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Ausgabe:

1961 Nr. 12

Spalte:

952-954

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Bell, George K. A.

Titel/Untertitel:

Die Königsherrschaft Jesu Christi 1961

Rezensent:

Slenczka, Reinhard

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Theologische Literaturzeitung 1961 Nr. 12

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zu schaffen, das selbständig neben das herkömmliche römische
Firmungssakrament treten sollte.

Die Darstellung der Entwicklung der Konfirmation auf evangelischem
Boden unter dem Einfluß des Pietismus, der Aufklärung
und des Rationalismus ist der beachtlichste Abschnitt der vorliegenden
Arbeit. Ganz deutlich haben wir es hier mit der Geschichte
der Entartung der evangelischen Konfirmation zu tun.
Wenn die Hauptfrage darin besteht, was der einzelne Konfirmand
leisten soll, kommt man gar leicht zu ungesunden Übertreibungen
. Das schlagendste Beispiel ist der „Religionseid" in gewissen
Konfirmationsformen des 18. Jahrhunderts. Es ließ sich
aber nicht vermeiden, daß die innere Unwahrhaftigkeit im überbetonten
Gelöbnismoment der Konfirmation immer deutlicher
wurde. Sollen nämlich die Gelübde eines persönlich erworbenen
Glaubens im Interesse der Wahrheit geschwächt oder gar gestrichen
werden, 60 wird hiermit die pietistisch motivierte Konfirmation
ihres Inhalts beraubt. Angesichts der Scheu vor dem Liturgischen
und „Sakramentalen", die der Verf. hegt und die auf
reformiertem Boden vielleicht natürlich ist, erscheint es äußerst
schwer, sich eine Möglichkeit der Neugestaltung der Konfirmation
zu denken, die in irgendeiner Art Kontinuität mit ihrer früheren
Geschichte stünde. Am ehesten gehen hier die Gedanken in der
Richtung einer Aufteilung der Konfirmation einerseits in eine
Zulassung getaufter Kinder zum Abendmahl, und zwar in niederem
Alter als jetzt, anderseits in einen exklusiveren Akt, eine
Art Laienordination derer, die der Kirche aktiv dienen wollen.
Eines der Hauptinteressen Vischers ist es, daß die katechetische
Aufgabe der Kirche mit der Konfirmation nicht in dem Sinn verquickt
werde, daß man sie für erfüllt hielte, sobald die Jugend
konfirmiert wurde. Die Kirche sollte notwendigerweise geeignete
Formen für eine fortgesetzte Unterweisung finden.

Abo/Finnland Helge Ny man

Bodo, John R.: The Pastor's Role as Prophet.

Theology Today 18, 1961 S. 172—179.
L e s 1 i e, Robert C.: Die Zusammenarbeit von Psychotherapeut und

Seelsorger in den USA.

Wege zum Menschen 13, 1961 S. 224—229.
S t ä h 1 i n, Rudolf: Vergebung als Heilung.
Wege zum Menschen 13, 1961 S. 209—224.

MISSIONSWISSENSCHAFT UND ÖKUMENE

H o f i n g e r, Johannes (Hrsg.): Mission und Liturgie. Der Kongreß
von Nimwegen 1959. Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag [i960].
206 S. 8°. Kart. DM 14.80.

Das Buch enthält einen kurzen einführenden Bericht über
die erste internationale Studienwoche über Mission und Liturgie
und die dort gehaltenen Vorträge. Es bringt eine Fülle von
Informationsmaterial und macht un6 mit dem brennendsten Problem
bekannt, das heute geradezu zur Schicksalsfrage der Kirchen
in Afrika und Asien geworden ist: Wie kann die Kirche wirklich
einheimisch werden? Es stellt sich uns hier als eine Existenzfrage
der römisch-katholischen Kirche außerhalb des abendländischen
Kulturraumes dar. Wie weit kann die römisch-katholische Kirche
ihre Gottesdienstform den Bedürfnissen der Mission, dem Verlangen
der jungen Christen nach einem eigenen Ausdruck der
Frömmigkeit, dem Wunsch des Gebrauches der eigenen Sprache
und der eigenen Musik anpassen? Wie lange noch sollen Afrikaner
und Asiaten stumme Teilnehmer in den Gottesdiensten
sein, die Messe in lateinischer Sprache oder als stumme Messe wie
einen magischen Ritus über sich ergehen lassen? Es ist bezeichnend
, daß in den Verhandlungen die westlichen Bischöfe zur
Geduld mahnen und die Einheit der Kirche auch in der einen
Gottesdienstform garantiert sehen, während die Missionsbischöfe
unter Anlehnung an die vortridentinische liturgiegeschichtliche
Entwicklung leidenschaftlich die Gleichberechtigung der lokalen
Sprachen und der einheimischen Musik im Gottesdienst fordern
(36, 86 f.). Ein weiteres Problem ist, daß die römisch-katholische
Kirche im Grunde nur die Messe als Gottesdienst kennt,
deren Feier immer den Priester erfordert, während im Missionsgebiet
Gottesdienste notwendig werden, die auch von Laien abgehalten
werden können. Im Zusammenhang mit diesen beiden

Problemen werden die liturgischen Fragen der einzelnen Länder
dargestellt, die Bedeutung der Sakramente und der Kasualien besprochen
. Aus den einzelnen Vorträgen geht hervor, welche Fülle
von Meinungen in der römisch-katholischen Kirche möglich sind.
Es ist dabei wohltuend, daß der Leser auf keine mariologische
Theologie stößt. In den Darlegungen treten zwei Begriffe auf,
deren Verwirklichung im Blick auf das Ziel der Mission, die Welt
Gott zuzuführen (12) und die Seele der Völker dem Christentum
zu öffnen (20), notwendig ist: Adaption und Akkommodation.
Während Adaption die Angleichung des Gottesdienstes an das
menschliche Auffassungsvermögen meint und damit etwas sehr
Richtiges gefordert wird, verlangt Akkommodation den Aufbau
des christlichen Gottesdienstes analog der nichtchristlichen Feiern
und geht damit weit über das hinaus, was im Ritenstreit als anstößig
galt (z. B. 152 ff.). Im Grunde liegt diese Forderung aber
nur in der Konsequenz römisch-katholischer Theologie; denn
wenn das vorgefundene religiös-philosophische Denken die Vorstufe
für die Theologie, die Natur die notwendige Grundlage
für die Gnade sein kann (62), dann können auch die religiösen
Formen von der Kirche geheiligt werden (24). Man muß sich
aber fragen, ob nicht das Evangelium gerade die magische Denkschicht
durchstoßen möchte, um den jungen Christen zu einer
echten Anbetung zu verhelfen.

Neuendettelsau Georg F. V i c e d o m

Bell, G. K. A.: Die Königsherrsdiaft Jesu Christi. Die Geschichte
des Ökumenischen Rates der Kirchen. Aus dem Englischen übertragen
v. R. Dohrmann. Mit einem Nachtrag üb. d. Entwickig. d. ökumenischen
Rates d. Kirchen v. 1954—1957 v. Rev. F. House. Vorwort
d. deutschen Ausgabe v. A. Wischmann. Hamburg: Reich 1960.
209 S. kl. 8°. Kart. DM 6.-.

Das 1954 unter dem Titel „The King6hip of Christ" in
einer Taschenbuchserie erschienene Buch des 1958 verstorbenen
Lordbischofs von Chichesrer erfüllt eine zweifache Aufgabe.
Einerseits bietet es einen 6ehr anschaulichen Überblick über die
Arbeit und die Aufgaben des Ökumenischen Rates, und andrerseits
schließt es eine bisher noch offene Lücke in der ökumenischen
Literatur. Neben der umfangreichen „Geschichte der ökumenischen
Bewegung" von Ruth Rouse und Stephen Neill, die
den Zeitraum bis zur Gründung des ökumenischen Rates 1948
behandelt, fehlte es an einer Darstellung der neueren Entwicklung
. In der englischen Ausgabe wurde die Zeit vom zweiten
Weltkrieg bis kurz vor der zweiten Vollversammlung des
Ökumenischen Rates in Evanston 1954 behandelt. Die deutsche
Ausgabe ist darüber hinaus durch zwei weitere Kapitel des Beigeordneten
Generalsekretärs des ökum. Rates, Rev. Francis
House, auf den neusten Stand bis 1957 gebracht.

Der Titel des Buches, die Königsherrschaft Jesu Christi, ist
ein Hinweis auf den heilsgeschichtlichen Rahmen, in den der
Verf. Wesen und Wirken des Ökumenischen Rates einordnet —
es ist der Versuch einer theologischen Deutung der ökumenischen
Arbeit. In großen Zügen, aber oft auch bis in kleine De-
tails werden dann die Linien skizziert, die seit 1948 im ökumenischen
Rat zusammengefaßt und fortgeführt werden. So entsteht
ein recht komplexes Bild ökumenischer Aktivität, in dem
alle Fragen berührt werden, mit denen sich die Gliedkirchen und
die verschiedenen Abteilungen und Kommissionen des Ökumenischen
Rates zu beschäftigen haben. Wichtige Dokumente werden
in Auszügen zitiert oder referiert.

Das besondere Kolorit bringt aber erst die persönliche Verbundenheit
des Verfassers mit der ökumenischen Bewegung.
Bischof Bell, in Deutschland auch aus der Zeit des Kirchenkampfes
bekannt, war u.a. seit 1948 Vorsitzender des Zentral-
und Exekutivausschusses und wurde in Evanston 1954 zum
Ehrenpräsidenten des ökumenischen Rates gewählt. Ihm ist auch
die Sammlung der „Documents on Christian Unity" zu danken.
So ist das Bändchen weitgehend auch ein Erlebnisbericht, in dem
über die dokumentarischen Quellen hinaus Aspekte der ökumenischen
Arbeit geschildert werden, die einem Außenstehenden
nicht ohne weiteres zugänglich 6ind. Es ist geradezu überraschend,
wie in prägnanter Kürze die erstaunliche Vielfalt ökumenischer
Bemühungen dargestellt wird. Der Schwerpunkt liegt dabei vor