Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1961 Nr. 11

Spalte:

860

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Vicedom, Georg F.

Titel/Untertitel:

Die Taufe unter den Heiden 1961

Rezensent:

Lehmann, Arno

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

859

Theologische Literaturzeitung 1961 Nr. 11

860

MISSIONSWISSENSCHAFT WD ÖKUMENE

Mulders, Alphons: Missionsgeschichte. Die Ausbreitung des katholischen
Glaubens. Aus dem Niederländischen übers, v. Johannes
Madey. Regensburg: Pustet [i960]. 53 5 S. gr. 8°. Lw. DM 36.—.

Während wir im deutschen evangelischen Raum seit dem
großen Werk von Julius Richter keine umfassende Missionsgeschichte
mehr haben, sind in der letzten Zeit in der römischkatholischen
Kirche neben vielen Einzel- einige Gesamtdarstellungen
erschienen. Es handelt sich bei dem vorliegenden Werk
um die Übersetzung der von dem holländischen Missionswissenschaftler
herausgegebenen ,,Mi6siegeschiedenis". Man kann dem
Verfasser nur zu seinem Mut gratulieren, in dieser tumultuari-
schen Zeit, die die Mission in ihren Problemen gefangen hält,
unter reicher Verwendung der einschlägigen Literatur ein solches
Standardwerk zu schaffen. Es ist eine Geschichte der Ausbreitung
des Christentums seit den Tagen der Apostel, die auch dem
Kirchengeschichtler von großer Hilfe sein wird. Die Folge ist
allerdings, daß die neueren Missionsperioden verhältnismäßig
kurz dargestellt werden mußten. Wir haben in dem Werk eine
vom römisch-katholischen Standpunkt aus 6ehr objektive Darstellung
, die auch an der Arbeitsweise der eigenen Kirche Kritik
übt. Das Buch ist in Zahlenangaben im Gegensatz zu anderen
Darstellungen sehr zurückhaltend, wo mehrere statistische Angaben
vorliegen; wird fast durchweg immer die niedrige gewählt.
Im Vergleich zu evangelischen Gesamtdarstellungen ist das Werk
sehr reichhaltig, weil wir auch über Gebiete informiert werden,
die in der evangelischen Mission keine Bedeutung hatten oder
sie erst gewinnen, wie z. B. Südamerika oder die Philippinen. An
dem Buch ist nur zu bedauern, daß es neben den Personen- und
Autorenregistern nicht auch Orts- und Sachregister aufweist.

Mulders versucht unter sechs Hauptteilen den ganzen Stoff
zu verarbeiten. A) Die Missionierung im christlichen Altertum,
wobei wir auch über die Anfänge des Christentums in Pensien,
Indien, Äthiopien, Arabien, Armenien und Georgien unterrichtet
werden. B) Die Mission im Mittelalter, 5.—14. Jahrhundert, worin
zunächst die Missionierung der germanischen Völker, dann die
Ausbreitung der Kirche in Persien, unter den Mongolen, China,
und die Missionsversuche unter den Mohammedanern behandelt
werden. C) Die Zeit des königlichen Patronats, 15.-16. Jahrhundert
, worin die Geschichte der Entdeckungen, die Mission in Verbindung
mit der Kolonisation, die Probleme, wie sie sich aus dem
portugiesischen Patronat ergaben, beschrieben werden, wobei man
den Eindruck hat, daß der Verfasser durch die Arbeiten von
K. M. Panikkar u. a. noch keine Hemmungen bekommen hat,
Mission und Kolonisation in dieser engen Verbindung darzustellen
. D) Die ersten zwei Jahrhunderte nach der Errichtung der
S. Congregatio De Propaganda Fide (1622). Hier erfahren wir
von den großen Schwierigkeiten der Zusammenordnung der
Missionsarbeit unter einheitlicher Leitung, von den Konflikten
mit den beiden großen Kolonialmächten der damaligen Zeit. Der
Ritenstreit wird ausführlich behandelt und der Fortgang der Arbeit
beschrieben. E) Das Aufleben der Missionsarbeit im neunzehnten
Jahrhundert. In diesem Teil werden die neue Ausbreitung
, das Wachstum, die Schwierigkeiten in der modernen
Missionsperiode dargelegt. F) Die Ausbreitung der Kirche im
zwanzigsten Jahrhundert, worin hauptsächlich das Ergebnis der
Missionsarbeit in Verbindung mit der ganzen Missionsproblematik
behandelt wird. Jeder dieser Hauptteile ist mit einer Einleitung
versehen, worin sowohl die tragenden Kräfte als auch das
Gemeinsame der Ausbreitung dargestellt werden. In allen Teilen
wird deutlich, wie oft die enge Verbindung mit den Regierungen
und das falsche Vorbild der abendländischen Christen der Arbeit
mehr geschadet als genützt hat.

So sehr man sich als evangelischer Leser an dieser Missionsgeschichte
freuen kann, so wird man doch eine gewisse Bedrük-
kung nicht los. Das Buch ist ganz unter dem Gesichtspunkt geschrieben
, daß die römisch-katholische Kirche die Kirche ist.
Das verführt aber nun den Verfasser zu einer gewissen inneren
Unwahrhaftigkeit. Das Werk trägt den Untertitel: Die Ausbreitung
des katholischen Glaubens. Es beschreibt die Ausbreitung
der gesamten Kirche in den ersten vierzehn Jahrhunderten, also

auch die Mission der schismatischen Kirchen, wie die der Nestori-
aner, wobei allerdings unter B. die nestorianische Ausbreitung in
China erst nach Darstellung der Missionsversuche Roms behandelt
wird, obwohl die römischen Sendboten überall 6chon Nesto-
rianer vorfanden. Trotz dieses universalen Ansatzes bricht dann
in C diese Linie ab, und der Verfasser beschränkt sich auf die
Darstellung der römisch-katholischen Mission. Die protestantischen
Missionen werden nur erwähnt, wo sie für die Entwicklung
der eigenen Arbeit wichtig waren. Sie treten nicht einmal
dort in Erscheinung, wo die römischen Sendboten in ausgesprochen
protestantischen Missionsgebieten die Arbeit aufgenommen
haben, oder wo sie auch für die römisch-katholische Arbeit das
Programm geschaffen haben, wie bei der Schularbeit in Indien,
oder bei der Darstellung der Entwicklung der Missionswissenschaft
. Nun ist es zu verstehen, wenn ein römisch-katholischer
Missionswissenschaftler sich auf die Arbeit der eigenen Kirche
beschränkt, aber wenn er von der Ausbreitung des katholischen
Glaubens redet und dabei die schismatischen Kirchen einbezieht,
dann hätte man erwarten dürfen, daß er den protestantischen
Kirchen mindestens auch soviel katholischen Glauben zugesteht,
wie den Nestorianern. Dafür werden aber rein protestantische
Gebiete als Missionsgebiete behandelt. Da6 Buch hätte besser
den Untertitel „Die Ausbreitung der römisch-katholischen Kirche"
getragen. Ein großer Raum in ihm wird auf die Einrichtung der
Hierarchie verwendet. Die großartige zentrale Leitung der Arbeit
durch die Kurie wird gebührend gewürdigt. An dem allen wird
aber deutlich, daß es dem Verfasser nicht so sehr um die Ausbreitung
des Evangeliums als vielmehr um Verbreitung der
römisch - katholischen Kirche geht. Darum werden auch die
Unionsversuche unter den schismatischen Kirchen mit einer
Selbstverständlichkeit ohnegleichen als Missionsarbeit dargestellt
und die oft nicht ruhmreiche Unionsgeschichte, wie z. B. die der
Thomaschristen mit wenigen Sätzen behandelt, wobei nur das
Ergebnis angegeben wird. Während 6onst alle tüchtigen Missionare
und Bischöfe genannt werden, wird in diesem Fall der
Name Alexis de Meneges, der der römisch-katholischen Kirche
rund 100 000 Christen zugeführt hat, verschwiegen. Ähnliche
Schwächen des Werkes gäbe es noch mehr zu nennen. Wenn z. B.
der französischen Regierung in Madagaskar nachgesagt wird, im
zwanzigsten Jahrhundert die Protestanten protegiert zu haben, so
erfährt man nichts davon, daß von 1896—1905 dieselbe Regierung
durch Ausgabe der Parole: französisch ist katholisch, die Arbeit
der protestantischen Missionen so erschwerte, daß diese nur
noch durch die Pariser Mission gerettet werden konnten.

Diese Mängel sollten jedoch der Verbreitung des Buches
keinen Eintrag tun; denn es kann jedem, der sich bemüht, die
Missionsarbeit der römisch-katholischen Kirche und die in ihr
wirkenden Kräfte kennen zu lernen, von großem Nutzen sein.
Neuendettelsau Georg F. Vice dorn

Vice dorn, Georg F.: Die Taufe unter den Heiden. München: Kaiser
1960. 52 S. 8°. DM 2.—.

Gerade in der Tauffrage zeigt es sich, daß es kein Auseinanderfallen
von Mission draußen und Kirche daheim gibt. Man
erkennt das schon an den Kapitelüberschriften: Die Nicht-
christen wissen um den Sinn der Taufe — Ohne Taufe ist man
kein Christ — Die Taufe fordert den ganzen Menschen — Die
| Taufe schenkt das andere Leben — Durch die Taufe entsteht die
neue Gemeinschaft — So wird getauft! — Die Taufe bestimmt
I das Leben — Auch Kinder dürfen getauft werden. Mit Belegung
| von Beispielen aus der missionarischen Praxis wird, wenn auch
I in großer Kürze, der ganze Fragenkreis durchschritten: Taufe als
reales Geschehen, ihr Entscheidungscharakter, das neue Leben
und der neue Name (wozu zu S. 26 zu sagen ist, daß schon im
alten Trankebar-Taufregister 99 % aller Namen tamulische Namen
sind), die Abrenuntiation, das Taufgedächtnis, Befreiung von
der Furcht vor dem Tode u. a.

Umfang und Anlage dieser Schrift lassen erkennen, daß sie
i geschrieben wurde, um in weiten kirchlichen und vor allem
volksmissionarischen Kreisen gelesen zu werden und um den
Blick beim Taufgespräch zu weiten.

Halle/Saale Arno Lehmann