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1956

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Missionswissenschaft

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479

Theologische Literaturzeitung 1956 Nr. 7/8

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auszureichen, die ungewöhnliche Missions-Motivation verständlich
erscheinen zu lassen. Sollte man hier nicht (auch) von einem
offenbaren Mangel sprechen? Als Gemeindepfarrer kam John
Wesley faktisch nicht zur Indianermission, sondern nur zu gelegentlichen
Gesprächen. Darunter hat er schwer gelitten, bis hin
zum körperlichen Unwohlsein. Seine Enttäuschung darüber, daß
seine Rufe in die Heimat nach größerem Diensteinsatz ungehört
verhallten, bietet ein neues Beispiel für das peinliche Versagen
der Theologenschaft angesichts der globalen Aufgabe der Kirche.

Hall t/S. _ Arno Lehmann

Bruce, Michael: The Church of England and South India the Con-
vocations' Decisions.

The Ecumenical Review VIII, 1955 S. 42—54.
Church and Society in Japan Today.

The Ecumenical Review VIII, 1956 S. 143—153.
Holsten, Walter: Missionswissenschaft der letzten Jahre.

Theologische Rundschau 23, 1955 S. 93—205.
Kurunagala, Lakdasa: Experiments in Ceylon.

The Ecumenical Review VIII. 1955 S. 36—41.
Lackmann, Max: Das Evangelium und die Religionen. Eine Antwort
an P. Thomas Ohm.

Una Sancta 11, 1956 S. 17—24.
Lehmann, Arno: Hallesche Mediziner und Medizinen am Anfang

deutsch-indischer Beziehungen.

Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-
Wittenberg. Mathematisch-naturwissenschaftliche Reihe V, 1955 S. 117
bis 132.

Moffett, Samuel Hugh: The Church in Communist China. Footnote

on the Church in Capitalist America. Anglicans and the Church of

South India. Arab Refugees in the Near East.

Theology Today XII, 19 55 S. 375—379.
Muto, Takeshi: The Confession of Faith of the Kyodan.

The Ecumenical Review VIII, 1956 S. 200—202.
P r a 11. S. A. J.: Spiritual Conflicts in a Changing African Society.

The Ecumenical Review VIII, 1956 S. 154—162.
Rosenkranz, Gerhard: Die missionarische Gestalt der Kirche in

den gegenwärtigen Wandlungen der Weltmission.

Für Arbeit und Besinnung 9, 1955 S. 310—323.
— Missionswissenschaft als Wissenschaft.

Zeitschrift für Theologie und Kirche 53, 1956 S. 103—127.
V i s s e r' t H o o f t, W. A.: Report of the Mission of Fellowship from

the World Council of Churches to the Greek Orthodox Church in

Istambul.

The Ecumenical Review VIII, 1956 S. 188—197.
Werther, Gottfried: Die Briefe von Bartholomäus Ziegenbalg (1682
bis 1719).

Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-
Wittenberg. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe V, 1956
S. 221—226.

Theologische Dissertationen in Maschinenschrift

Abramowski, tuise: Untersuchungen zum literarischen Nachlaß
des Nestorius. Diss. Bonn 1956, VIII, 187 S.

Der erste Teil der Arbeit ist den spärlichen Überlieferungen über
den 1910 zum ersten Mal veröffentlichten Liber Heraclidis des Nestorius
gewidmet: nadi einer kurzen Übersicht über Ausgabe und Übersetzungen
des Buches werden die Angaben im Schriftstellerkatalog des
Ebed-Jesu (14. Jhdt.) und in der Vita des Mönches Bar Edta (er lebte
im 6. Jhdt.) untersucht. Schon früher ist behauptet worden, daß der
spätere Katholikos Mar Aba (540—5 52) das Buch des Nestorius mit
verschiedenen anderen Nestoriana nach Persien eingeführt habe, als er
von seiner Reise in den griechischen Westen zurückkam und es in Ni-
sibis übersetzen ließ. Aus der dortigen Schulbibliothek kennen es auch
die beiden eben erwähnten Zeugen. Wo hat Mar Aba diese Nestoriana
finden können? Die Bemerkungen des Historikers Euagrius Scholastikus
über die Auffindung der Quellen, die ihm zu seinem „Sondergut" über
Nestorius verhalfen, lassen sich so deuten, daß er nicht in seiner Heimatstadt
Antiochien an sie gelangt ist; da man von einem Aufenthalt
des Euagrius in Konstantinopel weiß, könnte man vielleicht den Fundort
dort vermuten. Ein unechtes Stüde, das Ebed-Jesu zum Corpus Ne-
storianum zählt und auch mit Mar Aba in Zusammenhang bringt, nämlich
der Brief an Kosmas (dasselbe gilt von der sog. Nestorius-Liturgie).
trägt so deutlidie Spuren seiner Konstantinopler Herkunft an sich, daß
es gerechtfertigt erscheint, wenigstens hypothetisch das ganze Corpus
Nestorianum aus K. stammen zu lassen (das hat gewisse Konsequenzen
für die Literarkritik am Liber Heraclidis, die aber im Rahmen dieser
Arbeit noch nicht vorgeführt werden konnten).

Bei Euagrius wird der Liber Heraclidis hauptsächlich durch seine
Ähnlichkeit mit der „Tragoedia" des Nestorius charakterisiert. Daher
wendet die Untersuchung sidi in ihrem zweiten und dritten Teil diesem
verlorengegangenen Buch des Nestorius zu. Zunächst wird die Titelfrage
behandelt. Dabei ergibt sich, daß der ursprüngliche Titel so un-
geschidet zum Zitieren war, daß die uns überlieferten verschiedenen
Ersatztitel auftreten; die syrische Übersetzung entschied sich für „Tragoedia
" (offenbar wurde dafür das eigentlidi so heißende Werk des
Irenaus von Tyrus umbenannt, cf. Ebed-Jesu). Am ausgiebigsten ist die
„Tragoedia" in der nestorianisdien Kirchengeschichte des Barhadbe-
sabba, eines Zeitgenossen des Euagrius, benutzt worden. Bei ihm heißt
das Buch „Apologie", vielleicht verwendet er den griechischen Text.
Dieser Titel wird überhaupt zur allgemeinen Benutzung vorgeschlagen,
da er Ton und Inhalt am besten trifft.

Die literarkritische Analyse der Kapitel 20—28 und 30 der genannten
syrischen Kirchengeschichte ergibt, daß sich weit über die schon
von R. Abramowski untersuchten ausdrücklichen wörtlichen Zitate hinaus
, die Benutzung der Apologie des Nestorius bis in einzelne Wendungen
zeigen läßt; außerdem sind lange, nidit als Zitate gekennzeichnete
Abschnitte in den laufenden Text übernommen worden. Die
Apologie ist von Nestorius erst im Exil beendet worden, aber noch vor
den Streitigkeiten des Jahres 438 (über sie verbreitet sich ein Exkurs
in Auseinandersetzung mit Devreesse). Was der Syrer von den Kämpfen

um Diodor und Theodor im 29. Kapitel berichtet, stammt aus derselben
Quelle, die bemerkenswerte Zitate schon für die Kapitel 17 und
19 über diese beiden beigesteuert hat: aus Theodorets „Apologie für
Diodor und Theodor". Parallelen zu jenen Zitaten gibt es bei Facun-
dus „Pro defensione trium capitulorum", sie erlauben, drei Gruppen
von zusammen 50 Zitaten aus dem Buch des Facundus ebenfalls auf
Theodorets Apologie zurückzuführen. Bei der Rekonstruktion der
Fragmentgruppen ist die Schrift „In defensione trium capitulorum" des
römischen Diakons Pelagius nützlich. Die Überlieferungsverhältnissc
des Quellenmaterials bei Pelagius, der wie schon Facundus und auch
Rusticus (der Konzilsakten-Redaktor) z.T. ins Latein übersetzte Sammlungen
benutzt, werden in einem Anhang untersucht, als Ergänzung zu
Devreesses Edition von „In defensione".

Aschermann, Hartmut: Die paränetisdien Formen der „Testamente
der zwölf Patriarchen" und ihr Nachwirken in der frühchristlichen
Mahnung. Eine formgeschichtliche Untersuchung. Diss. Berlin
1955, 169 S.

In der vorgelegten Arbeit sind die paränetisdien Partien der Testamente
formgesdiiehtlich untersucht und mit der frühchristlichen Par-
änese verglichen. Der erste Abschnitt erörtert die literarisdie Eigenart
der Testamente. Diese ist problematisch, da die Testamente als litera-
risches Kunstprodukt sich der verschiedensten Formen, Gattungen und
Inhalte bemächtigen. Sie gehören in die Reihe der atl. und spätjüdisdien
Absdiiedsreden. Hier findet sich weithin der gleiche Aufbau: Rahmenerzählung
, Lebensbeichte, Mahnung und prophetisches Ausblickswort.
Die kurze Behandlung dieser Stücke in den Testamenten wurde in Auseinandersetzung
mit M. De J o n g e, The Testaments of the twelve
Patriarchs, Assen 1953, durchgeführt. Dabei ist die Annahme De Jonges,
ein christlicher Verfasser habe die Testamente zu Beginn des 3. Jhdts.
n. Chr. aus jüdischen Stoffen kompiliert, als unwahrscheinlich erwiesen
worden.

In den paränetisdien Partien sind schematisch gebundene Redegänge
verwendet, die sich z. T. in den einzelnen Testamenten wiederholen
. Die Redegänge bestehen aus: a) der Einleitung, einem kurzen
Imperativ mit Angabe des Themas der Rede (Haß, Geiz o. ä.), b) der
Beschreibung von Tugend und Laster, häufig in der Form einer beschreibenden
Reihe, c) dem hierzu passenden Beispiel, meist dem Leben
eines Patriarchen entnommen, und d) der Schlußmahnung, welche
wieder von einem zusammenfassenden Imperativ gebildet ist; daran
schließt sich häufig nodi ein in Stichen gehaltenes Mahngedicht oder
eine in Konditionalsätzen geformte Weisungsreihe an. Die Art dieser
Redegänge gehört zur stilistischen Besonderheit des Verfassers der
Testamente.

Eingehend sind sodann die typisdien Reihenbildungen dargestellt.
Die negativen Reihen beschreiben stets eine Tugend (T. Iss. 4, 1—6;
T. Benj. 6, 1—6; T. Jos. 2, 4—7 u. ö.). Formgeschichtlich sind diese Reihen
aus den kultischen Katechismen des AT abzuleiten (Ps. 24, 3 f.;