nachgegangen wird, wie die junge Kirche
durch Paulus die nationale Beschränktheit durchstieß und zur
Kirche für die Völker wurde. A. Mandouze. The Church and thc
Collapse of thc Roman Civilization, behandelt die Frage, wie die
Kirche die Stürme der Völkerwanderung überstand, sich in Rom
als das Jerusalem erwies, in dem die Völker Ordnung und den
Gottcsglauben kennen lernten und von dem die Boten hinausgingen
'in die nichtchristliche Welt, so daß sie das einigende Band
<fcr damaligen Welt wurde. John Forster, The Triumphs and
Failures of the Church of the East, stellt in einer sehr eingehenden
Arbeit die Ausbreitung der Nestorianischen Kirche durch die
wandernden Mönche und Kaufleute dar, deren Stärke und
Schwäche es war. daß sie immer die Protektion der einheimischen
Herrscher suchte. Laurencc E. Browne. The Failure of Christianity
under Muslim Rulc, behandelt vor allem die Syrischen Kirchen,
die, um Verfolgungen zu entgehen, sich von der Weltkirche trennten
, sich aus denselben Gründen den Mohammedanern unterstellten
, durch ihre Irrlehren keine Botschaft hatten und so allmählich
untergingen. Während sie sich unter der Verfolgung ausbreiteten
, sind sie unter der Duldung durch die Mohammedaner
verschwunden. Sehr aufschlußreich sind für uns protestantische

Leser die beiden Aufsätze: John Mcyendorff, Orthodox Missions
in the Middle Ages und N. Struve, The Orthodox Church and
Mission, b) Die gegenwärtige Problematik der Mission beschreiben
folgende Arbeiten: M. A. C. Warren, Why Missionary Socic-
ties and not Missionary Churches. Warren behandelt die Entstehung
der Missionsgesellschaften historisch und sieht gerade im
Zeitalter der Integration ihre Aufgabe darin, die ganze Kirche zur
Mission zu führen. Sherwood Reisner, Protestant Mission in
Latin America Today, macht uns mit der Entstehung und mit der
Problemfülle der „jungen Kirchen" in Südamerika bekannt.
Hendrik Kraemer, The Missionary Implications of the End of
Western Colonialism and thc Collapse of Western Christendom,
weist in einer gründlichen Arbeit nach, wie gerade in dieser neuen
Situation große Möglichkeiten verborgen liegen, die allerdings
nur von einer Kirche mit missionarischer Gesamthalrung genutzt
werden können. V. E. Devadutt, From Missions to Younger Churches
, stellt die historische Entwicklung des Problems dar mit dem
Ziel der Einheit von Mission und junger Kirche. Paul David
Devanandan, The Shock of Discovery of World Religions, gibt
uns eine klare Analyse des Wiedererwachens der Weltreligionen
und ihrer Haltung gegenüber dem Christentum. Stephen Neil
behandelt The Missionary Movement and thc Ecumenical
Movement.

Das Buch wird eingeleitet durch eine grundsätzliche Betrachtung
über die Bedeutung der Kirchengeschichte von Philippe
Maury, worin er als Zweck des Buches angibt: „Seine Aufgabe
ist es, unsern Lesern und besonders solchen, die für das Programm
(des christlichen Studentenweltbundes) eintreten, den wesentlichen
geschichtlichen Hintergrund für ihr Studium des Lebens und
der Mission der heutigen Kirche zu geben." Das dürfte in diesem
Buch gelungen sein. Der kritische Leser wird wohl in dem Buch
nicht alles finden, was er erwartet. Er wird auch bei manchen
Urteilen Fragezeichen haben (es ist unmöglich, diese bei einem
solchen Sammelwerk herauszustellen), er wird aber das Buch
nicht ohne Bereicherung lesen.

Ncuendetlelsau Georg F. Vice dorn

Rajarigam, Dcvanesan: Christliche Literatur in der Tamilsprache.

Übers, u. bearb. v. H.-W. Gensichcn. Gütersloh: G. Mohn
! 1961 ]. 56 S. 8° = Beiträge z. Missionswissenschaft u. evang. Religionskunde
. 7. und Berlin: Evang. Verlagsanstalt [^961],

Der Verf.. ein Tamule, i6t Principal der theol. Schule
„Gurusala" in Tranquebar/Südindien. Die vorliegende Studie hat
er 1957 dem Pacific Lutheran Seminary in Berkely/Califoraien
als Dissertation zur Erlangung des Grades eines Master of Theo-
logy vorgelegt. Dem Übersetzer und Bearbeiter, Prof. Gensichen,
und den beiden Verlagen gebührt dafür Dank, daß diese Arbeit
eines Inders über ein so wichtiges Sachgebiet einem weiteren
Kreis zugänglich gemacht worden ist. Denn diese Arbeit hat es
nicht nur mit dem Echo auf die aufgenommene Botschaft zu tun,
und im 19. Jhdt. hat es dort mehr als 200 christliche Tamil-
Dichtcr gegeben, sondern ihr Hauptteil und ihr Hauptwert liegen
in der theol. Untersuchung der „christl. Botschaft im tamulischen
Gewand" (26 fl ).

Die Einleitungskapitel orientieren gut über die (dravidische)
Tamilsprache und über den starken Einfluß der Missionen („Erst
die Einführung der Prosa durch die Christen, die westlichen und
die indischen, wies den Weg zur Popularisierung der Schriftsprache
und machte die Prosaliteratur auf allen Gebieten heimisch
", S. 13). Der Neuling auf diesem Gebiet, und zu dieser
Gattung gehören auch viele aufs Sanskrit spezialisierte Indolo-
gen, wird erstaunt sein, wenn er im 2. Kapitel liest, was alles
von katholischen und von evangelischen Missionaren auf dem
linguistisch-literarischen Gebiete geleistet worden ist (wiewohl
keineswegs alles aufgeführt ist), daß die ersten Druckereien
Missionsdruckereien waren, daß es Bibelübersetzungen in 98 indischen
Sprachen gibt und welch ein Maß von Mühe und Arbeit
auf diese Übersetzungsarbeit verwandt worden ist. Die theologisch
weittragende Bedeutung allein des rechten Gottesnamens
wird schon daran deutlich, daß jede der vier großen tamulischen
Bibelübersetzungen ein anderes Wort für „Gott" gebraucht
(S. 26, 27).