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Ausgabe:

1955 Nr. 1

Spalte:

51-52

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Sicard, Harald von

Titel/Untertitel:

Ngoma Lungundu 1955

Rezensent:

Schlyter, Herman

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1955 Nr. 1

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stände: Der Apostolat. Vorbereitung. Illusionen und Mißbräuche. Die
Religion in Abessinien. Die Heirat der Priester. Liturgische Fragen.
Die Taufe. Die Ordination. Die heilige Messe. Zeremonien. Notwendigkeit
eines einheimischen Klerus. Seine Ausbildung.

Groß ist der Anteil der katholischen Mission an der Bearbeitung
wissenschaftlicher Aufgaben in Afrika. Sie gliedern sich
in naturwissenschaftliche, ethnographische und sprachliche; auch
zu kolonialen Verwaltungsfragen haben Missionare oft das
Wort ergriffen. Auf Madagaskar unterhielt die Mission ein von
der Regierung unterstütztes Observatorium und betrieb in großem
Stil andere naturwissenschaftliche Studien, z. B. Botanik
und Zoologie. Haben diese Arbeiten keine eigentliche missionarische
Beziehung, so kann man das gleiche nicht sagen von den
völkerkundlichen Forschungen, denn sie gehören zum eigentlichen
Handwerkzeug des Missionars. Noch mehr gilt das von
der Sprachforschung und der Schaffung einer Eingeborenenliteratur
. Auf diesen Gebieten stehen die beiden Konfessionen in
edlem Wetteifer, nur daß in der Herstellung von Bibelübersetzungen
die evangelische Mission einen entschiedenen Vorrang hat.

Vereinzelt sind irrtümlich Schriften katholischen Missionaren zugeschrieben
, so Rene Basset, Etudes sur l'histoire d'Ethiopie (S. 41);
Le Commandant. V. Parisot, Les Ordres Religieux Musulmans en Al-
ge>ie (S. 23); Julius Strandes, Die Portugiesenzeit von Deutsch- und
Englisch-Ostafrika (S. 600). Und einmal ist sogar ein evangelischer
Missionar dazwischen geraten; F. Coillard, Sur le Haut Zambese. Voy-
ages et Travaux de Mission (S. 590). Verfasser ist der bekannte evangel.
Missionar der Pariser Missionsgesellschaft.

Unter den sprachlichen Arbeiten fehlt eine Reihe von Werken,
die katholische Missionare oder deren Gehilfen als Verfasser haben,
z.B. der Lelemi-Reader Okideedi, Keta 1932, der Catholic Catechism
in the Lolobi Language Keta 1931, Catechismus Nr. 1 und Nr. 2 in
the Likpe Language, Keta 1931, Catechismus Nr. 1 and Nr. 2 in the
Nkunya Language, Keta 1932. Auch eine Reihe von Schriften im
Twi sucht man vergeblich.

Die Aufzählung der von katholischen Missionaren bearbeiteten
Sprachen hat insofern einen Sinn, als sie die Leistungen der
katholischen Mission ins Licht stellt; sie hat aber nur einen geringen
praktischen Wert, einmal weil sie unvollständig ist, sodann
weil sie über das ganze Buch zerstreut und in keiner Weise
geordnet ist, und drittens lassen Sprachen sich schlecht konfessionell
behandeln: linguistische Auskünfte kann man nur dort suchen
, wo die Sprachen ohne konfessionelle Scheidelinien aufgeführt
werden.

Baden D. Westermann

Sicard, H. von: Ngoma Lungundu. Eine afrikanische Bundeslade.
Uppsala: Almqvist & Wiksell 1952. 192 S. = Studia Ethnographica
Upsaliensia V. £ 3.—.

B. Sundkler hat in seinem Beitrag zur Festschrift für Knut
B. Westman 1946 hervorgehoben, daß sich große Teile der afrikanischen
Ethnographie und Religionsgeschichte auf Forschungen
gründen, die von Missionaren ausgeführt wurden. Er zeigt — um
beim Norden zu bleiben —, was der schwedische Missionar K. La-
man für das Studium der Sprachen und der Ethnographie im
Kongo bedeutete und wie sich der norwegische Missionar O. Chr.
Dahl für die Erforschung der Kulturgeschichte Madagaskars
einsetzte.

Es ist auch bezeichnend, daß die Hälfte aller Schriften in
der schwedischen Schriftenreihe „Studia Ethnographica", die von
den Professoren A. Campbell und G. Widengren und dem Dozenten
S. Lagercrantz 1950 in Uppsala begonnen wurde, von
Missionaren verfaßt ist.

Der vorliegende Teil — der 5. — ist von dem Rhodesien-
Missionar Harald von Sicard geschrieben, während andere Teile
die Kongo-Missionare Dr. K. Laman und Dr. Efraim Andersson
zum Verfasser haben.

Bertil Lundman schreibt in der schwedischen Missionszeitschrift
1947 (Heft 4), daß man nicht von allen Missionaren eingehendere
Kenntnisse in der Ethnographie und Anthropologie
fordern kann, aber daß jede Mission zum mindesten einige theoretisch
ausgebildete Köpfe haben muß. Zu den wichtigsten Hilfswissenschaften
der Missionswissenschaft rechnet er vor allem die
Ethnographie und die Anthropologie.

Die Mission der schwedischen Kirche besitzt gerade in Harald
von Sicard einen Missionar von jenem Schlage, den Lundman
so dringend sucht. Sicard, eigentlich ein Balte, der im Zusammenhang
mit dem ersten Weltkrieg nach Schweden gekommen war,
ist Missionar in Süd-Rhodesien. Dort begann die schwedische
Kirche ihre Mission im Jahre 1903; sie konnte also im vergangenen
Herbst ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiern, v. Sicard hat
während eines 25jährigen Studiums von Sprachen, Sitten, Religion
und Kultur unter den Stämmen in Süd-Rhodesien viele für
die Wissenschaft wichtige Entdeckungen gemacht. Er gehört auch
seit vielen Jahren zu den fleißigsten Mitarbeitern an der wichtigsten
periodischen Veröffentlichung der schwedischen Missionswissenschaft
, der „Schwedischen Missionszeitschrift" (Svensk
Missionstidskrift). Hier oder in Form kleinerer Schriften veröffentlichte
er eine Reihe wertvoller Aufsätze über das Menschenbild
, die Ethik, die uralte Religion usw. der Karangas. Er ist sicherlich
der hervorragendste Kenner des religiösen und sozialen
Lebens und der Geschichte und Sprache der Karangas in der Gegenwart
.

Seine außergewöhnlichen Kenntnisse dieser Dinge hat er
teilweise, aber doch nicht in dem Ausmaße, das wünschenswert
wäre, in oben genanntem Werk veröffentlicht. Das Buch ist eine
vergleichende Studie zwischen der alttestamentlichen Bundeslade
und den Ngoma lungundu, den Königstrommeln.

v. Sicard hat ein reiches und wertvolles ethnographisches
und religionsgeschichtliches Material gesammelt. Vielleicht hat er
nicht soviel aus dem Vergleich herauseeholt, was als evident angesehen
werden kann. Ein sehr ergiebiees Kapitel — vielleicht
das beste des Buches — ist das über „Lemba". Darin werden viele
Einzelheiten aus alten Quellen über dieses geheimnisvolle Volk
geboten. Auch sein Material über die Königstrommeln und deren
Beziehungen zu den Erzvätern ist bedeutungsvoll.

So hat sich v. Sicard durch sein opus magnum zu jenen Afrika
-Missionaren gesellt, die der Ethnographie große Dienste
geleistet haben. Dadurch, daß das Werk in deutscher Sprache geschrieben
ist, ist es der internationalen wissenschaftlichen Forschung
zugänglich geworden.

Lund Herman Sehlyter

Referate über theologische Dissertationen in Maschinenschrift

Affemann, R.: Die sich aus dem neutestamentlichen Menschenbild
ergebende Seelsorge und ihre Ausübung in unserer Zeit. Diss.
Mainz 1952.

Die evangelische Seelsorge ist in ihrem Wesen und in ihrer Ausübung
durch das von ihr vorausgesetzte Menschenbild des NT bestimmt.
Zum Unterschied von der Mannigfaltigkeit des ntlichen Kerygma, etwa
in der Christologie, besteht zwischen den einzelnen Verkündigungsformen
des NT in der Anthropologie sachlich fast völlige Übereinstimmung
. Der hellenistisch-dualistische Sprachgebrauch hat bei der Entstehung
des ntlichen Menschenbildes fast durchweg nur einen formalen,
nicht materialen Einfluß ausgeübt. Dagegen ist das ntliche Menschenbild
unter der Einwirkung des atlichen entstanden. Die am häufigsten auftretenden
anthropologischen Termini wie kardia, psyche, pneuma, nous
auf der einen Seite, sowie sarx und soma auf der anderen Seite bezeichnen
keine Teile, Prinzipien oder Organe des Menschen, sondern
unter einem bestimmten, von Terminus zu Terminus verschiedenen Gesichtspunkt
den Menschen als Ich, das im Gegenüber zu Gott lebt. Die
Seelsorge hat es nun mit einem Menschen zu tun, der in allen seinen
Weisen zu sein (kardia, psyche usw.), sich von Gott entfernt hat. Sie
hat also nicht einen gottnahen Teil in ihm zu pflegen, sondern den
ganzen Menschen in die Gemeinschaft mit Gott zurückzuführen bzw. ihn
darin zu festigen. Ihr Handeln ist somit letztlich Verkündigung in die
konkrete Lage des Einzelnen. Diese evangelische Seelsorge, die uns im
NT bei Jesus und Paulus entgegentritt (siehe etwa Mk. 10, 17—22 und
Philemonbrief) ist entgegen der Intention Luthers in der Praxis der
evangelischen Kirche stark zurückgetreten. Als Folge hiervon ist eine
säkulare Seelsorge, die Psychotherapie, entstanden, die dem von ihr
behandelten Menschen jedoch keine letzte Hilfe zu geben vermag, da