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Ausgabe:

1961

Spalte:

216

Kategorie:

Liturgiewissenschaft, Kirchenmusik

Autor/Hrsg.:

Heber, Johannes

Titel/Untertitel:

Lob der Dreieinigkeit 1961

Rezensent:

Haufe, Friedrich

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215

Theologische Literatuizeitung 1961 Nr. 3

216

Die zweite Untersuchung von Dietrich Brennecke gilt dem Hohen-
lohischen Gesangbuch von 1629 und Johannes Jeep. Als Bausteine für
eine noch zu schreibende Geschichte des evangelischen Gesangbuchs
sind derartige Einzeluntersuchungen zur territorialen Gesangbuchgeschichte
unentbehrlich. Darüber hinaus stellt gerade dieses GB. eine
Choralsammlung von hohem eigenem Wert dar. Man wird zugleich an
diesem dankbaren Objekt in die Fragen der Choralbearbeitung eingeführt
.

Im Abschnitt „Kleine Beiträge und Miszellen" sind alle vier liturgischen
Stücke wirklich wesentlichen Themen gewidmet. In seiner kritischen
Auseinandersetzung mit Erich Roths „Geschichte des Gottesdienstes
der Siebenbürger Sachsen" versucht K. Reinerth die Grenzen
dieses Werkes durch Berichtigungen und Weiterführung seiner Ergebnisse
zu überwinden und weist dabei noch ungelöste Aufgaben der
künftigen Forschung auf. — Wenn B. Klaus die kurbrandenburgische
Kirchenordnung Joachims II. behandelt, so geht es ihm zunächst um
den Nachweis, wie sehr diese KO. theologisch der auch von Luther innegehaltenen
Linie liturgischer Arbeit entspricht. Bei der Bedeutung, die
dieser „ökumenische Typ" des reformatorischen Gottesdienstes für die
Geschichte des lutherischen Gottesdienstes überhaupt besitzt, ist es
wichtig, daß im einzelnen gezeigt wird, wie die Reformen hier nur den
Canon Missae betrafen, sonst aber die Messe mit ihren Lektionen, Gebeten
und Lobgesängen unverändert ließen. — In seinem Aufsatz „Die
Offene Schuld als Rüstgebet der Gemeinde" verfolgt F. Schulz vor
allem jene Entwicklungslinie, in welcher das Confiteor des Priesters
durch die Offene Schuld als Rüstgebet der Gemeinde ersetzt und zum
festen Stück der Liturgie wird. Das Ziel seiner Untersuchung äußert er
in dem Wunsch: „Reformiertes und lutherisches Erbe könnten sich in
dem selbständigen, den Gottesdienst einleitenden Rüstgebet finden, das
also mit behutsamer Energie wiederhergestellt werden sollte". Wer es
mit dem Rez. als das Gegebene empfindet, daß die Gemeinde nicht un-
gerüstet sich anschickt, im Gottesdienst dem Gegenwärtigen zu begegnen
, wird dieses Ziel ganz entschieden bejahen I — Bei den Bestrebungen,
das liturgische Psalmengebet in unseren Gemeinden wieder heimisch zu
machen, belastet viele von uns die Tatsache, daß wir die Ergebnisse
historisch-kritischer Forschungsarbeit am Psalter nicht einfach über
Bord werfen können, wenn wir Psalmen beten wollen. Mit diesem Problem
setzt sich B. Klaus in dem Aufsatz „Das liturgische Psalmengebet
im Spannungsbereich der kritischen Exegese und kirchlichen Interpretation
" auseinander. Er fordert, daß man das Psalmengebet weder aus
der Liturgie entfernen, noch aber nur im traditionellen Stil agendarisch
verordnen dürfe; dem praktischen Gebrauch müsse eine gründliche
theologische Besinnung vorausgehen, die allein die Voraussetzung
dafür schaffen kann, dem Psalmengebet im Gottesdienst auch unter dem
Gesichtspunkt voller Wahrhaftigkeit sein Heimatrecht zurückgeben zu
können.

Sehr reichhaltig sind diesmal die Beiträge zur Hymnologie.
W. Lipphardt stellt in einem vorbildlichen kritischen Verfahren die
Weise des ältesten deutschen Weihnachtsliecks wieder her. Im Anschluß
an K. Amelns Abhandlung über „Es wolle Gott uns gnädig sein"
(JbLH III. S. 105—108) führt M. Jenny die Diskussion über Entstehungszeit
und Herkunft der Straßburger Lutherweisen fort, während K. Ameln
seinerseits in einer Reihe von Thesen zeigt, daß diese Diskussion noch
nicht als beendet angesehen werden darf. S. Fornacon stellt als das
Geburtsjahr Nikolaus Hermanns eindeutig das Jahr 1500 fest. Derselbe
Verfsser zeigt an der Weise des 42. Psalms die lebendigen Zusammenhänge
auf, in welchen der Genfer Psalter nach rückwärts und vorwärts
steht. Weitere Arbeiten gelten der Bedeutung der XXIV Psalmen von
L. Bourgeois (P.-A. Gaillard), dem deutschen geistlichen Madrigal im
16. Jhdt. (U. Martin), dem Liedschaffen Paul Gerhardts (S. Fornacon).
W. Braun macht uns mit einem Eisenacher Begräbnis-Cantional von
Theodor Schuchardt aus dem Jahre 1653 bekannt, das sich nicht nur
durch Vielseitigkeit und Mannigfaltigkeit des Inhalts, sondern dank
Schuchardts kompositorischer Leistung durch eine imponierende Geschlossenheit
auszeichnet. Dem Gesamtwirken der Wittenberger Gesangbuchdrucker
Joseph Klug und Hans Lufft geht H. Volz nach; dem als
Musikdrucker in Mainz, Worms, Straßburg und Venedig zwischen 1512
und 1542 nachweisbaren Peter Schöffer d. J. hat als einem besonderen
Könner seines Handwerks J. Benzing eine Untersuchung gewidmet.
Welche persönlichen Fäden zwischen der Erweckungsbewegung Minden-
Ravensbergs und der in Johannes Zahn repräsentierten bayrischen
Hymnologie bestanden haben, erweist ein von W. Ehmann veröffentlichter
Brief von Johannes Zahn an Eduard Kuhlo. K. Ameln gibt
einen Literaturbericht über die Nachdrucke alter Gesangbücher, Agenden
und Liederblätter in Fortsetzung des im Jahrbuch 19 56 erschienenen
ersten Teils. Gegenüber der Gefahr, die mittelalterliche Liedforschung
einer vorgefaßten und voreiligen Systematik zu unterwerfen, sind die
kritischen Bemerkungen U. Aarburgs nicht zu überhören. Literaturberichte
über die musikwissenschaftliche Diskussion zur Frage nach Herkunft
und Wesen des Fauxbourdon (G. Schmidt) und die neuen Forschungen
über Philipp Nicolai (W. Blankenburg) folgen. Im Bericht über
eine Bostoner Dissertation beschäftigt sich U. S. Leupold mit den Psalms

und Hymns im anglikanischen Gottesdienst des 16. und 17. Jahrhunderts
und kommt dabei zu dem Ergebnis, daß die vorliegende Dissertation
trotz ihres anderen Zieles den Eindruck nicht aufzuheben vermag,
daß sich das freie Kirchenlied in England vor dem 18. Jahrhundert nicht
entfaltet hat. Derselbe Verf. macht auf eine amerikanische Dissertation
über das Lied der Täufer aufmerksam, die geeignet ist, künftiger Forschung
auf diesem Gebiet eine zuverlässige Grundlage zu geben; der
musikalische Charakter des Täuferliedes ist hier überhaupt erstmals erschlossen
worden.

Eine Bitte an den Verlag sei nicht verschwiegen: Es wäre
zu wünschen, daß die wertvollen Faksimile-Tafeln, um ihren Verlust
zu vermeiden, künftig wieder fest mit eingebunden werden
möchten.

Sehr dankenswert ist es, daß die Landeskirchen durch ihre
finanzielle Unterstützung das Erscheinen auch dieses Bandes ermöglichten
. Möchten 6ie 6ich in gleicher Weise auch für die
Zukunft dazu bereit finden; denn das Jahrbuch ist inzwischen für
die evangelische Liturgiewissenschaft und Hymnologie zu einem
unentbehrlichen Arbeitsmittel geworden.

Greifswald William Nagel

Heber, Johannes: Lob der Dreieinigkeit. Berlin: Evangelische Verlagsanstalt
[1958]. 16 S. 8°. Kart. DM 1.20.

„Ökumenische Litaneien" könnte man das kleine Heft bezeichnen
, das Lic. Dr. Johannes Heber, der in einer Leipziger
Gemeinde wirkende evangelisch - lutherische Pfarrer, herausgegeben
hat. Diese liturgischen Gebete sind nicht als Schreibtischarbeit
entstanden, sondern auf Grund sehr realen Bedürfnisses
im Kriegsgefangenenlager. Evangelische und katholische Gefangene
haben in katholischer Tradition, von evangelischem
Inhalt erfüllt, sich in dieser hohen Form gottesdienstlicher Anbetung
begegnen können. Der Verfasser bietet diese ganz
schlichte und doch tiefe Gabe inneren Kreisen und zu besonderen
Gelegenheiten Zusammengekommenen an als eine am Altar erprobte
Hilfe. Der Preis des Heftdiens macht es möglich, den Teilnehmern
die Texte in die Hand zu geben, so daß die Litaneien
in der vorgesehenen schönen respondierenden Form gebetet
werden können.

Pönitz bei Leipzig Friedrich Häuf e

Blankenburg, Walter: Haben wir ein „neues" Gesangbuch?

Musik und Kirche 30, 1960 S. 195—198.
Brodde, Otto: Das Introituslied.

Musik und Kirche 30, 1960 S. 190—194.
Brunn er, Adolf: Was erwartet die Kirche von der gottesdienstlicher»

Musik?

Der Kirchenchor 20, 1960 S. 51—53 (Beilage zu Musik und Kirche 30,
1960).

Fiala, Virgil: Missarum Sollemnia und Paschatis Sollemnia. Prof. J.

A. Jungmann zum 70. Geburtstag.

Erbe und Auftrag 36, 1960 S. 270—274.
Fornacon, Siegfried: Jan Korytansky.

Monatschrift für Pastoraltheologie 49, 1960 S. 485—490.
F o r t n e r, Wolfgang: Bach in unserer Zeit.

Musik und Kirche 30, 1960 S. 241—248.
Haag, Herbert: Orgelspiel und Orgelstil. Einige Bemerkungen zur

deutschen Orgelinterpretation der Gegenwart.

Musik und Kirche 30, 1960 S. 209—213.
H e 11 m a n n, Diethard: „Regulierte Kirchenmusik."

Der Kirchenchor 20, 1960 S. 90—92 (Beilage zu Musik und Kirche 30,

1960).

Herbst, Wolfgang: Der Endzweck. Ein Vergleich zwischen Joh. Seb.

Bach und Chr. Mariane v. Ziegler.

Musik und Kirche 30, 1960 S. 248—255.
L'Huillier, Pierre: Theologie de I'epiclese.

Verbum Caro XIV, 1960 (No. 56) S. 307—327.
Linkenbach, Kalus: Geistliche Abendmusik oder Kirchenkonzert?

Der Kirchenchor 20, 1960 S. 69—72 (Beilage zu Musik und Kirche 30,

1960).

Neunheuser, Burkhard: Die Verkündigung des Wortes Gottes in
der Liturgie.

Bibel und Kirche 15, 1960 S. 75—78.
Nussbaum, Otto: „Sancta Sanctorum".

Römische Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte
54, 1959 S. 234—246.